Plagiator Nummer 5: Georgios Chatzimarkakis, FDP

Erstellte sogar der Grieche, der neulich “die Griechen als ‘dumm und korrupt’ bezeichnet”[1] hatte, eine Plagiats-Dissertation? “Jetzt fällt diese Aussage auf ihn selbst zurück”,[1] schreibt die Nürnberger Zeitung und freut sich, dass es diesmal keinen fränkischen CSU-Star erwischt hat, sondern den griechisch-rheinischen FDP-Politiker Georgios Chatzimarkakis, der wie Silvana Koch-Mehrin im Europäischen Parlament sitzt und wie sie im Jahr 2000 fälschlich “promoviert” wurde, wie sich nun zeigen dürfte.

Auf 21,58 % von Chatzimarkakis' Seiten fand VroniPlag bereits Plagiate, 15.05.2011

Auf 21,58 % von Chatzimarkakis Seiten fand VroniPlag bereits Plagiate, 15.05.2011

“Schatzi”, so kann man den Dr. phil. wohl aufgrund seiner Homepage chatzi.de nennen, hat eine politologische Arbeit mit dem Titel “Informationeller Globalismus. Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des Elektronischen Geschäftsverkehrs” (Download) eingereicht. Geschrieben wäre wohl zuviel gesagt, da VroniPlag bereits über ein Fünftel als mehr oder weniger aufwändig getarntes Plagiat identifiziert hat. Wer sich Schatzis Lebenslauf ansieht, kann leicht erkennen, dass er in der Zeit der “Erarbeitung” seines Doktortitels alles mögliche andere gemacht hat als im stillen Kämmerlein zu sitzen und über informationellen Globalismus zu brüten. Das World Wide Web hat er zwar ausweislich seines Literaturverzeichnisses (mit lächerlich naiven Angaben) genutzt. Aber dass es mal informationelle ordnungspolitische Kooperation sein würde, die ihn über seine eigene Hybris stolpern lässt, das hat Schatzi wohl nicht zu träumen gewagt.

Der alte Doktorvater und die SPD-Connection

Der viel in TV-Talksendungen zu sehende Chatzimarkakis[2] wurde von einem eingespielten Professoren-Team der altehrwürdigen Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zum Doktor gemacht: Der Wirtschaftswissenschaftler Detlev Karsten und der Politologe Uwe Holtz veranstalten seit vielen Jahren gemeinsame Seminare und nehmen gemeinsam Promotionsprüfungen ab, auch nachdem Chatzimarkakis’ Betreuer Karsten im Jahr 2001 emeritiert wurde. Karsten war also auch einer der alten Doktorväter, die bei den anderen Plagiatsfällen die Regel waren. Holtz hingegen ist selbst Ex-Politiker und Ex-Bundestagsabgeordneter, pikanterweise von der SPD. So kam es auch, dass die beiden Professoren wenige Wochen vor Chatzimarkakis’ Prüfung noch einen Ehrengast in ihrem gemeinsamen Seminar begrüßen durften: “Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul im Hauptseminar 2000″ heißt es in Holtz’ Fotogalerie stolz.

Wenn man die Regeln nicht einhalten kann …

Chatzimarkakis hat am 15.05. auf seiner Homepage eine Stellungnahme veröffentlicht, die er offenbar der Homepage von Kollege Pröfrock entnommen, umformuliert und ungekennzeichnet wiederverwendet hat. Die Uni Bonn und seine Prüfer seien informiert heißt es da. Das kann man ihm nicht übel nehmen, hatte Pröfrock seine Stellungnahme doch vom Meister selbst plagiiert.[3] Chatzimarkakis’ Eigenleistung ist die abstruse (absurde?) Idee, sich damit herausreden zu können, er habe unter anderem “Zitate im Fließtext, nicht eingerückt und ohne Anführungszeichen, ausgewiesen durch Fußnote”,[4] verwendet und darauf die Universität nochmal gesondert hingewiesen. Das ist ein wirklich hilfloser Versuch, die Systematik des eigenen Betrugs für gerechtfertigt zu erklären – nach dem Motto:

Meine Abhebungen führe ich unter anderem so aus: Ich stehe hinter jemandem am Geldautomaten und sehe zufällig seine Geheimzahl. Dann fällt demjenigen die Geldkarte aus der Brieftasche, und ich bessere mein Haushaltsgeld auf. Ist doch alles korrekt, oder?

Titelseiten von Chatzimarkakis Dissertation… muss man versuchen, sie zu ändern

Wenn es nur so wäre, wie er sagt! Doch nicht einmal mit viel gutem Willen hält diese Version privater Zitierregeln der Überprüfung an Chatzimarkakis’ Dissertation stand. Und das hätte er wissen müssen, als er seine Stellungnahme verfasst hat. Daher gebührt auch ihm das Etikett “Farce”. Doch damit nicht genug. Der Focus zählt süffisant Chatzimarkakis’ Nebentätigkeiten nach seiner Promotion auf:

“Der 45-jährige liberale Politiker hatte von 2002 bis 2008 einen Lehrauftrag im Fachbereich Informationswissenschaften an der Universität des Saarlandes. Seit Januar 2007 ist er nach Angaben seiner Homepage Gastdozent an der NRW-School of Governance in Duisburg. Im Europaparlament ist er ausgerechnet Mitglied im für das Thema Forschung zuständigen Ausschuss.”[5]

Was er da wohl gelehrt hat? Hoffentlich keine Zitierregeln. Vielleicht eher schmerzfreies Medienauftreten: Bei Anne Will verzog er gestern keine Miene, als er sich vom Alt-Intellektuellen Rolf Hochhuth zusammenstauchen lassen musste.[6] Spott über seinen Doktortitel wurde ihm in der Talkrunde aber erspart, zumindest in diesem Ausschnitt.

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12 Antworten zu “Plagiator Nummer 5: Georgios Chatzimarkakis, FDP

  1. Na ja,
    wenn immerhin hat er die Uni um Aufklärung gebeten. Man wird sehen, was die Kommission dann am Ende für ein Ergebnis präsentiert. Ob es für die Rettung der politischen Ämter reicht, scheint allerdings sehr fraglich.

    Gruß

    AMUNO

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  8. Schatzi gab doch gerne zum Besten, dass er ein Exemplar seiner Disseration seinem Großvater in den Sarg gelegt hat. Muss der Opa jetzt eigentlich exhumiert werden?

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