Es gärt bei VroniPlag – Chance für die FDP?

Ergeht es dem VroniPlag Wiki demnächst wie der FDP? Das kann man sich fragen, wenn man die öffentlich zugänglichen Innereien des derzeit heißesten Plagiatssuche-Wikis beobachtet. Wie die heutige FDP ist auch VroniPlag in mancher Hinsicht nur ein Schatten des großen Vorbildes – hier die Genscher-FDP, dort GuttenPlag.

Wie die FDP sieht sich auch VroniPlag stets Angriffen von außen ausgesetzt. Dabei ist ironischerweise gegenwärtig die FDP der große Aggressor gegen VroniPlag, VroniPlag der große Aggressor gegen die FDP: Von anonymen Denunzianten, mittelalterlichem Pranger, Unterstellungen und Verdächtigungen spricht man über die einen, machtgeile Blender, skrupellose Karrieristen und substanzlose Großsprecher hört man allenthalben über die anderen, selbst wenn sie nicht ihre Doktorarbeiten zusammenkopiert haben.

Streitigkeiten unter Plagiatsjägern

Die äußeren Bedrohungen haben freilich ihre Entsprechung in einer inneren Zerstrittenheit, die – in der FDP wohlbekannt – bei VroniPlag dieser Tage zum Ausdruck kommt. Ob es dabei tatsächlich nur um die Sachfragen geht, die zum Thema von Streitigkeiten werden, ist nicht leicht auszumachen. Wenn die Analogie von VroniPlag und der FDP so weit reicht, dann dürften es im Wiki wie in der Partei eher Machtpositionen, persönliche Eitelkeiten und taktische Allianzen sein, die hinter der Krisendynamik stecken.

Anlass, nicht Ursache, der Konflikte in VroniPlag ist Der-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf: Bijan Djir-Sarai, FDP, seit 21. Mai unter Plagiatsverdacht. Am 25. Mai hat VroniPlag eine Qualitätsoffensive gestartet, um weniger angreifbar zu sein. Dabei wurde der Arbeitsablauf modifiziert, um den gestiegenen Ansprüchen gerecht zu werden. Dieser neue “Workflow” führte jedoch zur Verlangsamung der Wiki-Prozesse, so dass VroniPlag auch zehn Tage nach dem ersten Fund noch nicht bereit war, auf seiner Startseite die Übereinstimmungen zwischen Djir-Sarais Dissertation über die “Ökologische Modernisierung der PVC-Branche in Deutschland” und älteren fremden Veröffentlichungen zu präsentieren, die nicht als Zitat ausgewiesen sind und auf VroniPlag inzwischen unter dem Kürzel “Bds” gelistet werden.[1]

Djir-Sarais Name darf auf VroniPlag gemäß einer internen Konvention nicht genannt werden, bevor nicht die Plagiatsfunde auf 10 Prozent der Seiten seiner Doktorarbeit mehrfach überprüft wurden. Derzeit liegt die Quote zwischen 0,56 und 5,55 Prozent,[2][3] in der Kategorie “zu prüfen” warten noch etwa 15 Prozent der Dissertationsseiten auf ein “Go”.[4]

Langsamer Plagiate finden, schneller aneinander geraten

Doch die Arbeit stockt.[5] Manche VroniPlagger sind unzufrieden mit den Verzögerungen. VroniPlag-Gründer “Goalgetter” muss sich einiges anhören: Sockenpuppenvorwürfe, Ungenauigkeiten und Kommunikationsprobleme, auch Kritik an seinen Bemühungen um die Visualisierung von Plagiatsfunden. “KayH” blafft ihn an:

“Soll ich das eigentlich noch ernst nehmen, was Du machst, oder soll ich einfach sagen, daß Du offensichtlich überhaupt nicht verstehst, wie dieses Wiki funktioniert?”[6]

Dabei postulierte die FAZ vor zwei Wochen noch die Einigkeit der wichtigsten Macher von VroniPlag – trotz aller Verschiedenheit, trotz aller Konflikte.[7]

Noch “wartet [er] geduldig auf die Aufnahme von Bds auf die Hauptseite”,[6] schreibt “Goalgetter”. Doch wenn nicht bald der erste “Barcode” erscheint, der die bisherigen Befunde der Plagiatssuche visualisiert und dabei die 10-Prozent-Marke knackt, dann könnten sich die Konflikte weiter zuspitzen. Am Montag sperrte “Klicken” sogar kurzfristig eine der Sockenpuppen von “Goalgetter”[8] mit der Begründung “Verstöße gegen Wikirichtlinien, Sockenpuppen, Löschen und De-Indizieren von Inhalten”.[9] Dass die Hauptfiguren sich gegenseitig abzusetzen versuchen kennt man sonst – genau – aus der FDP.

Wenn die Zeit drängt und die Dynamik zusammenbricht

Da der neueste Verdachtsfall von VroniPlag vor der Zeit öffentlich diskutiert wird, zu der sich das Wiki gemeinsam “bereit dazu” fühlt, ist es zu der absurden Situation gekommen, dass der mutmaßliche Täter/das mutmaßliche Opfer bereits erklärt: “Die gegen mich gerichteten Plagiatsvorwürfe weise ich zurück”,[10] noch bevor mehr als “Verdachtsmomente”[11] geäußert worden sind. Die Universität Köln werde die Arbeit überprüfen, heißt es bereits bevor VroniPlag die Uni informiert.[12] Das führt zu Irritationen, auch VroniPlag-intern. Wie öffentlich ist eigentlich das, was man da tut? Müssten erste Funde besser verschleiert werden – und geht das überhaupt auf Wiki-Basis? Wie steht es um den guten Ton in der Wiki-Kooperation? “Kreuzritter” schreibt:

“Was mich nicht nur irritiert, sondern auch frustriert, ist der Stil der Diskussion[, in der ...] ein Duktus des Dekretierens, des Ausgrenzens und personenbezogenen Attackierens [herrscht, der] ganz gewiss nicht zur Mitarbeit einlädt [... und zwar] unter gegenseitiger Hilfestellung einiger Leistungsträger dieses Wiki.”[13]

Solche Fragen betreffend gibt es in VroniPlag einigen Klärungsbedarf,[14] der auch von außenstehenden Beobachtern konstatiert wird,[15] andernorts aber auch gerne mal bestritten.[16] Brisant sind angesichts dieser Lage auch die Diskussionen über die Inhalte des VroniPlag-Pressespiegels, die unter so grundsätzlichen Überschriften wie “Warum?” oder “Was ist ein Pressespiegel?” stattfinden.[17]

Und damit schließt sich auch der Kreis zur FDP wieder. Dort muss man sich Fragen stellen wie “Warum?” oder “Was ist ein Zitat?”, aber auch wo man künftig qualifizierte Mitarbeiter hernehmen will. Das gilt ebenso für VroniPlag. Immerhin, solange die FDP in der Regierung ist, dürfte die 63 Jahre alte Partei noch eine gewisse Bedeutung genießen. Aber die Zahl ihrer ehemaligen Hoffnungsträger wächst ebenso rapide wie die Hoffnung schwindet, dass die Liberalen anders werden könnten als “so überflüssig wie ein Kropf”. VroniPlag hingegen muss sich zusammenraufen und mehr als nur den “Workflow” optimieren, um seine historische Chance zu nutzen, die FDP zu überleben.

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9 Antworten zu “Es gärt bei VroniPlag – Chance für die FDP?

  1. Ralf Boehnischen

    Naja, das ist schon etwas sehr gewagt FDP und Vroniplag über einen Kamm zu scheren.
    Die FDP als billiger Steigbügelhalter karrieregeiler, egoistischer Schaumschläger und auf der anderen Seite die Leute bei Vroniplag die ehrenamtlich und mit großem Engagement versuchen die Wissenschaft von Schmarotzern zu befreien und damit wahrscheinlich nicht nur Wissenschaftsgeschichte schreiben.
    Klar haben die unterschiedlichen Charaktere bei Vroniplag unterschiedliche Beweggründe dieses Engagement zu erbringen. Vielleicht sind dort Terroristen und Nasenpopler am Werk. Unter dem Strich kommt ihre Arbeit aber im hohen Maße der Allgemeinheit zu Gute. Das Ergebnis!! der Arbeit von Vroniplag ist wertvoll, der Versuch keinen Namen zu veröffentlichen bevor man sich nicht sicher ist in den Vorwürfen ist in meinen Augen ein gelebter hoher moralischer Wert. Ebenso sichert dieser hohe eigene Qualitätsanspruch von Vroniplag deren größtes Kapital – Glaubwürdigkeit!
    Die kritische Begleitung Vroniplags durch Erbloggtes finde ich gut – solange sie konstruktiv bleibt!

  2. Vielen Dank für den Beitrag!

    Die Vergleichshinsicht ist entscheidend. Hier ging es um interne Querelen, Sach- und Personalstreitigkeiten. Dass sowas existenzbedrohende Ausmaße annehmen kann, sieht man ja an der FDP.

    Der Wert der Absichten und Ergebnisse beider “Parteien” ist als Vergleichsmaßstab nicht so gut geeignet, da der Wert höchst unterschiedlich beurteilt wird und dem politischen Meinungsstreit unterworfen ist.

  3. Ralf Boehnischen

    Die FDP kann keine Existenzkrise wegen Sach- und Personalstreitigkeiten sondern wegen politischer Substanzlosigkeit und – Beliebigkeit. Das kann man Vroniplag wohl nicht unterstellen. Daher hinkt der Vergleich hier doch gewaltig.

    Der gesellschaftliche Wert der Aufdeckung von betrügerischen Dissertationen befindet sich, soweit ich das beurteilen kann, nicht in einem kontroversen politischen Diskurs. Der Wohlstand unserer Gesellschaft begründet sich in einem erheblichen Maße auf der Seriösität der Wissenschaft. Diese in Frage zu stellen indem man erschlichene Dissertationen gutheißt würde sich kein geistig gesunder, halbwegs intelligenter und ernsthafter Politiker/Mensch in diesem Land erlauben. Tut er es doch, so gibt er sich der Lächerlichkeit preis und ist schlichtweg nicht ernst zu nehmen.
    Ich hoffe doch sehr, dass das nicht Ihre Intention bei diesem Blog ist!?

  4. Politische Substanzlosigkeit und Beliebigkeit ist nur ein Problem für Parteien, nicht für Plagiatswikis. Zumindest betonen die immer, sie seien politisch substanzlos und beliebig. Auf VroniPlag stand das bis gestern immer wieder auf der Hauptseite.[1] Andererseits würden FDP-Anhänger wohl bestreiten, dass ihre Probleme Substanzlosigkeit und Beliebigkeit sind und zur innerparteilichen Einigkeit auffordern. Aber FDP-Anhänger gibt es ja auch nicht mehr so viele.

    Was den gesellschaftlichen Wert der Aufdeckung von betrügerischen Dissertationen angeht, das kommt ganz darauf an, wie Sie “Diskurs” definieren: Der Diskurs, in dem 587.484 Leute sagen, sie “wollen Guttenberg zurück” und 378.397 Accounts sich “Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg” aussprechen, in dem Diskurs dürften viele Teilnehmer den Wert der Aufdeckung von betrügerischen Dissertationen äußerst gering einschätzen.

    Wen soll dieses Blog der Lächerlichkeit preisgeben?

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  6. Pingback: Silvana Koch-Mehrin, „das liberale Luder“ und der „Karikaturenstreit“ | Erbloggtes

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