Weltgeschichten in Gedichten (4)

Er dichtete schon lange, der Günter Grass. Vorher war er Bildhauer und Türsteher. Mal war er bei der Waffen-SS, stets war er unerbittlicher Gegner des Springer-Konzerns. Für ersteres hat er – nach Jahrzehnten des Schweigens – Rechtfertigungsgründe angeführt, für letzteres nie. Er kann also kein böser Mensch sein. Daher sei ihm diese düstere Lyrik gewidmet:

Was noch gesagt werden muss

Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Den Weltfrieden gefährden Atommächte,
ob mit Atomwaffensperrvertrag,
China, Frankreich, Russland,
das Vereinigte Königreich
und die Vereinigten Staaten,
oder ob ohne.

Indien, Nordkorea, Pakistan,
und Geheimatommächte wie Israel,
und Möchtegernmächte wie Syrien, Iran
und andere haben – oder wollen -
die besten Waffen, die es gibt.
Nur sind die besten Waffen
die schlimmsten.

Wer gefährdet denn noch
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Den Weltfrieden gefährden Staaten mit Armeen,
Staaten mit Söldnern und auch
Unternehmen und Menschen, die
Privatarmeen und Söldnerheere sich halten.
Den Weltfrieden gefährdet Gewalt.

Der Leviathan soll die Gewalt verhindern,
mit ultimativer Macht.
Sind die schlimmsten Waffen
doch die besten?
In Planspielen sind wir am Ende
Fußnoten als Überlebende.
In Wirklichkeit sind wir
dann alle tot.

Die Sorge verlachen
heißt “Weiter so!” rufen
und losmarschiern.
Dem Dichter erklärt sich der Krieg leicht.
Drum auf ins Gefecht!

Erbloggtes 2012


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3 Antworten zu “Weltgeschichten in Gedichten (4)

  1. Klar kann Günter Grass ein “böser Mensch” sein. Ob er es tatsächlich ist, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall ist sein “Gedicht” schrecklich und voller sachlicher Fehler, während Ihr Gedicht unterstellt, dass Pazifismus tatsächlich Gewalt verhindert im Gegensatz zu Abschreckung mit ganz schrecklichen Waffen.

  2. Zahlreiche andere Gedichte erblickten, ebenfalls von Grass provoziert, kürzlich das Licht der Online-Welt. Hier eine Zusammenstellung:
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/corso/1727218/
    http://wirtschaftsphilosoph.wordpress.com/2012/04/05/grass-gedicht/
    http://www.jewdyssee.com/2012/04/04/da-wachst-grass-nicht-druber-muss-auch-mal-gesagt-werden/ (Kommentar 04)
    http://pastebin.com/rZ3ivMEK (anderes Thema, interessante Umsetzung)
    http://blogs.taz.de/wortistik/2012/04/08/zerfreundet/comment-page-1/#comment-87287
    Außerdem gab es noch ein sagenhaft schlechtes Gedicht von Leon de Winter, gegen das Grass’ Poesie wie Ambrosia schmeckte.

  3. Pingback: Rassismusbedingung: Rassismusleugnung | Erbloggtes

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