Über Kommunismus

Erstaunt es, der Feuilletonist und Filmkritiker Georg Seeßlen ist ein Kommunist, oder auch nicht?

“Wenn ein Kommunist ist, wer es nicht mag, dass Menschen ausgebeutet, entrechtet, vernachlässigt oder unterdrückt werden, und wenn ein Kommunist ist, wer dafür weder die Natur noch das Wesen des Menschen verantwortlich macht, sondern konkrete Verhältnisse, in denen Profit und Macht auf eine spezielle, extrem ungerechte Weise verteilt werden, dann bin ich eben ein Kommunist.”

Aber Wortbedeutungen bedeuten Weltdeutungen:

“Wenn Kommunismus bedeutet, einer Partei anzugehören, die behauptet, immer recht zu haben, wenn es bedeutet, sich einer großen Idee zu unterwerfen, die sich als wissenschaftliche Weltanschauung sieht und ansonsten keinen Spaß versteht, wenn es bedeutet, die Geschäfte ausgerechnet in die Hände einer Staatsbürokratie mit Polizei, Geheimdienst und despotischen Vorsitzenden zu legen, und wenn es bedeutet, dass dieser Staat seinen Bürgern im Austausch für eine Grundversorgung die persönliche Freiheit nimmt – nö, dann will ich lieber kein Kommunist sein.”

Seeßlen schwankt, ober er stolz sein soll, vom Mainstream als Kommunist beschimpft zu werden, oder ob er nach neuen Begriffen für das suchen sollte, was er ist. Nachzulesen in:

Dass auch neue Namen immer alte Gewänder auftragen, werden die Piraten spätestens dann wissen, wenn am selben Tag die folgenden Schlagzeilen einträchtig beeinander stehen:

“Rechtsradikale Äußerungen: Piraten wegen Nazi-Umtrieben unter Beschuss‎”, “Grünen-Chef Özdemir rückt Piraten in die Nähe der Linkspartei”, “Bundeswehr soll Piraten auch am Strand jagen”, “Zentralrat der Juden warnt Piraten vor rechten Einstellungen‎”, “Anti-Piraten-Kampf: Opposition attackiert Bundesregierung‎”, “Piraten weiter zweistellig‎”, “Grüne wollen Piraten in NRW stoppen‎”, “Auch Piraten brauchen ein Programm‎” und “Piraten-Prozess: Kein Ende in Sicht‎”.

Das war übrigens heute. Etwas älter ist die Einsicht:

“Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden. Und wenn sie eben damit beschäftigt scheinen, sich und die Dinge umzuwälzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparole, Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neuen Weltgeschichtsszene aufzuführen.”[1]

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