Archiv der Kategorie: Erträumtes

Die Angst, die Opfer und die Täter

Erarbeitetes ist die zentrale Ware, von deren Verkauf Arbeitskraftbesitzer leben. Wer nichts als die eigene Arbeitskraft besitzt, ist ein Arbeiter. Infolge der Digitalisierung setzen die Produkte geistiger Arbeit fast keinen Verbrauch von Rohstoffen mehr voraus. Der Wert des Produkts ergibt sich zu einem immer größer gewordenen Anteil aus dem Arbeitslohn. Das sind die 99 Prozent. Das bedroht die gesellschaftliche Funktion jener, die bisher ihr Eigentum in den Produktionsprozess investierten, um damit Anteile fremder Arbeitskraft zu erwerben und in der Wertschöpfung einen Anteil für unternehmerischen Gewinn zu etablieren. Wer sich eine Beteiligung an den Erträgen fremder Arbeitskraft sichert, ist ein Eigentümer.

Die Kämpfe des 21. Jahrhunderts sind Kämpfe um den Wert geistiger Arbeit. Weiterlesen

Dickhuth – oder der wunderbare Plagiatsdiskurs

Erforschtes und praktiziertes Doping an den sportmedizinischen Einrichtungen deutscher Universitäten gehört zum Bühnenbild eines Plagiatsfalles, der nun seinen vorläufigen Abschluss gefunden hat und lehrt: Nicht nur Doktorgrade können aberkannt werden, sondern auch Habilitationen. Der 2012 emeritierte Sportmediziner Hans-Hermann Dickhuth verliert auf Beschluss des Habilitationsausschusses der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg mit seiner Habilitation wohl auch die Emeriti üblicherweise zugestandene Möglichkeit, an ihrer Universität weiter wissenschaftlich zu arbeiten Weiterlesen

Putsch an der Ludwig-Maximilians-Universität München? Neue Regierungsform “Jubeldemokratie”

Er stärkte Schavan den Rücken, der Senat der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), als er am 23. September, dem Montag nach der Bundestagswahl, “einstimmig bestätigt”[1] hat, dass Annette Schavan als externes Mitglied in den Hochschulrat der LMU, eines der wichtigsten Entscheidungsgremien dort, aufgenommen wird – oder doch nicht? So war es jedenfalls bald darauf in einigen Internetblogs zu lesen.[2][3] Und in der Qualitätspresse dauerte es nur eine Woche, bis für die Süddeutsche Sebastian Krass titelte Weiterlesen

Robert Schmidt enttarnt: Erkenntnis verhindert

Ergibt es schon einen hinreichenden Verdacht, um groß in einer kleinen Zeitung ein Pseudonym zu “enttarnen”, wenn man jemanden gefunden hat, dessen Initialen so lauten wie die des Pseudonyms? Manuel Bewarder, plagiatskundiger Welt-Journalist (wenn pseudonym, dann wahrscheinlich erfunden vom Marburger Bund, von der Moslem-Bruderschaft oder von den Marxistischen Blättern), hat diese Frage letztlich mit “ja” beantwortet und in seinem aktuellen Stück “Viele Indizien, kein Beweis” aller Welt eine Geschichte über die erste Frage eines früheren Blogartikels aufgetischt:

Die zweite Frage allerdings ist weiterhin offen. Weiterlesen

Weltgeschichten in Gedichten (8)

Erinnerte schon früher jederman an die unbedingte Ausübung des Wahlrechts? Oder handelte es sich dabei um ein neues Phänomen, das mit der Verbreitung sozialer Medien aufgekommen war? Abseits stehen mag man da auch nicht, aber für Hoffnung gibt es ebensowenig Anlass. Eher für Trostlosigkeit und Untergangsstimmung:

Herbstwahl

Den Menschen kriecht die Kälte ins Gebein,
und von den Bäumen fallen bunte Blätter. Weiterlesen

Verschwörung der Kinderschänder

Erscheint es als paradox oder paradigmatisch, dass die Pädophilie-Debatte der Grünen zum vielleicht wichtigsten Wahlkampfthema der CDU in der letzten Woche vor der Bundestagswahl hochgekocht wurde? Paradigmatisch findet es wohl Wolfgang Michal, der schon Mitte August als “die aggressive Kampagne zugunsten der Regierungskoalition – aus Mangel an schwarzgelben Inhalten – ein lupenreines negative campaigning gegen Rot-Grün” identifizierte.[1] Speziell die antigrüne Stimmung der letzten Vor-Wahl-Woche könnte die Partei einen wesentlichen Teil jener Prozente kosten, mit denen sie seit 2009 in grüne Höhenflüge und einen Ministerpräsidentensessel aufgestiegen war. Weiterlesen

Aquitanische Konversationen: Das Sommerinterview

Erlernte Seriosität oder angeborene Noblesse? Wer vermöchte zu beantworten, was Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach so wahrhaftig und freigiebig seine Lebenserfahrung – die nicht immer zu den erfreulichsten zählte – mit einer nach Glamour haschenden Öffentlichkeit zu teilen bewegt – aufs Neue, muss man heute sagen, denn hier ist das große Eichenbachsche Bekenntnisinterview zu präsentieren, auf das die Gazetten landauf, landab seit Wochen sehnsüchtig warten. Es heißt nicht zuviel verraten, wenn man erklärt, dass die Zeitungskrise damit ihren langgesuchten Ausweg gefunden haben dürfte. Weiterlesen

Syrien: Propaganda, Obszönitäten, Blogs und Moral

Erträgliches konnte man in der Syrien-Berichterstattung ohnehin kaum finden. Doch was Almasala an dreister Propaganda in Die Welt auffindet, muss durch seine Artikelkritik zuerst dekontaminiert werden, bevor man sich ihm aussetzen kann. In einem weiteren Artikel zum Thema Syrien gelangt Almasala zu der Prognose, gemäß ihren geostrategischen Interessen müssten die USA dafür “sorgen, dass in diesem Bürgerkrieg niemand die Oberhand gewinnt. Das lässt sich so allerdings schlecht der Bevölkerung erklären.” Der Fortgang in Syrien wird zeigen, was an dieser erschreckenden These dran ist. Weiterlesen

Dr. Annette Schavan: Kandidatin für Ministerposten

Erörterte Schavan-Äußerungen lassen sich besser in einen realitätsbezogenen Kontext einordnen als Selbststilisierungen, wie sie für Interviews typisch sind. Daher erfolgt hier die Kommentierung eines Interviews, das Annette Schavan der Schwäbischen Zeitung (14. August 2013) gegeben hat, gefolgt von einigen Überlegungen zu Schavans Politikstil und Zukunftsaussichten. In dem Interview, das sie auf ihrer eigenen Homepage – dem Leistungsschutzrecht zum Hohn – vollständig wiedergibt (alle Zitate daraus), wird sie “als mögliche Nachfolgerin von Dirk Niebel gehandelt”. Auch konstatiert der Chefredakteur, dass Schavans Schamfrist beendet sei: “Jetzt ist sie wieder ganz die Alte.” Wie passend, dass es andernorts bereits als heißes Gerücht gilt, dass Niebel nur noch Schavans Stuhl für einen künftigen schwarz-gelben Kabinettstisch vorwärmt. Weiterlesen

Pressefreiheit? Not on my watch!

Erinnert es noch ein kleines bisschen an eine deutsche Affäre, so erscheint diese angesichts gegenwärtiger Vorkommnisse doch als Provinzposse: In Deutschland ruft der Bundespräsident den Chefredakteur einer blöden Zeitung an und empört sich, sie sollten endlich sein Haus, seine Frau und seinen Kredit in Ruhe lassen. In England sieht das heute etwas anders aus. Der Chefredakteur des britischen The Guardian berichtet über die Bedrängung seines Blattes durch die Regierung:

Here follows a little background on the considerable obstacles being placed in the way of informing the public about what the intelligence agencies, governments and corporations are up to Weiterlesen