Sind Sport-Funktionäre bestechlich?

Erhaltenes Geld – selbst für den Bau von Fußballplätzen oder Fußballschulen – als Anregung zur Abstimmung über WM-Austragungsorte ist Bestechungsgeld.[1] Von anderen direkt oder indirekt geldwerten Vorteilen der Funktionäre gar nicht zu reden. Man könnte auch fragen: Ist der Ball rund?

Er musste in diesem Zusammenhang erwähnen, dass das IOC (ja, die andere globale Sport-Milliarden-Gesellschaft) insgesamt geldwerte Vorteile „einwirbt“ und dies zur Bedingung für eine Olympia-Vergabe macht:

„Wir, die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Bayern, die Landeshauptstadt München, der Markt Garmisch-Partenkirchen, der Landkreis Berchtesgadener Land und der Deutsche Olympische Sport Bund (DOSB) sowie die Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH geben gemeinsam folgende Garantien ab:“[2]

Wir übernehmen alle Kosten (Reise-/Bau-/Sicherheits-/Medizinkosten und viele andere), verzichten auf alle möglichen Einnahmen (Einkommenssteuererlass, Gewerbe- und Umsatzsteuern usw.), räumen dem IOC alle gewünschten Privilegien ein und beugen die Rechtsordnung gemäß seiner Vorstellungen (grobe Zusammenfassung der 47 hier teilweise wiedergegebenen Garantien).

Nur müde zu belächeln sind angesichts der systematischen Vorteilsnahme von Sportfunktionären die Ankündigungen der FIFA, die Bestechungsvorwürfe aufzuklären, meint auch Sportjournalist Thomas Kistner: „Die FIFA ist die ungeeignetste Institution um Aufklärung zu betreiben“. In: Deutschlandfunk, 17. Oktober 2010.

Sport ist die erfolgreichste Ideologie des 20. Jahrhunderts.

Faschismus und Kommunismus haben sich vor dem Sport gebeugt, und der Sport hat sie überdauert. Mit dem Marktliberalismus ist der Sport verbündet, genießt aber höheres Ansehen und unterwirft sich nicht dessen Regeln. Symbolfigur all dessen ist Juan Antonio Samaranch, seinerzeit Welt-Sport-Chef als IOC-Präsident, Faschist als Franco-Funktionär, Kommunist als KGB-Agent, Marktliberalist als Bankier und Olympia-Kommerzialisierer. Seine Funktionäre profitieren vom Sport wie einst die Funktionäre von Faschismus und Kommunismus, auch heute noch die Funktionäre des Marktliberalismus.

Wie lange wird das 21. Jahrhundert diese Sport-Ideologie ertragen? Immerhin scheint Sport weiter gesellschaftliche Bedürfnisse zu erfüllen, auch nachdem Volksgesundheit und Wehrertüchtigung nicht mehr auf der Tagesordnung stehen. Heute bringt der Spitzensport immer noch nationale Helden hervor – vielleicht die letzten ihrer Art -, obwohl das systematische Doping ihren Status (und ihr Leben) bedroht. Breitensport gilt als Gesundbrunnen in einer bewegungsarmen Informationsgesellschaft – das ist womöglich der Fahrschein des Sports als eines notwendig falschen Bewusstseins durch das gesamte 21. Jahrhundert hindurch.

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