Adbusting ad its bust

Erschreckendes Zeugnis der bunten Werbe-Bilderwelt ist die Persiflage eines ALDI-Prospektes, die die Christliche Initiative Romero (CIR) erstellt hat. Darin weist sie auf die Kosten hin, die bei der Produktion und beim Verkauf der Diskount-Produkte entstehen: Arbeits- und Lebensbedingungen, Löhne und Gesundheit in den Produktionsländern, Arbeitsrecht und gewerkschaftliche Organisation in den Verkaufsländern.

Gemäß ihrer Orientierung an der prekären mittelamerikanischen Lebenswelt und den katholischen Konzeptionen zu deren Änderung versteigt sich die CIR jedoch – neben der berechtigten Kritik und den berechtigten Forderungen – zu einäugigen sozioökonomischen Analysen wie:

„Niedrigpreise und menschenwürdige Arbeitsbedingungen stehen im Widerspruch!“

Ganz im Gegensatz dazu werden auch hochpreisige Produkte zu menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen produziert – darauf weist klassisches Adbusting zu Markenprodukten seit Jahren hin. Teilweise sind die Produktionsstätten – und die Produkte – von Aldi und Markenkonzernen, abgesehen von Details wie Emblemen, identisch. Daher ist es falsch, auf Niedrigpreise abzuheben und die Aldi-Niedrigpreise den Eine-Welt-Hochpreisen entgegenzustellen.

Mit dem Kampf gegen Niedrigpreise werden jedoch Armut in zuliefernden Ländern und Armut in den Verkaufsländern (also z.B. in Deutschland) gegeneinander ausgespielt: Nahrung und Kleidung, die für in Deutschland an viele Menschen gezahlte Dumpinglöhne erschwinglich sind, abzuschaffen, wie CIR impliziert, würde die Lebensbedingungen von Armen in Deutschland massiv verschlechtern. Diese soziale Legitimität von Diskountpreisen versucht CIR mit der Aussage anzugreifen:

„Auf Schnäppchenjagd bei Aldi gehen nicht nur Menschen mit schmalem Geldbeutel.“

Zu berücksichtigen sind bei Umverteilungen aus Gerechtigkeitsgründen jedoch gerade die sozial Schlechtestgestellten. Und inner(national)gesellschaftlich, also von deutscher Politik und deutschen Gewerkschaften, deutschen Protestbewegungen beeinflussbar, sind die Armen in Deutschland die Schlechtestgestellten, die durch die Abschaffung von Diskountpreisen am meisten belastet würden.

Aldi zur Verbesserung der Bedingungen seiner Zulieferer aufzufordern ist richtig! Aldi zur Abschaffung von Niedrigpreisen auffordern ist jedoch falsch. Die Chance, die mit Diskountern wie Aldi und seinen Konkurrenten ergriffen werden muss, ist es, die Bedingungen in den Herstellungsländern zu beachten und dafür kleine bis moderate Preiserhöhungen für einen Massenmarkt – den die Diskounter bieten – brauchbar zu machen.

Denn das ist der Unterschied zwischen dem Eine-Welt-Laden und er Aldi-Filiale nebenan: Im Eine-Welt-Laden kaufen nur kleine Gesellschaftskreise – Eliten – ein. Wichtig ist aber, massenhaft ökonomisch rationell organisierte Produkte anzubieten und trotzdem dabei Menschenrechte und Ökologie zu beachten.

via [1]

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