Lobbymittel schmecken gut

Erbrochenes dürfte eines der milderen Ergebnisse sein, das aus der Tätigkeit der European Food Safety Authority (EFSA), deutsch Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EBL), hervorgehen kann. Die Lebensmittelwächter, die die unter anderem Grenzwerte für Schadstoffe festlegen, wurden und werden nämlich teilweise von den Konzernen der Lebensmittelindustrie bezahlt, berichtete gerade der MDR.

Ob Gammelfleisch, BSE, Zusatzstoffe oder Genmanipulation, für die Lebensmittelindustrie ist es von essentieller Bedeutung, dass die EU-Regelungen ihnen nicht die Last aufbürden, für gesunde Nahrungsmittel zu sorgen. Sie haben schon genug damit zu tun, dass ihre Nahrungsmittel sich gut verkaufen.

Der aktuelle Fall (nicht weiterlesen, wenn man anfällig für nervöse Symptomatik im Lebensmittelbereich ist!) behandelt die Lebensmittelverpackung: Bisphenol A, Ausgangsmaterial bei der Produktion zahlreicher Kunststoffe, kann sich aus Plastikverpackungen lösen, z.B. unter Wärmeeinfluss, und dürfte in hinreichender Konzentration der Wirkung des Hormons Östrogen nahekommen. Wenn Fleisch in Plastik verpackt ist, muss man sich dann keine Sorgen mehr machen, dass die Tiere mit Hilfe von Hormonpräparaten gemästet worden sein könnten. Bisphenol A übertrifft dann die Hormonwirkung und steht im Verdacht, für folgende Schäden verantwortlich zu sein:

Erbgutschäden, Sexualentwicklung, Gehirnentwicklung, Diabetes, Herz-Kreislaufprobleme, Fettleibigkeit, Impotenz und Libidomangel. Zivilisatorische Fettleibigkeit könnte vor diesem Hintergrund nicht einfach auf unbeherrschte Fressorgien und die Kalorienmengen in McDoof-Produkten zurückzuführen sein, sondern auf Giftstoffe im Verpackungsmaterial.[1] Für Nahrungsmittelhersteller entsteht natürlich ein großartiger Kreislauf, wenn die Lebensmittelverpackung nicht nur Werbeträger mit vielen bunten Bildchen, zuweilen auch gesunden, fröhlichen Menschen ist, sondern zugleich chemisch-hormoneller Appetitanreger, der sicherstellt, dass die nächste Verpackung garantiert auch geöffnet wird.

Die eigentliche Gefahr, die in diesem Skandal offenbar wird, ist aber nicht so konkret wie Gift im Essen oder Korruption in der Politik. Die eigentliche Gefahr ist die Steuerung von Wissenschaften durch die Interessen von Wirtschaftsverbänden oder anderen kleinen gesellschaftlichen Gruppen. Insbesondere die Naturwissenschaften, in denen „objektives Wissen“ angestrebt ist und Pluralität ein Problem darstellt, weil man sich an pluralen, widersprüchlichen Meinungen nicht bei technischen Entscheidungen wie Grenzwertfestlegungen orientieren kann, werden durch diese Interessenbindung zu Machtwerkzeugen ihrer Sponsoren. „Drittmittel“, lange das Zauberwort des Wissenschaftswandels, zeigen sich dabei als Judaslohn der Wissenschaft, nur dass die Wissenschaft mehr als 30 Silberlinge für ihren Verrat an Gesellschaft und Demokratie erhält.

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Eine Antwort zu “Lobbymittel schmecken gut

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