Terror/Angst

Erschienenes pünktlich zum „Tag des Terrorismus in Deutschland“ ist die Homepage WirHabenKeineAngst.de! Am 22. November startete sie, nachdem an den Vortagen eine Bombenkoffer-Attrappe und eine Innenministerkonferenz-Attrappe Angst und Schrecken verbreitet hatten:

„Als Einreisedatum für Terroristen oder auch als Anschlagsdatum in Deutschland wird in Sicherheitskreisen der Montag, 22. November 2010, genannt. Thomas de Maizière will in einem ZDF-Interview das konkrete Datum nicht bestätigen, bleibt jedoch bei der Aussage, dass er für Ende November einen Anschlag in Deutschland erwartet.“ (Meldung vom 18. November)[1]

Der Journalist Mario Sixtus hatte WirHabenKeineAngst.de ins Leben gerufen, wo sich jeder daran beteiligen kann, zu erklären warum er keine Angst hat – oder eben doch.[2][3]

Woher die Angst kommt? Zum Beispiel aus der „Abendschau“, dem Regionalmagazin des Bayerischen Rundfunks, 18 Uhr bis 18:45 Uhr. Wenn, wie gestern, in den ersten fünfzehn Minuten nur Beiträge ausgestrahlt werden, in denen das Wort Angst vorkommt, und die mit dem Wort Angst anmoderiert werden, dann hat der Zuschauer nur noch die Wahl zwischen German Angst und Abschalten.

Erbloggtes hat zu WirHabenKeineAngst.de mit einer Säkularbetrachtung beigetragen, die dem in wenigen Wochen bevorstehenden 100. Jahrestag der Veröffentlichung von Jakob van Hoddis‘ berühmtestem Gedicht Weltende gedachte. Van Hoddis beschrieb die Untergangsstimmung seiner Zeit mit einer ironischen Distanz, die auch dem Beobachter der Gegenwart angeraten ist. Als Reminiszenz an Weltende ist auch Erbloggtes‘ Gedicht Weltwende zu lesen, das auf den Terror der bedrohlich erscheinenden Tagesereignisse jenseits des Terrorismus verweist. Auch der angeblich anarchokommunistische Aufstand, der in Frankreich sein Epizentrum habe, ist ein Untergangsszenario, das Ängste wecken kann. Doch auch der Aufstand bleibt aus.

Die inzwischen weit über hundert Beiträge auf WirHabenKeineAngst.de bilden eine wertvolle Gegenöffentlichkeit gegen die Öffentlichkeit der Terrorwarnungen und Bedrohungsszenarien (Bomben auf dem Weihnachtsmarkt?): Dort schreiben Menschen, die keine Angst haben, die sich über ihre Angst ärgern, die sich über die Angstmacher ärgern. So schreibt auch Ranga Yogeshwar in der taz: Der Terror ist da, das Müsli ist alle.

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