Wikileaks über Assange beschädigen

Gegen Julian Assange liegt ein internationaler Haftbefehl vor – allerdings nicht, wie zu erwarten wäre, wegen Landes- oder Geheimnisverrats, sondern wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung. „Die Zeit“ untermalte das am 18. November mit einem eindrucksvollen Vergewaltigerfoto.[1] „Assange wies alle Vorwürfe zurück und bezeichnete sie als Teil eines vom US-Verteidigungsministerium gesteuerten Komplotts gegen ihn.“[1] Diese Aussage ist so naheliegend, dass Assange sie gar nicht hätte zu machen brauchen.

Ecuador erklärte sich nach Veröffentlichung der US-Diplomatenberichte bereit, Assange Asyl zu gewähren: „Wir sind bereit, ihm ein Aufenthaltsrecht in Ecuador anzubieten, ohne Probleme und ohne Bedingungen“,[2] wird der Vize-Außenminister Kintto Lucas zitiert.

Dabei waren die jüngsten Wikileaks-Veröffentlichungen noch als „für Deutschland […] völlig bedeutungslos“ und „Scheinaufregung“ bewertet worden.[3] Auch an der Umorientierung „Gedacht gegen Unrechtsregime, Erfolg gegen die USA“  weil „nach den Großenthüllungen die meisten Spendengelder fließen“, wurde kritisiert.[4]

Bereits im August hatte „Der Spiegel“ unter Berufung auf die schwedische Staatsanwaltschaft gemeldet: „Falsche Vergewaltigungsvorwürfe. Haftbefehl gegen WikiLeaks-Chef aufgehoben.“

Gedacht gegen Unrechtsregime, Erfolg gegen die USA
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8 Antworten zu “Wikileaks über Assange beschädigen

  1. Und wenn Assange öffentlich den Rücktritt Hillary Clintons wegen Spionage-Aufforderungen an US-Diplomaten fordert, dann fahndet auch Interpol nach ihm.[1]

  2. Nun ist es auch recht billig geworden, Assange als eine der „dunklen Mächte“ zu bezeichnen.[1] Durch die Identifizierung von Assange und Wikileaks ist dann natürlich Wikileaks das Werkzeug des Bösen, Al Kaida des Internets – offenbar nicht nur für republikanische Kongressabgeornete, sondern auch für deutsche Journalisten. Noch dazu ist Assange ein „Gutmensch“, mit einem Begriff, von dessen Verwendung der Deutsche Journalisten-Verband abgeraten hat, da er vom Nazi-Hetzblatt „Der Stürmer“ erfunden worden sei.[2]

  3. Zum Thema des eindrucksvollen Vergewaltigerfotos machte „Ad Sinistram“ mehrere Bildanalysen zu Assange an Beispielen aus Spiegel Online und Bild.de, um zu zeigen, wie Assange „auf den ersten Blick“ zum Verbrecher gestempelt wird.[1] Schade, dass das Zeit-Online-Foto dabei nicht interpretiert wird.

  4. Pingback: Kant-und-Wikileaks-Konjunktur | Erbloggtes

  5. Aufrechten Journalismus muss man womöglich lange suchen, wenn man nicht gleich in radikal linksliberale Blätter wie die tageszeitung und der Freitag schaut. Dessen Herausgeber Jakob Augstein beklagte inzwischen die freiwillig aufgegebene Unabhängigkeit der Medien: „Einfacher wird es für uns alle nicht werden.“[1]

  6. Aber die USA sind – anders als es zunächst den Anschein hatte – gespalten in der Frage, ob die USA einen staatlichen Mordanschlag auf Assange verüben sollten.[1]

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  8. Pingback: Die Jäger müssen das Wild stellen: Anonymität im Plagiatswiki | Erbloggtes

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