Filme des Jahres 2010

Erzähltes von der Kinoleinwand lässt sich 2010 recht gut in Schubladen packen. Erstaunt es, dass dabei die verschiedenen Filmtypen (oder Stereotypen) bereits starke Vorannahmen über die Qualitätsbeurteilung erlauben, zumindest im humoristischen Sektor?

Kategorie: Komödie

  1. Außenseiterkomödien über Jugendliche haben zeitkritisch und lebensnah Fragen aufgegriffen, die jeden beschäftigen sollten:
    1. Einfach zu haben ist die beste Teenie-Komödie des Jahres, und zugleich ein Paradebeispiel für den Typus des Außenseiter-Films, der seine Figuren mit so menschlichen Zügen zeichnet, dass sich jeder wünschen muss, selbst ein Außenseiter zu sein. Einfach zu haben ist ihrer neuen Selbststilisierung als Flittchen gemäß die zuvor unauffällige Schülerin Olive (Emma Stone), die damit die Mechanismen von In & Out, Gerücht & Wahrheit, Geschäft & Gefühl demonstriert. In einer Nebenrolle der sehr talentierte Dan Byrd.
    2. Kick-Ass ist eine Superheldensatire voller gebrochener Gestalten. Die Super-Power des Titelhelden sind seine Unempfindlichkeit gegen Schmerzen und die Metallimplantate, die ihm die Fähigkeit verleihen, Prügel einzustecken. Hit-Girl hingegen ist so gewaltgestört, dass sie die Schmerzen anderer nicht spürt. Diese Voraussetzungen lassen den Film über die Gewalt-Konventionen Hollywoods „schlagen“, auch entspricht er nur dort den Seh-Erwartungen, wo er sie boshaft persifliert.
    3. Jay BaruchelZu scharf um wahr zu sein ist vielleicht nicht die innovativste Außenseiter-Komödie, macht aber Hauptdarsteller Jay Baruchel zu einem der erfolgreichsten (und lustigsten) Schauspieler des Jahres. Er spielt den Looser Kirk, „eine Fünf“, der sich in die schöne und erfolgreiche Molly, „eine Zehn“, verliebt. Baruchel mimt (wie immer) überzeugend den herzensguten Nerd, der am Ende das Mädchen bekommt.
    4. Steve CarellDinner für Spinner punktet mit dem komödiantischen Talent des Hauptdarstellers Steve Carell, der in ebenfalls drei Filmen in diesem Jahr die erwachsene und etwas gesetztere Version von Jay Baruchels liebenswerten Figuren verkörpert. Ansonsten ist der Film zynischer, etwas platter und mit mehr Situationskomik aufgefüllt als die zuvor genannten.
    5. Kindsköpfe ist eine Komödie mit Starbesetzung, die gedreht wurde, „damit die seit 20 Jahren befreundeten Hauptdarsteller zusammen abhängen“[1] können. Etwas ermüdend kämpfen die erfahrenen Comedians mit ihrer verlorenen Jugend und der ihrer Figuren.
  2. Mit Animationsfilmen kann man inzwischen viel richtig und wenig falsch machen. Das Genre hat Sehgewohnheiten geprägt, und für kreative Einfälle bleibt dabei immer Gelegenheit:
    1. Drachenzähmen leicht gemacht ist ein gelungener Animationsfilm, der die oben präsentierten Aspekte der Außenseiter (mit Jay Baruchel in seiner Paraderolle), Action und Romantik vereint, sie allerdings mit den Genrespezifika von Kinderfilmen und 3D-Filmen leicht überfrachtet. Heraus kommt ein bunter Familienfilm mit innovativen Erzählideen aber manchmal vorhersehbarer Handlung.
    2. Ich – Einfach Unverbesserlich porträtiert ebenfalls Außenseiter, diesmal animierte Superschurken, allen voran Gru (Steve Carell), der seit seiner unglücklichen Kindheit davon träumt, zum Mond zu fliegen, im Laufe seiner fiesen Bemühungen aber sein gutes Herz entdeckt und sich dreier Waisenmädchen annimmt.
    3. Toy Story 3Toy Story 3 ist der bis heute kommerziell erfolgreichste Animationsfilm. Dass er hinter seinen Vorgängern zurückfällt, weil er ihre Erfolgsrezepte oft einfach nur kopiert, macht ihn nicht zu einem schlechten Film, aber auch nicht zu einem überraschenden.
  3. Actionkomödien gehen ja immer, scheint es. Sie erreichen nur nicht die lebenspraktische Relevanz der Außenseiter-Filme, da sie sich vorwiegend um Agenten- und Polizisten bemühen, erfreulicherweise aber auch um Menschen, die zufällig und unfreiwillig zu Helden werden:
    1. R.E.D. – Älter, Härter, Besser stellt in einem nicht immer komödiantischen, zuweilen realsatirischen Actionfilm pensionierte CIA-Agenten vor (überzeugende Starbesetzung: Bruce Willis, Morgan Freeman, John Malkovich und Helen Mirren), die auf eine CIA-Todesliste geraten und um Überleben und Rente kämpfen müssen.
    2. Die etwas anderen Cops sind ebenfalls zur Rettung der Rente unterwegs, allerdings der gesamten Rentenkasse der New Yorker Polizei, die durch mafiöse Spekulation bedroht ist. Das sonst auf Papierkram festgelegte Polizisten-Duo – das sich wünscht, in die Fußstapfen der verstorbenen Draufgänger des Reviers zu treten – muss seine festgetretenen Wege verlassen und (auch das Publikum) immer wieder überraschen.
    3. Date Night – Gangster für eine Nacht ist dank Steve Carell und Tina Fey eine angenehm leichte Mischung aus Action- und Romantikkomödie. Die Figuren wollen nicht, sie müssen aber aus ihrem spießbürgerlichen Alltag ausbrechen und sich einem Mafiaboss stellen, ohne zunächst zu wissen, was sie überhaupt tun.
    4. Knight and Day ist für eine Agentenkomödie mit Tom Cruise und Cameron Diaz überraschend selbstironisch. Diaz‘ Charakter June wird von Topagent Roy zunächst als Kurier missbraucht und anschließend in die Verwicklungen hineingezogen, in denen das Duo sich gegen den Rest der Welt durchsetzen muss. Starkino, mit an Schnüren gezogenen Darstellern, unglaubwürdiger Action und einer Handlung, die man nur nicht ernst nehmen darf.
    5. Kiss & Kill ist die weniger selbstironische und streckenweise vorhersehbare Variante dieser Pärchen-Konstellation, in der der Agent allerdings seinen Beruf an den Nagel gehängt hat und die Frau an seiner Seite mit ihm verheiratet ist. Immerhin ist der Film zuweilen spannend und hinreichend absurd.
    6. Cop Out – Geladen und entsichert ist dagegen wie Die etwas anderen Cops ein Buddy-Movie: Hier werden die gängigen Klischees vom guten/bösen, schwarzen/weißen, alten/jungen Bullen aber vorwiegend zitiert und etwas ermüdend von Bruce Willis und Tracy Morgan verkörpert.
    7. Der Kautions-Cop präsentiert das romantische Krimigenre in einer weiteren Variation, in der die Hauptdarsteller Exehepartner mit durchaus gegenläufigen Interessen sind, die aber gemeinsam einen Fall aufklären und sich dadurch wieder näher kommen. Der Geschlechterkampf mit Happy End hat keinen tieferen Sinn und ist sehr klischeebehaftet.

Kategorie: Drama

Er stellte solche Rankings nach eigenem Geschmack und objektiven Qualitätskriterien zusammen – aber dasselbe gilt natürlich für die Auswahl der in Betracht gezogenen Filme. Bei den Dramen kann als Gesamteindruck ein Vorherrschen des Politthrillers festgehalten werden, zusätzlich mit der Tendenz zum Geheimnisverrat: Whistleblowing als Kinostoff dürfte durch die Medienpräsenz von Wikileaks interessant geworden sein.

  1. Werbeplakat für das Buch des GhostwritersDer Ghostwriter (Ewan McGregor) schreibt die Memoiren des britischen Ex-Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan), für den unverkennbar Tony Blair Pate stand. Roman Polanskis Film ist ein dichter realistischer Politthriller, der für den neuen, 2010 besonders erfolgreichen Typus des Wikileaks-Thrillers steht. (Ein vorläufer war 2009 Soderberghs Der Informant!)
  2. Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest ist ein episodenhafter spannender Polizeifilm, bei dem die desillusionierende Message undeutlich bleibt. Trotz Starbesetzung handelt es sich eher um Filmkunst als um Hollywoodkino.
  3. Inception hingegen ist eine handwerklich sauber inszenierte Variation auf die zuvor erfolgreiche Mischung von Starbesetzung und Heist-Movie. Leonardo DiCaprio und ein Mehrebenen-Schmetterlingstraum mit beeindruckenden Spezialeffekten reichen aus für Blockbuster-Kino, jedoch nicht für einen bleibenden Eindruck.
  4. Green Zone bezeichnet ein Gebiet im Zentrum Bagdads und einen weiteren Politthriller, der den Wert enthüllter Geheimnisse aus dieser Zone demonstriert. Dieser Wikileaks-Thriller zeigt die Folgen der Desinformation, die den Irakkrieg rechtfertigen sollte. Matt Damon spielt den aufrechten Offizier Miller, der den Irak nach Massenvernichtungswaffen durchsucht. Er stellt seine völlig erfolglose Tätigkeit in Frage und kommt politischen Intrigen auf die Spur, die hinter den vorgeschobenen Gründen für den Krieg lauern.
  5. Duell der Magier ist ein Merlin-Film im New York der Gegenwart (warum eigentlich New York?), der Jay Baruchel eine einigermaßen ernsthafte Rolle (jedoch erneut als Nerd mit komischem Anstrich) an der Seite von Nicolas Cage verschaffte. Eine interessante Grundidee, die jedoch in eine schwache Geschichte voller unpassender ideologischer Versatzstücke gepresst wird, die Batman-, Ghostbusters- und Harry-Potter-Elemente zu einem Special-Effects-Feuerwerk verquirlt. In der ganz konventionellen Rahmenhandlung ist der Wendepunkt, zu dem die Handlung geprügelt wird, das Vollzitat von Disneys Micky-Maus-Version des Goetheschen Zauberlehrlings.
  6. The Social Network präsentiert einer breiten Öffentlichkeit die Entstehungsgeschichte von Facebook, allerdings aus der Perspektive der mit Vergleichen endenden Gerichtsstreitigkeiten um die Gründung und mit einer Tendenz im Sinne der Gegner Mark Zuckerbergs. Immerhin kann sich der internetferne Zuschauer im Kino oder TV ein Bild von Sozialen Netzwerken machen. Wahrheit ist auf dieser Grundlage keine zu erwarten, und die Persönlichkeitsentwürfe der handelnden Figuren sind – trotz realer Vorlagen – allzu schlicht. Zuckerberg, der sich von dem Film distanzierte, durfte Jesse Eisenberg mimen, der im Vorjahr Freizeitparks unsicher machte, als er die Hauptrollen in Adventureland und Zombieland spielte.
  7. Robin Hood kokettiert mit historischer Authentizität und scheitert eben daran. Im Stile seines Königreich der Himmel von 2005 drehte Ridley Scott eine alternative (realistischere?) Vorgeschichte zur Robin-Hood-Legende. Russel Crowe gladiatort dennoch von einem Robin-Hood-Topos in den nächsten, nur eben meist zynischer, brutaler und ideologisch fragwürdiger als die zahlreichen Vorlagen.
  8. Kampf der Titanen ist ein mythologischer Fantasyfilm, in dem Titanen keine Rolle spielen, dafür aber die Perseussage neu verwurstet wird. Sam Worthington springt, rennt und metzelt sich in der Hauptrolle durch eine aufwendig in Szene gesetzte Sagenwelt, deren Zusammenhang und Aussagegehalt fast völlig gestrichen wurde, um Platz für noch mehr Bildeffekte zu schaffen. Immerhin stellt der Film Sagengestalten vor, die sonst häufig vernachlässigt wurden.
  9. The Expendables ist ein entbehrlicher Film, der sich selbst vielleicht witzig findet, sich von einem B-Movie jedoch hauptsächlich durch die Starbesetzung unterscheidet. Wäre der Film die Parodie, als die er im Voraus dargestellt wurde, hätte er einigen Wert in der Komödien-Kategorie haben können. Doch Sylvester Stallone als Faktotum konnte es wohl nicht übers Herz bringen, sich über sein eigenes Lebenswerk lustig zu machen. So wird der Film bestenfalls zur Farce.
  10. From Paris with Love ist ebenfalls streckenweise eine Farce, in der Jonathan Rhys Meyers und John Travolta als gegensätzliche CIA-Agenten in Paris herumballern. Dieses Aufeinandertreffen von Gegensätzen wäre ein klassisches Thema für ein komödiantisches Buddy-Movie, aber lustig ist der Actionfilm nie. So beschränkt sich der Film auf äußerst fragwürdige Theorien über Terroristen und wie man mit ihnen umgeht.

Weitere Dramen konnten kaum überzeugen; die Grenze zum B-Movie ist flüssig geworden. Nicht immer ist die Beurteilung als B-Movie identisch mit dem Vertrieb als Direct-to-DVD-Produktion.

Er bloggte selbstverständlich nur über die selbst gesehenen Filme des Jahres. Vollständigkeit erstrebt eine solche Übersicht daher nicht. Insbesondere von Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 1 wäre noch zu erwarten, dass er das Ranking im Drama-Bereich durcheinanderwirbelt (obwohl er deutliche Anleihen am Genre der Außenseiter-Teenie-Komödien genommen hat).

Kategorie: Serie

Er sehnte selbst neben besseren Filmen vor allem die Fortsetzungen einiger Fernsehserien herbei, die abschließend kurz aufgeführt seien:

  1. Dr. House (Krankenhaus-Krimi)
  2. How I Met Your Mother (Freundschafts-Comedy)
  3. Cougar Town (Nachbarn-und-Familien-Comedy)
  4. Fringe (Mystery-Krimi)
  5. Stargate Universe (Space Opera)

2011 bleibt spannend, zumindest in diesen Serien, hoffentlich aber auch im Kino. Er freute sich.

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3 Antworten zu “Filme des Jahres 2010

  1. Mein Super Hit für dieses Jahr ist ganz klar der Ghostwriter udn zwar mit Abstand, fand er traf genau die richtige Mischung aus Spannung Drama und ein klein wenig Action. Aber es gab auch dieses Jahr wieder so viele gute Filme und auch das nächste Jahr wird mich sicher wieder ins Kino treiben, wenn ich so sehe was da auf uns zu kommt.

  2. Pingback: 500x Erbloggtes | Erbloggtes

  3. Gute Komödien

    Du hast da einige meiner absoluten Lieblingskomödien in deiner Liste. Unter anderem finde ich Easy A (Einfach zu haben), Kick Ass, Zu scharf um wahr zu sein (Alice Eve ist einfach mega HOT) und Drachen Zähmen leicht gemacht einfach mega cool.

    Habe auch selbst eine Liste für 2011 erstellt. Vielleicht hast du ja mal Lust vorbeizuschauen.

    http://filmediemangesehenhabenmuss.org/gute-filme-2011/

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