Unrechtsempfinden weltweit

Erwägt es, an der Petition „Hands off the Hungarian Philosophers!“ noch mitzuwirken! Die Reihe der inzwischen über 1700 Unterstützer enthält Namen aus allen Teilen der Welt (ostasiatische sind freilich schwer zu finden). Außer den typischen Gruppen, die ein solcher Aufruf erreichen kann – Ungarn, Philosophen, Studenten – ist die weite Verbreitung in der Wissenschaft – interdisziplinär und international – beeindruckend. Das lässt darauf schließen, dass die Ungerechtigkeit in einem Staat dennoch weltweit empfunden wird, zumindest sofern man sich irgend mit den Betroffenen identifiziert. Einige der bekannten Namen, die in der Petition zu finden sind, werden hier wiedergegeben, zusammen mit dem Link zum jeweiligen Wikipedia-Artikel:

Géza Alföldy, Zygmunt Bauman, Joel Berger, Angelos Chaniotis, Günter Figal, Regine Gildemeister, Antonia Grunenberg, Otto Kallscheuer, Rainer Kokemohr, Hilary Kornblith, Brian Leiter, Ruth Millikan, Armin Nassehi, Lutz Niethammer, László Tengelyi und Ruth Wodak.

Einen Anteil an der Menge der Soldaritätserklärungen hat zweifellos der Offene Brief von László Tengelyi, der seit einer Woche im Umlauf ist (Erbloggtes berichtete). Seinen ersten Adressaten hat er offenbar ebenfalls erreicht: Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Philosophie, Julian Nida-Rümelin, hat zusammen mit ihrem Ehrenmitglied Jürgen Habermas einen Aufruf auf sueddeutsche.de veröffentlicht: Schützt die Philosophen! Damit haben die wichtigsten Philosophen unter den einflussreichsten Intellektuellen Deutschlands (Cicero-Ranking 2007) ein klares Bekenntnis abgelegt:

„In China wird zu Recht die Einhaltung der Menschenrechte eingefordert. Aber im eigenen Haus sieht man sich nicht so genau auf die Finger. Das ist der Skandal im Skandal.“

Sie fordern die EU-Kommission auf, endlich das ungarische Mediengesetz rechtlich zu prüfen und dabei „Praktiken der ungarischen Regierung und ihrer Behörden […] insbesondere die Behandlung kritischer Wissenschaftler und Intellektueller“ einzubeziehen. Dass sie sich unter anderem auf die Darstellung Tengelyis stützen, wird deutlich, wenn sie irrtümlich von „Fördermitteln der EU“ sprechen. Tengelyi hatte dies am 23. Januar korrigiert.[1]

Doch Habermas und Nida-Rümelin bieten nicht nur Stichworte zur Polemik (die die FR nutzt), sondern auch neue Informationen, etwa dass Ágnes Heller aufgrund der „Pöbeleien“, die gegen sie gerichtet waren, „gegen die Zeitung Magyar Nemzet Strafanzeige gestellt“ hat.

Wie eingangs angedeutet, hat der Protest gegen die Behandlung der Philosophen inzwischen globale Dimensionen erreicht. Dazu beigetragen haben dürften ein Blogeintrag von Herbert Hrachovec (Universität Wien), der sich auf die deutschen Quellen stützt, ein Eintrag von John Protevi (Louisiana State University) und die auf dessen Anregung hin entstandene englische Übersetzung des Offenen Briefes durch D. P. O’Connell. Die Teilnahme, gerade englischsprachiger Philosophen an der genannten Petition hat sich seither verstärkt. Auch in der englischsprachigen Philoblogosphere ist das Thema inzwischen angekommen.[2][3]

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Eine Antwort zu “Unrechtsempfinden weltweit

  1. Pingback: Du-weißt-schon-wer auf Ungarisch | Erbloggtes

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