Notizen aus dem Bundestag

Fragestunde mit Fragen an Dr. Guttenberg,
23. Februar 2011, ca. 14:15-14:45 Uhr

Erfahrenes der letzten Woche hat die Oppositionsfraktionen eine aktuelle Stunde beantragen lassen, um Fragen an den Verteidigungsminister stellen zu können. (Über das Zurückliegende siehe die zahlreichen Beiträge von Erbloggtes.) Zuvor war die Plagiats-Affäre bereits in der Fragestunde Thema.Nachher sind noch mehr Fragen offen als vorher.

Etwas angeschlagen ist der Freiherr durch seine „Stahlgewitter“ doch: Eine schreckliche Strähne wedelt an seiner Stirn hin und her, offenbar nicht mehr von Haarzusätzen zu bändigen. Hat er sich in den letzten Tagen etwa wortwörtlich die Haare gerauft? Oder leidet er an verstärktem Haarausfall? Beides wäre nur zu verständlich bei dem Stress. Und seinem geistigen und gesundheitlichen Wohl würde es demnach dienen, wenn er raus aus dem „Schützengraben“ käme.

Guttenberg deutet an, Trittin begehe „üble Nachrede“, wenn er ihm Plagiat vorwerfe. Üble Nachrede ist definiert als ehrverletzende Tatsachenbehauptung, die nicht erweislich wahr ist. Seine Ausflucht lautet: „dass ich diese Fehler unbewusst und ohne Täuschungsabsicht gemacht habe.“ Damit sieht er den Plagiatsvorwurf als abgebügelt, da man ihm Bewusstheit und Täuschungsabsicht nicht nachweisen könne. Na, so ein Glück, dass ein deutsches Gericht in seiner Entscheidung über Klagen wegen übler Nachrede zu einem anderen Ergebnis kommen kann.

Fraglich ist auch, ob man wegen Beleidigung angezeigt werden kann, wenn man Guttenberg weiterhin als „Dr.“ bezeichnet. Die Grünen sprechen Guttenberg in der Aktuellen Stunde des Bundestages jedenfalls penetrant und unverschämt – wie sie nun mal sind – mit „Dr. zu Guttenberg“ an.

Auf die Fragen der Opposition hin schildert Guttenberg, dass er sein Verhalten als vorbildlich für alle Wissenschaftler ansieht. Fehler müsse man zugeben können. Moment – heißt das, dass es vorbildlich ist, immer genau die Fehler zuzugeben, die einem bereits schlüssig nachgewiesen wurden, und alle anderen zu leugnen? Bis zur Realsatire wachsen sich seine Antworten aus, wenn er etwa sagt: „Es gibt Bereiche in dieser Arbeit, wo ich fest von dem wissenschaftlichen Wert und Gehalt dieser Arbeit überzeugt bin.“

Hinsichtlich GuttenPlag Wiki meint er: „Alles das, was auf diese bemerkenswerte Seite eingestellt wurde“, bedürfe intensiver „Nacharbeit“. Viele Vorwürfe seien ohne Gehalt. Vielleicht sollte man ihm ausreichend Gelegenheit zur Nacharbeit geben?

Er räumt ein, dass er nicht nur 4 Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste „benutzt“ hat, sondern auch 1 Dokument des Übersetzungsdienstes des Bundestages. Da möchte er aber einen Unterschied sehen. Meint er einen urheberrechtlichen Unterschied, oder einen wissenschaftsethischen, und worin sieht er diesen?

————————————————————

Advertisements

6 Antworten zu “Notizen aus dem Bundestag

  1. feliksdzerzhinsky

    Um die Debatte mal etwas zu versachlichen, haben wir hier die Diskussionsgrundlagen übersichtlich zusammengetragen:
    Grundlagen wissenschaftlichen Zitierens

  2. Lesenswerter Rückblick auf die Primärquellen des politischen Skandals und krisenkommunikativen Supergaus: Chronologie der Stellungsnahmen Guttenbergs auf tagesschau.de.

  3. Pingback: Niemand glaubt Guttenberg mehr | Erbloggtes

  4. Pingback: Ring frei zur zweiten Runde der Plagiats-Affäre | Erbloggtes

  5. Pingback: Vier phänomenale Fälle von Forschungspfusch | Erbloggtes

  6. Pingback: Versuche, den Fall Guttenberg zu verstehen | Erbloggtes

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s