Oranje boven als Marketingstrategie

Erlaufenes Preisgeld ist für Kenianische Marathonläufer eine wichtige Einkommensquelle. Bei der 11. Ausgabe des Utrecht-Marathons am 25. April 2011 (Ostermontag) soll das nicht mehr möglich sein. Nachdem von 2007 bis 2010 viermal ein Kenianer den Lauf gewann, zuletzt zweimal William Kwambai Kipchumba, hat der Ausrichter das Reglement geändert:

„Die besten drei niederländischen Läufer – egal wie weit sie hinter den Kenianern ins Ziel kommen, können auf 10.000, 8.000 und 6.000 Euro rechnen. Die ersten drei, also die Kenianer nur 100, 80 und 60 Euro.“[1]

Eine niederländische Antidiskriminierungsorganisation hat das in der Zeitung deVolkskrant kritisiert.[2] Wettkampfdirektor Louran van Keulen meint, „würden wir sie ausschliessen, die Kenianer, dann wäre es tatsächlich Diskriminierung.“[1] So aber nicht. Auch der Sport-Informations-Dienst berichtete inzwischen.[3]

Nationale Meisterschaften der Niederlande diskriminieren alle ohne niederländischen Pass

Die Zuspitzung des taz-Bloggers Falk Madeja, scheint aber übertrieben zu sein. Madeja schreibt:

„Gewinnt ein Schwarzer, kann er 100 Euro. Gewinnt ein Weisser, 10.000 Euro. Eigentlich muss der weisse Niederländer gar nicht gewinnen, das Preisgeld ist für den bestplatzierten Weissen.“[1]

Die Hautfarbe spielt in der (bescheuerten) Neuregelung des Utrecht-Marathons keine Rolle. Die Staatsangehörigkeit scheint das Kriterium zu sein. Und glücklicherweise sehen niederländische Sportler heute nicht mehr so aus:

Niederländische Fußballnationalmannschaft 1905

Niederländische Fußballnationalmannschaft 1905

Sondern eher so:

Niederländische Fußballnationalmannschaft 2006

Niederländische Fußballnationalmannschaft 2006

Niederländische Marathonläuferinnen gibt es auch schon in allen Farben und Formen, die Trikotfarbe ist aber immer gleich:

Lornah Kiplagat 2007 in Hengelo

Lornah Kiplagat 2007 in Hengelo

Hilda Kibet in Schoorl 2008

Hilda Kibet in Schoorl 2008

Wenn man Läufer in „Oranje“ vorne sehen will, damit das Publikum etwas zum Jubeln hat, dann ist die Einbürgerung gebürtiger Kenianer sicher die elegantere Variante. Da auch Reisekosten nicht übernommen werden, werden sich die wenigsten afrikanischen Sportler eine Teilnahme am diesjährigen Utrecht-Marathon leisten können (und wollen). Damit wird die Bedeutung dieser Laufveranstaltung schlicht auf regionales Niveau herabgestuft. Aber das ist auch nur eine der austauschbaren Vermarktungsstrategien, mit denen sich die Utrechter Veranstaltung von anderen heben will – nur diesmal in die andere Richtung. Denn üblicherweise gilt:

„Im dichten niederländischen Marathonmarkt setzt man durchaus häufiger auf schnelle Siegerzeiten, um ein bisschen Aufmerksamkeit von den Medien zu bekommen.“[4]

Das heißt, der Veranstalter wirbt einige Lauf-Söldner an, sinnvollerweise Kenianer, die professionell schnell laufen und eine gute Abschlusszeit in die Siegerliste eintragen. „Hasen“ genannte Tempomacher sind im Laufsport ein lange bekanntes Phänomen. Gegenwärtig können kenianische „Hasen“ aber auch nach getaner Arbeit noch viel schneller ins Ziel kommen als alle anderen.

Diskriminierung – nur ein Werbegag?

Vermutlich handelt es sich bei dem von deVolkskrant begonnenen Presseaufsehen auch nur um eine Werbemaßnahme mit freundlicher Unterstützung einer Antidiskriminierungsorganisation. Denn eine Veränderung des Reglements des Utrechter Marathons ist weder festzustellen noch notwendig. Im aktuellen Reglement[5] ist festgelegt, dass nur die durch die Organisatoren eingeladenene Läufer für einen der größeren Geldpreise in Frage kommen. Da steht nichts von einer Nationalitätenregelung. Es genügt demnach, wenn der Veranstalter nur niederländische Läufer einlädt, vielleicht auch nur „weiße“ Läufer. Einladen kann er ja, wen er will. Dass der Sieger dann erst eine Viertelstunde später ins Ziel kommen wird als sonst, macht die Veranstaltung nur sportlich unwichtig, nicht zu einer Rassistenveranstaltung.

Da der Veranstalter offenbar nur Niederländer eingeladen hat,[6] hat diesmal eine Gruppe Chancen auf den Gesamtsieg, die sonst immer einige Minuten hinterherläuft: Frauen. Mit ein bisschen Glück gewinnt dann eine der niederländischen Spitzenläuferinnen wie Lornah Kiplagat oder Hilda Kibet. Das wäre dann wirklich eine Meldung wert.

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