Zensus 2011: Graf Zahl kehrt zurück

Ermittelte statistische Daten über die Bewohner Deutschlands klingen verlockend für allerlei Bevölkerungsplaner und -strategen. Daher wollen sie ihre Zahlen mal wieder auf den neuesten Stand bringen, und zwar ab morgen, den 9. Mai 2011, erstmals europaweit. Solche Ansprüche hatten zuletzt die NS-Bevölkerungspolitiker, die ihren Demographen einiges abverlangten.

Nach einem lockeren Einstieg mit beiläufigem Hitlervergleich muss natürlich die Einschränkung kommen, dass die Ziele der bevorstehenden Volkszählung wohl weder Völkermord noch Massendeportation oder Lebensraumgewinnung lauten. Allerdings: Rohstoffgewinnung und die Bedarfsermittlung der Rohstoffe für die nächsten Jahre dürften schon eine Rolle spielen. Dass ein Zusammenhang zwischen dem Zensus und den Kriegen um die „Sicherheit“ der Rohstoffversorgung besteht, an denen EU-Staaten sich im nächsten Jahrzehnt beteiligen werden, kann man nicht so einfach weglachen wie anderes:

One Two

Recycling älterer - und geklauter - Beiträge

Kritik am Zensus 2011

Solche Überlegungen spielen aber in den Protesten gegen die anstehende Zählung eine weitaus geringere Rolle als Datenschutzfragen. Nicht zufällig ist eine der wichtigsten zensuskritischen Websites eine Unterseite von wiki.vorratsdatenspeicherung.de.[1] Dort gibt es ebenso unabhängige Informationen zur Zählung wie auf der Seite zensus11.de.[2] Letztere Seite ist nicht zu verwechseln mit zensus2011.de, der staatlichen Informationshomepage,[3] auf der allerdings keinerlei kritische Töne zu hören sind. Die „Informationsseite“ zum Thema Datenschutz trägt beispielsweise die Überschrift „Warum die Zensusdaten sicher sind“ und versucht auch optisch eine Feelgood-Message zu verbreiten nirgends entlarvender als im Alternativtext der abgebildeten Romantik-Idylle, der da lautet:

„Die Zensusdaten sind sicher“.[4]

Widerstand ist zwecklos – Sie werden gezählt werden

Informativ ist die Volkszählungsfibel 2011,[5] die auf der Seite vobo11.de angeboten wird. Vobo11 steht für Volkszählungsboykott 2011. Ein Volkszählungsboykott ist ebenso verboten wie der Aufruf zu einem solchen. Es sind erstaunliche Zwänge, die staatliche Statistiker dem Bürger da auferlegen konnten. Der Staat legt fest, was er wissen will, und er sperrt den Bürger ein, wenn er es ihm nicht verraten will. Macht- und Zwangsstaat drücken sich dabei im technokratischen Gewand aus und verhöhnen die freiheitlich-demokratische Grundordnung.

Das wäre doch einmal die Gelegenheit für Chinas KP, den europäischen Staaten Illiberalität und die Missachtung des Grundrechtes auf informationelle Selbstbestimmung vorzuwerfen. Natürlich bietet so eine Volkszählung auch allerlei Anlass, sich über die Planwirtschaft lustig zu machen, die sich offenbar innerhalb der „sozialen Marktwirtschaft“ breit macht. Aber wahrscheinlich ist China einfach noch nicht so weit, sich als Schutzmacht für Menschenrechte zu gerieren (siehe Release Ai Weiwei). China ist da etwa so geeignet wie die FDP als Schutzmacht des Liberalismus.

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