Motive der Plagiatssuche

Erhellt es die gegenwärtig wieder aufflammende Debatte um die Anonymität der Plagiatssucher, dass es durchaus eine Hand voll mehr oder weniger bekannter „Plagiatsjäger“ gibt? Im Gegensatz zu den größtenteils anonymen Beiträgern der verschiedenen Plagiatswikis, die einen Großteil der Plagiatssuche bestreiten, sind die namentlich bekannten Plagiatssucher persönlichen Anfeindungen ausgesetzt und müssen Sanktionen fürchten, auch wenn alles korrekt ist, was  sie auf Plagiatssuche herausfinden.

Es sind in der Regel Akademiker, die es sich – häufig nach einem persönlichen Schlüsselerlebnis – zur Aufgabe gemacht haben, Plagiarismus zu bekämpfen. Das tun sie öffentlich und unter ihrem Namen. Es handelt sich bei der Plagiatssuche als persönlichem Thema um eine Spezialform von allgemeineren Kreuzzügen gegen fehlende wissenschaftliche Qualität – eine Spezialform, die gerade sehr in Mode ist.

Psychologisch ist das Motiv für eine so aufwendige und undankbare Schwerarbeit oft das Gerechtigkeitsgefühl der Betroffenen. Genauer handelt es sich um das Gefühl, dass die eigene Leistung im Vergleich mit dem Mist, den andere abliefern, nicht hinreichend gewürdigt wird. Das ist ein grundsätzliches Phänomen in einer Leistungsgesellschaft, das aus der Konkurrenz um soziale Anerkennung erwächst. Der „gerechte Zorn“, mit dem „Plagiatsjäger“ ihre „Beute“ verfolgen, kann daraus erwachsen, selbst plagiiert worden zu sein – oder daraus, dass jemandem im Wissenschaftsbetrieb übel mitgespielt wurde.

Anonyme Plagiatsjäger benötigen nicht so starke Motive. Sie können auch zum Spaß, aus akuter Empörung oder aus Neugier handeln, sogar Parteiräson wäre ein denkbares Motiv (allerdings keines, für das es Belege gibt).

Drei Beispiele und Motivationen

Der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber ist ein bekannter Plagiatssucher und Mitgründer der Initiative Transparente Wissenschaft. Wikipedia weiß:

„Seit er im Jahr 2005 entdeckt hat, dass ein promovierter Tübinger Theologe 2004 knapp die Hälfte seiner Dissertation weitgehend wortwörtlich aus Webers Dissertation aus dem Jahr 1996 übernommen hat, wandte er sich zunehmend an die Medien, um auf das Plagiatsproblem an Universitäten aufmerksam zu machen.“[1]

Der Fall des deutschen Informatikers Hadmut Danisch ist ungleich schwerwiegender. Universitäre Kommissionen und deutsche Gerichte haben sich damit befasst. Danisch schreibt:

„Der ‚Doktorvater‘ hatte mir schon versprochen, eine Auszeichnung zu beantragen […]. Sechs Wochen vor der geplanten Prüfung krachte es dann plötzlich: Der Doktorvater sagte die Promotion ab, ich sollte plötzlich Arbeiten erledigen, von denen vorher nie die Rede war und die mit meiner Promotion nichts zu tun hatten. Die Universität Karlsruhe verweigerte zunächst die Durchführung eines Promotionsverfahrens, und als ich das Prüfungsverfahren durchsetzte, lehnte man meine Dissertation als angeblich falsch, voller Fehler, kapitaler Irrweg ab – obwohl dieselben Leute kurz zuvor noch unbedingt von mir haben wollten, daß ich genau das für sie tue, was jetzt so falsch sein sollte. Deshalb streite ich seit 1998 mit der Universität Karlsruhe und inzwischen einigen anderen involvierten Hochschulen […].“[2]

Danisch arbeitet seit über zehn Jahren an einer inzwischen 797 Seiten umfassenden Darstellung seines Falles, in der er unter dem Titel „Adele und die Fledermaus“ zum Rundumschlag gegen „den Wissenschaftssumpf, Schwindel, Korruption und Quacksalberei in der Krypto- und Sicherheitsforschung und das Promovieren an der ‚Exzellenz-Universität‘ Karlsruhe“ ausholt (Download). Ob er anonym an Anti-Plagiats-Wikis beteiligt ist, ist unbekannt. In seinem Blog „Forschungsmafia“ kommentiert er die Plagiatssuche jedenfalls ausgiebig.

Ein markantes Beispiel, welche Vorhaltungen sich die Plagiatsexpertin Debora Weber-Wulff, die unter dem Namen „WiseWoman“ offen in verschiedenen Plagiatswikis aktiv ist, anhören muss, findet sich hier. Weber-Wulffs Benutzerprofil im VroniPlag enthält auch Kommentare zur Presseberichterstattung über sie und eine Diskussion der Gründe, Plagiatssuche zu betreiben (Warum wir hier sind).

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3 Antworten zu “Motive der Plagiatssuche

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  2. Pingback: VroniPlag und transparentes Kochen – Plagiatssuche 1 Jahr alt | Erbloggtes

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