Sind Plagiatoren gleich (zu behandeln)?

Er stellte sich die Frage, ob der Plagiatsfall an der HTW Berlin dadurch befriedigend abgeschlossen ist, dass der Professor für sein Plagiieren einer Studienarbeit eine Rüge erhielt. Dekanin Debora Weber-Wulff erklärte im Anschluss an den Artikel über Plagiatsvertuschung an der HTW Berlin:

„Wir haben den Professor genauso behandelt wie einen Studenten – bei den Studenten publizieren wir auch nicht deren Namen. Es gibt eine 5.0 (bzw. eine Rüge) und noch eine Chance, sofern es sich nicht um eine Abschlußarbeit handelt, was es in diesen Fall nicht ist.“[1]

Ist der Fall damit hinreichend abgeschlossen, dann muss die (Hochschul-)Öffentlichkeit im Nachhinein nicht mehr informiert werden – auch wenn unter Studierenden an der HTW offenbar großes Interesse daran besteht. Doch die Konstellation ist ungünstig: Ein intern im Dezember erledigter Plagiatsfall, dann öffentliches Aufsehen um Plagiate seit Februar. Durch die Geheimhaltung (der Namen) entsteht der Eindruck, dass es sein könnte, dass der „geheime“ Fall ebenso wichtig sei wie die öffentlich gewordenen Fälle. Das scheint jedoch nicht so zu sein: Es handelt sich nach Weber-Wulffs Angaben nicht um eine Abschlussarbeit. Wie auch, bei einem Professor?

Offen bleibt jedoch die Frage, ob ein Maßstab, der „den Professor genauso behandelt wie einen Studenten“, so glücklich gewählt ist. Wenn ein Student (nichtöffentlich) im minder schweren Fall durch die Prüfung fällt, ein promovierter Minister (öffentlich) den Titel aberkannt bekommt, womöglich auch gerichtlich belangt wird, was müsste dann fairerweise mit einem Professor geschehen, der – vorausgesetzt dreist – plagiiert?

Gerechtigkeit ist nicht Gleichheit. Das ist eine Erkenntnis, die bereits der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder zum Doktortitel verholfen hat. Vielmehr ist doch Gerechtigkeit, Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln. Dann stellt sich die Frage: Sind der vom Studenten plagiierende Professor, der vom Professor plagiierende Student und der von allen plagiierende Guttenberg gleich, oder unterscheiden sie sich?

Dass ihre öffentliche Bedeutung unterschiedlich ist, darauf kann man sich leicht einigen. Daher kommt es in Betracht, öffentlich unbedeutende Fälle auch nichtöffentlich zu behandeln. Ob die Schwere des Vergehens jedoch bei diesem Professor und einem normalen Erstplagiator-Studenten gleich ist, lässt sich leider nicht öffentlich feststellen. Das ist das Problem mit der Arkanpolitik (siehe Überlegungen zur neuen Politik im Zeitalter von WikiLeaks).

Jedenfalls ist es aber fragwürdig, ob ein – gesetzt den Fall – identisch schweres Vergehen von Professor und Student mit einer identisch schweren Sanktion zu ahnden ist. Eine Tendenz in dieser Frage kann vielleicht die folgende Umfrage geben:

————————————————————

Advertisements

5 Antworten zu “Sind Plagiatoren gleich (zu behandeln)?

  1. Pingback: Plagiatsforschung abseits des Medieninteresses – langwierige Detektivarbeit | Erbloggtes

  2. Pingback: Konsequenzen eines Professoren-Plagiats | Erbloggtes

  3. Pingback: HTW-Präsident trägt Studierendenden seine Position vor: Alles Super! | Erbloggtes

  4. Pingback: Mediales Echo «

  5. Ich würde gerne wissen, ob sich inzwischen jemand die Mühe gemacht hat, die restlichen Arbeiten ebendiesen Professors zu prüfen? Bevor dem so ist, weiß man ja nicht einmal, ob es sich wirklich um das erste mal handelt und ob nicht auch schon bei einer Abschlussarbeit betrogen wurde.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s