HTW-Präsident trägt Studierendenden seine Position vor: Alles Super!

Erwartetes Ergebnis der Veranstaltung, die Hochschulpräsident Michael Heine heute ganz in der Nähe des Kurses von Professor Thomas Simeon abhielt, um mit Studierenden über den Plagiatsfall zu diskutieren, in dem ein HTW-Professor von seinem Studenten abgeschrieben hattte, war die Zurückweisung aller Kritik an der HTW. Und genau so kam es heute Vormittag, genau eine Woche, nachdem Simeon in seinem Kurs für Aufsehen und anschließend per YouTube im Umfeld der HTW für Aufregung gesorgt hatte.

„Wir haben den Fall buchstabengetreu gemäß unseren Richtlinien aufgearbeitet“, sagte Heine dem Tagesspiegel.[1] Er bestritt, dass der Fall „nicht breit genug diskutiert und zu milde geahndet worden“[1] sei. Er sei genau buchstabengetreu genug diskutiert und buchstabentreu milde genug geahndet worden.

„Offen sei er für den Wunsch, mehr Studierende an der Kommission zu beteiligen, die wissenschaftliches Fehlverhalten untersucht. Darüber müsse der AS befinden.“[1]

Natürlich kann der Akademische Senat (AS) der HTW gar nicht beschließen, dass die Professorenmehrheit in der betreffenden Kommission durchbrochen würde. Nein, kann er nicht. Dafür müsste das Hochschulrahmengesetz geändert werden. Und dann würde Bayern sich weigern, die über 2,8 Milliarden Euro in den Länderfinanzausgleich einzuzahlen, die Berlin jährlich kassiert. Alles schon bekannt, alles schon da gewesen. Das ist mal ein billiges „Zugeständnis“.

Andererseits: Mit den HTW-Studenten kann man’s ja machen. Die wehren sich nicht, wenn ihr Professor ihre Diplomarbeit für seine Publikationen ausschlachtet. Die fragen auch nicht nach, wenn ein Skandal im AS-Protokoll steht. Die filmen einfach, wenn man ihnen sagt: Filmt dies! Und wenn man ihnen dann erzählt, dass das alles so richtig ist, dann glauben sie das.

Denn die Hochschulleitung tut, was die Hochschulleitung tun muss. Und einen Rechtfertigungsversuch des Umgangs mit dem Plagiatsfall, der darüber hinaus geht, dass die Hochschulleitung dazu befugt war, so zu handeln wie geschehen, wo kämen wir denn da hin? Dann müssten die Studierenden sich ja fragen, wie sie das finden – das geht nun wirklich nicht.

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6 Antworten zu “HTW-Präsident trägt Studierendenden seine Position vor: Alles Super!

  1. Meinungsführer

    Zunächst vielen Dank für die messerscharfen Beiträge der letzten Tage zum Professoren-Plagiat an der HTW. Sie enthielten genau das Maß an Sachverstand und unverstellter Analyse, dass die Hauptstadtpresse – aus Desinteresse, mangelnden Ressourcen oder beidem – vermissen lässt. Auch wenn das Ranking der „Growing Blogs“ nur eine quantitative Wertung ist – in diesem Fall könnte es genauso gut ein qualitativer Gradmesser sein.

    Unklar ist für mich, warum das Hochschulrahmengesetz geändert werden müsste, um die Professorenmehrheit in der Kommission für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs aufzubrechen. §6 HRG besagt doch nur, dass die Studierenden an der Bewertung der Lehre beteiligt werden müssen – was eine Mehrheitsbeteiligung nicht ausschließt?

    Vielleicht können Sie diesen Punkt erläutern. Unter den Studierenden wird ein entsprechender Antrag an den Akademischen Senat bereits vorbereitet. Denn auch wenn Sie mit Ihrer Einschätzung der Obrigkeitsgläubigkeit beim überwiegenden Teil der Studenten sicher richtig liegen – es gibt genügend andere, die das Signal der Hochschulleitung zum „Weiter so!“ keineswegs befriedigt hat.

    Die Konsequenz aus diesem Fall muss ein transparenter Umgang mit ähnlichen Fällen in der Zukunft sein – leider stehen die Studenten aber nun mal in dem, von Ihnen ja schon so treffend beschriebenen, Abhängigkeitsverhältnis zu ihrer Hochschule.

  2. Pingback: Drittelparität und Plagiatsbekämpfung: alter Wein, neue Gründe | Erbloggtes

  3. Lieber Meinungsführer,

    bisher sind hier nur Andeutungen zur Professorenmehrheit und ihren Alternativen zu finden gewesen. Dass das Hochschulrahmengesetz geändert werden müsste, war sogar ungenau: Tatsächlich geht die Professorenmehrheit bis auf Art. 5, Abs. 3 GG zurück – bzw. auf seine Interpretation durch das Bundesverfassungsgericht.

    Es ist erfreulich, dass es an der HTW nun Studenten gibt, die sich in diesem konkreten Fall für dumm verkauft fühlen. Zum genannten AS-Antrag kann ich nur empfehlen: Scharf formulieren, Presse informieren und Unzufriedenheit dokumentieren. Mehr wird wohl nicht zu erreichen sein.

    Meinen Pessimismus erläutere ich detailliert unter dem Titel „Drittelparität und Plagiatsbekämpfung“.

    Mit freundlichen Grüßen von Erbloggtes

  4. Pingback: Bloggeburtstag, Öffentlichkeit, Freiheit statt Angst | Erbloggtes

  5. ein Student

    Der Vorfall ist die eine Sache, aber die Aussagen über die Hochschulstrukturen sollten bedachter gewählt werden.

    Ich schlage vor, dass sich bei dem Fall erst einmal die Hochschulgesetze zu lesen. So ist im Berliner Hochschulgesetz (richtig das ist nicht Bayern, dort gibt es sogar eine verfasste Studierendenschaft) dass keine Statusgruppe die Überhand haben darf. und die Kommission für Studium und Lehre besteht auch maßgeblich aus Studierenden. Eine feste Kommission für Plagiatsfälle gibt es bis dato nicht als solche etabliert. Jedoch denke ich, dass diese wie die prüfenden Prüfungsausschüsse zu den Fakultäten / Fachbereichen gehören.

    Und wegen dem Vorfall haben sich die Betreffenden Personen geeinigt und in den inzwischen publizierten Büchern ist die Referenz vorhanden.

    Auch wenn tendenziöses Bloggen sicher Spaß macht bitte ich um eine objektive Betrachtung und etwas Einarbeitung in die Thematik. Also quasi das, was in einem der verlinkten Beiträge auch von Frau Weber-Wulff erbeten wurde. Aber das bringt weniger Besucher, oder ?

  6. Es ist durchaus amüsant, wenn zwei Jahre nach dem Vorfall jemand vorbeikommt, „tendenziöses Bloggen“ vorwirft und „objektive Betrachtung und etwas Einarbeitung in die Thematik“ verlangt, und dabei so lustige Dinge behauptet, wie dass Berlin nicht Bayern sei, dass das Hochschulrahmengesetz nicht in Berlin gelte, und dass „erst einmal die Hochschulgesetze zu lesen“ seien, wobei das Berliner Hochschulgesetz (BerlHG) angeblich vorschreibe, dass „keine Statusgruppe die Überhand haben darf“ – man sei ja nicht in Bayern.

    BerlHG § 46 Abs. 2 besagt in der Fassung vom 26.7.2011: „Die Hochschullehrer und Hochschullehrerinnen müssen in allen Gremien mit Entscheidungsbefugnis in Angelegenheiten der Forschung, der künstlerischen Entwicklungsvorhaben, der Lehre und der Berufung von Hochschullehrern und Hochschullehrerinnen über die Mehrheit der Sitze und Stimmen verfügen.“
    Oh? Überrascht? Dann gibt es natürlich noch Gremien, die beratend tätig sind. So hat der Akademische Senat laut BerlHG § 61 etwa Kommissionen, die ihn beraten, und kann auch neue Kommissionen einsetzen. Für eine von ihnen gilt: „In der ständigen Kommission für Lehre und Studium haben die Studenten und Studentinnen die Hälfte der Sitze und Stimmen.“ Hälfte, das heißt soviel wie: nicht maßgeblich. Kommission, das heißt soviel wie: nicht entscheidungsbefugt. Entscheidungen trifft der Akademische Senat, wenn es nicht ein Fakultätsrat tut. Professorenmehrheit.

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