Homosexuelle Ärzte wollen Katholiken mit Homöopathie kurieren

Erwünschtes Ergebnis der Therapie sei die Überwindung von Fanatismus, Fundamentalismus und religiösem Wahn, teilte der Bund Schwuler Ärzte (BSÄ) mit. Der homosexuelle Ärzteverband will die religiöse Orientierung von Katholikinnen und Katholiken mit ein paar Zuckerkügelchen ändern – nur auf deren Wunsch natürlich. Die “Kathomöopathie” stößt auf harsche Kritik.

Rom. Im Vatikan ist man stinksauer. Von einer “Zumutung” und einer “Beleidigung” ist die Rede und von “fehlendem Respekt gegenüber katholischen und gläubigen Menschen”. Grund der Unruhe ist eine Website des Bundes Schwuler Ärzte, auf der der Verband “Therapiemöglichkeiten für Katholizismus” präsentiert. Nach Berichten von Telepolis und Spiegel Online teilte Theo Schweidling, seines Zeichens Sekretär der Glaubenskongregation, den Unmut der katholischen Kirche auf Radio Vatikan mit.

Ärztebund will religiöses Leid bekämpfen – Kirche wehrt sich

Der BSÄ beschreibt sich selbst als “Stimme der schwul-lesbisch-queeren Ärzteschaft in Deutschland”. In der Selbstdarstellung der Initiative findet sich unter dem Stichwort “Unser Auftrag” auch der Punkt “Hilfestellung für Suchende”. Doch diese Hilfsangebote sorgen nun für heftige Kritik. Unmittelbar nach der Feststellung “Katholizismus ist keine Erkrankung!” schreibt der BSÄ auf seiner Webseite nämlich, es gebe “Therapieansätze gegen katholische Neigungen”. Konkret nennt er Psychotherapie und Homöopathie. Letztere Behandlung umfasse eine “Konstitutionsbehandlung” mit entsprechenden Mitteln “in Hochpotenz”, “z.B. durex extra strong”. Wichtigster Mann des BSÄ ist Andros Neumann. Er war in den 1990ern in der Minipartei LGBT aktiv und betreibt heute eine Privatpraxis mit dem Schwerpunkt Homöopathie in Berlin.

“Wir wissen von vielen streng katholisch empfindenden Menschen, die sich in einer geistig-psychischen Notsituation befinden und stark leiden”, schreibt Neumann auf seiner Homepage. “Wer sich unglücklich, krank, katholisch oder schuldig fühlt, der soll bei uns Hilfe erhalten.” Die Wirksamkeit von Neumanns Therapie sei auch an Protestanten und Muslimen bereits erprobt – “mit durchschlagendem Erfolg. Wir glauben, dass alle religiösen Empfindungen mitsamt der damit einhergehenden Verwirrungszustände und Schuldgefühle gut therapierbar sind.”

Mit wirkungslosen Medikamenten gegen die religiöse Überzeugung – der Vatikan hält den Hinweis auf die “Therapiemöglichkeiten” für inakzeptabel: “Die Angebote sind gefährlich. Sie benutzen die Verunsicherungen von gläubigen Jugendlichen und ihren Eltern”, sagt Kardinal Theo Schweidling. Für Betroffene seien solche Angebote selbst dann problematisch, wenn sie “wie in diesem Fall geradezu lächerlich erscheinen”. Schweidling kritisiert, die vermeintlichen Hilfen würden “destabilisierend wirken” – nicht zuletzt, weil sie schlicht nicht funktionieren könnten. “Alle ernstzunehmenden Sachverständigen stimmen darin überein, dass das religiöse Bekenntnis keine Erkrankung ist.”

Neumann hingegen betont, seine Organisation wolle “niemanden in eine ‘kranke Ecke’ drängen, verletzen oder beleidigen”. Es gehe darum, “Stellungnahme und ärztliche Meinung abzugeben, ohne jemanden schädigen oder bevormunden zu wollen”, dazu dürfe der BSÄ “keine erfolgversprechenden Hilfsmöglichkeiten verschweigen”.

Hoffnung statt empirischer Nachweise

Unter dem Stichwort “Konversionstherapie” propagieren radikale Gruppen vor allem in den USA die “Heilung” von Katholiken. Nicht immer setzen sie dabei nur harmlose Zuckerkügelchen ein, sondern teilweise auch Medikamente und Elektroschocks.

Der BSÄ zitiert auf seiner Webseite angebliche Aussagen eines Katholiken aus Süddeutschland, er habe “mit Freude festgestellt”, dass der Verband “eine Veränderung katholischer Neigungen durchaus für möglich” halte. Daher hoffe er auf professionelle Hilfe der BSÄ-Mitglieder. Denn bisher hätten sich Ärzte stets geweigert, ihn wegen des Leids, für das seine kultischen Praktiken verantwortlich seien, zu behandeln: “Leider ist wohl auch unter Psychotherapeuten die verbreitetste Meinung, Religiosität sei angeboren und keinesfalls veränderbar.”

Aber auch in der evangelischen Kirche gibt es Stimmen, die Katholizismus für heilbar halten. So beklagten 69 homosexuelle Pfarrer im Jahr 2009 katholenfreundliche Äußerungen ihres Landespräsers auf dem Kirchentag in Bremen. “Die katholischen Irrlehren entsprechen nicht der Schöpfungsordnung Gottes, wie sie die Bibel lehrt”, erklärten die Pastoren in einem offenen Brief. “Jedes ernste Bemühen um Linderung dieser Geißel der Menschheit unterstützen wir.” Wo Katholiken “Therapie” verwehrt werde, verweigere man “Menschen, die unter ihrem Irrglauben leiden, die dringend benötigte Hilfe zur Veränderung”, heißt es in dem Schreiben.

Der BSÄ holt derweil zu einem weiteren aufsehenerregenden Schlag aus. Unter der Überschrift “Priester und Pädophilie – eine Betrachtung” wendet er sich einer spezifischen Zielgruppe für seine Behandlung zu:

“Priester sind geweihte Menschen und bedürfen daher besonderer Aufmerksamkeit, zumal gewisse ihrer Taten inakzeptabel sind. Man muss sie vor ihrer pädophilen Neigung schützen.”

Doch selbst Neumann ist sich nicht sicher, dass “Kathomöopathie” der vielversprechendste Ansatz ist: “Geißeln, Ledermasken und schweres Gerät” könnten nötig werden, meint er, um hier in jedem Fall erfolgreich zu intervenieren.

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2 Antworten zu “Homosexuelle Ärzte wollen Katholiken mit Homöopathie kurieren

  1. Pingback: 62. Sudetendeutscher Tag, Augsburg 2011, ein Foto-Rundgang | Erbloggtes

  2. Kaum ist ein Jahr um, schon geht es wieder los. Schließlich war Katholikentag in Mannheim. Der Ärztebund warnt wieder.

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