Plagiator Nummer 4: Silvana Koch-Mehrin, FDP

Erzwang es das von VroniPlag gesammelte Material, dass die Universität Heidelberg heute die Aberkennung des Doktorgrades von Silvana Koch-Mehrin bekannt gab?[1] Ja, davon ist auszugehen. Die Universität musste natürlich selbst genau prüfen; aber das Finden und das Prüfen von Plagiatsindizien sind unterschiedliche Vorgänge. Und VroniPlag hat sich (wie zu erwarten war) im Fall Koch-Mehrin an das Überprüfbare gehalten, so dass die Uni Heidelberg mitteilte:

„Das vom Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät geprüfte Material belegt eindeutig, dass die im Jahre 2000 von Frau Koch-Mehrin vorgelegte und von der Philosophisch-Historischen Fakultät angenommene Dissertation ‚Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: Die Lateinische Münzunion 1865-1927‘ in substanziellen Teilen aus Plagiaten besteht.“[2]

Zwar hat VroniPlag bis heute nur auf 69 Seiten Plagiate gefunden, und die Uni gibt elf Seiten mehr an, aber dafür scheint die Zahl der Werke, aus denen Koch-Mehrin abgeschrieben hat, sich nicht weiter erhöht zu haben:

„Auf rund 80 Textseiten der Dissertation finden sich über 120 Stellen, die nach Bewertung des Promotionsausschusses als Plagiate zu klassifizieren sind. Diese Plagiate stammen aus über 30 verschiedenen Publikationen, von denen zwei Drittel nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt worden sind.“[2]

Der Promotionsausschuss hatte Koch-Mehrin schriftlich und mündlich angehört, zuletzt am 14. Juni, heißt es. Und es bestätigte sich wiederum, dass FDP-Plagiatoren aus der Guttenberg-Affäre gelernt haben und ein anderes PR-Konzept verfolgen als der Minister von Bilds Gnaden: „Die EU-Abgeordnete will das Verfahren offensichtlich ohne große Öffentlichkeit abwickeln.“[3][4]

Vor vier Wochen, als sie von einigen Ämtern zurücktrat, teilte ihr Sprecher mit, sie wolle Abgeornete im Europaparlament bleiben.[5] Sollte sie diesen Plan weiterhin hegen, glaubt sie trotz unterschiedlicher PR-Strategie wohl dasselbe wie Guttenberg: Bei der Doktorarbeit betrogen – wen interessiert das schon? Ob deutsche Politiker damit durchkommen können, wird die Zukunft an mehreren Beispielen demonstrieren. Bisher lautete die Antwort: Nein.

————————————————————

11 Antworten zu “Plagiator Nummer 4: Silvana Koch-Mehrin, FDP

  1. Zur Umfrage: Nein, sollten sie nicht bleiben können. Sie haben den Bürgern, die sie vertreten, eine Verantwortung gegenüber. Getreu dem Satz „Wer ein Mal lügt, dem glaubt man nicht“ kann man sich doch als Bürger oder auch Wähler dann nicht noch gut vertreten fühlen.

  2. Der Focus votiert mit „Nein.“ Martina Fietz schreibt dort: „Die Aberkennung des Titels ist insofern nur konsequent. Der Rückzug Koch-Mehrins auch aus dem EU-Parlament wäre es nun auch.“[1]

  3. Pingback: Koch-Mehrin, ohne Doktor. Was denkt das Volk? Und wann geht es weiter? | Erbloggtes

  4. Pingback: Wechselnde Medienaufmerksamkeit in 20 Fällen von Plagiatsverdacht | Erbloggtes

  5. Pingback: Uwe Brinkmann rettet sein Amt, Chatzimarkakis sogar seinen Doktor, oder nicht? | Erbloggtes

  6. Pingback: Plagiator Nummer 3: Matthias Pröfrock, CDU | Erbloggtes

  7. Pingback: Jorgo Chatzimarkakis – tritt zurück! | Erbloggtes

  8. Pingback: Wissenschaftliches Verlagswesen. Zwei Geschäftsmodelle im Vergleich | Erbloggtes

  9. Pingback: Fall Althusmann: Uni Potsdam wird Uni Plagsdamm-Bruch | Erbloggtes

  10. Pingback: Plagiatsexperten auf der Suche nach Plagiatsdefinitionen | Erbloggtes

  11. Pingback: Wer ist Robert Schmidt? Und wofür ist das relevant? | Erbloggtes

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s