Stuttgart-21-Stresstest und kein Ende

Erlebtes prägt Menschen, Bürger, Wähler mehr als bloß Gelesenes und Gehörtes. Die Stuttgart-21-Schlichtung, über die Erbloggtes im Oktober und November 2010 berichtete, war ein Fall von öffentlichem Diskurs, in dem mehr möglich war, als bloß Berichten aus dritter oder vierter Hand zu folgen. Jeder konnte genau das öffentliche Geschehen verfolgen, erhielt also verhältnismäßig ungefilterte Information, und konnte anschließend eine Position dazu einnehmen.

Eine Schlichtung und die Folgen

Die Folgen waren bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März 2011 zu beobachten. Das Wahlergebnis war allerdings nicht mehr als ein weiterer Nagel für den Sarg des Tiefbahnhofs „Stuttgart 21“. Die Konflikte verwandelten sich seitdem: Aus Industrie und Regierung gegen Bürgerinitiativen wurde Industrie gegen Regierung und Bürgerinitiativen. In dieser Lage – und nach der Erfahrung der Schlichtung – ist sich die Bahn offenbar nicht mehr so sicher, argumentativ überzeugen zu können. Daher, so berichtet Zapp, greift sie zu massiver Medien-Manipulation:

Dass der Zug noch nicht abgefahren ist, zeigt das Dementi der Gutachter von SMA:

Am gleichen Tag nahm sich der Bundestag des Themas in einer Aktuellen Stunde an. Die hatte Scharz-Gelb beantragt, offenbar in der irrigen Annahme, mit diesem Thema punkten zu können:

Nachdem oben genannter Zapp-Bericht aus der Mediathek verschwunden ist, vermuteten die Nachdenkseiten am 1. Juli bereits einen politischen Eingriff des NDR in die Zapp-Redaktion. Der NDR dementierte und kündigte die Wieder-online-Stellung des Beitrags nach der Überarbeitung eines fehlerhaften Einblendungs-Textes an, wie Nitro mitteilt.

Wer sind die S-21-Jubelperser?

Die Beeinflussung von Journalisten ist sicher ein wichtiger Bestandteil der Krisenkommunikation um Stuttgart 21. Darüber hinaus stellt sich jedoch die Frage, ob von den Beteiligten auch Partisanen-Krisenkommunikations-PR betrieben wird, durch wen, und in welcher Form. Wie mediale Jubelperser heute aussehen können, zeigt der Wiki-Watch/Convincet-Skandal. Die PR-Firma, die mit einer dubiosen Verbindung zur Universität Frankfurt (Oder) hausieren geht, hatte sich bisher in den Bereichen Pharmaunternehmen, Evangelikalismus, Homosexualität, CDU/CSU und Plagiatoren sowie Eigen-PR engagiert, ob aus persönlicher Präferenz oder bezahlt, ist nicht in jedem Fall klar.

Dabei kann man es mit Heiner Geißler halten, der über BW-Verkehrsminister Winfried Hermann und seine gegenwärtigen Gegner sagte:

„Er ist vor allem ein Überzeugungstäter und mir lieber als alle angepassten Politik-Yuppies.“[1]

Gilt auch – vielleicht noch mehr – für PR-Yuppies.

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3 Antworten zu “Stuttgart-21-Stresstest und kein Ende

  1. Pingback: Who watches Wiki-Watch? | Erbloggtes

  2. Danke für den Hinweis!

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