Plagiator Nummer 2: Veronica Saß legt Widerspruch gegen Doktor-Entzug ein

Erstrebte Stoibers Tochter Veronica Saß, Namenspatronin von VroniPlag, es wirklich, weiter einen Doktorgrad zu führen, der auf einer Dissertation mit höchstens 46 Prozent selbst geschriebenen Seiten beruht? Oder handelt es sich bei ihrem eingelegten Widerspruch gegen die Aberkennungbloß um einen logischen Schritt, den jeder Jurist machen sollte, es könnte ja sein, dass das Entscheidungsgremium betrunken ist und dem Widerspruch stattgibt?

Barcode Veronica Saß, 25. Mai 2011: auf 53,98 Prozent der Seiten finden sich Plagiate, zu einem großen Teil machen sie über 75 Prozent des Seitentextes aus (rot markiert)

Barcode Veronica Saß, 25. Mai 2011: 53,98 Prozent der Seiten enthalten Plagiate, zu einem großen Teil machen sie über 75 Prozent des Seitentextes aus (rot markiert).

Die Universität Konstanz teilte mit, der Widerspruch sei fristgerecht eingegangen, eine Begründung fehle jedoch. Auf die Begründung dürfen alle gespannt sein. Wird sie überzeugender sein als die Begründung, wegen der Saß kein Strafverfahren wegen falscher Eidessstattlicher Versicherung erwartet? Diese Begründung lautet nämlich, die unterschriebenen Formulare seien ungenau formuliert gewesen und Saß habe gar nicht wirksam beeidet, dass „alle fremden Inhalte der Dissertation gekennzeichnet waren“, meldet der Südkurier.[1]

Vielleicht hat die Uni Konstanz aber auch Lücken in ihrer Promotionsordnung, die man mit ein bisschen Ministerpräsidenten-Bonus so auslegen kann, dass es für eine Promotion in Konstanz gar nicht erforderlich ist, seitenweise abgeschriebene fremde Inhalte ordnungsgemäß zu kennzeichnen.

Fatale PR-Strategie – wer berät Saß?

Medienstrategisch macht Saß hier einen noch deutlich schwerwiegenderen Fehler als Guttenberg: Saß hätte sich einfach auf ihr metaphorisches Schloss zurückziehen können und wäre nicht weiter belästigt worden von Medienvertretern, Öffentlichkeit und Plagiatssuchern. In drei Jahren wäre die Saß-Affäre nur noch eine Anekdote, an die die wenigsten sich erinnern. Schließlich war der Fall Saß nur in geringem Maße von öffentlichem Interesse.

Durch den Widerspruch beginnt Saß jedoch mit der öffentlichen Leugnung ihres Promotionsbetrugs, so wie es Guttenberg anfangs versuchte. Durch den Rechtsbehelf (übrigens ein elementares Menschenrecht – aber auch das kann man missbrauchen) beschreitet sie einen Weg, den Koch-Mehrin – Empörungsstürme auslösend – bisher nur angedroht hat. Damit macht sich Saß als Präzedenzfall wieder interessant, begibt sich zurück in eine Öffentlichkeit, die bereit gewesen wäre, sie künftig zu schonen, wenn sie ihre akademische Verdammung reuig akzeptiert – und die nun bereit sein wird, Saß zu zerfleischen: Die Medienaufmerksamkeit und ihre öffentliche Relevanz wächst in einem Maße an, das bald zu einem eigenen Wikipedia-Artikel für Saß führen dürfte. Viel Positives kann da nicht drin stehen, ihre öffentliche Bekanntheit beschränkt sich weitgehend auf Klatschmagazine und ihre Plagiatsaffäre.

Die Öffentlichkeitsstrategien von Uwe Brinkmann und Matthias Pröfrock sind da erfolgversprechender. Brinkmann kann – in noch höherem Maße als Pröfrock – hoffen, künftig vergessen zu werden, wenn es um Plagiate von Bundestagsabgeordneten und Ministern geht.

Bleiben die Fragen: Was hat Saß zu verlieren? Aber was hat sie zu gewinnen?

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8 Antworten zu “Plagiator Nummer 2: Veronica Saß legt Widerspruch gegen Doktor-Entzug ein

  1. „Was hat Saß zu verlieren?“
    Na, vielleicht sind die Gründe arbeitsrechtlicher Art. Ist sie nicht im Mutterschutz? Der Einspruch würde das Verfahren offen halten, somit könnte ihr aktueller Arbeitgeber sie wg. des verlorenen Dr.-Titels zum jetztigen Zeitpunkt nicht entlassen und müsste weiter zahlen.
    Die Kanzlei dürfte nicht erfreut darüber sein, eine Mitarbeiterin zu beschäftigen die sich ihren Doktortitel erschlichen hat.
    Eine wertkonservative Erziehung hat Meister Stoiber seiner Tochter anscheinend nicht angedeihen lassen. Aber scheinheilig ist ja auch ein bisschen heilig – gell H. Stoiber?

  2. Tja. Offengestanden ist mir die Dame rätselhaft. Ich bin kein Jurist, aber es gibt etliche Präzendenzfälle, bei denen aufgeflogene Plagiats-Doktoren gegen die Aberkennung ihres Titels geklagt und klar verloren haben. Entweder hoffen hier die Hausjuristen der Stoibers nur auf schöne Honorare – oder es gibt tatsächlich irgendeinen „Formfehler“, den man ausnutzen könnte. Wirkt auf mich aber alles sehr, sehr dünn…

  3. Kleiner Nachtrag: Auf der Homepage der Kanzlei „Raupach & Wollert-Elmendorff“ (raupach.de) ist Saß nicht mehr anzuklicken. Bei ihrem Namen steht: „Mutterschutz“.

  4. Dann wäre ihr Widerspruch der Weigerung der Berufspolitiker ganz ähnlich, die ihr Mandat nicht aufgeben wollen. Nur dass Saß kein Wahlamt bekleidet.
    Aber ist das Mutterschutz-Recht in Deutschland so schwach, dass man wegen Promotionsbetrugs gekündigt werden kann? Die gesetzlichen Regelungen besagen, dass nur die zuständige oberste Landebehörde den Kündigungsschutz in (nicht näher bestimmten) besonderen Fällen aufheben kann (MuSchG § 9; BEEG § 18).

  5. Ich bin kein Jurist, deshalb kann ich nur spekulieren:
    Ich denke es kommt auf ihren Arbeitsvertrag an. Ist eine Grundvoraussetzung für ihre Beschäftigung nicht mehr gegeben, so könnte der Vertrag nichtig sein.
    Der Mutterschutz könnte also gar nicht greifen, da der eigentliche Arbeitsvertrag evtl. keine Gültigkeit besitzt – somit müsste er auch nicht gekündigt werden…!?

  6. Brinkmann hat das ja wirklich PR-technisch ganz gut gelöst:
    http://www.guttengate.de/doktorarbeit-2/brinkmann/2011/07/12/uni-hamburg-entzieht-brinkmann-den-doktorgrad/

    Ihr aktuelles Verhalten wird Saß noch einholen und sicher mehr Schaden anrichten, als Nutzen stiften!

  7. Kleiner Nachtrag noch zu Pröfrock:
    Seine Strategie ist etwas erfolgsversprechender als die von Chatzimarkakis oder Saß, allerdings ist sein Versuch, am Mandat festzuhalten ebenfalls skandalös.

  8. Auch ihr mächtiger Vater kann ihr hier nicht helfen.
    Warum rührt sie schmutziges Wasser noch auf?

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