Deutsche Staatsangehörigkeit, ein rechtlicher Anachronismus

Er staunte: staatenlos, deutsch, geduldet in der Schweiz. Dass es sowas noch gibt? Wenn ein Deutscher neue Papiere beantragt, kann es unter bestimmten Umständen sein, dass die Behörde einen Staatsangehörigkeitsnachweis verlangt, „den einzigen stichfesten Beweis“. Dann wird es schwierig:

„Ihn zu erbringen ist aufwendig. Es kommt eine zweite Behörde ins Spiel: das Bundesverwaltungsamt in Köln, dazu viele unterschiedliche Regelungen. Mal reicht es, die Abstammung von der Mutter zu belegen, mal ist es erforderlich, die Abstammung vom Vater und vom Großvater nachzuweisen, lückenlos, bis vor dem Ersten Weltkrieg.“[1]

Solche Regelungen haben natürlich historische Wurzeln. Sie hängen zusammen mit hundert Jahre alten Vorstellungen von Deutschtum und Irredentismus. Das geht zurück auf das „Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz“ (RuStAG) vom 22. Juli 1913, das bis 2000 immer noch so hieß, obwohl das „Reich“ lange tot war, und im wesentlichen auch weiter gilt.

Und natürlich haben auch die Nazis einiges damit zu tun, wie es dem in Die Welt geschilderten Menschen[1] ergeht. Damit sind gar nicht die Beamten gemeint, die heute noch eine kaum modernisierte Variante des Ariernachweises verlangen, sondern die echten, historischen Nazis, ihr Weltkrieg und seine Folgen. In der deutschen Gesetzgebung ist das alles nicht aufgearbeitet. Sie ist weder im 21. Jahrhundert noch in Europa angekommen. Blut und Boden, fein säuberlich dokumentiert und beurkundet, zählen im Gesetz heute wie in den Köpfen der Ururgroßväter.

Pfui.

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