Kurzmitteilung

Beliebige Literaturkritik

Erleichterte sich der Rezensent seine Arbeit, wenn er seine Kritik an stets ein und demselben archimedischen Punkt aufhängte, so kann man doch von einem ernsthaften Kritiker erwarten, dass er auf die mannigfaltigen Möglichkeiten des konkreten Werkes sich bezieht und sein Urteil daraus entwickelt.

Schlimmer als der stets mit der selben Keule zuschlagende  Kritiker (der zugleich ein stets mit derselben Keule zu schlagender Kritiker ist), bleibt aber jedenfalls die Festschreibung des archimedischen Punktes jeder Kritik von oben, ob es nun durch den Verleger, durch eine Partei oder den Staat geschieht. Der Bibliotheksfunktionär Erich Holtz schrieb in Bücherei und Bildung (BuB), Bd. 5 (1953), S. 370, in mahnender Erinnerung an die Buchkritik im Nationalsozialismus:

„Der Ruf nach einem festen Maßstab für die Buchbeurteilung hat verzweifelte Ähnlichkeit mit dem politischen Ruf nach dem starken Mann und damit nach dem Totalitarismus.“

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