Facebooks Like-Button: Kampf um den Doppelklick

Erscheint es sinnvoll, dass Facebook nun versucht, zu verhindern, dass andere Webseiten die Einbindung des Like-Buttons legal vorzunehmen versuchen? Die schleswig-holsteinische Datenschutzbehörde ULD hatte im August vor der mit dem Like-Button verbundenen automatischen Datenübertragung an Facebook gewarnt. Solche „Social Plugins“ verstießen gegen das Telemediengesetz (TMG) und das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG), da Facebook damit die Bewegungen von Internetnutzern ohne deren Zustimmung oder deren Wissen verfolgen könne.[1]

Das ULD (Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz) drohte Bußgelder bis 50.000 Euro an,[1] so dass einige Webseiten bereits Social Plugins entfernten oder sich ganz aus Facebook zurückzogen. Andere versuchen nun, mit einer 2-Klick-Lösung dafür zu sorgen, dass Nutzer die Social Plugins zunächst willentlich einschalten müssen, bevor deren doppelte Funktion – Facebook-Mitteilungen und Online-Verfolgung – aktiv wird. Unter den ersten, die eine solche Lösung eingebaut haben, waren Heise.de und SWR3.de.

Facebook will für legales Verhalten bestrafen

Doch Facebook, statt froh zu sein, dass kreative Programmierer kostenlos Möglichkeiten entwickeln und verteilen, wie Facebook dem europäischen Datenschutzrecht etwas weniger zuwiderhandeln[2] kann, will dagegen vorgehen: Facebook beschwerte sich prompt bei Heise.de und SWR3.de, dass durch die 2-Klick-Lösung Punkt 8 der „Platform Policies“ verletzt würde.[3]

„In Absatz I.8 wird untersagt Funktionen von Facebook nachzuahmen. Dies haben Sie mit der Abbildung des Empfehlen Buttons aber getan“,[3] teilte ein Facebook-Mitarbeiter Heise.de mit und drohte mit Konsequenzen:

Zuerst könnte Facebook den Like-Button auf Heise.de abschalten. Bei „wiederholter nicht policy-konformer Einbindung [könnte es] zu einem Blacklisting [der] Domain auf Facebook“ kommen, so dass Heise.de-Artikel nicht mehr auf Facebook geteilt werden könnten.[3] Damit versucht das „Social Network“, die Webseitenbetreiber dazu zu nötigen, sich weiter illegal[4] zu verhalten.

Markus Beckedahl nennt Facebooks Verhalten den „Lacher des Tages“ und wettet, dass Facebook nichts gegen Heise.de unternehmen werde. Die Drohung allein sei allerdings bereits erschreckend.[5] Andere Blogger loben die Heise.de-Initiative und stärken der Webseite gegen die „Schwachköppe“ von Facebook den Rücken.[6]

Strukturkonflikt dreier Internetakteure

Gegenwärtig wird die Heise-versus-Facebook-Story im Netz heiß diskutiert, Rivva zählt 5 Blogs, 546 Tweets, 458 Google+1 und – natürlich auf Facebook – 547 Shares und 644 Likes.[7] Ursache dieser stolzen Zahlen könnte sein, dass generelle Strukturen von Internet und Datenschutz sich hier abbilden:

Der Staat (ULD) versucht Datenschutzgesetze im durchzusetzen. Kleine Unternehmen (Heise.de) und private Webseiten werden dadurch zu Veränderungen gezwungen. Die Riesen des Web-2.0 (Facebook) stören staatliche Drohungen aber nicht; sie bestimmen: Wer bei uns mitmachen will, hat zuerst unseren Regeln zu folgen, erst danach staatlichen Gesetzen. Und jeder einfache Internetnutzer kann sich nun entscheiden, welche der drei Gruppen seine persönlichen Interessen am meisten beachtet.

In Deutschland vertraut man traditionell eher dem Staat. In den USA ist man da vielleicht skeptisch und meint, dass Unternehmen die Interessen des Einzelnen besser gerecht werden. Doch wenn Großunternehmen über die Größe und Macht von Staaten hinausgewachsen sind?

Update: Facebook soll sich am 7. September im Innen- und Rechtsausschuss des schleswig-holsteinischen Landtages erklären.[8]

Update 2: Vorab macht Facebook einen Rückzieher und erklärt gegenüber Heise.de: „Um es klar zu stellen: 2-klick-Button ist nicht ideal – aber kein Problem. Nur ein Like-Button der grafisch so tut als ob er einer ist, ist nicht ok.“[9]

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Eine Antwort zu “Facebooks Like-Button: Kampf um den Doppelklick

  1. Pingback: Facebook und die irische Datenschutzkommission | Erbloggtes

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