Prokrastination und Zen

Erscheint es als eine gute Idee, Prokrastination (Aufschiebeverhalten) durch Nichtstun zu überwinden? So lautet die Empfehlung von Leo Babauta, der mit Zen Habits eines der meistgelesenen Blogs betreibt,[1] 2010 etwa an der Spitze der Best-Blogs-Liste von Time.com stand.[2] Nach mehreren Büchern über Zen und Produktivitätssteigerung hat er sein Konzept in wenigen Worten reformuliert:[3]

  • Identifiziere Deine wichtigste Aufgabe für heute.
  • Entscheide Dich, den kleinsten Teil davon sofort zu erledigen, vielleicht nur 30 Sekunden.
  • Nur dieser kleinste Teil zählt nun. Beseitige alle Ablenkungen davon.
  • Sitze da und konzentriere Dich aufs Anfangen. Konzentrierte Dich nicht auf die gesamte Aufgabe, nur auf den kleinsten Teil.
  • Beobachte Deine Gedanken. Du wirst einen Drang verspüren, zu anderen Aufgaben zu wechseln. Beobachte diesen Drang.
  • Aber bewege Dich nicht. Beobachte den Drang, aber sitze da und lass ihn ziehen. Er steigt an und geht vorbei, wie eine Welle.
  • Beobachte, wie Dein Geist zu rechtfertigen versucht, die Aufgabe nicht anzugehen. Lass auch diese Begründungen vorbeiziehen.
  • Nun führe den kleinsten Teil Deiner Aufgabe aus, so klein wie möglich.
  • Beginne, und der Rest wird fließen.

Irritationen der Information über Zen

Irritierend an diesem Rat, nur da zu sitzen und nichts zu tun, ist ein performativer Selbstwiderspruch. Babauta leitete seinen Text mit den Worten ein:

„Your first thought as you look at this article will be, ‚I’ll read this later.‘ But don’t. Let the urge to switch to a new task pass. Read this now. It’ll take you two minutes. It’ll save you countless hours.“[3]

Zweifellos ist es jedoch nicht die wichtigste Aufgabe des Tages, diesen Text zu lesen. Vielmehr ist es in 99 Prozent aller Fälle Prokrastination, den Text zu lesen, darüber nachzudenken oder gar darüber zu bloggen. Die Praxis ist entscheidend. Die Praxis beginnt jetzt mit der kleinsten Aufgabe für heute. Dazu muss dieses Blog geschlossen werden.

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