Guttenbergs Zeit-Interview, die Blogosphäre, und wer’s nicht mehr sehen kann muss hören

Ergab es einen Knall in der Blogosphäre, als Guttenberg plötzlich „wieder da“ war, medial omnipräsent wie zuletzt im Februar, nun als Geläuterter inszeniert, aber zugleich als Inszenierer kritisiert? Der Rivva fließt jedenfalls schnell in dieser Frage. Hier eine Sammlung von vielrezipierten Artikeln der vergangenen Tage, jeweils mit Link auf den Rivva:

Interview der Wochenzeitung Die Zeit mit Guttenberg, Ausgabe 48, 2011

Dem Schauspieler eine Bühne

Im Interview mit Giovanni di Lorenzo von Die Zeit, einer ehemals anspruchsvollen Wochenzeitung, durfte Guttenberg nochmal alles sagen, was er denkt, oder was man glauben soll, dass er denkt. In der Grafik rechts sind die Stellen, in denen er entweder das Publikum oder sich selbst für dumm verkauft, gelb markiert. Die Bebilderung spricht die Sprache der Läuterung, der Altersweisheit (mit der sonst Helmut Schmidt dargestellt wird) und der soliden Wiederkehr. Da sieht man, wie Zeitungen auch wortlos trommeln können.

Da über Guttenberg schon viel zu viel geschrieben und gelesen wurde, aber auch klar zu viel bewegte Bilder gedreht und angeschaut wurden, hier noch der Hinweis auf ein alternatives Medium: Radio. Gerade Deutschlandradio Kultur hat mit Telefoninterviews ein gutes Programm gemacht: Eine Hörempfehlung; Interview mit Plagiatsjäger Stefan Weber, Interview mit FAZ-Redakteur Jürgen Kaube (rivva), Interview mit Politikberater Michael Spreng.

Und weil wir grad dabei sind: Das Motto, mit dem die gerade 40 Jahre alt gewordene Universität des Guttenberg-Entlarvers Fischer-Lescano noch immer ringt: „Die rote Kaderschmiede ist passé“.

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6 Antworten zu “Guttenbergs Zeit-Interview, die Blogosphäre, und wer’s nicht mehr sehen kann muss hören

  1. Das Zeit-Interview ist jetzt auch online abrufbar, verteilt auf sechs(!) Seiten.

  2. Pingback: Ein Phantom kehrt zurück 3: Guttenberg und Hitlers Steigbügel | Erbloggtes

  3. Was für ein dreister Pinsel. Keine neue Erkenntnis. Neu dagegen ist die Erkenntnis, was für ein kläglicher Journalist unser Held Giovanni di-„ich hab‘ die Haare schön“-Lorenzo ist.
    Nur ein Detail: KTG’s Gefasel von 4 Computern und zig Datenträgern – kein Doktorand der Welt recherchiert, in dem er Fremdtexte eins zu eins abtippt. Er exerpiert wichtige Texte oder er läßt sie zwecks späterer Lektüre durch den Kopierer laufen. Aber niemals tippt jemand hunderte Texte wortwörtlich ab.

    Und jeder Mensch der Welt ist imstande, einen eigenen Text von fremden Texten zu unterscheiden. Sofort. Auf einen Blick. Nur Herr G. kann das nicht. Dafür lügt er wie gedruckt.

    Der wackere Giovanni di Lorenzo hält brav das adelige Patschhändchen und kümmert sich um Tee und Plätzchen.

    Widerlich.

  4. Aber die Ausrede, man habe eine schwerwiegende neurologische Störung, die funktioniert immer. Nur warum man mit schweren Gehirnschäden in die Politik gehen sollte, das bleibt dann unklar. 😉

  5. Ich würde trotzdem gern wissen, wie’s wirklich war. Was wirklich gelaufen ist…
    Daß der Typ da neben seiner steilen CSU-Karriere auf seinem Schloß sitzt und jahrelang Texte zusammenklaubt, abtippt und dann immerhin so geschickt zusammenleimt, daß es mit „summa“ durchgeht – kann ich mir nicht ohne weiteres vorstellen!
    Allein durch das Sammeln und Collagieren wäre er in dem Thema doch notgedrungen so „fit“ gewesen, daß es für einen eigenen Text locker hätte reichen müssen. Notfalls nur halb so dick. Und da er nicht dumm ist, mußte er wissen, daß ein Plagiat diesen Kalibers irgendwann auffliegt…

    Okay, ich glaube, er hatte einen ghost, und der hat ihn geleimt. Hat – vielleicht aus Rache wofür auch immer – Murks geliefert und kaltlächelnd den schnöden Mammon abgegriffen.

    Warum ein Herr Professor Häberle aber dafür dann die Bestnote zieht, ist die nächste Frage. Der alte Herr war dem Charme unseres Helden restlos erlegen – daß er dessen Werk nicht mal beiläufig überflogen hat, kann ich nicht glauben. Wenn er es aber durchgeblättert hat, hätte er, der hochdekorierte Doyen seiner Zunft, den Braten riechen müssen.

    Dann wiederum verstehe ich nicht, daß Häberle seinen Liebling nicht gewarnt und auf Überarbeitung gedrängt hat. Warum winkt er das toxische Papier mit „summa“ durch und setzt damit eine Zeitbombe in Gang? Daß dieses Werk auch andere lesen/rezensieren werden, mußte ihm doch klar sein! Okay, vielleicht ist er senil. Einzig mögliche Erklärung.

    Berater, die es gut mit ihm meinen, hat unser Held offenbar auch nicht. Die hätten ihm gesagt: Junge, das mit der Politik ist vorbei. Tu‘ dir das nicht an. Die schlachten und grillen dich. Such dir was anderes. Und wenn du wirklich, wirklich, wirklich nochmal antreten willst – versuch’s in fünf Jahren nochmal. Der Typ ist keine 40.

    Jetzt ist er mit dem unsäglichen Interview-Buch wieder auf die Schnauze gefallen, hat sich noch tiefer reingeritten. Peinlich hoch zehn. Bestseller hin, Kohle her. Davon hat der feine Herr doch ohnehin genug. Aber der Ruf – der ist dauerhaft ruiniert.

    PS.: Mein Lieblingssatz in seinem gloriosen Werk ist übrigens: „Wir müssen global mehr tun.“

  6. Pingback: Fall Althusmann: Uni Potsdam wird Uni Plagsdamm-Bruch | Erbloggtes

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