Guttenberg Reloaded: Plagiator bleibt Plagiator, GuttenPlag ermittelt wieder

Erstaunt es noch, wenn das mit dem Grimme-Online-Award 2011 ausgezeichnete GuttenPlag Wiki nun den Beweis dafür antritt, dass Guttenberg stets log, wenn er über seine Dissertation gesprochen hat? Er hat nicht nach sieben Jahren Arbeit auf 80 Disketten und vier Computern den Überblick verloren und fremde Texte für die eigenen gehalten. Das konnte ohnehin niemand glauben, der schon einmal eigene wissenschaftliche Texte verfasst hat. Guttenberg hat, wie GuttenPlag nun nachweisen will,[2] schon 2004 einen Aufsatz veröffentlicht, der von Plagiaten nur so strotzt. In der Schriftenreihe Aktuelle Analysen der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung demonstrierte er damit mitten in seiner Doktorarbeitsphase die meisten seiner systematischen Techniken zum Wissenschaftsbetrug.

Plagiatszähler von Guttenbergs Aufsatz am 3. Dezember 2011

Plagiatszähler von Guttenbergs Aufsatz am 3. Dezember 2011

GuttenPlag-Mitarbeiter haben eine Erklärung zu ihrem neuen Untersuchungsobjekt verfasst:

„Guttenberg stückelte bereits diesen Aufsatz zu großen Teilen aus Onlinequellen, Artikeln der Tagespresse und einer Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages zusammen. Sinngemäße und wörtliche Textübernahmen wurden nicht oder unzureichend markiert. Es stellt sich nun heraus, dass sich das Textmontageprinzip, das für die Dissertation stilprägend war, bereits in diesem Aufsatz als grundlegendes Arbeitsmerkmal nachweisen lässt. Die Aussage Guttenbergs, beim Verfassen der Dissertation unter besonderem Druck über eine Vielzahl von Quellen den Überblick verloren zu haben, erweist sich in diesem Licht als Schutzbehauptung. Es wird vielmehr deutlich, dass es sich bei der Erstellung der Dissertation nicht um einen einzigartigen Fehler, sondern um eine nachweislich bereits erprobte Vorgehensweise beim Verfassen von Texten handelte. Das Plagiieren hatte bei Guttenberg schlicht System.“[1]

Dieser Fund wäre vor einigen Monaten noch als irrelevant abgetan worden angesichts des Ausmaßes von Guttenbergs Dissertationsbetrug. Heute ist er die passende Reaktion auf Guttenbergs mediale Reinwaschungsoffensive. Misslich ist allerdings, dass dieses Beweisstück im Verfahren der Staatsanwaltschaft Hof nicht benutzt wurde.

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3 Antworten zu “Guttenberg Reloaded: Plagiator bleibt Plagiator, GuttenPlag ermittelt wieder

  1. Dieser Fund wurde tatsächlich vor einigen Monaten schon bekannt und dann abgetan bzw. nicht weiter verfolgt. Stand auch in der Zeitung. Hätte also auch die Staatsanwaltschaft Hof ermitteln können, um Öffentliches Interesse zu bewerten. War aber anscheinend zu beschäftigt damit, in vorauseilender Hilfsbereitschaft (und dem Justizministerium weisungsgebunden) den Text für das Angebot der Einstellung des Verfahrens auszufeilen.
    Fr. Volkmann-Schluck hat Akteneinsicht angefordert. Ich möchte gerne wissen, was die die vielen Monate gemacht haben, bei so geringer Ausbeute und ohne auch von anderen Taten Kenntnis aus Wiki und Presse zu erlangen. Interessant wäre auch zu wissen, seit wann Guttenberg weiß, dass mit der Zahlung der 20.000 EUR das Verfahren eingestellt wird. Geprahlt hatte er damit ja schon vor ca. 6-8 Wochen? Natürlich immer sofort von der Staatsanwaltschaft widersprochen.

  2. Pingback: Ein Phantom kehrt zurück 5: Der Ghostwriter, das geistige Eigentum und alles auf Anfang | Erbloggtes

  3. Danke sehr! Darauf habe ich hier nochmal zurückgegriffen. Ihr Kommentar wurde übrigens zunächst als Spam markiert, evtl. wegen der drei o in der angegebenen Mail-Adresse.

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