Wer glaubt Wulff noch, dass sein Kredit nur geliehen war?

Er sprach es erstmals klar und mitsamt den Kernargumenten vor der großen Öffentlichkeit aus: Es ist völlig ungeklärt, ob Wulffs angeblicher 500.000-Euro-Kredit „unter Freunden“ überhaupt ein Kredit war, oder ob es sich um ein „Geschenk“ handelte.

„Am Anfang jedenfalls stand ein Gerücht: Wulff habe für seinen Hauskauf Geld von Carsten Maschmeyer erhalten. Auf dieses „jahrelange Gerücht“ bezieht sich der Präsident in seinem Mailbox-Anruf bei der „Bild“-Zeitung. Mit der Nennung des Namens Geerkens und dem Siegel der Freundschaft will er das widerlegt haben; der Preis für diese Offenheit sollte das Schweigen der Medien sein. […] Wichtiger ist, ob durch die bekanntgewordenen Tatsachen, im Wesentlichen solche, über die Wulff selbst die Herrschaft hatte, die Vermutung einer klandestinen Zuwendung grundsätzlich als widerlegt gelten kann. Das scheinen viele zu glauben. Sicher ist, dass die Geerkens-Geschichte von Wulff dazu eingesetzt wurde, Zweifel zu zerstreuen – erst hinter, dann vor den publizistischen Kulissen.“

Wulff hatte hinreichend Gelegenheit – er wusste ja lange von den Recherchen – einen Kredit seines „väterlichen Freundes“ vorzutäuschen, um ein 500.000-Euro-Geschenk zu verschleiern. Dass eine halbe Million eher zum Kaufpreis eines Politikers taugt als zum Kaufpreis eines 415.000 Euro teuren Hauses, ist dabei nur ein Nebenaspekt.

Den Verdacht, dass der Geerkens-Kredit fingiert war, konnte man schon haben, bevor die Widersprüche, welcher Partner des Ehepaares nun Kreditgeber war, warum es keine Tilgungsvereinbarung gab, und wieso der angebliche Kredit mit einem anonymen Bundesbankscheck abgewickelt worden sein sollte, auch nur bekannt waren. Er bloggte schon am 21. Dezember angesichts von „Wulffs Bemühen um konsequente Verschleierung“:

„Der Verdacht, dass Zugeständnisse an eine empörte Öffentlichkeit nur erfolgen, um schlimmere Verfehlungen zu vertuschen, ist von Wulff nicht mehr abzuwaschen.“

Seitdem ist einiges geschehen. Diesen Verdacht hegt nun auch die konservative Presse, so wie sie Guttenberg nach einigen offenbaren Lügen keinen Glauben mehr schenkte.[1] Unter diesem Verdacht steht jede Äußerung Wulffs, jede Handlung, auch jede frühere Handlung, selbst wenn es heißt, Wulff habe gar nichts davon gewusst.[2] Wulff steht inzwischen in dem Ruf, stets nur zu agieren, um etwas vorzutäuschen. Nicht nur im Umgang mit den Medien.[3] Der Darstellung von jemandem Glauben schenken, der in dieser Angelegenheit bereits gelogen und getäuscht hat – das tun nur Dummköpfe. Wulff aber hat nichts von seiner Version der Geschichte bewiesen, kann es wahrscheinlich auch nicht, da er alles zum Zwecke der Verschleierung eingerichtet hatte.

Auf diesem Boden gedeiht alles, bis hin zu den an den Haaren herbeigezogenen Gerüchten über Bettina Wulffs Strumpfhosen. Den Boden hat Wulff selbst gedüngt. Den medialen Shitstorm („In Fäkalgewittern“), der über den Bundespräsidenten hereingebrochen ist, entschuldigt Michael Angele mit Kants Vergessenskunst. Die Wulff-Affäre quäle die Bürger bis zur Unerträglichkeit:

„Dann müssen wir sie uns eben wegschreiben. Und genau das geschieht ja in den Kommentaren und Blogs zur Debatte, […] die alle dem einen, heimlichen Zwecke dienen: zu vergessen, was man nicht länger aushält.“[4]

Eine andere Lösung schlägt das Extra 3 Blog vor.

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