Untiefen der Revolutionsmetaphorik

Ergibt es sich dieser Tage häufiger, heimlich von Revolution und Revolte zu träumen, so drückt sich das in den Medien dadurch aus, dass Revolutionsmetaphern hipp sind. Zwei aktuelle Beispiele: Frank Schirrmacher dehnt die Revolutionsmetaphorik gekonnt, um anhand der Mutter aller Revolutionen einen Bürgerkonsens zur Beendigung der Revolutionsunruhen vorzuschlagen:

Schirrmacher und die digitale Kulturrevolution

Die Revolution sei eine notwendige Entwicklung, das absolutistische Besitzstandsdenken gescheitert. Daher müsse man nun die historischen Veränderungen durchführen und festklopfen, um weiteres Außer-Kontrolle-Geraten der revolutionären Dynamik zu verhindern.

Ein hehres Ziel, mit virtuosem Pinselstrich in Szene gesetzt. Schirrmacher übersieht in seinem Historiengemälde – Titel: Die Freiheit führt das Publikum (nur an der Nase rum) – allerdings ein paar weniger erbauliche Aspekte der Revolution: Nicht nur jene korrupten Lakaien, die sich selbst skrupellos an einer gesellschaftlichen Krise bereichern, sind nötig, um eine Revolution zu entfachen. Der „Volkszorn“ entlädt sich nicht spontan ob der Ungerechtigkeit solcher Profiteure (als die Schirrmacher übrigens die Massenabmahner ausmacht).

Die Freiheit führt das Volk

Die Freiheit führt das Volk. Hungernde Revolutionsverlierer gibt es nicht, nur tote.

Der Revolution voraus gehen stets Hungerrevolten. Die Empörung der Bürgerlichen entsteht dann durch den Kontrast zwischen Profiteuren und halbverhungerten Unterschichten. Der französische Sozialhistoriker Ernest Labrousse stellte schon in den 1930er Jahren fest, dass der Französischen Revolution eine Phase steigender Brotpreise vorausgegangen war, die am Vorabend des Sturms auf die Bastille ihren Höhepunkt erreichte. Aus den Hungernden werden dann nicht die „führenden Köpfe“ der Revolution, durchaus aber Menschen, die in vorderster Reihe stehen und den revolutionären Unruhen zum Opfer fallen.

Dass Schirrmacher dieses Element in seiner Schilderung der digitalen Kulturrevolution vergisst, ist kein Zufall. Es gehört fest zur bürgerlichen Revolutionstradition, die Unterschichten in ihrer Verelendung zu belassen und sie aus der Revolutionserzählung auszuschließen. Nach der Revolution sind sie, was sie vorher waren: ausgeschlossen, ausgestoßen und verarmt – nun freilich zuweilen konsequenter und einsamer. Aber wenn sie nicht gestorben sind, dann können sie dank revolutionärem Wirtschaftsaufschwung zumindest etwas zu beißen bekommen.

Ob wohl nach dem postrevolutionären Konsens auch jene ein paar kulturelle Brosamen erhalten, die heute filesharend gegen die bestehende Kulturordnung revoltieren, weil sie kein Geld haben, um mal ins Kino zu gehen, ein Buch zu kaufen (Hardcover? Ha! Wissenschaft? Haha!) oder eine DVD? Sie haben keine Stimme und keine Relevanz in der Diskussion; sie haben auch keine Ehre und keine Lobby; schuld daran sind sie stets selbst am meisten. Ihre schiere Existenz ist am einfachsten zu leugnen. Bei Schirrmacher kommen sie ebensowenig vor wie bei seinen Kritikern und Unterstützern:[1][2][3][4][5][6][7][8][9]

„Die Gründe für das illegale Herunterladen sind […] vielfältig – Geiz, Gier, […] aber auch schlichte Unzugänglichkeit des Materials auf legalem Wege.“[10]

Schavan und die Plagiatsjakobiner

Das zweite Beispiel für revolutionäre Metaphorik ist das Feld der Plagiatsaffäre Schavan, die seit dem 2. Mai nicht nur dieses Blog in Atem hält. Von Anfang an lebte die Französische Revolution im Sprechen über Schavan wieder auf, beginnend mit Harald Jähner in der Berliner Zeitung am 4. Mai:

„Spätestens dann, wenn sie sich Aktivisten nennen und mit netzspezifischer Härte über die skrupulöseren Kollegen der ‚kollaborativen Plagiatsplattform‘ vroniplag herziehen, bekommt die Sache etwas unangenehm Jakobinisches.“[11]

Schon das griff der Betreiber des Twitter-Accounts @GuttenPlagWiki begeistert auf, wollte sogar das ungeeignete „#Plagiatsjakobinern“ als Hashtag etablieren.[12] Heute nun positioniert sich der ehemalige Plagiatsjäger deutlich im Meinungsspektrum zwischen Schavan und den Plagiatsvorwürfen gegen sie:[13]

Plagiatsjakobiner

Schavan gegen Plagiatsjakobiner?

Was will er mit dieser Metaphernwahl mitteilen? In Deutschland transportieren Verweise auf Jakobinertum seit gut 200 Jahren meist vor allem eines: Abscheu. Der Deutsche ist in Sachen Revolution eher lau, sagt man, und sollte sie im Bahnhof stattfinden, löse der deutsche Revolutionär zuerst eine Bahnsteigkarte. Jakobiner hingegen gelten als radikal, gewaltbereit und gleichmacherisch.

Was wollte der anonyme Autor mit seiner Jakobinermetaphorik nicht mitteilen, tat es aber dennoch? Die Jakobiner waren jene Fraktion im politischen Spektrum, welche an den Idealen der Revolution festhielt und statt der konstitutionellen Monarchie eine Republik anstrebte. In Deutschland waren sie schon deshalb so unbeliebt, weil sie Demokraten waren – die man damals umstandslos auch Radikale nannte.

Die Selbstpositionierung gegen die „Plagiatsjakobiner“ kann man als Bekenntnis eines Ex-Revolutionärs interpretieren, der findet, nun sei es aber mal genug mit der Revolution. Grundsätzliche Ziele seien erreicht, die Monarchie wolle man aber nicht aufgeben. Die Revolution sei gefährlich geworden. Daher seien nun die Jakobiner der Feind, gegen den man sich auszurichten habe. Diese Orientierung heißt traditionell auch Konterrevolution.

Dass verbliebene VroniPlagger im Fall Schavan mehr warme Worte für die Plagiatorin übrig haben als für die Plagiatssuche auf eigene Faust, das wurde von Anfang an deutlich: Im „Grenzfall“ pro reo. Dass sie aber so weit gehen, sich selbst metaphorisch zur Konterrevolution zu stilisieren, die die revolutionären Errungenschaften zugunsten von „Recht und Ordnung“ rückgängig machen will, das konnte bisher nur gemutmaßt werden.[14]

Die Revolutionsmetaphorik in ihrem Lauf

Übrigens fehlen auch in diesem Revolutionsgemälde die Hungerrevolten und Revolutionsverlierer. Dass jemand auf den Barrikaden sein Leben für die wissenschaftliche Redlichkeit gegeben habe, das ist glücklicherweise noch nicht bekannt geworden. Aber die wissenschaftlichen Habenichtse, die prekär oder unbezahlt in der Wissenschaft Beschäftigten, deren Elend im Kontrast den ungerechten Glanz der Promotionsbetrüger erst deutlich hervorhebt, für sie wird auch diese Revolution nichts einbringen. Ebenso die ehrlich an der Doktorarbeit Scheiternden, die zu edel oder zu feige sind, Plagiate einzureichen: Sie wird die vom Plagiatssystem umgewälzte „Wissensgesellschaft“ als erste vergessen haben.

Harald Jähner hatte noch eine zweite Assoziation zu Schavanplag, die er nur verschleiert mitzuteilen wagte: „so unheimlich ist die Freude, mit der selbst ernannte Plagiatsermittler zu Werke gehen“,[11] schreibt er und verweist damit auf „eine klammheimliche Freude“, die der Göttinger Mescalero „nicht verhehlen“ konnte, als die RAF-Terroristen 1977 Generalbundesanwalt Buback erschossen. Terroristen also, Staatsfeinde und (Ruf-)Mörder sind die Plagiatsforscher demnach. Terror, besonders Tugendterror, gehört allerdings auch fest zum begrifflichen Umfeld der Jakobiner. Und da ist er wieder, der Bürgerschreck des Jakobinismus. Auf den baut auch Schavans Verteidigungsstrategie auf, wie Der Spiegel berichtet. Schavan wolle die Debatte weg von ihrer Doktorarbeit lenken und stattdessen ihrerseits den Tugendterror anprangern (zu dem sie sich gegenüber Guttenberg erst ganz zum Schluss, und dann auch nur kurz, hinreißen ließ):

„Darf das Internet als Pranger benutzt werden, der Menschen mit anonymen Vorwürfen um ihre berufliche und persönliche Reputation bringt?
Und Schavan will auch fragen, ob schon kleine Verfehlungen bei einer Doktorarbeit wirklich dafür ausreichen, eine lange politische Biografie zu entwerten.“ (Der Spiegel, 14. Mai 2012, S. 35)

Im politischen Spektrum, das sich an der Sitzordnung in der französischen revolutionären Nationalversammlung orientiert, sitzen die Jakobiner übrigens ganz links. Die Kopierer stehen ironischerweise in den beiden Revolutionsmetaphern auf gegensätzlichen Seiten. Vive la révolution!

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49 Antworten zu “Untiefen der Revolutionsmetaphorik

  1. Und Erbloggtes fällt auf Twitter nicht mehr dazu ein als “Womit bezahlt #Schavan eigentlich solche Supporter?” (http://twitter.com/#!/Erbloggtes/status/201736515217395712) Hier die revolutionäre Wahrheit, dort die korrumpierten Ex-Revolutionäre? – Willkommen auf dem Bildzeitungsniveau.

  2. Wie Sie vielleicht festgestellt haben, ist die Revolutionsmetaphorik selbst korrupt, schließlich opfert sie die Ideale der Revolution schnellstmöglich, um ihren Frieden mit den alten Mächten zu machen und die Ansprüche der Verelendeten abzuwehren, mithin jene schnellstmöglich zu vergessen.

  3. Das haben Sie auf Twitter nicht geschrieben, Erbloggtes. Auf Twitter unterstellen Sie, wie auch in einem weiteren Beitrag hier im Blog, dass Vroniplagger käuflich seien (mit welchem Zahlungsmittel auch immer). Der Jakobinismus wurde bekanntlich recht gut von Verschwörungstheorien genährt, nicht von seinem Streben nach Gerechtigkeit.

  4. „Bekanntlich“ ist ein wunderschönes Wort. Ich hatte auch mehrfach überlegt, es im obigen Text zu verwenden. Bekanntlich handelt es sich dabei aber um ein bei Verschwörungstheoretikern beliebtes Wort, weil man damit Behauptungen rhetorisch absichern kann, ohne sie argumentativ stützen zu müssen.
    In einem weiteren Beitrag hier im Blog unterstelle ich übrigens, dass bei VroniPlag Interessenkonflikte existieren, die den Blick für Schavan trüben. Und zwar unterstelle ich das belegt durch Aussagen von VroniPlaggern. Und nun sagen Sie mal, „mit welchem Zahlungsmittel auch immer“ VroniPlagger denn meiner Ansicht nach käuflich seien.

  5. Wenn die Person, die das getwittert hat Martin Heidingsfelder gewesen wäre, hätte man versucht ihn zur Herausgabe des Accounts und des Passworts zu zwingen. Man hätte ihn lebenslang aus dem Wiki ausgeschlossen. Mich würde es nicht wundern, wenn dieser Tweet von dem „offiziös wirkenden Account“ von einem derjenigen kommt, die Heidingsfelder wegen seiner Tweets gemobbt und ausgeschlossen haben.
    VroniPlag hat zusehends ein Problem, die Fehlentscheidung einzugestehen. Robert Schmidt und Prof. Gerhard Dannemann haben für Veröffentlichung gestimmt, MarcusB hat sich enthalten. Wer waren eigentlich die drei oder vielleicht vier die dagegen gestimmt haben? Und warum bekennt sich keiner dazu? Warum äußert sich Frau Prof. Weber-Wulff nicht zu den Befangenheitsvorwürfen? Sind weitere VroniPlagger befangen, weil ihnen Dinge oder Jobs angeboten wurden? Fazit: Derjenige, der den Tweet vom Account des GuttenPlagWikis gemacht hat, war offensichtlich gegen die Veröffentlichung und muss jetzt Frau Schavan unterstützen, damit er Recht behält.
    Konterrevolution? Meiner Meinung nach, hat derjenige weder Haltung noch Charakter und ist nur ein Opportunist. Das Zeug zum Revolutionär hat so einer nicht.
    Die Analogie zum Fall Roland Wöller ist spannend. Da wurde einer mehrfach Verleumder genannt und mehrheitlich abgestimmt nicht zu untersuchen. IP-Nummern aus Sachsen, die andere als Verleumder bezeichneten wurden hofiert. Aber das war vor der Zeit von KPA und VPmod.

  6. Sie zitieren in Ihrem entsprechenden Blogbeitrag aus WELT ONLINE: “Ende Dezember stolperte einer der Aktivisten über einen Plagiatsverdacht in Schavans Arbeit. Weber-Wulff suchte nicht aktiv mit, da sie einen möglichen Interessenkonflikt zu ihrem Vorstoß für eine Plagiatseinrichtung sah.“ Ist das eine Aussage eines Vroniplaggers, die als Beleg tauglich wäre? Oder ist das eine Interpretation eines Journalisten? Wenn Sie so mit Belegen umgehen (aus einer Interpretation eines dritten wird die Aussage eines Vroniplaggers), dann kann man dieses ganze Geraune hier nicht mehr sonderlich ernst nehmen, Erbloggtes. Aus solchen Griffen speisen sich – bekanntlich – Verschwörungstheorien.

  7. In dem Blogbeitrag, den Sie meinen, „VroniPlag-Institut für Plagiatsforschung?“, schreibe ich auch:

    „Im VroniPlag-Chat verweigert man jegliche Angabe zu dieser Abstimmung. “Wahlgeheimnis”, heißt es. Interessen habe ja jeder, irgendwie. Und die Abstimmung über den Fall Schavan habe nicht bedeutet, dass VroniPlag den Fall nicht weiter untersuche.“

    Darüber hinaus, dass ja jeder irgendwelche Interessen habe (wer bei der letzten Wahl gewählt habe, führte man dort etwa als Beispiel an), bestätigte man mir genau den von Ihnen zitierten Satz Bewarders.
    Und, wie ernst nehmen Sie jetzt das „Geraune“?
    Und wie interpretieren Sie das, wenn VroniPlagger mir erzählen, Interessen am Fall Schavan würden schon danach bemessen, ob man bei der letzten Wahl gewählt habe?

  8. Plaqueiator

    Lieber Kahrl, falls es sich bei Dir um den Kahrl aus Guttenplag/Vroniplag handelt: auf diesem Wege herzlichen Dank für die fruchtbare Zusammenarbeit mit Dir bei der Aufbereitung des MM-Berichtes. Hat mir viel Spaß gemacht.

    Wenn Erbloggtes den Bogen auch sehr weit schlägt, so kann ich doch sein Gespür für die Zwischentöne nachvollziehen und muss ihm recht geben. Die Verwendung von „Revolutionsmetaphorik“ ist immer ein Zeichen dafür, dass versucht wird, die Argumetation zu polemisieren und dadurch eine Sachdiskussion zu destruieren. Dass Heidingsfelder auf polemischem Feld hier unzweckmäßige Steilvorlagen z.B. mit wirren Rücktrittsforderungen liefert, die Schavan natürlich gerne aufgreift, um vom eigentlichen Problemkern abzulenken, ist leider aus alten Tagen bekannt und ein Grund, warum er ja zurecht aus dem Wiki expediert wurde. Dass aber die verbliebenen „führenden“ Vroniplagger jetzt genau auf der anderen Seite in die gleiche Kerbe hauen, indem sie einen Ablassbrief ausstellen, ist genau so fraglich und um keinen Deut besser als die Äußerungen Heidingsfelders. Die polemische Spekulation, was der Preis für den Ablassbrief sei, liegt zwar nahe, führt aber, da polemisch, nicht weiter. Ich möchte gern zurück zur Ausgangsfrage und sachorientiert diskutieren.

    Das Problem derjenigen, die sich mit der „Grenzfall“-Einschätzung weit aus dem Fenster gelehnt haben, ist, dass sie dies ohne nachvollziehbare objektive Argumentation getan haben. Sie berufen sich bei ihrem Urteil ausschließlich auf ihre eigene durch die öffentliche Wahrnehmung rezipierte angebliche „Kompetenz“. Keine Transparenz der Entscheidungsgründe, keine stichhaltige Argumentation für die Wertung „Grenzfall“.

    Es wurde bei der Bearbeitung des Falles vom generellen Prozedere abgewichen, das vorhandene Material wurde intern nicht einmal vollständig gesichtet, und wenn, dann zuweilen mit fadenscheinigen Begründungen für *nicht veröffentlichungsfähig* erklärt.
    Obwohl trotzdem auf jeder zehnten Seite (nach Vroniplag-Einschätzung) Übernahmen gefunden wurden, sollte der Fall nicht an die Öffentlichkeit.

    Auch andere Gründe, die intern sonst erwogen wurden – ich erinnere an die Diskussion „Sollen ausschließlich Analysen von Arbeiten von Personen des öff. Lebens publik gemacht werden?“ – sprachen nicht gegen, sondern für die Thematisierung der Arbeit Schavans. Wessen Arbeit entspricht denn den Publikationsrichtlinien des Wiki, wenn nicht die Arbeit der Bundesbildungsministerin?

    Wieso sind über 10% (gesichteter) plagiatsbetroffener Seiten „zu dünn“?

    Fragen an Dich: warum positionieren sich die knappe handvoll „Führender“ bei Vroniplag so im Fall Schavan, wie sie es tun. Warum wollten sie die ganz klar diskussionswürdige Arbeit der Bundesbildungsministerin nicht diskutiert sehen? Vielleicht weisst Du es ja.

  9. Wer ist „man“?🙂

  10. Was Sie nun zitieren, hat doch nichts mit Interessenkonflikten zu tun, sondern mit dem individuellen Abstimmungsverhalten, über das man offensichtlich keine Aussage machen möchte (einige Vroniplagger haben sich ja dazu jeweils individuell geäußert).

    Und mal grundsätzlich gefragt: Was soll das denn für ein Konflikt sein, Erbloggtes, den man im Chat bestätigen könnte? Weber-Wulff schützt Schavan, damit diese ihr eine Forschungsstelle finanziert? Über die Hälfte der Vroniplagger zieht mit, damit der Deal auch wirklich klappt? Aber ein Anständiger jenseits der Konterrevolutionäre haut das Ding dann über einen Blog raus und fällt den Verschwörern in den Rücken?

    Nee, Erbloggtes, da mögen Sie hier noch gerne länger raunen. Das klingt in keiner für mich denkbaren Lesart irgendwie nachvollziehbar. Aber vielleicht möchten Sie es ja auch lieber mitschwingen lassen. So erbloggt es sich halt leichter.

  11. Plaqueiator

    Nachtrag @Kahrl22 (https://erbloggtes.wordpress.com/2012/05/14/untiefen-der-revolutionsmetaphorik/#comment-1509):
    Wenn ich das richtig lese, hat sich Erbloggtes via Twitter bei Bewarder hinsichtlich des Interessenkonfliktes erkundigt und von Bewarder die Bestätigung bekommen, dass Weber-Wulff einen Interessenkonflikt aktiv ansprach:

    Dass WiseWoman nicht aktiv an der Suche teilgenommen hat, geht aus ihrer Beitragsliste für Analyse:As auf Vroniplag hervor und ist auch anderweitig von ihr selbst in Interviews kolportiert.

  12. @Plaqueiator: Danke für die Hinweise. Über die Diss von Schavan kann ich mir kein Urteil erlauben, da ich mir diese nicht näher angeschaut habe. Aber auf die Unterstellung von Interessenkonflikten kann ich mir weiterhin keinen Reim machen. Worin sollte der Konflikt bestehen können? Eine Frau Weber-Wulff kann keine dokumentierten Tatsachen aus der Welt schaffen, auch wenn sie selbst nicht an der Dokumentation der Tatsachen mitwirkt.

  13. Hallo? „Unterstellung von Interessenkonflikten“? Das ist eine Selbstauskunft von Weber-Wulff. Die ist bestätigt von Bewarder und von jemandem, der sich im VroniPlag-Chat „WiseWoman“ nannte. Wer das wohl war?
    Die Frage ist doch: Wenn ein möglicher Interessenkonflikt die Plagiatssuche in einer Dissertation verhindert, warum verhindert er dann nicht, dass man sich an der Abstimmung beteiligt? Warum verhindert er nicht, dass man sich anschließend öffentlich in dem Sinne äußert, das sei doch alles nicht so schlimm?
    A propos nicht so schlimm: Der jüngste Fund laut Schavanplag Wiki ist Schavans Fazit, das 1980 schon 18 Jahre alt (volljährig, könnte man sagen) war:
    http://twitter.com/#!/Erbloggtes/status/201960285060333568
    [Ergänzung, 22:45h: Den Tweet habe ich zurückgezogen und schätze die behauptete Textidentität derzeit als Sabotage ein. Mehr dazu]

  14. Plaqueiator

    kahrl, offensichtlich handelt es sich doch gar nicht um eine Unterstellung. Weber-Wulff hat den Interessenkonflikt selber ins Spiel gebracht. Es ist an ihr zu klären, um welchen Konflikt es sich genau handelte. Dazu haben wir seither noch nichts gehört.
    Es ehrt Dich, wenn Du sagst, du könntest Dir kein Urteil über die Diss von Schavan erlauben. Das sehe ich für meinen Teil genauso. Ein Urteil fällen soll Düsseldorf.
    Es stellt sich aber die Frage, auf welcher Grundlage „führende“, aber unbeteiligte Mitglieder einer Community ein Urteil *im Namen der Community* fällen, dass es sich bei der Dissertation um einen „Grenzfall“ handele, ohne dies zu substantiieren und sich stattdessen auf ihre quasi institutionalisierte „Kompetenz“ berufen – einer Kompetenz übrigens, die ausschließlich der Community als Ganzem zukommt und nicht den selbsternannten „Führenden“.
    Was sie tun, ist genau dasselbe, was Heidingsfelder tut. Sie reklamieren Meriten aus der Leistung aller für sich.

  15. @Erbloggtes: Danke für den Hinweis auf die neue Fundstelle. Das ist in der Tat eine krass Textübernahme, sollte sich der Fund bestätigen.

    @Plaqueiator: Wenn ich das richtig verstanden habe, dann hat doch die Community entschieden in dieser Abstimmung. Wie stellst du dir das sonst vor: Zwei Personen arbeiten an einer Diss. Die eine fragmentiert. Die andere sichtet. Und dann wird das auf Vroniplag veröffentlicht ohne jede Aussprache darüber? Anschließend muss die Community dafür aber geradestehen?

  16. Plaqueiator

    Mal abgesehen davon, dass die übriggebliebene überhaupt *abstimmungberechtigte* „Community“ in Vroniplag in naher Zukunft einen gepflegten Skat kloppen kann:

    1. wenn die sagen, die „Community“ (lies: Gemeinschaft aller Beiträger, also auch Du und ich) habe per Abstimmung festgestellt, Schavan sei ein „Grenzfall“, der nicht auf Vroniplag veröffentlichbar ist, dann ziehen sie ihre Autorität auch aus Deiner und meiner Mitarbeit und der vieler anderer. Wir und viele andere wurden aber nicht gefragt. Ich bin inzwischen gesperrt, andere haben aus sehr nachvollziehbaren Gründen, die in der Machtstruktur des Wiki liegen, aufgegeben.

    2. objektiv haben die Admins Hotznplotz über Monate hängen lassen, der Fall kam nicht mal anonym in den Hauptnamensbereich wie die anderen Fälle. Es wurde anders verfahren als sonst, obwohl die interne Grenze von 10% plagiatbetroffener Seiten auch bei konservativster Auslegung durch alle Veröffentlichungsgegner gerissen war und noch viel ungesichtetes Material da war.

    3. Was bedeutet das: „die Community muß gradestehen“? Wofür? Dass Schavan doch nicht der Kopf abgerissen wird? Ist das das Ziel des Wiki? Dass den Plagiatoren der Kopf abgerissen wird?
    Gradestehen muss „die Community“ lediglich dafür, dass die Textgegenüberstellungen sachlich korrekt und nicht etwa gefaked sind.
    Daraus einen Schluss zu ziehen, ist Sache der Uni.

    Es drängen sich eben sehr viele Fragen auf, die von Seiten der Vroniplag-Involvierten meistens gar nicht , und wenn, dann inkonsistent beantwortet werden, was zu Spekulationen führt.
    Man fragt sich: warum wurde der Fall anders behandelt als andere? Warum wurde er vorschnell heruntergespielt? Was ist der angesprochene Interessenkonflikt? Wie wirkt dieser Interessenkonflikt sich auf andere Analysen im Wiki aus? Wäre er veröffentlicht worden, wäre der Autor ein „Dr. Müller“ gewesen? Gelten für die Bundesbildungsministerin großzügigere Regeln?

  17. Ich kann die Argumentation und die Wertungen nicht nachvollziehen, muss ich ehrlich sagen, Plaqueiator. 1. Wenn ich es recht gesehen habe, bist du bei Vroniplag seit einigen Monaten nicht mehr aktiv dabei, nachdem du dir selbst das Adminflag selbst entzogen hast. Warum möchtest du dann plötzlich mit abstimmen? 2./3. Zur Arbeit von Frau Schavan kann ich konkret nichts sagen, hatte ich ja schon weiter oben geschrieben. Ich sehe aber, dass du die ganze Zeit was darüber sagst. Hast du daran mitgearbeitet? Wenn ich deine Argumente richtig verstehe, sagst du ja, dass nur die eine Meinung dazu haben können, die daran gearbeitet haben. Das war offensichtlich allein Hotznplotz, den die anderen haben „hängenlassen“. Dann ist doch alles in Ordnung gelaufen. Wenn Hotznplotz Schavanplag gemacht hat, hat er die Ergebnisse seiner Arbeit auch publiziert. Ganz so, wie du gefordert hast.

  18. Und dann ist Hotznplotz zu den Medien gelaufen und hat sich ein halbes Dutzend mal unter verschiedenen Namen zitieren lassen, es sei „ein Grenzfall“? Wohl kaum. Ein paar andere schon, die haben dann nämlich genau das kommuniziert, was sie meinten: Lass mal die Schavan in Ruhe, die mögen wir.

  19. LOL … Erbloggtes, you just made my day!

  20. @Erbloggtes: Ich habe dieses Interview dazu gelesen: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiat-verdacht-gegen-schavan-vroniplag-wiki-mitglied-im-interview-a-831439.html Ich finde darin aber nicht, was Sie beschreiben. Es deckt sich vielmehr mit diesem Interview des Schavanplag-Bloggers: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/verdacht-gegen-schavan-schavanplag-autor-im-interview-a-831459.html. Oder wo ist da jetzt genau der Widerspruch? Ist interessant, dass sich der Schavanplag-Blogger überhaupt nicht in die Richtung äußert, die hier von einigen Leuten, die mit dem Wiki nichts zu tun haben, geäußert wird. Aber nach der Lektüre weiterer Beiträge hier im Blog habe ich den Hintergrund inzwischen wohl verstanden.

    Ich danke für den kurzweiligen Austausch. Viel Erfolg noch bei der Aufdeckung dessen, was wirklich geschah!

  21. Plaqueiator

    Habe ich eine Wertung der Arbeit vorgenommen? Habe ich so einen offensichtlichen Unsinn verkündet wie: „ja, es sind Plagiate drin, aber es ist ein Grenzfall, nicht ernstzunehmen.“?
    Und habe ich gesagt: das ist meine Expertise, gezeichnet Plaqueiator?
    Habe ich diesen Unsinn so stehen lassen, ohne auch nur den Ansatz einer Begründung zu liefern? Seit wann wird ein Plagiat oder ein „Grenzfall“ überhaupt durch eine geheime Wahl konstatiert?
    Kahrl, mal im Ernst: das ist doch Käse, oder?

  22. Plaqueiator

    Und noch was, Kahrl: nein, es ist nicht in Ordnung, wenn ich sehe, dass ein Mitarbeiter hängen gelassen oder dem sogar in den Rücken gefallen wird, wie das bei Hotznplotz der Fall war. Da sage ich was zu. Ich bin da altmodisch. Dieses Verhalten hätte ich mir früher von anderen auch schon gewünscht, aber entweder ist da keiner, der was sieht, oder die halten alle die Klappe bei VP. Oder sie fallen gemeinsam Hotznplotz in den Rücken.

  23. @kahrl22: Wenn Sie die beiden Interviews nochmal genau lesen, werden Sie einige Unterschiede feststellen. Z.B. die Behauptung, Schavan liege „nur ganz knapp“ über der 10%-Marke. Oder die Prognose, ob noch mehr darin zu finden ist oder nicht.
    Ich empfehle Ihnen, mit der Lektüre weiterer Beiträge hier im Blog Mitte Februar zu beginnen (VroniPlag und transparentes Kochen) und die seitdem in den Kommentaren geführten Diskussionen zu berücksichtigen.
    Vielleicht sollte ich Artikel über Plagiate und Plagiatssuche mal besser erschließen. Naja, vielleicht zum 2. Geburtstag.

  24. Plaqueiator

    noch so ein Blödsinn aus o.a. Interview: „Und inhaltlich sind die Plagiate meiner Meinung nach eindeutig, aber lange nicht so schwerwiegend wie in anderen Fällen“.
    Kann mit einer erklären, wie man „eindeutige“ Plagiate in „schwerwiegende“ und „nicht so schwerwiegende“ unterteilen kann? Mit der Begründung: „meiner Meinung nach“?

  25. Man könnte das so interpretieren:

    Na gut, die Schavan hat auch plagiiert, das ist nicht zu leugnen. Aber ihren Doktor sollte sie behalten, und den Ministerposten auch. Denn meiner Meinung nach ist das in ihrem Fall weniger schlimm.

  26. Plaqueiator

    @kahrl, @erbloggtes: das Problem, das ich mit solchen Statements habe ist, dass es sich hier um eine „Nicht-Aussage“ handelt, um heiße Luft, auf gut Deutsch.
    Vergleichen wir mal die beiden Aussagen, Kahrl:

    Zuerst klar und konsistent der Schavanplag-Blogger (muss ja nicht Hotznplotz sein!):

    „…, ich halte es aber für belegbar, dass Frau Schavan plagiiert hat, wenn auch in geringerem Ausmaß als andere.“

    Inhalt: Plagiate sind Plagiate sind Plagiate.
    Quantität: halt weniger, seiner Meinung nach „nur“ 17% gegenüber z.B. 20% bei Scott (Verfahren läuft), 21% bei Haller (Dr. weg).

    KayH dagegen sagt (s.o).: „Zehn Prozent ist die Grenze, ab der wir unsere Funde normalerweise veröffentlichen; Frau Schavan liegt nur ganz knapp darüber.“

    Die quantifizierende Aussage sagt ja eigentlich, die Grenze zur Veröffentlichung war überschritten. Es muß also ein schwerwiegendes Argument her, das dieses Argument aufhebt. Also inhaltlich:

    „Und inhaltlich sind die Plagiate meiner Meinung nach eindeutig, aber lange nicht so schwerwiegend wie in anderen Fällen: …“

    Diese Aussage macht keinen Sinn, ich kann sie drehen und wenden wie ich will. „Schwerwiegend“ ist ja nun qualitativ. Vielleicht wollte KayH ja stattdessen „zahlreich“ sagen. Dann würde das inhaltliche Argument „eindeutige Plagiate“ einem quantitativen „nicht so viele“ gegenübergestellt, was Sinn machen würde. Nur würde dann das erste Masseargument nicht konterkariert, sondern der Sache nach unterstützt worden wäre. Man hätte also veröffentlichen müssen.

    Aber das Geeiere um den Begriff „Plagiat“ geht jetzt erst richtig los:

    „Frau Schavan hat nicht ordentlich zitiert, aber auch nicht seitenweise abgeschrieben.“

    „Sie hat es sich zu bequem gemacht, indem sie fremde Formulierungen nicht immer als solche gekennzeichnet hat. Und zudem hat sie in mehreren Fällen wohl nicht den Originaltext gelesen oder ihn jedenfalls nicht zitiert, sondern sich aus der Sekundärliteratur bedient, ohne dies deutlich zu machen. Das ist unsauber, aber – auch wenn das kein Maßstab ist – eben nicht so eklatant wie bei Guttenberg oder der Stoiber-Tochter Veronica Saß“

    Von der Spekulation bis hin zur glatten Lüge (ein Blick in die Fragmente aus anderen Fällen reicht!) finden wir alle Ausreden und Einwände, nur um die Aussage: „ja, sie hat auch plagiiert“ nicht mehr in die Feder des Spiegel diktieren zu müssen.

    Wo, Kahrl, findest Du hier die Aussage ähnlich zu der des Schavanplag-Bloggers? Das musst du mir erklären.

  27. Plaqueiator

    KayH bringt uns hier übrigens einem praktischen Leitfaden für den eiligen Doktoranden einen guten Schritt näher.
    Auf einen entsprechenden Vorwurf reagiert der alerte eilige Doktorand zukünftig nach offiziöser Plagiatdefiniton folgendermaßen, verweisend auf die Vroniplag-Plagiatsautorität KayH:

    „Ich? Plagiiert? No way! Ich habe zwar nicht immer den Originaltext gelesen oder ihn zitiert, sondern mich aus der Sekundärliteratur bedient, ohne dies deutlich zu machen. Ist vielleicht ein bisschen unsauber…“
    😉

  28. Verwirrter

    Tja, da kommen wohl keine Antworten mehr.

  29. Nur eine Nachfrage, nachdem ich mir Schavanplag etwas angesehen habe: Warum teilt Schavanplag die dokumentierten Stellen „je nach Schweregrad der Übernahme“ in Kategorie A und Kategorie B ein und hebt dann 6 Seiten als „besonders bemerkenswert“ hervor? Wenn ich das richtig deute, dann stecken da nicht weiter erläuterte Wertungen dahinter, als wie schwerwiegend eine Textähnlichkeit beurteilt wird. Die Wertungen scheinen sich ziemlich mit denen auf Vroniplag zu decken und Plaqueiator müsste schreiben: Kann mir einer erklären, wie man “eindeutige” Plagiate in “schwerwiegende” und “nicht so schwerwiegende” unterteilen kann? Mit der Begründung: “meiner Meinung nach”?

  30. Die Terminologie ist schwierig. Textähnlichkeiten können weitreichend oder gering sein. (Das hat Einfluss auf die Beurteilung als Übernahme oder nicht.) Übernahmen können schwerwiegend oder weniger schwerwiegend sein. (Das hat Einfluss auf die Beurteilung als wissenschaftliches Fehlverhalten oder nicht.) Wissenschaftliches Fehlverhalten kann nur vorliegen oder nicht vorliegen.
    Ob wissenschaftliches Fehlverhalten vorliegt, darüber entscheidet die Uni. Aber jeder kann sich da eine Meinung bilden. Und wenn man sich eine Meinung bildet, dann lautet die Qualifizierung „meiner Meinung nach“.
    (Und alles ohne das Wort Plagiat.)

  31. Plaqueiator

    Die Frage ist, ob die Terminologie aus Vroniplag überhaupt passt, und von dort stammt auch die auf Schavanplag verwendete, leider. Das wurde ja auch schon mehrfach ohne Konsequenzen andiskutiert. Wenn du da Fragen an Schavanplag hast, dann stelle sie auch den Blogger. Ich halte die Kategoriebezeichnung wegen ihrer inhärenten Wertung für falsch, auch auf Schavanplag. Deskriptive Kategorien sind da viel besser geeignet als wertende.

    Was uns KayH erzählen will, ist: es gäbe „eindeutige“ Plagiate, die aber „lange nicht so schwerwiegend“ seien wie in anderen Fällen.
    Quod erat demonstrandum.
    Also sind das dann „eindeutige“ Plagiate, die „nicht so eindeutig“ sind? Oder „schwerwiegende“, die „nicht so schwerwiegend“ sind? Gehen auf Vroniplag „eindeutige“ Plagiate durch, weil sie „deren Meinung nach“ „nicht so schwerwiegend“ sind? Warum?

    Irgendwann galt mal im Wiki der Konsens wie auf Guttenplag, dass man auch die kleinteiligen Sachen sammele, weil man nie wisse, wie das am Ende aussieht und die vielen kleinen Teile zusammen ein großes Bild ergeben. Das ist nicht mehr geduldet. Und genau deshalb hat man auf Vroniplag nun einen Spielraum, der durchaus dazu zu nutzen ist, Informationen zu unterdrücken.

    Klicken hat hierzu mal einen Irrsinn geschrieben von wegen „nur ganze Saurierskelette sammeln“ und keine Knochen.

  32. Verwirrter

    Wurde das hier nun beantwortet?

    „Wo, Kahrl, findest Du hier die Aussage ähnlich zu der des Schavanplag-Bloggers? Das musst du mir erklären.“

  33. Hier die mMn zentralen Aussagen auf Spiegel Online:

    schavanplag: „Ich habe die nicht oder nicht ausreichend kenntlich gemachten Passagen in zwei Kategorien eingeteilt: In Kategorie A finden sich die m.E. schwerwiegenderen Plagiate, in Kategorie B die nicht ganz so gravierenden.“

    „schavanplag: Es war eine knappe Entscheidung; ich halte es aber für belegbar, dass Frau Schavan plagiiert hat, wenn auch in geringerem Ausmaß als andere.“

    „schavanplag: Ich habe niemanden explizit gefragt. Da der Fall immer auf der Kippe stand, bin ich allerdings im Vorhinein darin bestärkt worden, ihn selbst zu veröffentlichen, sollte es keine Mehrheit geben.“

    „schavanplag: Ich fände es hilfreich, wenn sie ihrer Ankündigung, zu Aufklärung beitragen zu wollen, Taten folgen lässt. Sie könnte damit anfangen zu erklären, warum sie bei den von mir aufgeführten Stellen auf den Seiten 75 und 76 nicht abgeschrieben hat. Dortige Ausführungen können durch die sehr spezielle Wortwahl eindeutig einer Quelle zugeordnet werden, die in der gesamten Arbeit nicht erwähnt wird.“

    „KayH: Wir haben sehr lange diskutiert und die Abstimmung mehrmals verschoben. Am Ende war es eine knappe Entscheidung mit nur einer Stimme Mehrheit dagegen. Zehn Prozent ist die Grenze, ab der wir unsere Funde normalerweise veröffentlichen; Frau Schavan liegt nur ganz knapp darüber. Und inhaltlich sind die Plagiate meiner Meinung nach eindeutig, aber lange nicht so schwerwiegend wie in anderen Fällen“.

    „KayH: Hinweggesetzt? Er hat das Abstimmungsergebnis in jeder Hinsicht respektiert. Vor der Abstimmung war klar, dass der Fall dann wahrscheinlich an anderer Stelle dokumentiert wird. Die Abstimmung betraf nur die Entscheidung, ob es auf VroniPlag Wiki dargestellt werden soll, nicht die Frage, ob wissenschaftliches Fehlverhalten vorliegt oder es überhaupt publiziert werden soll. Der Vorschlag, es an anderer Stelle gesondert zu dokumentieren, stand während der Diskussion stets im Raum.“

    „KayH: Das ist im Jahr 2012 ein absurder Vorwurf. Sie sollte lieber die dokumentierten Schwächen ihrer Dissertation erklären.“

    Quellen:
    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiat-verdacht-gegen-schavan-schavanplag-autor-im-interview-a-831459.html
    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiatsvorwurf-vroniplag-nimmt-annette-schavan-in-schutz-a-830991.html
    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiat-verdacht-gegen-schavan-vroniplag-wiki-mitglied-im-interview-a-831439.html

    Wo ist jetzt der Widerspruch?

  34. Plaqueiator

    Die Argumentation von Schavanplag ist folgerichtig. Eindeutige Plagiate auf über 10% der Seiten, Person des öffentlichen Lebens: die Arbeit hätte nach VP-Richtlinien veröffentlicht werden *müssen*. Der objektive „Spielraum“ zur Nichtveröffentlichung ist insoweit nicht gegeben.

    Die Argumentation von VP ist *in sich* widersprüchlich, wie an KayHs Interview gut zu sehen ist. Die Votes zur Nichtveröffentlichung hängen an unbekannten und subjektiven Kriterien und decken sich nicht mit den Befunden in den Fragmenten.
    OBWOHL eindeutige Plagiate auf immer noch über 10% der Seiten nach konservativster VP-Deutung vorliegen und Schavan Person des öffentlichen Lebens ist, wurde NICHT veröffentlicht.
    Eindeutige Plagiate werden zu Lappalien heruntererklärt, bis es sich am Schluss nur noch um „dokumentierte Schwächen“ (KayH, s.o.) handelt. Mit Verlaub: Plagiate sind keine „Schwächen“!
    Insbesondere die Teilnahme meines speziellen Freundes KayH an der Abstimmung ist an sich ein Skandal: er hat bisher keines der Fragmente gesichtet oder kommentiert, sieht sich aber in der Lage, das Wiki mit einer persönlichen Meinungsäußerung „qualifiziert“ zu „vertreten“.
    Ich fordere ihn hiermit auf, seine Herabstufung auf „dokumentierte Schwächen“ an jedem einzelnen der von anderen als Plagiat gesichteten Fragmente *mit Sichtungsvermerk und einer Begründung* zu versehen, warum diese seiner Meinung nach nur eine „Schwäche“ darstellen und nicht abgeschrieben sind.

    Hast du inzwischen rausgefunden, worin der „Interessenkonflikt“ besteht, den Weber-Wulff ins Spiel gebracht hat?

  35. Hat KayH gesagt, er habe an der Abstimmung teilgenommen, oder wie er gestimmt hat? Bisher hat m.E. niemand gesagt, er habe gegen die Übertragung auf die Hauptseite gestimmt. Auch WiseWoman, die sich weigert zu sagen, wofür sie gestimmt hat, legt mit ihren Äußerungen nahe, sie habe nicht gegen die Übertragung auf die Hauptseite gestimmt.
    Und die Mediendarstellung, dass VroniPlag Schavan entlaste, sei unglücklich und ungeschickt, da man von Schavanplag so überrascht worden sei.
    Man könnte also zusammenfassen: Nachher will’s keiner gewesen sein.

  36. Plaqueiator

    Da kommt bei aller Sachlichkeit die kalte Wut hoch. Hotznplotz dokumentiert wochenlang akribisch, kennt die Arbeit in- und auswendig, und dann kommt 5 Minuten vor einer Abstimmung ein „noob“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Neuling#Noob.2FBoon) daher, dessen Stimme genauso viel zählt wie diejenige dessen, der sich die Arbeit gemacht und die Expertise erworben hat. Und der wohl mit diesem vote die ganze Sache gekippt haben könnte.

    Man kann wohl annehmen, dass die „Saurier-„Fraktion (s.o.) gegen die Veröffentlichung gestimmt hat. Das wären (spekulativ, wenn nicht anders vermerkt):

    Contra:
    Klicken
    Hindemith
    KayH (gesichert; eigene Aussage)

    Pro:
    Hotznplotz
    Plagprof (gesichert; eigene Aussage)

    Enthaltung:
    Wisewoman
    marcusb (eigene Aussage)

  37. @Plaqueiator: In einer Diss mit 500 Seiten finden sich 40 vollständige Seiten aus 3 nicht im Literaturverzeichnis genannten Quellen. Vroniplag publiziert das nicht? Hast Du einen Link auf die von dir genannten „VP-Richtlinien“, wo das steht, was du schreibst?

  38. Verwirrter

    Ja, KayH hat (in dem Interview oder anderswo) gesagt/geschrieben, dass er gegen eine Veröffentlichung auf der Hauptseite gestimmt hat.
    WiseWoman verweist auf ihre Anmerkungen zu den Fragmenten. Diese sind eindeutig – gegen Veröffentlichung des Falls. Alles zu dünn, zu schwach etc.
    KayH und andere sagen doch selbst, dass klar war, dass der Fall dann anderswo publiziert wird. Dann war man überrascht?

  39. Plaqueiator

    @kahrl 14.05: Frage 1 erschließt sich mir nicht. Zu Frage 2: worüber und auf welcher Grundlage haben die über den Fall abgestimmt, Deiner Meinung nach?
    Du musst auch mal eine Frage beantworten, s.o.:
    Hast du inzwischen rausgefunden, worin der “Interessenkonflikt” besteht, den Weber-Wulff ins Spiel gebracht hat?

  40. Ziehe die Frage aus meinem letzten Post wieder zurück. Ich habe inzwischen die FAQs entdeckt, da steht ziemlich klar, wie das mit diesen ominösen 10% zu verstehen ist und wie nicht. Finde ich beruhigend, denn man könnte berechtigt fragen: Warum 10% und nicht 15%? Warum reicht nicht ein einziges Plagiat? Usw. usw.

    Ansonsten bin ich ziemlich irritiert über den häufig persönlich herabsetzenden Tonfall, der hier in vielen Kommentaren, insbesondere denen von Plaqueiator, vorzuherrschen scheint. Das liest sich tatsächlich so, als habe da jemand einen vollkommen unverstellten Zugang zu den objektiv gegebenen Tatsachen. Diskussion scheint da wohl eher unwillkommen. Muss ja auch nicht. Bringt mir aber nichts und irgendwann wird es schlicht tl;dnr.

    Dennoch vielen Dank für den Austausch. Ich schreib jetzt aber lieber wieder etwas Code für die Nachwelt.

  41. Danke für den Verweis auf KayHs Selbstauskunft. Ich hatte ja den Eindruck, dass die qualitativen Überlegungen, nicht nur „kaum formalisierbar“ sind, wie KayH schrieb, sondern offenbar nicht formulierbar. Ich habe bisher keine überzeugende Begründung gehört. Das lässt mich – zusammen mit dem Verweis auf mögliche Interessenkonflikte – mit der öffenlichen und intersubjektiven Nachvollziehbarkeit dieser Abstimmung zweifeln.
    Im Chat sind die VroniPlagger Nachfragen eher ausgewichen. Man stimme ja öfters über solche Fälle ab; auch den Fall Schavan hätte man ein paar Wochen später nochmal abstimmen können, heißt es dann. Wenn er „reif“ gewesen wäre.
    Das einzige, was ich mir an einigermaßen plausiblen Gründen ausdenken kann, ist doch, dass die Abstimmung sich an der Prognose entschied, wie die Uni Düsseldorf verfahren würde: Vielleicht glaubten die Contra-Stimmer nicht, dass die Uni der Bildungsministerin den Doktor entziehen würde.
    Falls Entscheidungen in VroniPlag sich aber nach dieser Logik des Systems richten, dann ist es eigentlich jetzt schon ebenso überflüssig wie ein VroniPlag-Institut für Plagiatsforschung wäre.

  42. Verwirrter

    @kahrl22: Wo findet man diesen „häufig persönlich herabsetzenden Tonfall“?

    @Erbloggtes: Vroniplag ist schon länger überflüssig, und das scheinen auch die Leute dort langsam zu begreifen.

    Interessant ist übrigens, wie gut der Pressespiegel seit Schavanplag gepflegt wurde, weitaus besser als die Untersuchung der Dissertation von Schavan. Das zeigt, wo die Schwerpunkte in Vroniplag liegen.

  43. Plaqueiator

    Hmm. Sorry, kahrl. Ich kann da nicht anders als deutlich zu werden. Siehe oben (https://erbloggtes.wordpress.com/2012/05/14/untiefen-der-revolutionsmetaphorik/#comment-1525)
    Alle, die sich aus der VP-Adminriege zu Schavan in der Öffentlichkeit „zu Wort“ gemeldet haben, tun dies mit einer persönlichen Agenda, deren Basis die Aneignung der Leistung einer „Wiki-Gemeinschaft“ ist, teilweise auch meiner.
    Im „besten“ Fall tun sie es nur, um ein eigenes Geltungsbedürfnis zu befriedigen. Ich nehme diese Behauptungen gerne zurück, falls es für die Vorgänge eine transparente Erklärung gibt, die die Spekulationen widerlegt. Ansonsten bleibe ich dabei.
    Es schmerzt, mit ansehen zu müssen, wie eine Community, die sich ursprünglich gegen die Ausbeutung der Leistung anderer zur persönlichen Bereicherung (Plagiat) nun von Leuten beherrscht wird, die dasselbe auf einer anderen Ebene tun.
    Es gibt mehrere Wege, den ursprünglichen Impetus der Bewegung ins Leere laufen zu lassen. Vroniplags Admins beschreiten einen davon mit dem derzeitigen „Konsens“.

  44. SCNR: Wenn Vroniplag aus eurer Sicht überflüssig geworden ist, dann schließt es doch einfach oder ignoriert es. (Jetzt aber wirklich: Bis demnächst mal.)

  45. Leider überschneiden sich die Postingzeitpunkte zuletzt häufiger. Daher sind die Kommentare nicht als direkte Antwort aufeinander lesbar.

  46. Ich sehe auch die Tendenz, „den ursprünglichen Impetus der Bewegung ins Leere laufen zu lassen“.

  47. Der Herr vom Tag

    Ich habe hier mal mitgelesen und so ganz verstehe ich ein paar Sachen nicht. Was ist dieser ursprüngliche Impetus der Bewegung? Und ist mit dieser Bewegung das Vroniplag Wiki gemeint?

  48. Pingback: Plagiatssuche in verteilten Systemen: Neue (Un)Ordnung im Fall Schavan | Erbloggtes

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