Jugend forscht sich den Arsch auf – „Talentschuppen“, lacht Schavan

Erforschte schon die Jugend so wichtige Dinge wie Wasserstoff-Gewinnungsmethoden, so musste man dennoch Mitleid mit den Jugend-forscht-Preisträgern 2012 haben, die sich gestern von Annette Schavan „ehren“ lassen mussten.[1] Welches Bild von Wissenschaft erhielten sie durch die Veranstaltung? Dass sich Leistung und Innovation lohnen? Oder dass sie monatelang über komplexen Projekten brüten, und dann kommt jemand, der nur simuliert hat, er habe Freud, Erikson, Adler, Fromm, Jung und andere, außerdem Luhmann und Kant gelesen, verstanden und zu weiterführenden Ergebnissen über „Person und Gewissen“ verarbeitet. Und dieser Jemand wird dann als großer Star verkauft, klopft dem Nachwuchs im Blitzlichtgewitter auf die Schulter und teilt mit:

Gut gemacht, weiter so, racker dich nur ab!
Prof. Dr. Dr. Bildungsminister wirst du nie. Denn während du im Labor sitzt, werden andere mit der künftigen Kanzlerin im Biergarten sitzen und die wirklich wichtigen Kompetenzen erwerben.

Um die Nachwuchsförderung macht sich Schavan aber auch wirklich verdient. Sie kennt auch die Schlüsselqualifikation geisteswissenschaftlicher Hochschulabsolventen und -abbrecher: Praktikumsfähigkeit. Da lässt sie es sich nicht nehmen, auch selbst mit anzupacken und den Nachwuchs am eigenen Leib lernen zu lassen, wie man Ministeraufgaben an unbezahlte Arbeitskräfte delegiert:

„In meinem Büro werden Praktikantinnen und Praktikanten zudem mit zahlreichen anfallenden Aufgaben betraut. Dies beinhaltet viele Arten von Recherchen, die Bearbeitung von Bürgerpetitionen zu verschiedenen politischen Themenfeldern, das Erstellen von Antwortentwürfen und Grußworten“ usw.[2]

Auch wenn man nicht bei Jugend forscht gewonnen hat, wird man doch wohl die für eine Forschungsministerin nötigen Recherchen erledigen können (also googlen), Bürgerpetitionen bearbeiten (also abheften) und die Texte verfassen (also zusammenkopieren), die eine Ministerin so braucht. Das kann ja nicht so schwer sein, da braucht man doch keinen rechtmäßigen Hochschulabschluss zu.

Und wenn schließlich auch die Jugend-forscht-Teilnehmer mit ihrem Studium fertig sind, wurden die Spezis und Praktikanten der Mächtigen schon auf irgendwelche Kandidatenlisten gesetzt oder mit anderen Polit-Jobs versorgt, während die emsigen Nachwuchswissenschaftler um befristete Beschäftigungsverhältnisse ringen, das wissenschaftliche Prekariat bilden dürfen und auch kaum bessere Zukunftsperspektiven aus ihrem Engagement und ihren mühsam erworbenen Kompetenzen gewinnen können:

84 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiter sind befristet angestellt,[3] dank Bildungsministerin Schavans „Wissenschaftszeitvertragsgesetz“ bis zu 12 Jahre lang. Das ist so lange, bis eine neue Generation noch billigerer und willigerer Wissenschaftsprekarier herangewachsen ist, die dann die „alten“, 40jährigen Ex-Nachwuchswissenschaftler ersetzen kann.

Aber die Jugend-forscht-Urkunde, die ist etwas Bleibendes, die kann man dann immer noch an der Wand des 1-Zimmer-Apartments hängen sehen. Dafür reicht vielleicht die Stütze, während man eine Umschulung zum Speditionskaufmann macht, mit etwas Glück hat man ja an Jugend forscht mit einem Logistik-Projekt teilgenommen. Das hilft natürlich dabei, später, also mit 45, einen Job zu finden. Und alles dank Bildungsministerin Schavan! Da kann sie vielleicht noch die Fortsetzung „Person und Gewissen 2: Die wahre Geschichte“ nachreichen.

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