Liesbook – und die Alternativen

Erlogenes gehört bei Facebook zum System.[1][2] So auch bei der angeblich bevorstehenden Zwangsumstellung auf die Profilansicht „Chronik“ (Timeline). Wenn Facebook beispielsweise meldet „Du verwendest jetzt die Chronik – eine neue Art von Profil“, dann bedeutet das natürlich nicht, dass man jetzt die Chronik verwendet.

falsche Chronik-Ankündigung

Facebook weiß, wie es Nutzer manipulieren kann.

Stattdessen verwendet man weiterhin die klassische Profilansicht, wie im Bild zu sehen. Auch für andere Nutzer wird das Profil nicht als Chronik angezeigt. Ob sich die Ankündigungen für den 22. August bewahrheiten, darf – wie früher schon – noch bezweifelt werden.

Die Falschmeldung gehört zu den Prinzipien des Netzwerkbetreibers aus Menlo Park, wenn es darum geht, Nutzer dazu zu bewegen, „freiwillig“ etwas zu tun, was Facebook Vorteile verschafft. Abgesehen davon, dass der Nutzer meist keinen Vermögensschaden erleidet (wohl aber Datenschutz-, Privatsphäre-, Spamschutz- und andere Schäden), entspricht das dem Straftatbestand des Betrugs.

Regelmäßige Lügen von Facebook lauten auch „xy benutzt jetzt die neue Chronik“ oder „xy nutzt jetzt Anwendung z“, beispielsweise „xy hat Freunde über den Freunde-Finder gefunden. Versuche auch Du es“. Solche Angaben sind für den Nutzer in der Regel nicht auf Anhieb zu überprüfen. Wer aber Facebook-Kontakte auch im „Real Life“ pflegt und sie auf die in der Regel in werblichem Interesse aufgestellten Behauptungen anspricht, kann häufig feststellen, dass Facebook solche Angaben erfunden hat.

Privatisierte Filterbubble, angereichert mit Erfundenem

In der Interaktion mit Facebook-Freunden kommt hinzu, dass öfters Postings nicht angezeigt werden. Facebook analysiert wahrscheinlich vergangene Interaktionen, um zu entscheiden, ob die Statusmeldung eines Kontakts für einen bestimmen Nutzer von Interesse sein dürfte (und wahrscheinlich zu einer Interaktion führt) oder nicht. Das mag ja ein nützlicher Service für Leute mit 5.000 Facebook-Freunden sein. Aber ungefragt womöglich wichtige Mitteilungen ausblenden, nennt man Filtern. Niemand kann sich darauf verlassen, dass ihn wichtige Mitteilungen über Facebook erreichen, oder dass seine eigenen wichtigen Mitteilungen alle avisierten Adressaten erreichen.

Stattdessen muss man davon ausgehen, dass einige Meldungen über Facebook-Freunde Falschinformationen sind, die Facebook zu werblichen Zwecken verbreitet. Drei Tatsachen über Facebook lauten also:

  1. Facebook lügt hinsichtlich seiner Leistungen und ihrer Funktionalität.
  2. Facebook lügt hinsichtlich des Status von Kontakten und ihres Verhaltens.
  3. Facebook unterdrückt Informationen, die Kontakte an ihre Facebook-Freunde adressiert haben.

Diese Feststellungen disqualifizieren Facebook als „Soziales Netzwerk“ und qualifizieren es als werbliche Propagandamaschinerie. Denn zwischenmenschliche Gemeinschaftsprozesse erfordern ein Mindestmaß an Zuverlässigkeit und Vertrauen, was bei Facebook nicht mehr als gegeben vorausgesetzt werden kann. Die Eigenschaften als „Soziales Netzwerk“ können also nicht mehr als Grund gelten, Facebook zu nutzen. Wer allerdings Werbung machen und erhalten will, ist bei Facebook richtig, vorausgesetzt, dafür sind die drei obigen Einschränkungen der Werbefunktionalität irrelevant.

Alternativen: Soziale Vernetzung online

Für Menschen, die sich selbstbestimmt statt fremdgesteuert mit ihren Freunden vernetzen wollen, ist die Software Diaspora eine Alternative. Hinsichtlich Privatsphäre, Datenschutz und Soziales-Netzwerk-Funktionalität hat man dort bereits einige Dauerprobleme kommerzieller Anbieter gelöst, die Nutzerzahlen werden auf 380.000 geschätzt.[3] Allerdings befindet sich das Programm noch in der Entwicklungsphase.

Eine weitere Alternative, die auch die Integration anderer sozialer Webanwendungen wie Blogs oder Twitter, aber auch etwa Diaspora oder Facebook erlaubt, heißt Friendica und hat derzeit erst rund 6.000 Nutzer, davon 200 aus Deutschland. Drittens ist es inzwischen problemlos technisch möglich, mit Freunden in Kontakt zu bleiben, wenn sie statt Facebook-Statusmeldungen Blogposts absetzen. Privatsphäre kann durch Passwortschutz, auch von wordpress.com-Blogs erreicht werden.

Facebook ist bequem. Auch technische Laien sind in der Lage, dort als Scherenschleifer-Äffchen zu fungieren. Ein ernsthaftes Bedürfnis an sozialer Vernetzung kann der „Gigant“ aber nicht befriedigen. Auf lange Sicht könnte sich herausstellen, dass Facebook von Anfang an nur ein auf die Träume milliardenschwerer Investoren ausgelegter Bluff war. Beim Börsengang haben viele Großinvestoren durch die bis heute rasant fallenden Kurse bereits ihre Verluste wieder hereingeholt.[4] Ab morgen dürfen Angestellte ihre Unternehmensaktien verkaufen, künftig noch weitere Aktienbesitzer.[5] Der Kurs des Unternehmens führt nach unten, und wer bei der schönen neuen Facebook-Welt dabei sein wollte, zahlt die Zeche.

————————————————————

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s