Die katholische Contentmafia

Er glaubt es kaum, wie die Gläubigen lieber Gläubiger sein wollen und ihren Tempel auf Umwegen zu einem Kaufhaus erklären. Die deutschen katholischen Bischöfe haben beschlossen: „Wer keine Kirchensteuer zahlt, wird faktisch exkommuniziert.“[1] Um die Zustimmung des Papstes zu erhalten, mussten sie offenbar auf den Begriff Exkommunikation verzichten – die „Rechtsfolgen“ eines Kirchenaustritts sind aber dieselben, im Diesseits wie im Jenseits, wenn es nach dem Willen des Papstes geht.

In der katholischen Kirche hat diese Haltung gute Tradition. Ein gewisser Mönch namens Luther begehrte vor 495 Jahren unter anderem gegen den blühenden Ablasshandel auf, in dem das Seelenheil von Geldzahlungen abhängig gemacht wurde. Geht man noch einige Zeit weiter zurück in der Kirchengeschichte, so gibt es da einen Text mit der kryptischen Bezeichnung „Mt 21,12f„, in dem es heißt:

„Jesus ging in den Tempel und wies alle hinaus, die dort Handel trieben oder etwas kauften. Er warf die Tische der Geldwechsler und die Sitze der Taubenverkäufer um und sagte zu ihnen: »Es heißt in der Schrift: ›Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein.‹ Ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus!«“

Das „Allgemeine Dekret“ der deutschen Bischofskonferenz, das seine kirchenrechtliche Wirkung ab dem 24. September 2012 entfaltet, erklärt nun:

„Die Erklärung des Kirchenaustritts vor der zuständigen zivilen Behörde stellt als öffentlicher Akt eine willentliche und wissentliche Distanzierung von der Kirche dar und ist eine schwere Verfehlung gegenüber der kirchlichen Gemeinschaft.“ Wer austritt, verstoße „gegen die Pflicht, seinen finanziellen Beitrag dazu zu leisten, dass die Kirche ihre Aufgaben erfüllen kann“.[1]

Man sollte meinen, dass es zu den Kernaufgaben einer Kirche gehöre, ihre religiöse Heilslehre zu verbreiten. „Verbreiten“ impliziert natürlich insbesondere die Bekanntmachung der sogenannten frohen Botschaft unter jenen, die sie nicht bereits kennen. Das erfordert nach landläufiger Auffassung insbesondere die Ansprache jener Menschen, die sich nicht bereits zu dieser Heilslehre bekennen. Die Maßnahme der katholischen Bischöfe kann dahingehend leicht kontraproduktiv wirken, und so widerspricht sie auch der Lehrmeinung zahlreicher katholischer Theologen (die demnächst sicherlich durch päpstliche Unfehlbarkeit von ihrem Irrglauben abgebracht werden).

Den im Titel angedeuteten Zusammenhang zwischen katholischer Bischofskonferenz und Contentmafia kann man nun zweifellos so erläutern, dass die Bischöfe sich ebenso verhalten wie die als Contentmafia geschmähten Verwertungsorganisationen sogenannten geistigen Eigentums. Die Verhaltensähnlichkeit liegt in der Monopolisierung von Gütern, ihrer anschließenden Verknappung, verbunden mit beliebiger Preisfestsetzung, also einen von Verkäuferentscheidungen dominierten Markt, und schließlich im Vorgehen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen Widerstand, der sich gegen solche Monopolisierung bildet.

Man müsste sogar argumentieren, dass es sich bei der herkömmlichen Contentmafia und ihrer katholischen Schwester gleichermaßen um Organisationen handelt, die im Marktsegment „Kultur“ tätig sind. Dieser Bereich bringt einige Spezifika mit sich, darunter die Spezifität der Einzelprodukte, die eine Monopolisierung erleichtert, und die weitgehende Immaterialität der begehrten Güter, die ihre quasi unbegrenzte Vermehrung mit minimalen Kostensteigerungen verbindet: In diesem Markt sind Berichten zufolge Analogien dazu an der Tagesordnung, dass von fünf Broten und zwei Fischen fünftausend Menschen satt werden.

Zweifellos bezog er sich auf diese Produktgruppen, als der Kirchenvater Augustinus von Hippo gleich im ersten Absatz des ersten Kapitels des ersten Buches seiner Abhandlung über die christlichen Lehren postulierte:

„Wenn eine Sache nicht gemindert wird, da man sie mit anderen teilt, ist ihr Besitz unrecht, solange man sie nur allein besitzt und nicht mit anderen teilt.“[2]

Der Einwand, das sei lange her, und die katholische Kirche müsse heute mit ganz anderen Rahmenbedingungen fertig werden, ist plausibel. Aber auch der „Katechismus der Katholischen Kirche“ von 1997 bestreitet die Rechtmäßigkeit der Monopolisierung, Verknappung und willkürlichen Preisbindung kultureller Güter, explizit auch im Zeitalter des Kapitalismus. Das ursprüngliche Gemeineigentum überwiege das staatlich garantierte Recht auf Privateigentum, argumentiert der Vatikan bei der Auslegung des Diebstahlverbots (das für Katholiken und Lutheraner das siebte, für Juden, Reformierte und Orthodoxe aber das achte Gebot ist):

„Das Recht auf das Privateigentum, das man sich selbst erarbeitet oder von andern geerbt oder geschenkt bekommen hat, hebt die Tatsache nicht auf, daß die Erde ursprünglich der ganzen Menschheit übergeben worden ist. Daß die Güter für alle bestimmt sind, bleibt vorrangig, selbst wenn das Gemeinwohl erfordert, das Recht auf und den Gebrauch von Privateigentum zu achten.“ (2403)[3] (via jbenno)

Dass die katholische Lehre die Exklusion anderer Menschen vom sogenannten geistigen Eigentum verbietet, sollte vielleicht mal jemand den Parteien mit dem großen „C“ wie „Zukunft“ im Namen erklären. Bei der Gelegenheit könnte er dann auch gleich die katholischen Bischöfe fragen, warum sie ihre Organisation so führen, als handele es sich um eine Verwertungsgesellschaft für kirchliche Produkte und göttliches Heil. Vielleicht machen ja auch innovative und immer für gute Geschäfte offene Kulturindustrielle der Kirche ein paar Vorschläge, wie sie durch Digital Rights Management, Abmahnkanzleien oder downloadbaren Bonus-Content ihre Erträge erhöhen können, nachdem sie nun in einem ersten Schritt bereits den zeitgemäßen Lock-in-Effekt in ihr Geschäftsmodell implementiert haben.

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13 Antworten zu “Die katholische Contentmafia

  1. P.S.: „Man stelle sich vor, der hl. Thomas von Aquin hätte einen Franziskaner verklagt, weil dieser seine Argumente kopiert hätte. Die Schreibstuben mittelalterlicher Klöster waren doch die ersten ‚Filesharingsysteme.'“[1]

  2. Etwas unter den Tisch gefallen sind oben die Maßnahmen, die die katholische Kirche sonst noch gegen Abtrünnige ergreift. Jedem wird ein Inquisitionsfragebogen geschickt, mit der „Einladung“, vor dem Pfarrer zu erscheinen. (Freies Geleit wird garantiert; was das bedeutet, dafür hält die Kirchengeschichte zahlreiche brennend interessante Fälle bereit.) Als nächsten Schritt zeigt man jenen Starrsinnigen, die sich weigern zu widerrufen, wenn sie nicht aus der Bibel heraus widerlegt werden, die Instrumente. Und als nächstes strengt die heilige Mutter Kirche einen offiziellen Inquisitionsprozess an. Die Verhandlung im Fall des Kirchenrechtlers Hartmut Zapp findet am 26. September 2012 vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig statt.[1]

  3. Im Kern steht die katholische Kirche mit dem Rücken zur Wand: Die Zahl der Gläubigen sinkt rapide. Die Statistiken dazu sind brutal, vor allem, wenn man sich die Diskrepanz zwischen regulären Gottesdienstbesuchern und „Karteileichen“ anschaut. Nur ca. 13% gehen regelmäßig zum Gottesdienst. Die Altersstatistik dürfte auch nicht sehr positiv sein.
    Kurz: Die Kirchensteuereinnahmen brechen rapide weg und auch die staatlichen Zuwendungen sind zunehmend öffentlicher Kritik ausgesetzt. Es ist hoffentlich so, dass der Staat in 10 oder 20 Jahren nicht mehr die Gehälter der Bischöfe zahlt.
    Und jetzt kommt der Hartmut Zapp und grätscht nochmal kräftig in die Finanzen rein, in dem er aus dem Verein Kirche austreten will, aber in der Kirche Kirche bleiben will. Kommt er damit durch, sieht es für die Kirchenfinanzen noch schlechter aus.

    (Nebenbei ist die ganze Sache kein Aufreger, wenn man die spirituelle Seite ausblendet und Religion als Privatsache betrachtet: Trete ich aus einem Golfclub, einem Kaninchenzüchterverein oder einem Fußballverein aus oder höre auf, Mitgliedsbeiträge zu zahlen, dann werde ich dort nicht mehr Golf spielen, Kaninchenzüchterpreise einheimsen oder Fußball spielen dürfen.)

  4. Danke für die Hintergrundschilderung! Na klar ist Religion Privatsache. Aber die Organisationen bestehen ja angeblich zu bestimmten Zwecken (die, nebenbei, als gemeinnützig anerkannt sind). Wenn sie sich zweckwidrig nach einer modernen Unternehmenslogik verhalten (ein Golfclub z.B. ist m.E. v.a. ein Wirtschaftsbetrieb), werden sie erstens unglaubwürdig(er als sie eh schon sind) und verfehlen dadurch ihr Ziel, Menschen zu erreichen, noch viel weiter.
    Ich bin mir nicht sicher, ob religiöse Organistationen eine wichtige Ressource für Gesellschaften sein könnten, und ob sie deshalb besser gestellt sein sollten als Unternehmen. Aber unter solchen Bedingungen sind sie jedenfalls keine wichtige Ressource.

  5. Das hängt wohl einfach nur von deiner Einstellung zur Religion bzw. zum Christentum / Gott ab. Wenn du gläubig bist, erscheint dir die Verbreitung des Glaubens als wichtig und damit das Verhalten der Kirche als subobtimal. Bist du nicht gläubig, ist die Kirche nichts besonderes und diese innerkirchliche Diskussion macht recht wenig Sinn.

  6. Nein, da möchte ich widersprechen. Meine persönliche Religiosität ist nicht der entscheidende Faktor bei der Bewertung. Es handelt sich ja, wie Du richtig schreibst, um eine innerkirchliche Diskussion, und zwar um einen Zielkonflikt, der verbunden ist mit einem Prinzipienkonflikt. Auf den umstrittenen Zielen und Prinzipien beruht aber das Verhältnis zwischen Kirche und Gesellschaft, also z.B. die gesellschaftliche Funktion von Glaubensgemeinschaften, wie in meinem vorigen Kommentar angedeutet. Das ist ein gesellschaftstheoretisches Thema, über das Intellektuelle wie z.B. Habermas und Ratzinger mit säkularen Argumenten gestritten haben. (Ratzinger ist ja nicht doof, deshalb hat er versucht, die rein ökonomisch-partikularistische Position der Bischöfe abzuschwächen.)
    Völlig unabhängig von religiösen Einstellungen ist beispielsweise eine systemtheoretische Analyse des Phänomens Religion: Wenn es sich um ein eigenständiges System handelt, das sich funktional von anderen Systemen (wie Wirtschaft) abgespalten hat, dann beseitigt die Orientierung des Religionssystems an den Regeln des Wirtschaftssystems diese Ausdifferenzierung und bedeutet die Reduzierung dieser beiden Bereiche auf ein einziges System. (Das hast Du ja durch Gleichsetzung mit einem Golfclub vorgeschlagen.) Das ist eine Entwicklungsmöglichkeit, und zwar die wahrscheinlichste, wenn die Kirche(n) den eingeschlagenen Weg weitergehen. Aber ich bin mir unsicher, ob damit nicht Dinge verloren gehen, die die Gesellschaft benötigt, etwa kirchliche soziale Hilfseinrichtungen, die vom Staat, wie’s aussieht, nicht ersetzt werden.
    In einer Demokratie sollte es ja kirchliche Sonderrechte (wie Kirchensteuer) nicht deshalb geben, weil eine Bevölkerungsmehrheit Mitglied ist (was sich rasch ändern könnte), sondern nur deshalb, weil eine Mehrheit es als für die Gesamtgesellschaft (diskriminierungsfrei) nützlich ansieht. Alles andere wäre Diskriminierung der nicht- oder andersreligiösen Minderheit und verfassungswidrig.
    Aber meine Auffassung mag davon abhängen, dass ich nicht der Ansicht bin, dass der Hauptzweck religiöser Organisationen im Jenseits verwirktlicht wird, sondern im Diesseits.

  7. Dazu zwei Gedanken:

    1) Ohne eine gewisse materielle Grundlage funktioniert auch die spirituelle Komponente nicht. Wenn die Kirchen eingestürzt und die Pfarrar verhungert sind, ist es mit dem spirituellen Aufgaben auch vorbei.
    2) Ich kann bei den sozialen Hilfseinrichtungen einfach nicht zustimmen – Krankenhäuser, Altersheime oder Kindergärten werden trotz kirchlichem Label zum absoluten Großteil vom Staat/Krankenkassen/Pflegekassen/Beiträgen finanziert. Klar, es gibt noch einen weiteren Haufen kirchlicher Sozialeinrichtungen, aber die werden auch nicht unbedingt aus den Kirchensteuern finanziert.

  8. Ja, das ist beides richtig. Danke schon mal für die Diskussion!
    Die Kirchen zahlten etwa 2003 rund 830 Millionen Euro für ihre Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas. Das klingt viel, ist aber nur rund 2 Prozent von den 37 Milliarden Euro Gesamtaufwand der Wohlfahrtsverbände. Das klingt dann wieder wenig. Aber zusätzlich zu den zusammen etwa 960.000 Angestellten sind rund 1,2 Millionen Menschen ehrenamtlich in den Organisationen tätig (alle Angaben laut Wikipedia). Das ist dann wieder viel. Unvorstellbar, dass es so viel ehrenamtliches Engagement in privatwirtschaftlich betriebenen sozialen Einrichtungen gäbe. (Selbst in gemeinnützigen Verbänden ohne unternehmerisches Gewinnstreben gibt es das sonst nicht: Die AWO z.B. hat 173.000 Hauptamtliche und 70.000 Ehrenamtliche.)
    Systemtheoretisch gesprochen, demonstrieren die Ehrenamtlichen die Ausdifferenzierung zwischen Wirtschaft und Sozioreligiösem Sektor.
    Und die beiden Wohlfahrtsverbände sind ideologisch weiter als die Bischöfe: Ihre Angebote sind unabhängig von der Religionszugehörigkeit.
    Man kann die Ehrenamtlichen der Caritas auch mal als Beispiel für diesen Fall nehmen: Wenn ein Katholik aus der Kirche austritt, aber seine ehrenamtliche Tätigkeit in der Caritas beibehält, möchten ihn die Bischöfe dann dort rauswerfen? (Früher gab es Arbeitsgerichtsverfahren, in denen Bewerber wegen der Konfession nicht eingestellt werden sollten. Ich weiß nicht, wie das ausging.)
    Vielleicht liegt das letztlich alles an der paradoxen Ideologie des Christentums: Die größten Christen sind, zahlreichen Jesusgeschichten zufolge, auch die unchristlichsten.
    So könnte man ja auch Deinen Kommentar oben verstehen: „Wenn du gläubig bist, erscheint dir die Verbreitung des Glaubens als wichtig und damit das Verhalten der Kirche als suboptimal.“ – Wenn man das auf die Bischöfe überträgt, dann machen sie dabei keine gute Figur.

  9. Da kann ich dir nur zustimmen – das Verhalten der Kirchen und gerade der katholischen ist in vielen Fällen nicht christlich. Sonst würden sie etwa keine Kindergärtnerinnen herauswerfen, weil sie ein zweites mal heiraten.
    Auf der anderen Seite bin ich mir nicht wirklich sicher, ob das ehrenamtliche Engagement ohne kirchliche Strukturen nicht doch bestehen würde. Es gibt einen Haufen ehrenamtlicher Organisationen, die nicht konfessionell gebunden sind. Und einen Haufen, die zwar formell zur Kirche gehören, aber eigentlich unabhängig sind. Ich denke nicht, dass unser Ehrenamt sofort zusammenbrechen würde, wenn die Kirchen sich zurückziehen würden.

  10. Ich denke auch nicht, dass das Ehrenamt zusammenbrechen würde, wenn die Kirchen sich zurückziehen (je nach Szenario). Man müsste da natürlich mal die Ehrenamtsforschung zu befragen. Ich vermute aber, dass die ehrenamtliche Tätigkeit vieler Menschen (und 1 Million sind viele) in religiösen Wohlfahrtsorganisationen (die gibt es ja auch in jüdisch und muslimisch) auf ihrem Selbstverständnis als Gläubige beruht, und nicht auf ihrer Kirchensteuerzahlerschaft. (Den Christen macht demnach auch eher das Selbstverständnis aus, und weniger die Kirchensteuer. Das dürfte wohl auch die Position des oben erwähnten Hartmut Zapp sein.)
    Das Selbstverständnis als Gläubige würde ja nicht aufhören zu existieren, weil sich die Verbände der christlichen Wohlfahrtspflege auflösen, selbst dann nicht, wenn sich die Kirchen selbst auflösen (oder gar verboten werden). Aber ich würde schon vermuten, dass das Selbstverständnis als Gläubige nach und nach bei vielen Menschen ausklingt, für die „ihre“ Kirche nicht etwa mit offenen Armen da steht und sagt: „Kommt alle her, und wenn Ihr wollt, dürft Ihr auch ins staatliche Kirchensteuersystem eintreten!“ Sondern wenn die Kirche die Arme verschränkt und sagt: „Du kommst hier nicht rein.“
    So ein Fall wie die Kindergärtnerin(nen; bestimmt kein Einzelfall) verärgert doch auch die Mehrheit der Katholiken. Nur haben die Basis-Katholiken in der Kirche nichts zu sagen, und in der Öffentlichkeit hört man nur, was die Oberen sagen.
    Zurück zum Fall Zapp: Der ist eine Farce, die man so knapp gar nicht angemessen darstellen kann. Die Wikipedia fasst die gegensätzlichen Positionen der ersten beiden Instanzen so zusammen: 1.: „Demnach sei der Kirchenaustritt aus staatlicher Perspektive erfolgt; welche Rechtsfolgen das Kirchenrecht hieran knüpfe, sei eine andere und nicht entscheidungserhebliche Frage.“ (Mit anderen Worten: Ein staatliches Gericht entscheidet keine kirchlichen Fragen.) 2.: „Das staatliche Recht dürfe einem Austrittswilligen ohne Verstoß gegen das kirchliche Selbstbestimmungsrecht nicht erlauben, durch modifizierte Erklärungen innerkirchliche Rechtsfolgen zu umgehen.“ (Zitate: Wikipedia) (Das kann ich gar nicht plausibel umformulieren, da es mir nicht plausibel ist. Man könnte sagen: Ein staatliches Gericht entscheidet über kirchliche Fragen, um die kirchliche Selbstbestimmung zu schützen???)
    Wenn ich es richtig interpretiere, dann wird das Bundesverwaltungsgericht im Sinne der 1. Instanz entscheiden, dass Zapp keine Kirchensteuer zahlt, und seine Mitgliedschaft in der kath. Kirche Sache der Kirche selbst sei. Für diesen Fall haben die Bischöfe sich nun vom Papst genehmigen lassen, dass sie Zapp daraufhin rauswerfen dürfen.

  11. Ein lesenswerter Kommentar steht in der Süddeutschen:

    Matthias Drobinski: Katholische Kirche. Schlussbrief für die Sünder. In: sueddeutsche.de, 24. September 2012.

    Demnach soll der Brief an die Ausgetretenen die „kirchliche Mitwirkung am Austritt“ nachweisen, damit der staatliche Austritt nach Deutung des Vatikans überhaupt eine kirchliche Relevanz erhält. „Es geht nicht um die Ausgetretenen, es geht um die Rettung der Kirchenfinanzen.“

    Man hätte, um der vatikanischen Forderung genüge zu tun, in dem Brief auch schreiben können: „Da Sie gegenüber dem Staat erklärt haben, keine Kirchensteuer mehr zahlen zu wollen, exkommunizieren wir Sie hiermit.“

  12. Danke für den Link!

  13. Rechtsanwalt Stadler berichtet über Probleme bei der Interpretation des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts:

    Thomas Stadler: Ein schönes Beispiel für mediale Falschberichterstattung. In: internet-law.de, 26. September 2012.

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