Bundesverdienstkreuz für Plagiatefinder!?!

Erhielt es den Grimme Online Award zurecht, das GuttenPlag Wiki? Wer sich bei dieser Frage schon nicht sicher war, wird es vielleicht hierbei sein: Der Wirtschaftsphilosoph fordert das Bundesverdienstkreuz für Plagiatefinder! Dazu kommentiert er zwei jüngere Artikel über Plagiatssuche, die beide ihre Maßstäbe verloren haben. In ihren Exposés geben die Autoren bereits die filmreifen Geschichten zu erkennen, die die Kolportageverlage Zeit und Spiegel Online dem geneigten Publikum erzählen möchten, statt Argumente zu erwägen:

„Nina Haferkamp war Sachsens jüngste Professorin. Bis sich ein Plagiatsjäger ihrer Dissertation annahm.“[1]

Diese Geschichte nennt man auch gern: Die Schöne und das Biest. Das Mädchen, endlich eine erfolgreiche Wissenschaftlerin, wie wir sie noch viel öfter brauchen, wird von einem Neider zu Fall gebracht, ihr junges Leben als Prinzessin im dunklen Wald von einem skrupellosen und selbstsüchtigen Jäger zerstört. Klingt, so erzählt, auch ein Stück weit nach Schneewittchen, aber das Statusgefälle zwischen der Schönen und dem Biest ist doch passender als das zwischen Schneewittchen und der bösen Königin. Schwieriger wird’s bei der anderen Geschichte:

„Ebenso bemerkenswert wie die Schludereien von Politikern beim Schreiben ihrer Doktorarbeiten ist die Emsigkeit, mit der manche Leute den Fehlern nachgehen.“[2]

Diese Geschichte ist nicht so leicht zu benennen, tritt etwas dezenter auf. Sie ist der Standard, mit dem seit Guttenberg über Plagiatssucher gelästert wird. Aber einiges spricht dafür, hier die Artussage wiederzuerkennen. Denn die Moral von der Geschichte lautet, dass der Held trotz alles Guten, das er erstrebt, tragisch scheitern kann, weil er in jungendlichem Leichtsinn kleine menschliche, allzu menschliche Fehler gemacht habe. Diesen „Schludereien“ spüren die Mächte des Bösen nämlich im Schutze der Dunkelheit nach, um daraus ein Netz zu weben, das den strahlenden Ritter zu Fall bringen wird. Denn im offenen Kampf wäre er – dank seines heiligen Schwertes und der treuen Tafelrunde – nicht zu besiegen. Die heimtückischen Schurken bedienen sich also illegitimer Mittel, um dem Helden beizukommen.

Was man bei klarem Verstand von solcherlei Märchen zu halten hat, erklärt der Wirtschaftsphilosoph sehr lesenswert und benennt die Argumente – für alle, die Medien zur Meinungsbildung nutzen wollen, und nicht nur zur Unterhaltung. Auf dieser Grundlage kann man dann auch entscheiden, ob die Plagiatssucher das Bundesverdienstkreuz erhalten sollten.

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18 Antworten zu “Bundesverdienstkreuz für Plagiatefinder!?!

  1. Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

    Junge ambitionierte Leute, die in der Atmosphäre des Höchststeuersatzes großgeworden sind, möchten unsere Gesellschaft nach vorn bringen, sie promovieren und machen Karriere. Natürlich ruft das die Zukurzgekommenen auf den Plan: In irgendwelchen Verschlägen haben lichtscheue Kleingeister eine diabolische Freude daran, Fehler in Dissertationen nachzuweisen; als ob ihnen selbst noch nie ein Fehler unterlaufen wäre! Eine moralisch ebenso bedenkliche Fehlentwicklung ist die Beauftragung von Kopfgeldjägern. Glaubte ich bei den damaligen Angriffen auf mich an einen singulären Fall, so gehe ich inzwischen von einer Art Weltverschwörung aus, deren Ziel es ist, Deutschland als international anerkannten Wissenschaftsstandort zu zersetzen. Um es auf den Punkt zu bringen: Ich lehne die Prämierung dieser ganzen Bagage ab.

    Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

  2. Ich frage mich, ob Plagiatsjäger gleich Plagiatsjäger, also ob man GuttenPlag, Stefan Weber, VroniPlag (zum einen VroniPlag am Anfang und zum anderen VroniPlag heute), Robert Schmidt etc. alle in einen Topf werfen kann bzw. sollte.

  3. Was sollte der Unterschied sein? Die Motive? Der Arbeitseinsatz? Der Effekt in der Öffentlichkeit?

  4. GuttenPlag war ein Schwarm, da waren viele Menschen auch tatsächlich wütend, teilweise fassungslos über die Dreistigkeit des KTzG. VroniPlag führte dies wohl erstmal weiter, siehe Koch-Mehrin und Chatzimarkakis. Mittlerweile sind es nur noch eine Handvoll Leute, die um Politiker-Dissertationen einen Bogen machen, man hat fast den Eindruck, dort wird nun die eigene Konkurrenz an Universitäten aus dem Weg geräumt oder einfach Personen, die jemand nicht mag.
    Stefan Weber lässt sich für seine Dienst bezahlen, Heidingsfelder ebenso. Robert Schmidt wird wohl nicht bezahlt, ist wohl ein Vertreter des sozusagen alten VroniPlags, das noch keinen Bogen um Politiker gemacht hat.
    Kann man die wirklich alle zusammen in den Topf „Plagiatsjäger“ werfen? Ist es in Ordnung, einen Robert Schmidt und einen Martin Heidingsfelder mit dem gleichen Label zu versehen? Ich finde, man sollte dieses Phänomen Plagiatsjäger differenzierter betrachten, denn ich bezweifle, dass das alles Briefmarkensammler (siehe SpiegelOnline) sind.

  5. Als Unterscheidungsmerkmal sehen Sie vor allem Motive, wenn ich das richtig verstehe. Dafür habe ich durchaus Verständnis. Aber das Motiv für die Überprüfung von Verhalten auf Legalität oder Legitimität ist – bei genauerer Betrachtung – egal, sofern das anschließende Entscheidungsverfahren (legal oder illegal? legitim oder illegitim?) als fair akzeptiert wird. Ich habe den Eindruck, dass die Entschlüsse der zuständigen Universitätskommissionen weitestgehend als akzeptabel gelten. Deshalb bin ich der Ansicht, müsste man schon einigen argumentativen Aufwand betreiben, um die verschiedenen Motive von Plagiatssuchern für relevant zu erklären.
    Ich empfinde den Verweis auf unklare oder angebliche unlautere Motive, der in diesem Zusammenhang regelmäßig von den Beschuldigten kommt, nicht als gutes Argument, sondern als Ablenkungsmanöver. Die Motive der Beschuldigten erscheinen mir da ziemlich klar. (Das heißt nicht, dass sie das nicht tun dürfen. Nur muss man das nicht als gutes Argument bewerten.)

  6. Es geht nicht darum, dass einem „einmal ein Fehler unterläuft“. Hier handelt es sich in vielen Fällen um absichtliche bzw. vorsätzliche Täuschung tietelgeiler Personen mit dem vorrangigem Ziel, durch den Dr-Titel den eigenen Status zu boosten. Niemand schreibt „zufällig“ eine halbe Seite ab, ohne die Quelle zu zitieren. Und das auch noch wiederholt an vielen Stellen. Wäre dererlei Zuverlässigkeit normal, würden jeder täglich einen Autounfall bauen.

    Welcher dieser Politiker käme auf die Idee, eine Dr-Arbeit zu verfassen, wenn das Ansehen eines Dr. genauso groß wäre, wie der z.B. eines Magister? Nachdenklich stimmt auch, wenn Leute, die so mit mittelmäßigen bis schlechten Noten durchs Studium kommen, auf einmal eine Dr-Arbeit mit „summa cum laude“ hinlegen…

    Zusätzlich hat man gerade in Fächern wie Jura, Geschichte, u.a. das Problem, dass die Dr-Arbeit im Wesentlichen aus dem Zusammentragen von Literaturstellen besteht; eine eigene geistige Leistung findet ja zumeist nur insofern statt, als dass diese Quellen dann (einge)geordnet und eingeschätzt/kommentiert werden können. Damit ist die Neuheit per se schon begrenzt – anders als z.B. in Naturwissenschaften, wo in Dr-Arbeiten oft neue Messungen und Effekte beschrieben werden und daher die Möglichkeit des „Abschreibens“ zentraler Thesen-Punkte von vornherein ausgeschlossen ist. (Was natürlich für die Einlieitung wieder nicht gilt…)

    Insgesamt führen die Plagiats-Probleme, speziell wenn sie nicht verfolgt werden, zu einer gesamt-gesellschaftlichen Abwertung des Dr-Titels — und das dann zum Schaden jener Leute, die tatsächlich jahrelang unter hart und gewissenhaft daran arbeiten.

    (Autor: 4. Jahr Promotion Physik, 50 Stunden/Woche, Bezahlung 1/2 Stelle, volkswirtschaftlicher Nutzen: Verbesserte Diagnose in der Medizin)

  7. (zu meinem letzten Kommentar hinzuzufügen) …was natürlich dennoch nicht heißt, dass ich das Bundesverdienstkreuz für angebracht halten würde. Jeder Kriminaldetektiv, der einen Mord aufklärt, hätte dann mehrere Verdienstkreuze verdient.

  8. Historikerinnen, Juristinnen und auch Erziehungswissenschaftlerinnen können auch empirische Arbeiten schreiben, um die Möglichkeit des Abschreibens von vornherein auf den Theorieteil zu beschränken (den es hoffentlich in Physik-Dissertationen auch gibt, und der dort hoffentlich auch plagiatsgeeignet ist). Wenn es allerdings der Hauptzweck einer empirielastigen Arbeit mit aufwendiger Datenerhebung sein soll, Plagiate von vornherein zu minimieren, dann ist das abzulehnen.
    Gerade empirische Arbeiten können nämlich ebenso jedes Erkenntnisfortschritts entbehren. Von den frühen VroniPlag-Funden waren bei Djir-Sarai beispielsweise weitaus größere Probleme als nur das Abschreiben aufgetaucht.
    Das ist übrigens ein generelles Problem bei empirischen Arbeiten: Die Messung/Erhebung ist außerhalb der Naturwissenschaftn häufig nicht überprüfbar. Warum sollte man Dissertationen dahingehend Glauben schenken, wenn man in den überprüfbaren Teilen häufig Betrugsversuche (nämlich Plagiate) feststellt?

    Interessanter Vergleich übrigens, der mit dem Detektiv. Privatdetektiv oder Kriminalkommissar?

  9. Wenn sich nun Artikel aber vor allem mit den sogenannten Plagiatejägern befassen, sollte man hier schon etwas differenzierter vorgehen. Vor allem diese Kolumne auf SpiegelOnline ist in der Hinsicht unerträglich.

    Man stelle sich einfach einmal vor, wie viele dieser Plagiatejäger sich heute schon darüber aufgeregt haben, dass in den Artikeln zu Schavan oftmals dieser Absatz zu finden ist:

    „Der VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder hatte Schavan bereits nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Mai zum Rücktritt aufgefordert. „Wer nicht weiß, wie man richtig zitiert, kann nicht Bundesforschungsministerin und Professorin sein“, hatte der bekannteste deutsche Plagiatsjäger damals gesagt. Heidlingsfelder wirkte bei der Aufdeckung von Plagiatsvorwürfen gegen mehrere Spitzenpolitiker wie den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin mit.“

    Anders gefragt: Sollen alle Plagiatejäger das Bundesverdienstkreuz bekommen oder nur bestimmte? Wenn ja, welche? Und ab wann gilt eine Person als Plagiatejäger?

  10. Klingt, als ob Sie da Präferenzen haben. Mir würde auch das Bundesverdienstkreuz für „die Plagiatejäger“ reichen. So wie der Friedensnobelpreis für „die EU“. 😉

    Aber was meinen Sie denn: Ist die SpOn-Kolumne unerträglich, oder sind die Plagiatejäger unerträglich, die sich über den genannten Absatz aufgeregt haben?

  11. Hm, alle meine Fragen ignorieren und Gegenfragen stellen?

    Ich würde keinen Plagiatejäger für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen und auch nicht „die Plagiatejäger“ im allgemeinen. Es würde nur dazu führen, dass sich einige in den Vordergrund drängeln, während andere im Hintergrund weiter Bücher wälzen.

    Das „unerträglich“ bezog sich auf die SpiegelOnline-Kolumne. Aber bestimmt wird es in den nächsten Tagen auch wieder Statements oder ganze Interviews von VroniPlag-Mitgliedern (oder -Gründern) zum Thema Schavan geben, die ebenso unerträglich sein werden.

  12. Pingback: Offene Fragen zum Fall Schavan? | Erbloggtes

  13. Ich habe mit „die Plagiatejäger“ alle Ihre Fragen beantwortet. Mehr dazu können Sie auch einigen Bemerkungen des hierüber verlinkten neuen Artikels entnehmen.
    Es ist übrigens nicht SpOn gewesen, der da Unerträgliches produziert hat. Das stammt wohl von AFP. Denn auf Welt.de habe ich dasselbe gelesen, inklusive der Falschschreibung „Heidlingsfelder“.[1]
    Ja, peinliche Interviews befürchte ich auch. Das liegt aber auch daran, dass die ganze Angelegenheit ausgesprochen peinlich ist.

  14. Was ist mit der Frage: „Und ab wann gilt eine Person als Plagiatejäger?“

    Ich meinte dieses Fleischhauer Kolumne auf SpiegelOnline, nicht den heutigen (?) Artikel zum Thema Schavan oder die AFP-Textbausteine. Anscheinend habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt.

    Aber was genau meinen sie nun mit peinlich? Ist der Bericht aus Düsseldorf peinlich für Schavan, ist es peinlich für VroniPlag, dass man dort die Ergebnisse der Untersuchung der Dissertation nicht publik machen wollte?

  15. Die Grenzbestimmung, wer Plagiatejäger (Plagiatesucher, Plagiatefinder) heißen soll und wer nicht, wollte ich durch die Pauschalverleihung an „die Plagiatejäger“ umgehen. Das entspricht den kooperativen Grundideen viel besser als die triste Vorstellung einsamer Bibliotheksmäuse, die mit Textfragmenten besser umgehen können als mit Menschen.
    Wissenschaft funktioniert ebensowenig als Einzelkämpfertum wie Plagiatssuche. Kann man zwar alleine machen, aber einen Fortschritt bringt das nicht. Schavanplag ist zwar größtenteils Einzelarbeit, aber ohne Kooperation (hier: mit Medien, mit der Uni Düsseldorf, mit Kritikern) wäre es bedeutungslos.
    Sie kennen das doch: Wenn ein Produzent einen Oscar für den besten Film entgegennimmt, dann tut er das nur im Namen der vielen, ohne die das so nicht möglich gewesen wäre.

    Ach so, den Fleischhauer. Ich hatte das auf das folgende Zitat bezogen.

    Peinlich ist die ganze Angelegenheit. Für alle Beteiligten. Es geht um Emotionen, weil es eine Fallhöhe gibt (vom Doktor zum Versager, aber auch von der Uni zur Hochstapleragentur, von der Wissenschaft zur Scharlatanerie). Die Leute sind aufgewühlt von solchen Ereignissen, in denen es noch um etwas geht (jedenfalls für Akademiker). Für VroniPlag ist das natürlich ebenfalls peinlich. Wenn der Doktor futsch ist und VroniPlag sich geweigert hat, das an die Öffentlichkeit zu bringen, dann ist das auch eine Fallhöhe (von der Enthüllungsplattform zum Play-it-safe-Portal mit Bildungsministerinnenbonus). Äußerungen, in denen man sich nun gegenseitig irgendetwas bezichtigt, sind dann ebenso peinlich. Und wenn man lustige Gründerdebatten führt, dann ist das vor so einem Hintergrund wie ein Streit um des Kaisers neue Kleider – nur dass er keine an hat.

  16. Sotho Tal Ker

    Anmerkung:
    VroniPlag macht keinen Bogen um die Dissertationen von Politikern. Wer einen begründeten Anfangsverdacht hat, kann dies melden. Wenn es keinen Anfangsverdacht gibt, braucht man sich auch nicht mit so etwas zu befassen.

  17. Na klar, und bei 10% geht’s auf die Home. Prost!

  18. Sotho Tal Ker

    Nö. Aber spinn mal ruhig weiter deine Theorien. 🙂

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