Schavan-Skandal: Mobilisierung zum Kampf um die Diskurshoheit

Erleichtert es eine Chefin, wenn die Angestellten fest hinter ihr stehen? Zweifellos wird Loyalität in der deutschen Unternehmenskultur hoch geschätzt, wenn auch vielleicht nicht so hoch wie in Japan. Auch beim deutschen Militär nimmt Loyalität immer noch einen hohen Stellenwert ein – trotz aller Kritik am klassischen Kadavergehorsam. Und in der Wissenschaft, da ist es offenbar nicht anders, obwohl das jeder offiziellen Wissenschaftsethik widerspricht.

Es wird großer Aufwand betrieben, um in Deutschland die Unabhängigkeit der Wissenschaft zu unterstreichen und ihre alleinige Verpflichtung auf die Wahrheitssuche zu betonen. Dennoch ist es offenbar der obersten Wissenschaftschefin spielend gelungen, ihre – natürlich absolut unabhängigen – Untergebenen stramm zu ihrer Unterstützung eilen zu lassen:

Die Leiter der DFG, der Helmholtz-Gemeinschaft und der Humboldt-Stiftung stellen sich dienstbar in der vordersten Schlachtreihe ihrer obersten Lehnsherrin Geldgeberin auf und betonen: Verwunderung, Irritation, Skandal! Nur ein Professor hat die Plagiatsprüfung durchgeführt – ja hat die Uni Düsseldorf denn kein Geld, um eine zehnköpfige Forschungsgruppe ein halbes Jahr lang mit einem Buch von 1980 zu beschäftigen? Den Geldbeschaffern Spitzenforschern dieser milliardenschweren staatlichen Einrichtungen schwebt vor, sie selbst könnten doch nun Gegengutachten organisieren und sich damit als unentbehrlich für den Wissenschaftsstandort Deutschland erweisen. Helmholtz-Chef Mlynek etwa fordert „Urteile von unabhängigen Experten“, „weil der Promotionsausschuss nicht ausschließlich mit Fachleuten, sondern ’nach Partizipationskriterien‘ zusammengesetzt sei. In dem achtköpfigen Ausschuss sitzen Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und ein Studentenvertreter.“[1]

Zum Vergleich stelle man sich vor, drei Spitzengenerale wären seinerzeit dem Verteidigungsminister beigesprungen und hätten erklärt, es sei skandalös, was sich die Uni Bayreuth da herausnehme, und man werde nun ein Expertengremium aus dem Ministerium in Marsch setzen, um die Ehre des deutschen Militärs wiederherzustellen.

Jeder Bildungsminister der nächsten Jahre wird wissen, dass er in diesen Forschungsorganisatoren servile Gefolgsleute hat, die noch zu Großem berufen (oder zu berufen) sind. „Es sei ’skandalös‘, dass die Öffentlichkeit vor der Betroffenen von den schwerwiegenden Vorwürfen erfahren habe“, meint Humboldt-Stiftungs-Präsident Schwarz und lässt dabei die eigentlichen Skandale unter den Tisch fallen.[2] Das Mandarinentum in Deutschland lebt.

Aber man wird den hehren Herren Forscherpersönlichkeiten sicher nicht vorwerfen können, um des schnöden Mammons Willen bei dieser Gelegenheit – jetzt, wo’s gilt – Lippenbekenntnisse zu leisten oder gar von höherer Stelle dazu aufgefordert worden zu sein. Nein, allein die Loyalität, die aus ehrlich empfundener Dankbarkeit erwächst, dass Schavan in den vergangenen Jahren so viele Mittel hätte kürzen können und es doch nicht getan hat, dass sie stattdessen anderswo gespart hat, was das Zeug hielt. Hat irgendjemand das Wintersemester gestern nicht in einem überfüllten Hörsaal begonnen?

Allein diese Dankbarkeit reicht zur Erklärung der staatshörigen Wissenschaftler (die früher als Domäne der DDR galten) völlig aus. Mlynek etwa sagte, Schavan „habe sehr viel für die Wissenschaft getan: ‚Wir haben Grund zur Zufriedenheit.'“[1] Dabei stellt sich die Frage, wo eigentlich die Häuptlinge der Leibniz-Gemeinschaft und der Max-Planck-Gesellschaft mit ihren Ergebenheitsadressen bleiben. MPG-Präsident Peter Gruss äußert sich offenbar nicht über Schavan. Karl Ulrich Mayer, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, hat aber laut Tagesspiegel auch etwas zum Thema gesagt. Das soll aber in einem Update des Artikels[1] nicht mehr vorkommen:

Screenshot einer Suchanfrage, 16. Oktober, 12:30 Uhr

Screenshot einer Suchanfrage, 16. Oktober 2012, 12:30 Uhr

Noch Ende September 2012 hatten sich die Leibniz-Gemeinschaft ebenso wie die Max-Planck-Gesellschaft darüber empört, dass die Helmholtz-Gemeinschaft „einen unverhohlenen Führungsanspruch bei der Gestaltung der künftigen Forschungslandschaft“ erhalten solle und dafür von Schavan auch noch mit 700 Millionen Euro zusätzlich zu ihren drei Milliarden Jahresetat beschenkt wurde.[3] Man spricht sogar von einer „Helmholtzifizierung von Forschungseinrichtungen zur Entlastung klammer Länderhaushalte“ durch Bundesmittel.[3] Da hat man bei den Helmholtzer Großforschern allen Grund, der Ministerin öffentlich Treue zu geloben. Sogar der Bundesrechnungshof kritisierte die Schavan-Geschenke an die Großforschung scharf.[4]

Zu den Empörten – nein, weder über Schavans Wissenschaftspolitik, noch über ihr Plagiat, sondern über die Analyse des zuständigen Gutachters Rohrbacher – gehört auch der ehemalige DFG-Präsident (1992–1997) und Humboldt-Stiftungs-Präsident (1999–2007) Wolfgang Frühwald. Der findet bei Schavan nur „handwerkliche Fehler“ und sagt Sachen wie:

„Weder der Vorwurf des Plagiats noch der Vorwurf der bewussten Täuschung ist durch die Untersuchung gedeckt.“[2]

Mit der „Untersuchung“ meint er nicht etwa die Schavanplag-Dokumentation, sondern das Düsseldorfer Gutachten. Auch hier stellt sich wieder eine Frage: Woher kennt er das 75seitige Gutachten? Auf die wenigen Spiegel-Zitate lässt sich ein solcher Verriss professoraler Deutungskompetenz nicht plausibel stützen. Wenn Schavan schlau ist, und das wird niemand bestreiten, hat sie ihren Getreuen in der Wissenschaft das Gutachten geschickt und sie um Statements gebeten.

Es ist ein bisschen wie im Mittelalter, wenn der Lehnsherr die Heeresgefolgschaft seiner Vasallen einforderte. „Ich lasse mir das nicht bieten“[6] füllt sich nun mit dem Inhalt, dass Schavan das Verfahren der Uni Düsseldorf als „politische Aktion“ diffamieren lassen will.[7] Sogar „völlig abwegig, ja böswillig“[2] sei das Prüfungsergebnis von Schavans Plagiat, sagen auch andere Schavan-Kampfgefährten aus alter Zeit: „widerwärtig“, verfällt HU-Präsident Olbertz (ehemaliger Wissenschaftsminister in Sachsen-Anhalt, politischer Freund Schavans) in Bildzeitungsjargon und meint: „Hier soll eine erfolgreiche Wissenschaftsministerin politisch und persönlich demontiert werden.“[1] Das ist ein Affront gegen die Integrität des zuständigen Gutachters, der sogar alle Unverschämtheiten übertrifft, die Fischer-Lescano im Fall Guttenberg von dessen politischen Freunden nachgesagt wurden.

Der 88-Jährige Doktorvater Gerhard Wehle fragte: „Wie kann man eine Arbeit über das Gewissen schreiben und dabei täuschen?“[8] Damit wollte er die Möglichkeit, Schavan habe plagiiert, a priori ausschließen – anhand ihres Themas! Dass das Gewissens-Thema aber auch das Gegenteil demonstrieren kann,[9] fällt ihm gar nicht ein. Was Die Zeit aus den Agenturmeldungen zusammenstellt, ist bereits die beste Interpretation des Skandals bisher:

„Hinter Schavan bauen sich zwei Fronten auf“, lautet die Überschrift. Wie die Fronten aber charakterisiert sind, wird in der Unterzeile verraten und zeigt die Erfolge von Schavans Gegenoffensive: „Die Opposition will ihren Rücktritt, sollten die Vorwürfe wahr sein. Wissenschaftler indes nehmen sie in Schutz.“[8] Demnach heißen die Fronten „Opposition“ und „Wissenschaftler“. Falls sie in dieser Frontstellung Befestigungen errichten lassen kann, indem sie diese Gegenüberstellung einfach oft genug wiederholen lässt, könnte Schavan das „Feld der Ehre“ sogar noch siegreich verlassen. Selbst wenn die Uni Düsseldorf als Herrin des Verfahrens ihre eigene Ehre zu retten versucht, indem sie Schavan den Titel entzieht, könnte Schavan sich bei entsprechender Stimmung in der bürgerlichen Presse mit juristischen Einsprüchen zur Wehr setzen und auf diesem Wege bis zur Bundestagswahl Ministerin bleiben.

Warum die Uni Düsseldorf den Titel entziehen sollte, welche Probleme das aufwirft, und worin daher die Chance Schavans liegt, erklärt auch Plagiatsforscher Stefan Weber.[9]

Update, 14:30h: In Kenntnis der vier Monate alten Argumentationsanalyse von Anatol Stefanowitsch hätte man diese Positionierung der Wissenschaftsgrößen vorhersagen können.

Update 2, 18:40h: Vor zwei Wochen erschien ein Artikel aus Anlass der Affäre am IfK Dresden (aufgedeckt von Stefan Weber), auch mit wichtigen Positionierungen von DFG-Ombudsman Wolfgang Löwer. Leider nicht online:

  • Hermann Horstkotte: Recherche im Elfenbeinturm. Wissenschaft streitet um Zuständigkeit bei der Aufdeckung von Plagiaten. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 227, 1. Oktober 2012, S. 31. Zitat Löwer:

„Wer mit Publikationen freiwillig die Öffentlichkeit sucht, muss die öffentliche Diskussion aushalten.“

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35 Antworten zu “Schavan-Skandal: Mobilisierung zum Kampf um die Diskurshoheit

  1. @erbloggtes deine kritische Auffassungsgabe und Schreibkunst bewundere ich immer mehr. Ein sehr guter Beitrag zur Diskussion um Schavan.

  2. Eigentlich ist mir mein eigener Text nicht distanziert und analytisch genug. Der eigentliche Skandal liegt immer auf einer Meta-Ebene:
    1. Skandal: Schavan plagiiert
    2. Skandal: Uni lässt Gutachten durchsickern
    3. Skandal: Wissenschaftler machen sich zu Lakaien der Geldgeberin
    4. Skandal: Presse bemerkt das nicht
    5. Skandal: anonymer Blogger regt sich unglaublich auf

    Wo jemand steht, erkennt man daran, welchen Skandal davon er für den wichtigsten hält.

  3. Also immer diese anonymen Blogger, die sich aufregen! Die beschmieren die Klowände des Internets und behaupten, dass sie richtigen Journalismus betreiben!

    Es gibt noch eine weitere Ebene dieses Skandals: Das ganz bewusste Werfen von Nebelkerzen, welche vom eigentlichen Plagiat ablenken sollen. Das Gutachten liegt vor und das Gutachten versammelt alle Vorwürfe auf insgesamt 75 Seiten. Ich weiß nicht, wie solche internen Gutachten im Detail aussehen, da ich sowas noch nie in der Hand hatte, aber: Auf den 75 Seiten wird höchstwahrscheinlich genau aufgeschlüsselt, welche Textstellen jetzt abgeschrieben wurden, wo Fußnoten fehlen und so weiter. Es wäre angebracht, dieses Gutachten jetzt zu veröffentlichen. Die Medien haben es bereits und zitieren genüsslich daraus, die werten Herren Spitzenforscher haben es anscheinend. Ich sehe keinen Grund, warum es nicht einfach der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird – wenn es stimmt, was Frau Schavan sagt und das Gutachten mangelhaft ist, dann erledigt sich der Vorwurf in wenigen Tagen. Die vielen Augen, welche dieses Dokument dann kritisch betrachten, werden falsche Vorwürfe, fehlerhafte Untersuchungen etc. schnell entlarven.

  4. Ich würde Ihre Skandalebene zwischen 2 und 3 einordnen.
    Von Geheimjustiz konnte noch nie etwas Gutes ausgehen. Und Geheimverhandlungen über – in jeder denkbaren Hinsicht – öffentliche Angelegenheiten widersprechen der eigentlichen Würde der Wissenschaft, nämlich ihrer Wahrheitsverpflichtung.
    (Geheimverhandlungen passen aber sehr gut zur vermeintlichen Würde der Wissenschaft, ihrer Finanzausstattung.)

    Zu den Klowänden des Internets: Ich habe gestern hier bereits darauf hingewiesen, dass von Kritzeleien in Schultoiletten kein Tugendterror ausgehen kann – außer durch Überprüfbarkeit und Argumente.

  5. Das ist ein Novum: Die Mobilisierung erfasst die himmlischen Heerscharen: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) veröffentlicht eine Solidaritätsadresse mit Schavan.[1] Besonders pikant ist der Teil der Solidaritätsadresse, in dem es heißt:

    „Das Ansehen der Geisteswissenschaften in ihren wissenschaftlichen Arbeiten steht auf dem Spiel“, so der ZdK-Sprecher wörtlich.

  6. Gerade gesehen:

    http://www.focus.de/politik/deutschland/vorsaetzliche-verstoesse-in-der-dissertation-weitere-gutachter-erheben-plagiatsvorwuerfe-gegen-schavan_aid_839909.html

    Da ist also nicht nur ein Wissenschaftler zu dem Ergebnis gekommen, er hat das Gutachten nicht allein geschrieben. Da bin ich mal gespannt, welche Interviews ich morgen früh lesen und hören werde. Diese Skandale (oder wie immer man es nennen will) scheinen ja wirklich alle ein ähnliches Drehbuch zu haben.

  7. Danke sehr, das ist wirklich mal eine Neuigkeit. Während andere Medien offenbar selbsternannte Experten anhörten, die ihre früheren Pro-Schavan-Statements wiederholten, hat der Focus ein Mitglied des Promotionsausschusses aufgetrieben. Mir unvorstellbar, dass sich das Mitglied selbst an den Focus gewandt hätte. Da hätte doch jeder ein besseres Medium ausgesucht, oder?

  8. „Die Abstimmung scheint nur noch eine Formalität zu sein.“ steht im Focus.
    Wenn es so ist, könnten der Rücktritt doch schneller als erwartet kommen. Jetzt bin ich wieder etwas optimistischer. Der Tagesthemenkommentar gestern hat mich doch etwas sprachlos gemacht.

  9. Mein erster Gedanke war auch: „Focus? Wieso Focus?“ Morgen wird sich ja zeigen, ob sich diese Meldung weiter verbreitet. Wenn es stimmt (wovon ich jetzt mal ausgehe), wird es wirklich sehr eng für Schavan.
    Ich überlege nun schon einen Tag lang, wie genau sie Stellung nehmen will, wie sie die Fundstellen erklären will – mir fällt nichts Vernünftiges ein.

  10. Noch etwas:

    http://www.ardmediathek.de/kulturradio/kulturradio-am-morgen/was-ist-der-massstab-annette-schavan-und-die-plagiats?documentId=12123014

    Ab Minute 3 geht es darum, wie Winnacker Schavan verteidigt. Ist aber auch insgesamt hörenswert.

  11. Vielen Dank!
    Die Strategie muss lauten: Handwerkliche Fehler. Schlamperei im Mittelteil. Zu wenig Mut, um sich, als Mädchen von 25 Jahren, im Fazit von der Literatur zu lösen und eine eigene Position zu vertreten.
    Das kauft man ihr auch ab. So macht man schließlich in der CDU Karriere.

  12. Jetzt fordert wirklich jemand (nämlich HUB-Chef Olbertz), die Chefin von ihren Angestellten begutachten zu lassen: Die Uni DD solle das Verfahren abgeben. „Möglich sei etwa ein ‚Gremium unabhängiger Kollegen aus der Wissenschaft‘ wie zum Beispiel große Forschungseinrichtungen“.[1]
    Was sagt man dazu?

  13. Wer möchte im Ernst annehmen, die komplette Promotionskommission einer Fakultät ginge dilettantisch vor und habe niedrige politische Motive ? Die haben sich um diesen Fall nicht gerissen, überhaupt nicht. Wenn die Mitglieder eine Möglichkeit gehabt hätten, der Ministerin das schadlos durchgehen zu lassen, dann hätten sie diese ergriffen.

    Ob die Fakultät wusste, was da in allen Details auf sie zurollt, möchte ich bezweifeln, aber bis jetzt verhält sie sich vorbildlich objektiv und taktisch bewundernswert. Der Vorsitzende ist nicht zu erreichen. Inzwischen ist klar, dass das Gutachten einen Konsens der Kommissionsmitglieder darstellt und nicht das Werk eines einzelnen ist. In ihrer Pressemitteilung benennt die Uni das Bekanntgabedatum an Schavan mit dem 12.10.12. Schavan wußte also zwei volle Tage vor dem Leak an den Spiegel über den Inhalt und die vernichtende Konsequenz bescheid und wurde mitnichten überrascht, wie in den Medien dargestellt.

    Eine bisher nicht beachtete Option ist sehr wohl das Durchstechen des Gutachtens an die Presse aus den Kreisen Schavans. Sie ist diejenige, die massiv Nutzen aus diesem Vorgang zieht. Ihr muß klar gewesen sein, dass ihre Laufbahn mit dem Gutachten ein Ende hat, sollte alles seinen sachlichen Lauf nehmen. Also: shoot the messenger…
    Reiner Macchiavellismus. Aber eine deutliche Option..

    Was hier abläuft, ist nichts anderes als eine Hetzjagd. Eine Hetzjagd auf die Promotionskommission und die Uni Düsseldorf, die lediglich ihre (ihr selbst unangenehme) Pflicht erfüllt. Was hier abläuft, ist eine Intrige in Form einer Schmierenkampagne gegen die Wissenschaft, die sich dies bisher erstaunlich ruhig gefallen lässt. Wo bleibt die Solidarität der Hochschulgemeinde mit Düsseldorf?

  14. Interessante Theorie, aber ich finde die eher nicht plausibel.

    Der Spiegel hat die Schavanstory groß am Sonntag gebracht (epaper). Da soll Schavan vorher noch am Freitag das Gutachten bekommen haben, gelesen haben, sich ihr Vorgehen überlegt haben, dann das Gutachten geleakt haben. Der Spiegel hat dann am Samstag, die Authentizität des Gutachtens geprüft, sich in der Redaktionskonferenz beraten, den Artikel geschrieben und mit dem nötigen Vorlauf veröffentlicht haben?

    Plausibler finde ich, dass der Spiegel das Gutachten im Laufe der Woche bekommen hat, und dann wie es usus ist, die Universität um eine Stellungnahme gebeten hat, woraufhin diese dann das Gutachten schnellstens auch Schavan zugesendet hat.

    Aber das sind natürlich alles Spekulationen.

  15. Pingback: Wer hat das Schavan-Gutachten geleakt? Rekonstruktion der vergangenen Woche | Erbloggtes

  16. Vielen Dank, Plaqueiator, für Ihr Weiterdenken und Ihre Hinweise! Die habe ich zu einem neuen Artikel verarbeitet, der zumindest in einigen Grundgedanken auf Ihren Kommentar zurückgeht.
    In der Tat hat die Desinformation/belegfreie Meinungsbildung inzwischen eine Kraft erreicht, dass sogar Fischer-Lescano (angeblich) Schavan beigesprungen ist – obwohl er doch als gebranntes Kind eigentlich die Shoot-the-Messenger-Technik am meisten ablehnen müsste.

    In der Tat, Hallodri: Alles Spekulationen. Würden die Großsprecher das anerkennen, wäre schon viel gewonnen. Dass der Spiegel vor Freitag das Gutachten hatte, schließe ich (im erwähnten neuen Artikel) aus. Dass es (von der Uni aus) am selben Tag an den Spiegel ging, an dem es an Schavan ging, ist aber ebenso möglich, wie dass es von Schavan (oder ihrem Umfeld) an den Spiegel ging.
    Die Authentizität des Gutachtens zu prüfen, dürfte leicht gefallen sein, zumal man nicht auf Stellungnahmen der Uni hoffen durfte. Dass der Spiegel von Freitag bis Montag ein geplantes (fertiges) Interview durch einen aktuellen Enthüllungsartikel ersetzt (für den ja dann Platz da ist), ist keine Zauberei. Zumal der Artikel inhaltlich zu größeren Teilen auf dem Interview basiert, andere Recherchen als die Glaubwürdigkeitsprüfung des Gutachtens und die Anfrage bei Schavan nicht nötig waren, und allein vier Autoren damit befasst waren.

  17. @Hallodri: Fakt ist, Schavan lügt, wenn die Darstellung des Spiegel vom 15.10. stimmt:

    “ ‚Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, dass ein vertrauliches Gutachten eines Hochschullehrers der Presse vorliegt, bevor die Betroffene von der Existenz des Gutachtens weiß‘, sagte sie der ‚Südwest-Presse‘ (…) Schavan hatte von den Vorwürfen der Universität erst aus dem SPIEGEL erfahren.“
    (Zitat nach http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pagiatsaffaere-opposition-sieht-schavans-glaubwuerdigkeit-beschaedigt-a-861253.html).

    Dies war nach meinem Kenntnisstand die erste Einlassung zum Leak am 15.10. und die Festlegung der Verteidigungsstrategie.

    Laut Pressemitteilung hat sie das Gutachten am 12.10. erhalten, Der Spiegel hat am 14.10. veröfffentlicht, mithin nach ihrer Kenntnisnahme, also für sie nicht überraschend. Das Zeitfenster bis zur Veröffentlichung schließt sie als Verdächtige ein.

    Fakt ist, dass ihre Kreise zu den Verdächtigen gerechnet werden müssen. Es ist keinesfalls sonnenklar, dass das Gutachten aus der Uni durchgesickert sein muß.

  18. In der Tat: „aus dem SPIEGEL erfahren“ ist nach einhelliger Darstellung von SpOn, Spiegel und Uni Düsseldorf falsch. Was Schavan wörtlich sagte: Dass das Gutachten „der Presse vorliegt, bevor die Betroffene von der Existenz des Gutachtens weiß“, ist noch nicht nachgewiesen falsch. Denn Schavan behauptete, durch die Anfrage des Spiegel von der Existenz des Gutachtens erfahren zu haben, das ihr aber an jenem Tag zugesandt worden ist. Da kann man viel behaupten: Ist nicht angekommen, wurde erst spät abgeschickt, Freitag in der Post, Samstag im Briefkasten (ich tippe ja auf E-Mail), Spamfilter hat’s verschluckt, Mitarbeiter hielten es für nicht so wichtig…
    Um sich als Opfer zu stilisieren statt als Täter, reicht es aus, wenn sich das akademische Publikum vorstellt, der Spiegel riefe an und frage einen selbst aus heiterem Himmel danach, was man dazu sage, dass man in der Diss. getäuscht habe. Aber wie weit her es mit dem heiteren Himmel ist, das wird Schavan als Theologin ganz genau wissen. Offenbar hat sie als Theologin auch eine hohe Meinung davon, was man die Menschen glauben machen kann, indem man keinerlei empirische Nachweise liefert.

  19. Holla. Nach dem Schavanschen „Maulkorb-Erlass“ wird es ungemütlich für die wackeren Recken in der PhilFak der Heine-Uni. Sie selber dürfen nichts mehr zur Sach beitragen, das Ergebnis des geleakten Gutachten darf damit von Schavans massiv aufgerückten Hilfstruppen ohne Widerspruch zerredet werden: http://www.zeit.de/studium/hochschule/2012-10/gutachten-plagiat-schavan-duesseldorf/

    Kein noch so absurdes Argument ist zu schade, der Betrügerin aus der Misere zu helfen, von der Verjährung eines Ehrentitel-Anspruchs über die Bagatellisierung hin zur Diffamierung aller 80er-Jahre-Promovenden als wissenschaftliche Steinzeitmenschen. Meine Herrn…

    Dieser Tenorth, der da wiederholt die Rede schwingt, das ist doch derselbe, der damals Olbertz (Duz-Freund Schavans) bei Opportunismus-Problemen in dessen Diss und Habil schon beigesprungen ist?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Jan-Hendrik_Olbertz#cite_note-10

  20. Ha, gut aufgepasst! So wird ein echtes Netzwerk sichtbar.
    Tenorth kocht nun auch nur nochmal auf, was er vor Monaten schon in der FAZ zu Schavans Gunsten behauptet hatte.

  21. Falls noch nicht bekannt, hier nun noch mal ein buntes Potpourri an Einzelstimmen zum bisherigen Verfahrensverlauf, darunter (erfrischend) der DHV-Präsident, zusätzlich aber auch der kirchliche Segen von Kardinal Lehmann (hier wohl in seiner Funktion als Professor für Dogmatik ;-)):
    http://www.tagesspiegel.de/wissen/-fall-schavan-kritik-an-vorzeitigen-freispruechen/7271446.html

  22. Interessant ist übrigens ein Vergleich des neuen Wissenschaftsfreiheitsgesetzes und den darin berücksichtigten Institutionen mit der Liste der Fürsprecher für Schavan.

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