Medienkritisches, Erkenntniskritisches und Wissenschaftspolitisches zur Schavan-Affäre

Erstaunt es den Online-Medien-Nutzer, dass die Blogosphäre ebenso brummt wie die Medienmaschinerie, wenn es um den Plagiatsfall Annette Schavan geht? Leider ist es recht klar erkennbar, dass Massenmedien ihre Ressourcenvorteile bei der Sachverhaltsermittlung nicht in Glaubwürdigkeitsvorteile bei der Sachverhaltsbewertung umsetzen können. So kompetent auch einzelne Journalisten inzwischen im Plagiatsbereich sind, ist doch regelmäßig die innere und äußere Unzuständigkeit vieler ihrer Kollegen zu spüren, wenn sie über Plagiatsfälle schreiben.

Drei Leitaspekte der Schavan-Affäre

Hier hat Plaqueiator demonstriert, was vom „offenen Brief“ des Kester Schlenz zu halten ist. In den Kommentaren wird derlei Journalismus sogar als „Auftragsarbeit“ bezeichnet, mit der „aktiv Propaganda für Schavan gemacht“ werde, und zwar aufgrund von „entsprechenden Geldzahlungen durch die Politik an die Medien“, die „entweder aus dem Bundeshaushalt oder aus schwarzen Kassen der CDU“ kämen und „eines Tages nachgewiesen“ würden.[1] Das ist doch äußerst zweifelhaft. Aber mancherlei Mediendynamik wäre nähere Blicke wert.

Zum Auftakt der zweiten heißen Phase der Plagiatsaffäre Schavan (fragmentarische Zeitleiste) hat ein anonymer Blogger, der im Internet wohl auch als Aloo Masala (Kartoffelgewürzmischung/-gericht) auftritt, die Argumentation kritisiert, mit der Journalist Christoph Titz in Spiegel Online die Glaubwürdigkeit der Schavanplag-Dokumentation herunterspielen wollte.[2] In den Kommentaren dazu wurden die Grundprobleme der zweiten heißen Phase geradezu vorweggenommen, indem drei weiterführende Aspekte angesprochen wurden: (1.) Kritik an weiteren journalistischen Einschätzungen zum Fall, (2.) die unrühmliche Rolle von VroniPlag (Erbloggtes berichtete mehrfach) und (3.) die Frage der Täuschungsabsicht, die auch erkenntnistheoretische Probleme aufwirft.

Neben Schlenz (Stern, „Alter Sack, was nun?“) und Titz (SpOn, „ohne Zugang zu einer umfangreichen philosophischen Bibliothek“) sind etwa Heike Schmoll (FAZ, „Hexenjagd“)[3], Katja Tichomirowa (FR, „Unschuldsvermutung“ vom Lande)[4] und Jaques Schuster (Welt, „Widerliches Denunziantentum“)[5][6] unangenehm aufgefallen. Klaus Graf fasst die Haltung kritischer Blogger gegenüber unkritischen Journalisten zusammen:

„Wer öffentlich eine Dissertation vorgelegt hat, muss es dulden, dass öffentlich über ihn hergezogen wird, wenn er nicht nur ein bißchen geschummelt hat. Und der Doktorhut muss ihm dann auch abgenommen werden. Und eine Wissenschaftsministerin, die so eklatant gegen die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens verstoßen hat, muss zurücktreten. Und die Journalisten, die sie jetzt eilfertig in Schutz nehmen, sollten lieber still sein.“[5]

Probleme des Täuschungsbegriffs

Da die Rolle von VroniPlag seit Mai 2012 im Wesentlichen unverändert ist, bleibt hier nur auf die älteren Artikel dazu zu verweisen. Stattdessen ist der immer wieder diskutierte Aspekte der Täuschungsabsicht zu erörtern. Stefan Weber weist auf drei Dimensionen des Täuschungsbegriffs hin:

„1) Ein Gutachter/Beurteilender kann sich getäuscht fühlen (oder nicht).
2) Ein Leser, der nicht Gutachter ist, kann sich getäuscht fühlen (oder nicht).
3) Der Autor kann täuschen wollen oder [absichtlich] getäuscht haben (oder nicht).“[7]

Die Begriffe des Fühlens und des Wollens weisen hier auf die Erkenntnisprobleme hin, die mit dem Begriff der Täuschung verbunden sind. Man kann dies so verdeutlichen: Wenn der Autor sagt „ich habe nicht getäuscht“, der Gutachter aber sagt „der Autor hat getäuscht“, dann fungiert das Verb „täuschen“ als Teekesselchen. Gemäß den Regeln dieses Spiels könnte der Autor sagen: „Mein Teekesselchen ist von meinem Wollen abhängig, und darüber habe ich die Definitionshoheit.“ Der Gutachter könnte sagen: „Mein Teekesselchen ist von meinem Gefühl abhängig, das sich aus der Einwirkung der Tatsachen auf meine Urteilskraft ergibt.“

Es handelt sich also um Wortspiele mit Äquivokationen. Und darauf fallen in der Schavan-Affäre offenbar die deutschen Polit-Eliten, die Medien-Eliten und die Wissenschafts-Eliten gleichermaßen herein. (Oder sie benutzen die Äquivokation in unredlicher Weise zur Täuschung ihrer jeweiligen Zuhörer.)

Um das Problem zu umgehen, hat der erwähnte Aloo Masala (der sich andernorts als männlich markiert hat) einen Vorschlag gemacht, der in Plagiatssachen schon öfter als Zerschlagung eines Knotens so oder so ähnlich vorgetragen wurde:

„Man sollte den Vorwurf der Täuschungsabsicht durch ein quantitatives Kriterium ersetzen, das die Fähigkeit sauber wissenschaftlich zu arbeiten misst.“[8]

Solche Lösungen schwebten bereits VronPlag vor, als man dort die 10-Prozent-Regel etablierte (die man dann später als Faustregel umdefinierte). Aloo Masala geht aber darüber hinaus und schlägt vor, die Kriterien, nach denen eine solche Messung vorgenommen wird, in den Prüfungsordnungen festzuhalten. Etwas polemisch könnte man also als Vorschlag für § 1 jeder Prüfungsordnung machen: „Prüfungsleistungen, bei denen der Plagiatsindex den Wert 1,00 erreicht oder überschreitet, sind ungültig.“

Eine solche Regel würde (selbst wenn sie ausgefeilt formuliert wäre) dazu führen, dass das „Geschäftsmodell Plagiatsbereiniger“ plötzlich doch funktionsfähig würde. Bisher ist es das keinesfalls, wie der Wirtschaftsphilosoph anmerkt.[9] Und wenn dieses Geschäftsmodell funktionieren würde, hätten die Universitäten keine Chance mehr (einigermaßen intelligente und finanzkräftige) Plagiatoren zu enttarnen. Sie könnten sich also wieder zurücklehnen, um wie vor 2011 nur dann Maßnahmen zu ergreifen, wenn zufällig massive Plagiate gefunden werden, oft von den Plagiierten selbst. Für das System Universität ist diese Entwicklung wünschenswert, für das System Wissenschaft jedoch nicht.

Plagiatsbewertung in der Gremienhierarchie

Man könnte noch weiter diskutieren, wohin solche Regelungen führen. Wichtig ist aber, dass sie bereits heute gelten, auch wenn sie implizit sind: Wissenschaftliches Fehlverhalten ist, was das zuständige Gremium als solches identifiziert. Das zuständige Gremium wird immer von einem übergeordneten Gremium kontrolliert und kann daher nur dann massive Fehlentscheidungen treffen, wenn die Reihe der übergeordneten Gremien dies unterstützt. Es gibt im Fall Schavan übrigens zwei mögliche oberste Gremien, die die Entscheidung des Düsseldorfer Promotionsausschusses letztlich bewerten:

Das idealistische oberste Gremium ist die scientific community bis hin zur räumlich und zeitlich in alle Richtungen unbeschränkten idealen Diskursgemeinschaft, einer kontrafaktischen Entität, die das reine Streben nach Wahrheit gemäß dem besseren Argument repräsentiert. Das realistische, geradezu zynische oberste Gremium ist das Bundesbildungsministerium, dessen Einfluss auf die untergeordneten Gremien teilweise nur indirekt, aber letztlich nicht zu leugnen ist. Das ist auch der Grund, warum Schavan zurücktreten sollte, egal welches Ergebnis die Prüfung der Düsseldorfer haben wird: Lautet die Entscheidung, es liege kein Plagiat vor, und Schavan dürfe ihren Doktor behalten, dann wäre Schavan als Bundesbildungsministerin untragbar, weil sie dann den ihr allzu gefälligen Institutionen ihre Dankbarkeit tatkräftig erweisen könnte. Frühere Dankbarkeitserweise wurden hier bereits diskutiert.

Plagiatsbewertung in der Plagiatshierarchie

Ein weiterer Aspekt der Plagiatsdebatte, den Aloo Masala – stellvertretend für viele andere – formuliert hat, ist die unterschiedliche Bewertung gleicher Plagiate an unterschiedlichen Stellen von Dissertationen, worauf auch Schavans Verteidigungsstrategie setzt: Dass „Ein Plagiat im Grundlagenteil einer naturwissenschaftlichen Arbeit […] weniger schwerwiegend [sei] als ein Plagiat, das ein Teil der Neuerung und Schlussfolgerung“[8] enthält, ist jedoch bei genauer Betrachtung nicht korrekt.

Diese Auffassung beruht darauf, dass man im Grundlagenteil einer Arbeit nichts Neues schaffen muss. Das ist durchaus richtig. Man könnte also die Inhalte von Handbüchern ausgiebig zitieren und als Forschungsstand festhalten, ohne einen Mangel in der eigenen Arbeit zu erzeugen. Man müsste dabei nur: ausgiebig zitieren, also alle Quellen angeben, auf die man sich stützt. Auf Schavans Verteigigungsstrategie übertragen bedeutet dies: Sie hätte in der Darstellung der Gewissenstheorien die Quellen angeben und genaue Anführungszeichen machen müssen, und alles wäre (in dieser Hinsicht) in Ordnung gewesen.

Die Begründung, die man von Studierenden zuweilen hört, die ihr eigenes Vorgehen in solchen Fällen rechtfertigen wollen, lautet etwa so: „Aber wenn Müller schreibt, dass Meier xyz gemeint hat, dann stimmt das doch, und dann darf ich doch auch Meier zitieren und schreiben, dass er xyz gemeint hat.“ Das ist aber falsch. Was Meier genau gemeint hat, das ist geradezu ebenso ungewiss wie die oben diskutierte Frage, ob jemand täuschen wollte. Und deshalb ist es, wenn jemand behauptet, Meier habe genau xyz gemeint, eine Übernahme von Müller. Verstehen des in einem Text Gemeinten ist kein absolut eindeutiger Vorgang, daher ist eine absolute Übereinstimmung dabei eine Übernahme. Rohrbacher als in textkritischen Verfahren geschulter Alttestamentler ist das bewußt. Das unterscheidet ihn jedoch vom durchschnittlichen Zeitungsleser.

Plagiatsproduzierende Studienbedingungen

Das skizzierte Verbot, Paraphrasen der Primärliteratur aus der Sekundärliteratur ungekennzeichnet zu übernehmen, gilt insbesondere für Dissertationen. Und zwar unter anderem, damit der Leser nachverfolgen kann, dass die Meier-Interpretation des Autors auf der Meier-Interpretation von Müller basiert. Das systemimmanente Problem ist jedoch: Leider ist das keine allgemein anerkannte Norm. Im Wissenschaftsbetrieb würden wohl sogar einige Professoren die Geltung der Norm für Dissertationen bestreiten (jedenfalls, wenn sie damit Schavan beispringen könnten). Aber, und das ist der Knackpunkt, die Norm ist bei anderen Textgattungen alles andere als anerkannt.

Wenn man sich nun überlegt, welche Textgattungen Studierende so lesen, dann kann man verstehen, dass die Studierenden, die so etwas zur Verteidigung vorbringen, diese Norm nicht verinnerlicht haben: Dissertationen machen wohl den kleinsten Teil der Texte aus, die Studierende bis zum Studienabschluss gelesen haben. Konjunktur haben Handbücher (aus denen bekanntlich auch Koch-Mehrin vorzugsweise abschrieb) und Einführungen, daneben anscheinend auch Zeitungsartikel (die Guttenberg bevorzugte).

Die Literaturverweise darin sind üblicherweise höchstens pauschal. Zitiert wird wenig, und Studierende, die für Prüfungen lernen, interessieren sich auch überhaupt nicht für die Zitate, für ihre Herkunft und ihre Zitiertechnik. Das wird im heutigen Studienbetrieb auch zunehmend irrelevant. Daher ist es durchaus möglich, dass Plagiatoren zwar in Einführungsveranstaltungen gehört haben, man müsse genau zitieren, in festgelegter Form die Quelle angeben und diese im Literaturverzeichnis aufführen, dass sie es danach aber nie mehr erlebt haben, dass das von irgendeiner Bedeutung wäre. Und bis zum Abschluss haben sie es in der Gehirnschublade für irrelevante Informationen abgespeichert, die regelmäßig geschreddert wird.

Unfähigkeit zur Veränderung

Wenn zum Fehlen solcher textlicher Vorbilder hinzu kommt, dass Studierende mit solchem Vorgehen gut durchs Studium kommen, weil es unglaubliche Zeitersparnis bringt, wenn Studierende ihre Arbeiten nicht selbst schreiben und Lehrende sie nicht selbst lesen, dann darf man sich nicht wundern, wenn dieses erfolgreiche Verhalten sich in einem Konkurrenzsystem evolutionär durchsetzt. Fälschungsskandale sollte man „nicht als systemfremden Skandal, sondern als evolutionären Risikofaktor, verorten“,[10] meinte Dieter Simon viele Jahre vor Guttenberg.

Was man aber tun muss, um Plagiieren vom evolutionären Vorteil zum Nachteil zu machen, das sind Universitäten und Wissenschaftseinrichtungen unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht bereit zu tun. Einzelne bemühen sich redlich und stemmen sich gegen ein System, das man einmal das System Schavan nennen wird, nicht weil sie es erzeugt hat, sondern weil sie in ihrer Doktorarbeit wie in ihrer Arbeit als Bildungsministerin symptomatisch dafür steht.

Die Chance, die Schavan hatte, während die Universität Düsseldorf monatelang sorgfältig prüfte, hat sie vertan: Ein Plagiatsgipfel hätte nach den Bedingungen fragen können, unter denen Plagiate entstehen, unter denen sie identifiziert werden können, und unter denen sie von vorneherein zu vermeiden sind. Darauf haben auch die Experten bisher nur ganz rudimentäre Antworten parat: Manche meinen, es bräuchte höhere Strafandrohungen – vorwiegend Juristen. Manche meinen, es bräuchte systematische Plagiatsprüfungen – vorwiegend Informatiker. Und manche meinen, man müsse Studierende bei ihrer Ehre packen – vorwiegend Theologen, Historiker, Literaturwissenschaftler und andere, die sich viel mit fremden Welten befassen. All das führt letztlich nur zu einem: zum „Geschäftsmodell Plagiatsbereiniger“.

Solange es aber keine Bereitschaft gibt, das Problem als solches zu akzeptieren, es unvoreingenommen zu erforschen, systematisch und aus verschiedenen Perspektiven zu analysieren und sich schließlich auf generelle und gemeinsame, tiefgreifende Maßnahmen zu verständigen, so lange wird das Problem der Wissenschaftsplagiate virulent bleiben, eher zu- als abnehmen, und nicht nur den „Wissenschaftsstandort Deutschland“ beschädigen, sondern auch den wissenschaftlichen Fortschritt als Ganzen.

Dafür ist nicht Annette Schavan allein verantwortlich. Aber es sind schon Minister für weniger zurückgetreten. Wenn sie ihren Rücktritt immerhin aus systemischen Gründen erklären und die Anforderungen benennen würde, die sie nicht mehr erfüllen kann, statt sich auf persönliche Bedrängnis, die bösen Medien (vor allem die anonymen) und den drohenden Schaden für die Partei herauszureden, dann wäre schon viel gewonnen. Wenn aber nicht einmal die Opposition Schavans Rücktritt aus ihrer Unfähigkeit heraus fordert, eine gründliche Suche nach Lösungsansätzen für ein marodes System zu organisieren, dann ist absehbar, dass nicht etwa vor 30 Jahren die Ansprüche an Plagiatsfreiheit niedriger waren als heute, sondern dass sie es in 30 Jahren sein werden.

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9 Antworten zu “Medienkritisches, Erkenntniskritisches und Wissenschaftspolitisches zur Schavan-Affäre

  1. Das Spin-Doctoring, das im Fall Schavan stattfindet, hatten wir genau so schon bei Guttenberg. Auch Guttenberg hatte sich ja angeblich nur „handwerklicher Fehler“ schuldig gemacht.
    Die BILD-Zeitung hatte diese Propagandalinie „Pro Guttenberg“ quasi bis zuletzt vertreten. Aber warum? Die Guttenbergsche „Collage aus Plagiaten“ war (zumindest für jeden der sich damit 10 Minuten beschäftigt hatte) eine offensichtliche Sache.
    Also warum diese Berichterstattung?
    Nun: Es ist Geld geflossen. Aus dem Bundesverteidigungsministerium an die BILD. Die Berichterstattung wurde also gekauft. Und das völlig legal. Der Weg ging über eine großangelegte Werbekampagne.

    s. dazu auch folgender Artikel aus dem Spiegelfechter (wird im letzten Absatz erwähnt):
    http://www.spiegelfechter.com/wordpress/5142/die-pro-guttenberg-kampagne-im-zwielicht

    Wer jetzt noch weiß, das gerade die traditionellen Medien stark unter finanziellen Druck stehen und wer eins und eins zusammenzählen kann, der weiß auch was hier abläuft. Der Überbegriff lautet „Korruption“.

  2. Sofern Sie Korruption in einem übertragenen Sinne meinen wie: „Bild liebt Guttenberg und hält ihm die Treue. Guttenberg überlegt sich, dass die Bundeswehr doch am besten in Bild wirbt, um Akademiker anzuwerben.“ Dann kann man das so stehen lassen. Korruption im Sinne von Verschwörung, schwarzen Aktenkoffern voller Geld und persönlicher Bereicherung, im Gegenzug Auftragsberichterstattung im Sinne von gegen Geldkoffern getauschten Manuskripten der gewünschten Artikel, das halte ich wirklich für unwahrscheinlich.
    „Do ut des“ ist ein altrömisches Prinzip, laut dem in der Hoffnung auf Gegengaben gehandelt wird, ohne dass ein Warentausch vereinbart wäre. Das ist durchaus realistisch, wie im Mobilisierungsartikel hier bereits skizziert. Journalisten haben stets einen Anreiz, positiv über Mächtige zu berichten, da sie sich dadurch verbesserten Zugang zu ihnen und zu weiteren Nachrichten erhoffen dürfen. Das aber Korruption zu nennen?

  3. Alexander Demling: Verhaltensökonomie. Was uns zu Lügnern macht. In: SpOn, 18. Oktober 2012. Übertragen auf den Fall Schavan:

    Keinesfalls sollten Prominente wie Schavan aus Generalprävention härter angefasst werden. Keinesfalls sollten sie jedoch davonkommen, weil sie prominent sind und mächtige Fürsprecher haben.

  4. Ein Filz aus Medien, Politik und Wirtschaft. Massive Interessenskonflikte inklusive. Und die Geschäfte werden offensichtlich mal mehr, mal weniger „direkt“ ausgehandelt. Eine Hand wäscht die andere. Klassische Korruption.

    mMn übertreibt man das Spiel im Fall Schavan jetzt ein bißchen. Bin mir relativ sicher das hier Geld fließt und das diese Kampagne sehr aggressiv vorangetragen wird. Der Begriff „Verschwörung“ ist wohl fehl am Platz. Kampagne und Korruption sind hier die richtigen Begriffe. Die Kriminellen arbeiten am liebsten im Dunkeln. Also werden die Aufklärer (respektive Plagiatsjäger) schlecht gemacht. Das war auch schon bei Guttenberg die Linie.

    Eine sehr gefährliche Entwicklung!

    Vor allem ängstigt die massive Toleranz die diesem korrupten Treiben von journalistischer Seite entgegengebracht wird.
    Investigativer Journalismus wird als Übel dargestellt. Beispielsweise im Stern-Propagandaartikel. Gehts noch? So dumm kann nicht mal ein Kester Schlenz sein. Aber vielleicht so korrupt?

  5. Um mal den Kontrast zwischen Propaganda und seriösem Journalismus aufzuzeigen referenziere ich hier mal einen der wenigen seriösen Artikel zum Thema:
    http://www.tagesspiegel.de/wissen/plagiatsdebatte-vorzeitige-freisprueche-fuer-annette-schavan/7271446.html

    Beispiel daraus:
    Für den Münchner Rechtsprofessor und Plagiatsexperten Volker Rieble steht fest, dass Schavans Arbeit „ein klares Plagiat“ ist, wie er der „Zeit“ sagte. Schon 20 Seiten, auf denen fehlerhaft zitiert wird, reichten – auch „vielen Gerichten“. Der Einwand, 1980 hätten andere Maßstäbe gegolten, sei „eine Uraltausrede“.

  6. Pingback: Ansichten einer Plagiatorin: Bauernopfer im Bild | Erbloggtes

  7. Eine Bemerkung zu der unterschiedlichen Bewertung von Plagiatsvergehen. Betrachten wir dazu ein überspitztes Beispiel aus der Mathematik. Angenommen ein Mathematiker löst in seiner Dissertation eines der 6 verbliebenen Millenium-Probleme, die mit einem Preisgeld von je einer Million Dollar ausgelobt wurden.

    Seine Dissertation besteht aus Einleitung, Grundlagen, Lösung des Problems und Schlussfolgerung. In den Grundlagen stellt der Mathematiker die Techniken und Sätze zusammen, die er für die Lösung seines Problems benötigt. Der Teil der Arbeit könnte unter Umständen ebenso oder gar umfangreicher sein, wie der Beweis des Millennium-Problems.

    Angenommen, er plagiiert im Grundlagenkapitel arbeitet aber wissenschaftlich sauber und korrekt im Beweiskapitel.

    Streng genommen hat unser Mathematiker wissenschaftlich unsauber gearbeitet. Sollte ihn deswegen die Dissertation aberkannt werden? Das kann man sicher machen, aber dann verkommen Zitate zu einem Selbstzweck, die man über den Erkenntnisgewinn, dem eigentlichen Ziel der Wissenschaft stellen würde.

    Gruß

    aloo masala

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