Bettina Wulffs Suchmaschinenoptimierung

Ermächtigte sie, die Ex-Präsidenten-Gattin Bettina Wulff, ihr angeschlagener Ruf zur juristischen Manipulation von Google-Treffern? Die Informationsfreiheit dürfte dem entgegenstehen, aber ob Google wirklich ein Interesse daran hat, für Grundrechte einzutreten? Schließlich ist es ein Wirtschaftsunternehmen, und für die Werbewirtschaft ist es sicherlich das attraktivere Signal, wenn man mit jemandem zu tun hat, der immer brav tut, was man von ihm verlangt. Deshalb wird Google womöglich sogar liefern, wenn Bettina Wulff die großflächige Löschung von Suchergebnissen durch Google fordert, wie Rechtsanwalt Stadler schreibt.

Es wäre aber auch möglich, dass Wulff gar nicht darauf setzt, dass sie sich mit ihren wahnwitzigen Forderungen gegen Google durchsetzt. Es könnte zu ihrer Strategie gehören, völlig überzogene Ansprüche zu erheben, um damit einen Medienzirkus loszutreten, wie es ihr schon zur Veröffentlichung ihres Buches gelungen ist. Denn ihre damalige Aktion hatte bereits Erfolg, wenn man Googles Autovervollständigen-Funktion betrachtet:

Statt bei Eingabe von „Bettina Wulff“ die Suchbegriffe „Prostituierte“, „Escort“ und „Artemis“ zu ergänzen, gibt Google derzeit die Wörter „Prostituierte“, „Escort“ und „Buch“ aus. Mit dem aktuellen Vorstoß könnte sie die Ergänzungsworte „Prostituierte“, „Google“ und „Buch“ anstreben. Als nächsten Schritt dürften ihre Neue-Medien-Experten Wulff dann empfehlen, die Wikipedia sperren zu lassen, ein sicherer Weg, um zur Ergänzungskombination „Wikipedia“, „Google“ und „Buch“ bei Suchen nach „Bettina Wulff“ zu gelangen.

Vorbild Heilmann

Das hat hat vor vier Jahren Bereits Lutz Heilmann vorgemacht. Der Linke-Politiker wurde 2005 als erster hauptamtlicher Stasimitarbeiter im Bundestag enttarnt, da er 1985-1990 in der Abteilung „Personenschutz“ des MfS tätig gewesen war. Mit einer einstweiligen Verfügung erwirkte er 2008, dass die Weiterleitung von der Adresse wikipedia.de auf de.wikipedia.org deaktiviert wurde. Damit löste er einen Shitstorm aus, der ihn bald zum Umdenken brachte: „Ich habe zu kurz gedacht und die Folgen nicht überschaut“, erklärte er anschließend.[1] Aber seine Lektion in historischer Dialektik dürfte er auch gelernt haben:

Heute erscheinen, wenn man Google nach „Lutz Heilmann“ befragt, nicht etwa die Autovervollständigungen „Stasi“, „MfS“ und „Personenschutz“, sondern einfach nur „Wikipedia“, „MdB“ und „Maler“. Da Heilmann aber Jurist ist, verweist die Suche nach einem Maler gleichen Namens auf einen Malermeister in Thüringen. Als Jurist übrigens setzte er 2009, als seine Partei ihn nicht mehr für die Bundestagswahl nominierte, sein Rechtsreferendariat am Landgericht Lübeck fort, wo man für ihn ein Jahr zuvor die Wikipedia gesperrt hatte.

Und Bettina Wulff? Die trifft bereits Vorbereitungen für ihren dritten Schlag zur Optimierung der mit ihrem Namen in Verbindung gebrachten Begriffe. In der Liste von über 3.000 Internetseiten, die Google wegen Wulff aus seinem Index nehmen soll, steht auch der Wikipedia-Artikel über sie.[2] Man darf gespannt sein.

Ach ja, das Suchwort „Rotlicht-Gerüchte“, das muss dringend hier nochmal genannt werden. Sonst wird das noch vergessen, von Google und so.

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5 Antworten zu “Bettina Wulffs Suchmaschinenoptimierung

  1. Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

    Ich habe das Buch gelesen, mehrmals und tiefbewegt. Die Autorin fand klare und doch auch von sanfter Weiblichkeit durchwirkte Formulierungen – und mistete den Stall aus: Endlich sind abstruse Phantasien zum Teufel gejagt worden, üble Verdächtigungen, wie sie, wenngleich etwas mehr ins Geistige gewendet, auch im Zusammenhang mit meiner Person geäußert wurden.

    Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

  2. Meinen Sie, hochverehrter Herr von Eichenbach, man habe Ihnen intellektuelle Prostitution unterstellt?
    Da möchte ich ganz entschieden widersprechen! Niemand würde es wagen, den Namen Ihrer Familie derart in den Straßenschmutz zu ziehen, darauf zu spucken und mit genagelten Legionärsstiefeln darauf herumzutrampeln, bis auch Persil ihn nicht mehr porentief rein bekommt. In Ihrem Fall sehe ich allenfalls die abstruse Metaphorik am Werk, Sie hätten es sich in sieben Jahren neben Ihrer Berufsabgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit in einem intellektuellen Freudenhaus von Lohnschreibern ordentlich besorgen lassen.
    Das gilt, wenn ich recht informiert bin, in den besten Familien des Landes als lässliche Sünde, zuweilen gar als Ausweis von weltgewandter Brillanz, wenn man solche Anekdoten mit einem charmanten Lächeln, einen Tumbler schwenkend an den prasselnden Kamin gelehnt, der Herrenrunde zum Besten gibt und so zugleich anerzogener Bescheidenheit und angeborener Überlegenheit wirkungsvollen Ausdruck verleiht.
    Das Problem in Ihrem Fall war ja bloß, dass Sie sich, um im Bild zu bleiben, dabei eine maladie française eingefangen haben, was anerzogene Bescheidenheit und angeborene Überlegenheit gleichermaßen dementierte und zum Ausschluss aus dem väterlichen Rauchersalon führte, wie man so hört.
    Es will mir aber auch einfach nicht in den kleinbürgerlichen Kopf hinein, wie einer wie Sie, auf dem all unsere Hoffnungen ruhten, der alle Möglichkeiten hatte, sich einfach so mit einer dahergelaufenen Bordsteinschwalbe ohne Gesundheitszeugnis einlassen konnte. War es nur der schnelle Kick der verbotenen Frucht, der nach sieben Jahren gelehrter Einsamkeit seine verlockenden Finger nach Ihnen ausstreckte? Oder hat heimtückisches, berechnendes Weibsvolk Sie systematisch und jahrelang umgarnt und getäuscht, bis Sie die Wahrheit nicht mehr sehen konnten, zu deren Erkenntnis Sie angetreten und berufen waren?
    Ein alter Pater sagte einmal zu mir, der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen. Er deutete dabei aus dem Fenster seiner Cella auf den nahen Burgberg. Möge der Herr Ihnen gewogen bleiben!

  3. Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

    In Ihrer vorstehenden Darstellung, teures Erbloggtes, geht einiges arg durcheinander, analog zu den Verhältnissen in Europa. Nur ein Hobel, geführt von einem Mann, der rechteckig ist an Leib und Seele, verspricht Erfolg. Wohl dem, der kein Span sein muss!

    Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

  4. Dr. Münchhausen

    Sehr geehrter Herr von Eichenbach,

    die Wahl Ihrer Lektüre verrät den Mann von Welt, Ihr Urteil über das Werk seinen unbestechlichen Verstand, die Ästhetik ihrer Rezension den Literaten.
    Möglicherweise ist Ihnen vom Autor persönlich ein Exemplar seines Werkes „Ganz oben ganz unten“ zugegangen, sonst werden Sie das Buch inzwischen sicher besorgt haben.
    „Lesen ist Denken mit fremdem Gehirn“ wird Jorge Luis Borge bekanntlich gerne zitiert. Neben der reinen Lust am Lesen gibt uns Herr Wulff also die ebenso erstaunliche wie auch etwas unheimliche Möglichkeit einmal mit dem Gehirn eines Bundespräsidenten a.D., der „heute noch der Richtige im Amt“ wäre, zu denken.
    An die breite Öffentlichkeit verhilft diesem Denken dankenswerterweise der notorische Verlag C.H. Beck, dem ich an dieser Stelle für das Erscheinen des Buches ausdrücklich danken möchte.

    Wegweisend für die Einordung des Werkes dürften neben seinem Verlag auch die Vorlieben des Kreises seiner Rezipienten sein. Eine kurze Übersicht bei Amazon zeigt uns, was Leser, die Christian Wulffs Buch bestellt haben, sonst noch kauften. Darunter finden sich Autoren und Titel wie: Rainer Brüderle: „Jetzt rede ich!“, Thilo Sarrazin: „Der neue Tugendterror: Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland“, Akif Pirincci: „Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer“ und, hervorzuheben, Angela Merkel: „Daran glaube ich: Christliche Standpunkte“.

    Selbst einer weltgewandten Persönlichkeit wie der Ihrigen, Herr von Eichenbach, entlockt die illustre Bibliothek, die sich mit der Auswahl dieser Neuerwerbungen schmücken kann, gewiss ein heiteres Erstaunen.

    Es grüßt Sie herzlichst, Ihr Carl Friedrich von Münchhausen

  5. eichenbach

    Mein lieber Herr Dr. Münchhausen,

    Ihr Schreiben erreicht mich zu einem unpassenden Zeitpunkt. Ich bin nicht zum Scherzen aufgelegt, denn den heutigen Tag verbrachte ich in Sanssouci (vgl. https://erbloggtes.files.wordpress.com/2013/02/brief-der-mutter-an-ihren-sohn-theo-ullrich-ludwig-von-eichenbach.pdf).

    In treuer Verbundenheit
    Ihr Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

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