Vorsicht vor dem schönen Schein: Dunkle Persönlichkeiten wirken anziehend

Erstaunt es, oder entspricht es der Intuition, dass böse Menschen mehr vom gewissen Etwas haben? Psychologen wollen festgestellt haben, dass es Menschen mit stärker narzisstischen, machiavellistischen und psychopathischen Persönlichkeitsmerkmalen besser als anderen gelingt, optisch und beim ersten Eindruck attraktiv zu erscheinen:

Wie der Scientific American berichtet, hat eine an der Washington University durchgeführte Studie einerseits die „dunkle Triade“ von mit Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie assoziierten Eigenschaften gemessen und andererseits die Attraktivität der Testpersonen bewerten lassen. Durch Make-Up, Kleidung, Frisur und Accessoires konnten Probanden mit ausgeprägter „dunkler Triade“ demnach ihre Attraktivität deutlich stärker steigern als andere.

Ähnliche Studien aus Münster und Mainz ergaben, dass stärkere Ausprägungen von Narzissmus sich in einem positiveren ersten Eindruck bei den Mitmenschen auswirken. Das betrifft offenbar nicht nur äußerliche Attraktivität, sondern auch beispielsweise verbales Verhalten beim Erstkontakt, das als positiv empfunden wird. Die populärwissenschaftliche Zeitschrift erörtert in diesem Zusammenhang, dass Attraktivität auf den ersten Blick sich auf lange Sicht häufig ins Gegenteil verkehren dürfte, da antisoziale Eigenschaften auf Dauer abstoßend wirkten.

Unter diesen Voraussetzungen ist spontanen Sympathieempfindungen bei neuen Bekanntschaften nicht zu trauen – sie geben sogar Anlass zur Sorge. Wer nette Leute kennenlernt, muss sich demnach, je toller sie erscheinen, desto mehr fragen, inwieweit es sich vielleicht um Psychopathen handelt. Solche Erfahrungen haben viele Menschen schon gemacht; auch in Literatur und Film ist das Thema des Fallenlassens der freundlichen Maske – oft reichlich übertrieben – wohl bekannt.

Auch in die Politik lassen sich solche Überlegungen übertragen. Niemandes Sympathiewerte waren je so hoch wie Guttenbergs und Koch-Mehrins. Mittelfristig hat sich das jedoch ins Gegenteil verwandelt. Vielleicht hat Merkel auch deshalb auf lange Sicht so hohe Sympathiewerte, weil bei ihr Narzissmus dem öffentlichen Eindruck nach deutlich weniger ausgeprägt ist als bei Schröder oder Kohl. Der unvorteilhafte Einsatz von Make-Up, Kleidung, Frisur und Accessoires spräche ebenfalls dafür.

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7 Antworten zu “Vorsicht vor dem schönen Schein: Dunkle Persönlichkeiten wirken anziehend

  1. Rudolf Müller

    Weder Herrn zu Guttenberg, noch Frau Koch-Mehrin wären je Züge eines ausgeprägten Narzismus anzumerken gewesen, hätten die (meist von Neiddenken geprägten) Medien sie nicht zu amoralischen, betrügerischen Monstern gemacht, um damit die Bedürfnisse einer wie immer voyeuristischen Öffentlichkeit zu bedienen.
    Der von Ihnen ausgiebig verfolgte Fall Schavan zeigt, dass ein gleiches „Vergehen“. nämlich eine im übrgen weit verbreitete Schummelei bei Abfassung der Doktorarbeit, locker ausgesessen wurde, da es der ‚Täterin‘ absolut an jener Attraktivität fehlte, die auf der anderen Seite bei den beiden anderen Sündenböcken dazu führte, dass sie in den politischen Orkus geschickt wurden.
    Zu Frau Merkel: Ihr „weniger ausgeprägter“ Narzismus ist ein naiver Irrglaube, denn was sich da an egomanem, intrigantem Machtwillen über Jahre hinweg ausgeprägt hat, geht weit über das der anderen Beispiele hinaus.
    Gerade bei der Beurteilung von politischem Personal sollte man in der Einschätzung von Glaubwürdigkeit vorsichtiger und behutsamer vorgehen.
    Rudolf Müller

  2. Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

    Sehr geehrter Herr Müller,

    Ihre Ansichten haben Hand und Fuß und verraten eine hervorragend entwickelte Menschenkenntnis, deshalb möchte ich Sie fragen, ob für Sie eine Tätigkeit als einer meiner allerengsten Mitarbeiter denkbar wäre.

    Ihr Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

  3. Tut mir leid, da muss ich Ihnen deutlich widersprechen, Herr Müller. Es gibt schlicht keine wissenschaftliche Grundlage für Ihre Behauptungen. Die Fälle Guttenberg und Koch-Mehrin wurden hier ebenfalls ausgiebig verfolgt. Und aus den obigen Überlegungen geht hervor, dass der erste Eindruck, der bei Guttenberg und Koch-Mehrin doch wohl unbestritten „everybody’s darling“ lautete, empirisch mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen korreliert.
    Guttenberg wurden von verschiedenen Wissenschaftlern auch explizit einige der oben erwähnten Merkmale attestiert, wie ich hier diskutiert habe.

    Im Übrigen versuche ich oben Merkels Sympathiewerte damit zu erklären, wie der öffentliche Eindruck von ihrem Narzissmus ist. Auf ihre Sympathiewerte unter den übrigen Hinterzimmerpolitikern, die vielleicht ganz andere Züge kennenlernen, dürfte das wenig Einfluss haben. Aber wiederum beruht Ihre Behauptung von „egomanem, intrigantem Machtwillen“ lediglich auf Ihrem persönlichen Eindruck, während meine obigen Überlegungen sich nicht auf irgendeinen Eindruck stützen, sondern auf die vorher vorgestellte wissenschaftliche Theorie.
    Nicht zuletzt dienen nämlich die abschließenden Beispiele in meinem Artikel dazu, die Schlussfolgerungen aus den präsentierten Studien an der Praxis zu prüfen.

    Und was meinen Sie, was für Charaktereigenschaften dürfte laut der Studien der Herr von Eichenbach besitzen? Wollen Sie den Job oder nicht?

  4. Ein Nachtrag noch zum Fall Schavan: Dass der schon ausgesessen wäre, täuscht. In der Tat hat sie viele Unterstützer in der Öffentlichkeit gefunden, da sie ja so ein nettes Mädchen ist (Wer über Gewissen schreibt, hat auch eines, meinte der Doktorvater.) und treu zu den Ihren hält, die ihr umgekehrt die geschuldete Lehenstreue bezeugen. Damit die Großwissenschaftler sich auch weiter auf den warmen Geldsegen freuen können, der von Schavan herniederregnet, erklärt sie nun, dass sie natürlich auch nach 2013 noch Bildungsministerin sein will.[1] 2015 und 2017 stehen dann auch wieder größere Weichenstellungen in der Wissenschaftspolitik an, bei denen es größere Pfründe zu ernten gibt. Auch ihr Verhältnis zur Kanzlerin kommentierte Schavan: „Merkel habe eine ‚ungewöhnliche integrative Kraft. Sie wird noch lange an der Spitze stehen, und das ist gut so.'“[1]

  5. Johnny Walker

    Dr. Schavan scheint ja wirklich ganz heiß auf ihren Job zu sein. Aber was machte Dr. Merkel, wenn Düsseldorf Dr. Schavan den Doktor wegnähme und sie Dr. Merkel partout nicht um Entlassung bitten wollte? Machte sie es mit ihr dann wohl wie mit Dr. Röttgen?

    Hier wurde übrigens kürzlich die Auffassung vertreten, Dr. Schavan sei bei einer Aufstellung in ihrem Ulmer Bundestagswahlkreis wegen der Plagiatsaffäre eine unsichere Kandidatin. Dem widerspreche ich entschieden. In Ulm würde jeder Kandidat der CDU direkt gewählt, solange er nicht gerade ein verurteilter Kinderschänder ist:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahlkreis_Ulm

  6. Im vorhergehenden Artikel gibt es in den Kommentaren inzwischen auch weitreichende Prophezeiungen. Diese über den Wahlkreis Ulm erscheint mir in der Tat weitaus wahrscheinlicher. Besonders könnte dürfte es dann für den Hauptgegenkandidaten ausgehen, der nicht gewählt wird, obwohl die siegreiche Kandidatin eine verurteilte Wissenschaftsbetrügerin ist. Und das in einer Universitätsstadt. (Aber mit einer auf Medizin aufbauende Uni, wo Plagiate dann wohl als Kavaliersdelikt gelten.)

  7. Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

    Ich vermisse die Bewerbung Herrn Rudolf Müllers um eine gutdotierte Stabsstelle in meinem Hause. Von Müllers kritischer Haltung ist auch meine Gattin angetan, denn eine ihrer Hauptthesen ist die optische Unauffälligkeit von Verbrechern.

    Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

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