Von einem, der auszog, akademisch zu werden

Er dacht‘, es war einmal der Knabe Vroniplag, der war ein Bastardsohn des großen Königs von Universitätien. Doch im Königreich roch es schon seit geraumer Zeit übel, weil viele Leute dort wasserscheu waren und das Geld nicht mehr für ordentliches Parfüm reichte. Denn es war Wirtschaftskrise, und die Kaufleute aus Euronien steuerten Universitätien mit ihren Schaluppen nur noch selten an.

In den plagiatorischen Kriegen gegen die vereinigten Landstände von Eitelion und Karrierien kämpfte der Bastard tapfer in der Armee seines Vaters, um die Ehre von König und Vaterland wiederherzustellen. Vroniplag gehörte zu einer Schar mutiger Recken, die sich dem Usurpator Eitelions entgegenstellten und ihn zu Fall brachten. Doch die Kriege gingen weiter, und bald erhoffte sich Vroniplag seine Anerkennung als legitimer Königssohn und seine Einsetzung in Erbfolge und akademischen Adelsstand. Als Belohnung für seine Treue erschien ihm die Ausstattung mit nicht weniger als 214 treuen Gefolgsleuten nur recht und billig.

Der König hatte zwar von den Taten gehört, die Vroniplag zum Wohle Universitätiens vollbracht hatte, doch weder bei Hofe noch in den Gassen herrschte Begeisterung. Die Universitätier mochten es nicht leiden, dass Vroniplag niemals als edler Ritter über das Schlachtfeld sprengte, das Visier weit geöffnet. Viele verachteten die Armbrust, mit der Vroniplag aus dem Schutz der Gehölze heraus die Gegner Universitätiens in den plagiatorischen Kriegen zur Strecke brachte. Das war nicht nach dem Sinn der stolzen Universitätier, und einige fanden, dass solch ehrlose Kriegführung das Reich und das Ansehen des Königs ebenso bedrohte wie den verhassten Feind, der immer wieder Trupps von Plagiateuren über die Grenze Universitätiens schickte.

Der König zögerte also, denn er wusste, dass er ohne sein Volk, die fleißigen und sittsamen Universitätier, nichts war als ein Popanz mit vielen Titeln und ohne Macht. Doch wer sollte Vroniplag dann seine Treue danken, wer seinen Opfermut? Den Plagiateuren hatte er doch stets stolz den Schlachtruf entgegengeschmettert: „Plagiatsfreiheit oder Tod!“

Die böse Stiefmutter Vroniplags, die seit einigen Jahren die Herrschaft im Königspalast an sich gerissen hatte und den König durch gutes Zureden und großzügige Geschenke aus Gold und Silber gefügig hielt, lockte den Bastard eine Zeit lang und gaukelte ihm vor, seine Träume könnten sich dereinst erfüllen. Gemeinsam mit ihrem Spiegel, einem heimtückischen Berater, hatte die Königin sich eines Tages nicht mehr nur heimlich des stolzen Kronprinzen geschämt, der allerlei Eitelisches und Karrierisches an sich hatte, und so für seine Verbannung gesorgt.

Dem Bastard machte sie fortan Hoffnungen, durch welch kunstvolle Illusionen auch immer. Vroniplag strengte sich gleich doppelt an, übte sich auch in adeligem Gebaren und hielt von allen Herrschaftsgeschäften sich fern, um die Königin nicht zu vergrämen. Nur die Wiederherstellung der väterlichen Ehre und der Integrität des Reiches erstrebe er, beteuerte er Tag für Tag. Und doch hoffte er auf Anerkennung, Dank vielleicht, Liebe.

Als aber die Zeit der Entlohnung des Bastards für seine Dienste herannahte, entdeckte dieser in der geheimen Kammer des Stiefmütterleins ein Buch, in dem diese ihr Gewissen erleichtert hatte und dem Kundigen zweifelsfrei offenbarte, dass sie gar nicht die Person war, die sie zu sein vorgab. Mit Schimpf und Schande würde der geliebte Vater die Stiefmutter, von der sich Vroniplag doch die Erfüllung seiner Wünsche erhoffte, aus dem Schloss jagen, fürchtete der Bastard. Deshalb wollte er das Buch nicht lesen. Als man ihm sagte, darin stehe über die Stiefmutter geschrieben, dass  sie gar nicht von adeliger Geburt sei und ihre Titel, derentwegen der König sie zur Frau genommen hatte, nur erschwindelt waren, glaubte Vroniplag es nicht und rief aus: „Lüge, Grenzfall!“ Und er hoffte, dass so das Stiefmütterlein beim König nicht in Ungnade fallen würde, damit dereinst auch die Träume des Bastardsohnes Wirklichkeit werden könnten.

Doch als ein Vöglein dem Königlichen Gerichtshof gezwitschert hatte, was da im Buch der Königin stehe, da klagten die Höflinge sie an. Hochverrat habe sie begangen und sich ins Königsschloss eingeschlichen. Königin von Universitätien dürfe sie nimmermehr sein. In den langen Monaten der Verhandlung, da hoffte Vroniplag und bangte, doch niemals sah er ein, dass die von der Königin geweckten Hoffnungen nichts als Trug waren. Und als die Richter nach dieser langen Zeit ihr Urteil sprachen und die Königin ebenso verbannten, wie sie einst den Kronprinzen verbannt hatten, da verzweifelte der arme Bastardsohn und lebte unglücklich und unzufrieden bis an sein Ende. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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Eine Antwort zu “Von einem, der auszog, akademisch zu werden

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