Plagiatsfall Schavan: Promotionsausschuss empfiehlt Doktor-Entzug

Erreichte Schavans Plagiatsfall nun das nächste Stadium, so hinkt das Verfahren der hier aufgestellten Zeitplan-Prognose bereits um mehr als zwei Monate hinterher. Heute nun hat die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bekannt gegeben, dass der Promotionsausschuss seine Befunde zu Schavans Dissertation an den zuständigen Fakultätsrat weitergegeben und diesem empfohlen hat, Schavan den Doktorgrad zu entziehen. Für den Promotionsausschuss sind die Plagiate in Schavans Arbeit demnach schwerwiegend genug für diesen Schritt:

„Die Kommission hatte dem Dekan nach eingehender Prüfung der Arbeit und Anhörung der Betroffenen zuvor eine entsprechende Empfehlung übermittelt.“[1]

Die Sachlage ist glasklar. Daran kommt auch der Fakultätsrat nicht vorbei. Dennoch zieht sich das komplizierte Schavan-Verfahren[2] damit in die Länge wie Käse. Das ist nicht gut für das Ansehen und die Selbstachtung der Wissenschaft in Deutschland. Das ist aber auch nicht gut für die Bundesregierung, die derzeit mit einer Belastung im Schlüsselministerium für Bildung und Forschung arbeiten muss. Nicht zuletzt ist diese Hinauszögerung ein Problem für die CDU/CSU. Zwei Tage vor dem nächsten Verfahrensschritt, dem absehbaren Beschluss des Fakultätsrates zur Aberkennung des Doktortitels, wird in Niedersachsen gewählt, im Herbst 2013 stehen außerdem die Bundestagswahl und Landtagswahlen in Bayern und Hessen an. Wie will die Union das mit einer Bundesministerin überstehen, die bürgerliche Werte mit Füßen tritt?

Erstaunlich ist, dass die Qualitätsmedien sich bisher nicht für die Pressemitteilung aus Düsseldorf zu interessieren scheinen. Mit Journalismus in Echtzeit hat das nichts mehr zu tun, schließlich ist die Meldung inzwischen über drei Stunden alt. Auf Google News hat sich aber nichts getan. Trägt die Presse jetzt vielleicht auch einen ministeriellen Maulkorb?

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30 Antworten zu “Plagiatsfall Schavan: Promotionsausschuss empfiehlt Doktor-Entzug

  1. Na, vertief dich nicht zu sehr in Verschwörungstheorien. Das wär ja gelacht, wenn die gesamte deutsche Presse sich von der Bildungsministerin gängeln lassen würde. Das hat 62 selbst der Verteidigungsminister nicht geschafft😉

  2. Es ist nur so ärgerlich. Aber vielleicht interessiert der Fall Schavan die Qualitätspresse einfach nicht. Seit die Uni gesagt hat, dass sie nichts mehr zum Verfahren sagen wird (was sie dennoch tut, siehe heute), fragt offenbar auch keiner mehr nach. Das wäre aber der Job der Presse.

  3. Die Nachrichtenagenturen haben bisher nix dazu. Also schreibt „die Presse“ nichts. Mal sehen, wann etwas kommt.

  4. Da kommt immerhin etwas von der SZ um 16:54h. Leider steht da „Nach SZ-Informationen“, so als ob sie das irgendwie hätten recherchieren müssen.

  5. Klingt doch auch besser so😉 Alles, was nicht über den Ticker kam, wird vielleicht so bezeichnet.

  6. Die Schonung von Schavan ist doch offensichtlich. Hochschulverband, DFG, Spiegel, FAZ …. alle wollen das Offensichtliche klein reden. Fehlt nur noch Mutti: „Ich habe ja keine wissenschaftliche Assistentin eingestellt…“ Wenn der Titel nicht aberkannt wird, was ich mir kaum vorstellen kann, freue ich mich schon auf die Begründung. Die darf aber wahrscheinlich durch Drohung der Anwälte nie veröffentlicht werden. Die Politik macht sich lächerlich. Jeder kann heute schon im Netz nachlesen, dass Schavan nicht das Zeug zur sauber arbeitenden Wissenschaftlerin hat. Aber Ministerin und Doktorin will sie bleiben über das Wahljahr 2013 hinaus.

  7. Laut ihrem Wochenplan auf ihrer Webseite hat Schavan heute keine Termine. Zeitpunkt der Presserklärung scheint mit ihr abgestimmt zu sein bzw. wohl mit ihren Anwälten.

  8. Ah, 17:08 kommt welt.de auf Basis von afp.com. Wahrscheinlich warten die richtigen Qualitätsblätter auf Schavans Statement, damit sie weiter sachfremde Scheinargumente gegen die notwendigerweise sachbezogene Begründung des PromA DD ins Feld führen kann. Und dann darf ja jeder nach Sympathie entscheiden, welchen Argumenten er folgen mag.

  9. Naja, die Meldung auf der Seite der Uni Düsseldorf war schon extrem kryptisch formuliert – da hätte ich im Zweifelsfall als Journalist auch nochmal nachgefragt und habe sogar als Blogger erstmal abgewartet, die Wohnung gesaugt und noch nen Kaffee getrunken. Wie kryptisch das ist, erkennt man am großen Fail der ZEIT, die einfach die Pressemitteilung kopiert hat und die Brisanz des Inhalts nicht erkannt hat:
    http://www.zeit.de/news/2012-12/18/deutschland-fakultaetsrat-der-uni-duesseldorf-befasst-sich-mit-schavan-promotion-18171237/komplettansicht

  10. Die Zeit hat doch die Meldung von AFP kopiert, nicht die PM der Uni, oder?

  11. Interessant, was Erbloggtes aus der Meldung der Uni macht. Dort steht, dass die Komission dem Dekan empfohlen hat, das „Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels zu eröffnen“, nicht jedoch, dass die Komission empfohlen hat, den Grad zu entziehen. Vielleicht ist es gut, dass die Qualitätsmedien sich etwas Zeit nehmen und nicht gleich Spekulationen als Tatsachen veröffentlichen.

  12. Die Präzision des gestern erst auf http://causaschavan.wordpress.com/ in dieser Sache geworfenen Knochenorakels überrascht selbst mich. Delphi kann man ja wohl getrost vergessen.

    Nun wird es wirklich spannend. Für die wissenschaftlichen Hilfskräfte der Ministerin stellt sich die nautisch wohl allmählich drängende Frage: Weiter beistehen, oder nicht doch mal beidrehen? Erfahrungsgemäß setzt sich irgendwann auch bei solchen Flotillen der schiere Überlebenswille durch, und so manche stolz in den Wind gehisste Flagge wird bei allzu wechselnden Winden ganz beiläufig wieder eingeholt.

  13. @Jürgen K.: Bitte nochmal die Pressemitteilung lesen und über ihre Bedeutung nachdenken! Dann die oben verlinkten rechtlichen Erläuterungen zum Verfahren lesen (hier nochmal) und verstehen. Natürlich dürfen Sie auch gern weiter Qualitätsmedien bevorzugen, die den Wortlaut der Pressemitteilung nachbeten.

  14. Was habe ich nicht verstanden? Dort ist zu lesen:

    „Ein bereits eingeleitetes Rücknahmeverfahren kann auf Beschluss des Fakultätsrats jederzeit eingestellt werden.

    Am Ende des Rücknahmeverfahrens kann der Entzug des akademischen Grades stehen. Der Fakultätsrat kann sich jedoch auch für eine mildere Sanktion (“Rüge”) entscheiden oder zu dem Schluss kommen, dass eine Rücknahme der Verleihung des akademischen Grades unterbleibt. Bei ihrer Entscheidung muss die Fakultät den Spielraum des Ermessens nutzen.“

    Was steht in der PM der Uni Düsseldorf? Das, was ich oben zitiert habe und nicht das, was Sie daraus schlussfolgern.

  15. Wäre der Promotionsausschuss zu der Ansicht gelangt, dass aufgrund seiner (ausgiebigen) Prüfung der Sachlage der Doktortitel nicht zu entziehen ist, dann hätte er dem Fakultätsrat nicht empfohlen, das Entziehungsverfahren zu eröffnen. Natürlich muss der Fakultätsrat der Empfehlung nicht folgen. Aber wenn der Fakultätsrat das Entziehungsverfahren eröffnen will, wird die Uni an Schavan vermutlich schreiben, dass man das aufgrund der Sachstandsermittlung des Promotionsausschuss tut, und ob Schavan da etwas gegen einzuwenden habe. (Wobei sie das ja nun schon hätte sagen können.)

  16. Das kann durchaus so sein, wie Sie beschreiben. Das muss aber nicht so sein und es steht so schlicht nicht in der PM. Von daher behaupten Sie hier eine Tatsache, wo Sie eigentlich nur auf Basis einer etwas verqueren PM spekulieren, was wie sein könnte oder auch nicht.

  17. Leider kann ich nicht mehr auf das verweisen, was die SZ um 16:54 Uhr veröffentlicht hatte. Denn inzwischen steht unter dem Link (und mit der Uhrzeit), wo vorher (s.o.) ein paar kurze Bemerkungen waren, ein langer Artikel.

  18. Hmmm, aktuell würde ich sagen, dass es mit einer Rüge enden wird, die passend erst zum Ende der Legislaturperiode ausgesprochen wird.

  19. Ich fall vom Glauben. Aus verschiedenen Gründen.

  20. Aber in jedem Fall zurecht! Bei dem SZ-Artikel wollte ich es zuerst nicht glauben, dass er um 16:54h zuerst veröffentlicht wird und danach erst bis ca. 19 Uhr geschrieben wird. Aber so kann man natürlich auch den Eindruck erwecken, man hätte eine Nachricht als erster gehabt. Also als erster, vier Stunden nach der Pressemitteilung der Uni, die man kaum umzuformulieren wagt, weil sie in so verworrener Weise komplexe Sachverhalte darstellt, dass jede Umformulierung den Sinn ändert.

  21. Einen Presse-„Maulkorb“ (oder Ähnliches) kann ich mir nicht vorstellen. Die CDU hat vor der kommenden Wahl eine denkbar bequeme Ausgangsposition: Sie haben Merkel. Merkel gewinnt die Wahl, egal was für Abgründe sich in ihrer Partei mal wieder auftun. Da spielt ein Guttenberg hin, eine Schavan her keine Rolle. Gar keine.

  22. Ja, das mag sein, es gibt ja auch keinen Gegenkandidaten zu Merkel, geschweige denn ein Gegenprogramm. Allerdings dürfte Schavan der Merkel nicht egal sein. Und andererseits ist es nicht gut für das Image einer Pastorentochter, wenn sie falsche Fuffziger in ihrem Kreis des Vertrauens hat.

    Irgendwas schreibt die Presse schon zu Schavan; manchmal Dummes (Kristian Frigelj), manchmal nicht in der Suche Auffindbares (FAZ), was aber doch vorhanden ist (Schmoll) und Absetzbewegungen angesichts der „offenkundigen Schwächen der Dissertation“ demonstriert.

    Dass der Fakultätsrat erst zwei Tage nach der niedersächsischen Landtagswahl wieder tagt, könnte der CDU aber schon ein paar Stimmen retten. Viel interessanter wird, was drei Tage nach dem Fakultätsratsbeschluss passiert: Da nominiert die CDU Alb-Donau/Ulm ihre Direktkandidatin für den Bundestag. Schavan hat diesmal, so heißt es bisher, keine Gegenkandidaten.[1] Da ein beliebiger CDU-Kandidat den Wahlkreis Alb-Donau/Ulm nur dann nicht gewinnen würde, heißt es, wenn er verurteilter Kinderschänder wäre, entscheidet vielleicht schon der Kreisparteitag am 25. Januar, ob Schavan ab 2013 – auch ohne Prof. Dr. – wieder im Bundestag sitzt. Wäre ich ein aufstrebender Ulmer CDUler würde ich ja alles daran setzen, zu ihrem Gegenkandidat zu werden. Bessere Chancen als gegen eine entdoktorte Bildungsministerin bekommt man dort wahrscheinlich auch nie wieder.

  23. Bitte Schavan nicht im Voraus entdoktern.

  24. Um am 25.1. gegen eine entdoktorte Bildungsministerin antreten zu können, müsste natürlich bis dahin der Beschluss des Fakultätsrates vorliegen. Wie der sachlich ausfallen muss, da sind wir uns wohl einig. Ob er tatsächlich so ausfällt, da steht immerhin noch eine Abstimmung vor. Und wie Abstimmungen ausgehen, kann man strenggenommen nicht vorher wissen. Das ist richtig.

  25. Die FAZ berichtet gerade, dass Schavan angeblich über einen Rücktritt nachdenke und diverse Politiker aus CDU und FDP schießen sich auf sie ein:
    http://www.faz.net/aktuell/politik/plagiatsaffaere-schavan-denkt-offenbar-ueber-ruecktritt-nach-12002671.html

    (Man kann erstaunlicherweise übrigens schon anhand der Bebilderung feststellen, ob ein Artikel Pro oder Contra Schavan ist)

  26. Und prompt wird dementiert:

    http://www.dradio.de/nachrichten/201212221600/4

    Interessantes Spielchen. Bin mittlerweile sehr gespannt, wie es ausgeht.

  27. Das Dementi ist ja im obigen FAZ-Artikel auch schon enthalten. Sehr beliebt: Meldungen mit gleich mitgliefertem Dementi. Der Effekt eines solchen double bind könnte sogar intendiert sein.
    Die Bilder sprechen häufig die klarere Sprache und zeigen das, was der Autor sagen, der Text aber verschweigen will: Die emotionale Message.

  28. Kartoffelesser

    Bundesbildungs-und Forschungsministerin SCHAVAN:
    Aus der Traum! Lügnerin und Betrügerin. Daß dieses Weib
    auch noch gegen das Urteil der Universität klagen will,
    beweist nur das Denken in der CDU in Dreistigkeit, Unverschämtheit,
    Volksverdummung, Rechthaberei und Großmannssucht!
    Dank für die Aufdeckung dieser Betrügerin an die Professoren
    der Universität Düsseldorf. Die CDU-Merkel muß jetzt ihren Bock
    aus dem Garten holen.

  29. Dieses unverschämte arrogante CDU-Schavan-Weibstück verzichtet doch tatsächlich nicht darauf, den unverdienten, entzogenen Doktortitel auf dem Stimmzettel haben zu wollen!!

  30. Der moralische Sittenverfall dieser Republik BRD
    wird überdeutlich, wenn man die Ellenbogentaktik
    der CDU-Merkel betrachtet wie sie die hochkarätige
    Doktortitel-Betrügerin CDU-Schavan mit einem
    Botschafterposten im Vatikan belohnt!

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