Über Blogs 2012 und Blogs 2013

Erübrigte sich ein bloßer Rückblick auf die Blogosphäre des Jahres 2012 als Selbstzweck, so nützt er vielleicht mit Bewährtem und Neuentdecktem dem Publikum als Empfehlung von Bekanntem und Unbekanntem für das Jahr 2013:

Bekannte Blogs: 2012

Carta ist als „Autorenblog für digitale Öffentlichkeit, Politik und Ökonomie“ außerordentlich breit aufgestellt. Vom Kwalitätsschurrnalissmus hebt es sich dadurch ab, dass die Autorinnen und Autoren dort unentgeltlich schreiben oder ihre guten Blogartikel einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. So fehlt der Abfall, mit dem sonst Blätter und Sendungen voll gemacht werden müssen.

Bildblog ist der Prototyp eines Watchblogs. Und seit dort die tägliche Rubrik „6 vor 9“ beheimatet ist und aus Bildblog (zur Bildzeitung) Bildblog für alle (zur deutschsprachigen Medienlandschaft) wurde, informiert es zuverlässig über das, was im selbsternannten Qualitätsjournalismus falsch und wichtig ist.

Schavanplag zeigt, was in Blogform alles möglich ist. Ausgesprochen monothematisch und in einsamer Kleinarbeit veröffentlichte „Robert Schmidt“ hier Plagiatsfunde, die den VroniPlag-Wiki-Granden als grenzwertig erschienen. Einzelne Ergänzungen und Verbesserungen finden weiterhin statt. Wenn die FDP sich nicht noch ganz dumm anstellt, wird Schavanplag den Anstoß zum ersten ministeriellen Rücktritt 2013 gegeben haben.

Plagiatsgutachten.de oder „Blog für wissenschaftliche Redlichkeit“ ist das Zentralorgan von Stefan Weber, der schon nach Plagiaten fahndete, als Guttenberg noch nichtmal den Doktor erschlichen hatte. Vielleicht hat er den Freiherrn durch seine fünfteilige Artikelreihe 2006/2007 über das „Google-Copy-Paste-Syndrom“[1] erst auf die zündende Idee gebracht.

Mops-Block ist ein Juristen-Blog der besonderen Art. Die Herausgeber der Jura-Zeitschrift myops – „reflektiert, kritisiert und polemisiert“[2] – notieren im Mops-Block, was ihnen so auf- und zufällt. Darunter Amüsantes, Tiefsinniges, und manchmal auch was zu den Plagiateurinnen und Plagiateuren, auf die Juristen oftmals eine eigene Perspektive haben.

Internet-Law ist ebenfalls ein Jura-Blog, aber auch nicht dröge. Rechtsanwalt Thomas Stadler denkt über Vieles nach, was im Netz – und dem Netz – wichtig ist. Er hat mit seiner kleinen Blogschau diese Aufstellung angeregt – und durch die Kommentatoren dort vorgewarnt, dass man es ja nie allen recht machen kann. Vielleicht gelingt es der Opalkatze ja auch hier, als Erste zu nörgeln.

Unbekannte Blogs: 2013

Kneipenlog soll akademisches Unterhaltungsprogramm mit ausgesprochen trans- und interdisziplinärem Anspruch sein. In teilweise ungewohnten Blogformen betreiben derzeit neun Stammgäste seit Weihnachten ihre eigene Online-Kneipe zu einem bunten Themen-Mix. Dabei darf auch Hochgeistiges getrunken werden. Erbloggtes macht auch mit, und in die (zumeist Wissenschafts-)Blogs der übrigen Stammbesatzung sollte man ebenfalls mal reingeschaut haben.

Causa Schavan ist dagegen ein sehr monothematisches Blogprojekt, das um so tiefer gräbt, je kleiner das bestellte Feld ist. Ausweislich der statistischen Angaben ist es mit knapp über 4000 Besuchern bislang ein Geheimtipp der Plag-Szene. Aber schon die Übersichten über die Schavan-Affäre wie über Schavans Lebenslauf bis dahin machen das Blog zu einem wertvollen Orientierungswerkzeug in den Untiefen einer „Wissenschaftsbetriebsstörung“.

the hobo and the gypsy präsentiert vermischte „Texte von einem Hobo für eine Zigeunerin.“[3] Im Fall Schavan demonstrierte der Hobo in genauen Medienkritiken, dass aufmerksame Zeitungsleser auch außerhalb der Plag-Szene durchaus erkennen, wenn sie massenmedial für dumm verkauft werden sollen. Aber die Themen und Kompetenzen des Blogs reichen weit darüber hinaus.

Sprachlog ist zwar ein alter Bekannter (genauer: ein altes Bekanntes), kann nämlich auf verschiedene Wurzeln bis 2007 zurückblicken. Für das Jahr 2013 sind aber nach einem Relaunch Ende November 2012 tolle sprachlog(g)ische Synergieeffekte zu erwarten.

fastshots.de hat für 2013 einen Relaunch angekündigt. Dann gibt es dort wieder knappe Reviews im wahrsten Sinne des Wortes: Wieder-Sehen mit Filmklassikern und cineastischen Geheimtipps – mit meist treffenden Bewertungen und Einordnungen, die auch als Wieder-Seh-Tipps nutzbar sind.

Fazit: Die Blogosphäre ist breit aufgestellt, bietet für jeden etwas, und wird sich auch 2013 nicht in Embedded Blogs von Altmedien auflösen. Dass die Mehrheit der oben genannten Blogs von Mehreren befüllt wird, zeigt: Gruppenblogs liegen im Trend. Der Funktionsverlust von Zeitungen und das in einem radikalen Wandel  begriffene Mediennutzungsverhalten breiter Bevölkerungsteile sprechen dafür, dass sich Gruppenblogs zu Portalen zum Erschließen der Blogosphäre entwickeln. Leser werden durch sie auf Neues gestoßen, wonach sie gar nicht gesucht hatten. So erzeugen Gruppenblogs Ansätze jener Lean-Back-Angebote, die früher charakteristisch für Altmedien waren: Rundum-Pakete für Information und Unterhaltung.

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2 Antworten zu “Über Blogs 2012 und Blogs 2013

  1. Ich wollte mich bedanken, dass Du den Hobo und die Gypsy für erwähnenswert gehalten hast.

    Gruß

    almasala

  2. Pingback: Guten Rutsch! — Carta

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