Gute Vorsätze 2013, Teil 3: Weniger sogenannten Journalismus

Erwürgte Schleichwerbung den Journalismus im Offensichtlichwerden seiner reinen Ausrichtung auf schwindende Wirtschaftlichkeit?

Lohnende Kooperation?

VW im redaktionellen Teil von RP-Online. Lohnende Kooperation?

Der Eindruck ist nicht von der Hand zu weisen, wenn man so manchen Artikel sieht, auf den zu verlinken [Link korrigiert] sogar etwas peinlich ist. Wichtige Informationen präsentiert die Online-Zeitung (RPO) – mit freundlicher, aber nicht erwähnter Unterstützung eines Automobilkonzerns. Der eine bringt „Zusätzliches Leben in seine Verkaufszahlen“, der andere Mist an den Mann und Judaslohn in die eigene Tasche.

Es ist ja nicht so, dass die Leser das nicht bemerken würden. Die ersten Kommentare stellten fest:

„Ich dachte immer … die rpo würde bezahlte Werbung auch als solche deklarieren und nicht versuchen, sie billig als ‚Artikel‘ zu tarnen.“ Und: „Was die RP hier macht ist ja was für den Staatsanwalt“.

Es ist aber nicht einfach ein Interessenproblem, sondern längst ein Qualitätsproblem. Offenbar hat in den Redaktionen und Verlagsetagen niemand (der etwas zu sagen hätte) mehr eine Vorstellung davon, was „Qualität“ anderes bedeuten könnte als Einnahmen-Ausgaben-Effizienz. Wie sonst wären solche „News“ zu erklären:

„Katy Perry unfollows Russell Brand on Twitter“[1]?

Für Michael Lohmann ist das Gesamtphänomen „Simulierter Journalismus“.[2][3] Der zeichnet sich dadurch aus, dass er billig zu produzieren ist und uneinlösbare Ansprüche erhebt.

Update, 5.1.2013: Der Autor von Simulierter Journalismus war bisher falsch angegeben. Die alternative Veröffentlichung auf dem Blog des Autors wurde als [3] ergänzt.

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4 Antworten zu “Gute Vorsätze 2013, Teil 3: Weniger sogenannten Journalismus

  1. Ein Gedanke: Die Redaktionen sehen ja genau, was geklickt wird. Und leider scheinen sich Geschichten über Promis, Titten & Skandale besser zu verkaufen als die aufwändigen Hintergrundberichte oder komplizierte Themen. Wenn man mit einem innerhalb einer Viertelstunde hingerotzten Beitrag über Katy Perry, die eben jetzt nicht mehr ihrem Ex followt, inkl. Tittenklickstrecke mehr Erfolg hat als mit dem komplexen Bericht zur Eurokrise, dann ist es klar, was man macht.

  2. Ja, ich finde, das konvergiert mit meinem vorigen Artikel über die Augstein-Berichterstattung: „Für Differenzierungen bleibt keine Zeit“, schreibe ich da etwa in der Mitte und überlege, warum selbst die „gute“ Berichterstattung dazu so schlecht ist.
    Vier Gründe: 1. Die Leser haben keine Zeit. 2. Die Journalisten haben keine Zeit. 3. Die Leser haben keinen Grund, sich über etwas Komplexes zu informieren, worauf sie keinen Einfluss haben (oder zu haben glauben), und was sie praktisch nicht beeinflusst. 4. Die Journalisten haben keinen Grund etwas Langes, Argumentatives, Aufwändiges zu schreiben, wofür es keine Leser gibt.
    Wenn Zeitungsleser sich eine Stunde hinsetzen und einen langen Text lesen wollen, dann tun sie das doch zur Entspannung, und dann lesen sie am besten eine Reisereportage aus fernen Ländern oder so. Die lässt sich auch billig produzieren, sofern die Reiseveranstalter mitspielen.

  3. Die Verkaufszahlen der BILD haben schon vor dem Internet dokumentiert, dass sich Titten, Skandale und Promi-Geschichten besser verkaufen als guter Journalismus. Dennoch hat es immer den Versuch gegeben, die Leser solide zu informieren. Die Reichweiten der SZ und der FAZ konnten nie mit der der BILD konkurrieren. Aber wer Informationen suchte, hatte eine Möglichkeit, sie auch zu finden. Es ist darum schon schade, dass die aktuellen Verleger kaum noch Interesse an Qualität aufzubringen scheinen. Jedenfalls kann der kommerzielle Erfolg am Ladentisch nicht das Kriterium sein dafür, welcher Journalismus in die Zeit passt. Guter Journalismus müsste sich einem solchen Zeitgeist widersetzen.

    (PS: Ich freue mich, dass mein Artikel hier per Fußnote verlinkt ist. Vielen Dank!)

  4. Ja, vielen Dank, es ist natürlich ein Unterschied, ob man primär Journalismus machen will, oder ob man primär ein Unternehmen betreiben will. In der Krise muss man sich entscheiden; anscheinend geht die Tendenz eher zum Unternehmen.
    (Verzeihung, dass ich da zunächst Jens Best erwähnt hatte, da ist etwas durcheinander gegangen, was das Lektorat und die Recherche-Abteilung nicht bemerkt haben.) 😉

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