Neues Schavan-Gutachten: Alles okay!

Erfordert es nun schon Rechtsgutachten, wenn Universitäten ihrem Alltagsgeschäft nachgehen? Anscheinend hat die Universität Düsseldorf ihr Vorgehen im Fall Schavan extern juristisch überprüfen lassen. Das Ergebnis teilte die Universtität heute mit:

„Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass rechtlich relevante Verfahrensfehler nicht festzustellen sind. Die Fakultät hat die nach geltendem Recht erforderlichen Prüfungen ordnungsgemäß durchgeführt. Auch die Verfah­rensführung lässt keinen Grund zur Beanstandung erkennen.“[1]

„Die absurden Verteidiger der Annette Schavan“[2] hatten seit Mitte Oktober 2012 die Öffentlichkeit davon abgelenkt, um was es in der Causa Schavan eigentlich geht: Die Frage, ob die Bildungsministerin in ihrer Doktorarbeit wissenschaftlich gearbeitet hat, oder ob sie das lediglich vorgetäuscht hat. Dieser Frage wird einige politische Relevanz beigemessen. Denn wer wollte überzeugend darlegen, ob die Bildungsministerin in ihrem Ministeramt politisch gearbeitet hat, oder ob sie das lediglich vorgetäuscht hat?

Die Frage, die Schavans mobilisierte Gefolgsleute die Öffentlichkeit lieber monatelang diskutieren sehen wollten, war allerdings, ob ein normales universitäres Verfahren zur Überprüfung eines Plagiatsverdachts legitim ablaufe, wenn ihre oberste Geldgeberin davon betroffen sei. Allerlei Vorhaltungen musste sich die bemüht wirkende Universität anhören, dass ihr Verfahren kompromittiert sei und sie es dringend an externe Stellen abgeben müsse – am besten natürlich externe Stellen, die ihr Budget größtenteils aus dem Bildungsministerium erhalten. Die Brisanz und Absurdität solcher Forderungen aus „wissenschaftlichen“ „Spitzen“organisationen muss nicht mehr eigens erläutert werden.

Nun also reagiert die Universität durch die Veröffentlichung eines Gutachtens, das hier im Volltext herunterladbar ist. Der Autor Klaus Ferdinand Gärditz kann als geeigneter Experte angesehen werden. Zuletzt vertrat er seine Universität Bonn im Rechtsstreit mit der Plagiatorin Margarita Mathiopoulos, in dem die Universität sich vor dem Kölner Verwaltungsgericht durchsetzte.[3] Auch für eine etwaige gerichtliche Überprüfung des zu erwartenden Doktor-Entzugs von Annette Schavan ist Gärditz‘ Gutachten ein gewichtiges Argument für die Universität Düsseldorf.

Der Punkt, auf den sich Schavans politische Helferlein im wissenschaftlichen Gewande gern konzentrierten, war die Veröffentlichung des Tenors des sogenannten Rohrbacher-Gutachtens durch die Zeitschrift Der Spiegel im Oktober. Zu der Frage, ob dies einen Verfahrensfehler darstelle, kommt Gärditz zu dem Schluss:

„Aus rechtlicher Sicht führt das Bekanntwerden als solches nicht zu einem Verfahrensfehler, schon weil die öffentliche Diskussion in der Presse die interne Aufklärung des Sachverhalts in Bezug auf die Promotionsleistung nicht beeinträchtigt.“[4]

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang die Spekulation über das mögliche Motiv des Leaks:

„[S]ei es, dass der Informant hierdurch die Betroffene in Bedrängnis bringen möchte, sei es, dass er bewusst die Universität schädigen möchte, um gezielt das Verfahren zu sabotieren und hierdurch zum Scheitern zu bringen (eine im Hinblick auf die kalkulierbar ausgelösten Folgen durchaus nicht unwahrscheinliche Variante)“.[4]

Aufgrund der Sachlage in Schavans Dissertation und der entschlossenen Maßnahmen, die die Universität zur Verteidigung ihrer Verfahrenshoheit ergriffen hat, ist absehbar, dass Schavan ihren Doktortitel – zu Recht – verlieren wird. Ihr Rücktritt ist dringend geboten, aber vorher wird sie sich wahrscheinlich noch für ein Bundestagsmandat in der kommenden Legislaturperiode nominieren lassen wollen.[5] Das ist für die kommende Woche zu erwarten.

————————————————————

9 Antworten zu “Neues Schavan-Gutachten: Alles okay!

  1. Reblogged this on Causa Schavan.

  2. „Professor Dr. Anette[sic] Schavan (im Folgenden: Betroffene)“ kein Gutachten ohne kleine Fehler!😉

  3. Pingback: Schavanisten! Jetzt gilt’s! | Erbloggtes

  4. Pingback: Gute Nachrichten für Schavan? Teil 1 | Erbloggtes

  5. Pingback: Gute Nachrichten für Schavan? Teil 2 | Erbloggtes

  6. Pingback: Wie die Universität Bochum mit Norbert Lammert verfährt | Erbloggtes

  7. Pingback: Düsseldorfer Plagiatsverfahren: Keine Angst vor Transparenz | Erbloggtes

  8. Pingback: Das Plagiatsimperium schlägt zurück* | Erbloggtes

  9. Pingback: Die verlorenen Jahre des Martin W. und die Verwirrungen des Zöglings Preuß | Erbloggtes

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s