Pressearbeit! Eine Realsatire aus der Plagiatsucherszene – Vorspiel

Erdichtete Schauspiele können die Wahrheit zuweilen offener aussprechen als authentische Dokumentationen. Der ehemalige VroniPlag-Administrator Plaqueiator hat daher seine Erinnerungen zu einem unterhaltsamen Dramolett verarbeitet, das einer Uraufführung noch harrt, hier aber in loser Folge vorab dem geneigten Publikum vorgestellt werden soll:

Vorwort

Ich finde, seit ich mich hier nicht mehr so beteilige, kommt leider die Unterhaltung zu kurz. Deshalb wage ich mich an ein virtuelles Theaterstück. Man muss das Genre des Folgenden wohl „scripted real pseudo-virtuality“ nennen, denn eins ist klar: Das alles ist völlig ir- und sur-, und pseudo-real. Unvorstellbar im „wirklich wahren Leben“ (Dittsche. Ordentliches Zitat muss sein!).

Und doch könnte diese Geschichte sich real virtuell so oder so ähnlich zugetragen haben. Oder umgekehrt. Vorhang auf!

Vorspiel

Nehmen wir an, etwas weiter zurück läge inzwischen DesGründers Koketterie mit seiner Identität im gelungenen Spiegel-Golfplatz-Interview, das zwar auch unter dem Motto stand: „die Schwarm-Bienen folgen der Aufklärer-Biene“, das sich aber, um ehrlich zu sein, hauptsächlich mit DesGründers Handicap beschäftigte.

Kurz darauf begann er seine proaktive Offensive, um der bevorstehenden Decouvrierung durch die BILD mit seinem Coming Out zuvorzukommen. Irgendwie waren diese gerissenen Hunde an streng vertrauliche Infos über Aufkleber-Aktionen und kopflose Bilder gekommen, bei denen sie das Gesicht ergänzt haben müssen. Sogar sein Parteibuch hatten sie ausgegraben! Enttarnt! Und darauf dann noch Ärger mit seinem Schwarm. Blödes Viehzeug. Er sollte sich mal einen Imkerhut zulegen.

Einige Zeit später bot sich DemGründer prompt die Möglichkeit, einem Presseorgan exklusiv die Verwertung des Plagiatsfalles eines ehemaligen Kultusministers zur journalistischen Auswertung anzubieten, die er aus pressetaktischen Gründen zwingend ergreifen musste. Dass die Arbeit noch gar nicht untersucht war, war nur ein kleiner Haken. Also ob überhaupt ein Plagiat vorlag – ach, wird schon! Vertrag war ja unterschrieben. Er musste es an sich nur in seinem allein gegründeten Wiki PlagiPlag vorbeibringen zur Abarbeitung. Die waren immer so dankbar für die geleistete Pressearbeit, die Schwarm-Bienchen, die würden das Plagiat ruckzuck feststellen. Dachte er.

Sein Versuch, diesen Auftrag bei PlagiPlag zur dortigen Abarbeitung zu droppen, war jedoch wider Erwarten, wie man heute sagt, episch gescheitert aufgrund einhelliger Ablehnung und Empörung der Bienen. Jetzt sollte er das selber fragmentieren. Undankbares Viehzeug. Er notierte sich: „Imkerhut zulegen“, damit er das nicht wieder vergaß wegen der vielen anstehenden Pressearbeit.

Dafür stand jetzt auf PlagiPlag die Arbeitsgruppe zum Fall Dv kurz vor der ominösen 10-Prozent-Marke, also alle 10 Seiten ein Plagiat – ähm, ein minderer handwerklicher Fehler, wie man später nach den Verlautbarungen der Universität in dieser Sache würde sagen müssen. Die Analyse wollte nicht vorankommen. Hätte er das selbst gemacht, zackzack, wäre schon längst alles gesichtet und bestätigt. Kurz drüberschauen, und gut ist, und raushauen.

Um wen es sich bei Dv handelte, das hatte er über W. mitbekommen, die ihn mit Interna aus der widerspenstigen Wiki-Truppe versorgte, seit diese untergeordneten Figuren sich blöderweise weigerten, ihm die für seine aufopferungsvolle und für das Wiki existenzielle Pressearbeit notwendigen Informationen zu liefern – auch wenn er ihnen noch so viel Honig ums Maul schmierte.

„Vertrauensverlust“. Blabla. Diese Kröten beteiligten ihn nicht, obwohl es ihm als alleinigem Gründer von Natur aus zustand, alles zu wissen und zu entscheiden. Die vier renitenten Exemplare der Dv-Arbeitsgruppe maßten sich an, die Festlegung des Veröffentlichungszeitpunktes sich selbst vorzubehalten. „Strenge Vertraulichkeit, wir sind noch nicht sicher!“ Blabla. Kein Klarname. Blabla. Lupenreines Gründermobbing, das! Und das ausgerechnet vor diesen eminent wichtigen Fernsehreportagen. Franken-TV! Bayerischer Rundfunk!

Er hatte diesen Fernsehleuten mal so richtig gezeigt, wie spannend die Arbeit an einem Plagiat eines Bundestagsabgeordneten ist, mit Sichtungsvermerken und allem Pipapo. Klar fiel auch der Name, vertraulich. Man muss mit Journalisten auch Vertrauen aufbauen. Wurden gestern gesendet, geile Beiträge. Gut, Dv-Sneak-Preview, aber musste sein. „Der Enthüller von Erlangen“!! Ja, so machte Pressearbeit Spaß.

DerGründer fand, er kam richtig gut rüber, Totale, Halbtotale, konnte sich an den Teilen nicht satt sehen. Würde er aufheben für seine zukünftigen Enkel. Wie diesen Grimme-Preis, den man ihm verliehen hatte für dieses andere Wiki, das er fast alleine gegründet hätte und das er jetzt markenrechtlich beschützte.

So, und übermorgen war der 11. September, 10 Jahre WTC-Anschlag. Alle Zeitungen geile Auflage! Da sollte neben den 3.000 Leichen eigentlich auch Platz sein für ein Plagiat im Bundestag… Er musste nur noch kurz diesem unterbelichteten Nerd aus der Gruppe Bescheid sagen, der sich da im Chat rumtrieb, nicht dass am Ende noch jemand behauptete, er würde nicht informieren…

In der nächsten Folge

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17 Antworten zu “Pressearbeit! Eine Realsatire aus der Plagiatsucherszene – Vorspiel

  1. Mit einer Verfilmung würde man bestimmt ein größeres Publikum erreichen 😉 Vielleicht könnte man Sorkin nach „The Social Network“ für „The Wiki“ begeistern.

  2. Leider scheint es ein Schauspiel nur für Eingeweihte zu sein. Mir erschließt sich der Sinn des Ganzen irgendwie noch nicht. Vielleicht gibt jemand nach der gewünschten Verfilmung noch eine kommentierte Ausgabe heraus, so dass sich auch thematisch Nichtvertraute am Schauspiel erfreuen können.

  3. Da darf ich doch mal lachen! Haben einige Aktive von Vroniplag und dieser „Ex“ nichts Besseres zu tun als dem weidwunden Heidingsfelder immer noch vergiftete Pfeile ins Fleisch zu schießen?
    Lesenswert hierzu:
    http://plagwikicheck.wordpress.com/2013/02/23/vroniplag-ex-proudly-presents-dergrunder/
    Stimme im übrigen ‚Anonym‘ zu, dass sich Nichtvertraute ohne Hintergrundkenntnisse wohl kaum am Schauspiel erfreuen können.

  4. Danke für den Hinweis! Ich darf aus den Zukunftswünschen des Theaterkritikers zitieren:
    „Vielleicht gibt sich ein noch unbekannter Dichter die Ehre, im neuen Erbloggtes-Theater ein Drehbuch zu der Realsatire über “DieEpigonen – VroniPlags Geburt, Glanz und Niedergang“ zu schreiben.
    Plagwikichecker bittet den Intendanten Erbloggtes schon vorsorglich, auch diese Tragikomödie zur Aufführung zu bringen.“
    Dabei ist das Stück „Pressearbeit!“ doch noch gar nicht zu Ende aufgeführt. Die Geschichte ist doch erst im September 2011 angekommen. 🙂

    Ich bitte übrigens, keine Linkverkürzer zu verwenden.

  5. Wann geht es eigentlich weiter? Wie viele Teile gibt es?

  6. Weiter geht’s natürlich, wenn das Publikum nach einer Zugabe ruft. Und die Finanzierung des Filmprojekts läuft über Crowdsourcing. Wir legen Einnahmen zur freien Verfügung und Unterstützung des Projekts gewinnbringend an.

  7. Aber bei den regulären Teilen muss man doch nicht nach einer Zugabe rufen, oder?

  8. Musste das Publikum bei Karl Mays Kolportageromanen nach Zugaben rufen?

  9. RätselhaftER VerfassER, verfass ER rasch die Fortsetzung. Es ist ja sonst gar nicht auszuhalten. Je ehER desto bessER.

  10. Entdecke das erst heute. Fehler des „klugen Geeks“:
    Das Bild des Bienenschwarms und der Aufklärerbiene zeichnet der Journalist Takis Würger nicht der Gründer des Wikis (vgl. DER SPIEGEL 29/2011 S. 38).

    Bis heute steht auch der Verdacht im Raum, dass jemand aus dem Wiki „Franz Müller“ der Outer gewesen ist.

    Wo ist bitte der Vertrag mit welchem Medium? Es gab eine Zeitung, die mir den Fall Wöller und Informanten gebracht hatte. Den Kontakt zum Informanten zu bekommen kostete mich die Zusage die Zeitung zu informieren. Mit dieser Zeitung hat es sich VroniPlag Wiki nicht nur deshalb verscherzt. Einge bei VroniPlag Wiki sollten sich mal überlegen, dass ihre Kommentare gelegentlich nicht freigeschaltet werden. Das ist halt so, wenn man justiziable Äußerungen tätigt. Viele Zeitungen erkennen das, rufen bei mir deswegen an und leiten dies gelegentlich sogar weiter.
    Noch perfider ist die Behauptung es hätte ein bezahlter Auftrag für mich vorgelegen. Auch dafür gibt es keine Beweise, weil es nicht so war.
    Die Behauptung ich hätte Daniel Volk an die den BR geliefert: Da jemand von VroniPlag Wiki sich hinsetzte und selbst Standbilder des Videos der Abendschau analysierte, meint Plaqueiator hier würde eine Indiskretion vorgelegen haben. Boah, wie weit war das denn von der Realität entfernt?
    Jemand sieht zwei Buchstaben hält das Bild an, springt ins Internet und recherchiert wer in Deutschland die Initialen DV haben könnte.
    Niemals habe ich jemanden als unterbelichtet bezeichnet und noch nicht einmal den Gedanken an so etwas verschwendet. Im Gegenteil, Leute, die bei VroniPlag Wiki freiwillig zugaben, keine (technische) Ahnung zu haben, nicht Akademiker zu sein oder keinen Zugang zur Bibliothek zu besitzen und um digitales Material nachgefragt haben um mitzuhelfen bzw. nur begrenzt Zeit hatten wurden belächelt, ignoriert, ausgegrenzt und ausgeschlossen. Dafür hatten Sie meine Unterstützung. Das sind die Fakten. Einige in diesem Wiki meinen sie sind was Besseres, weil sie einen Doktortitel anstreben, haben oder verleihen dürfen. Das ist das Problem und nicht dass jemand ohne dieses Gedöns meint andere wären unterbelichtet. Aber vielleicht ist es genau diese Erwartungshaltung promovierter Mitstreiter sich aufgrund der akademischen Titel „der Gründer“ müsse sich einzelnen, der Mehrheit oder irgendwelchen Techies unterwerfen. Kein Freiheitsliebender Mensch wird sich freiwillig in seiner Meinungsfreiheit und bei Meinungsäußerungen beschneiden lassen!

    Mich wundert, dass Plaqueiator hier das Recht einen Blogbeitrag zu schreiben bekommt ohne, dass man denjenigen über den geschrieben wird konsultiert. Erst gestern habe ich als @goalgetter32 den Rechtsgrundsatz „Audi partem alteram!“ getwittert. So macht man das jedenfalls nicht, wenn man einen seriöser Blog bleiben will. Etwas mehr Fakten checken und weniger Behauptungen könnten diesem früher sehr gut informierten und relativ ausgewogenem Blog gut tun.

    Eines allerdings gefällt mir. Der Beitrag eines VroniPlag Wiki Insiders trotz der vielen Faktenmängel lässt keinerlei Zweifel daran, dass ich der alleinige Gründer bin.

    Noch eines: Bei der Gründung von Politplag.de habe ich die vom Verfasser dieses Blogbeitrages angeregte Idee bei der Genese eines neuen Projektes die akademische Welt stärker einzubinden beherzigt. Deshalb gibt es den „Wissenschaftliche Beirat“. Gerne hätte ich den Verfasser auch in irgeneiner Form integriert, da ich ihn trotz und wegen der Opposition zu meiner Person schätze und achte. Und diese Kritik zumeist auch sachlich vorgetragen wurde. Wie wir alle (mich eingeschlossen) leidet der Verfasser bei seiner akademischen Durchlauchtigkeit unter der selektiven Wahrnehmung einzelner Sachverhalte. Aber dem ist halt so. Das hat nichts mit „Unterbelichtung“ zu tun. Es liegt an dem Selbstbewußtsein und den gemachten Erfahrungen im Leben sich nur selten zu irren.

  11. Ach wie gut, dass niemand weiß, …

  12. Pingback: Pressearbeit! Eine Realsatire aus der Plagiatsucherszene – Akt I | Erbloggtes

  13. Seltsam, dass sich die akademische Welt bei Politplag aus größtenteils unbekannten Leuten zusammensetzt. So schlimm ist Politplag nun auch nicht, dass man nicht mit seinem Namen dazu stehen kann.

    Wer weiß, vielleicht exisitieren diese Leute in Wirklichkeit gar nicht und es ist wieder eine Sockenpuppenparade des Herrn Heidingsfelder. Wundern würde es mich nicht.

  14. „Seltsam, dass sich die akademische Welt bei“ Vroniplag „aus größtenteils unbekannten Leuten zusammensetzt. So schlimm ist“ Vroniplag “nun auch nicht, … “ 

  15. Das letztere Zeichen war wohl chinesisch? Anonym hat übrigens auch hier seine Meinung hinterlassen.

  16. Bei Vroniplag stehen die Klarnamen aber nicht abgekürzt rum, wie bei Politplag (Dr. rer. nat. M.M.?), sondern jeder arbeitet unter Pseudonym, von denen manchmal der echte Name bekannt ist. Soviel habe sogar ich schon mitbekommen.

    Aber vielleicht kann mir Rumpel erklären, warum das genau dasselbe ist.

  17. @Anonym: Da könnte Dir im Prinzip weitergeholfen werden. Es gibt dort genauso den Fall bzw. Fälle, wo die Klarnamen „abgeküzt rum“stehen, z.T. Vor- und Zuname verdreht. Beispiel(e) werde ich nicht öffentlich nennen, da das die Aufdeckung des Klarnamens erleichtert. LG ‚Rumpel‘

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