Plagiatsexperten auf der Suche nach Plagiatsdefinitionen

Erfasst es ein Plagiat angemessen, wenn man die Plagiatsdefinition übernimmt, die ein Plagiator formuliert hat, um sich vom Plagiatsvorwurf reinzuwaschen? Diese Frage scheint sich Debora Weber-Wulff jüngst gestellt zu haben, als sie bemerkte, dass eine Plagiatsdefinition, die sie seit eh und je auf ihrem Plagiatsportal an der HTW Berlin präsentiert hatte, von jemandem stammte, der wegen Plagiatsvorwürfen in langwierige juristische Streitigkeiten verwickelt war:

„I now read his ‚definition‘ as an attempt to wash his hands of the taint of plagiarism. I have now removed the definition from my plagiarism portal and from my slides.“[1]

Wo liegt denn das Problem?

Weber-Wulff entschuldigt sich sogleich für alle Unannehmlichkeiten, die aus ihrer Berufung auf diese Plagiatsdefinition entstanden sein könnten.[1] Das erscheint als eine gute Idee, denn die Unannehmlichkeiten könnten womöglich ein beträchtliches Ausmaß erreicht haben, wenn eine Plagiatsforscherin einer plagiatsapologetischen Plagiatsdefinition anhängt oder diese auch nur unter dem Zeichen der wissenschaftlichen Plagiatskunde verbreitet. Unannehmlichkeiten, die hier nicht ganz aus der Luft gegriffen sind, könnten etwa sein:

  1. Eine Plagiatorin sieht sich darin bestätigt, keinesfalls etwas getan zu haben, was unter die Definition eines Plagiats fällt.
  2. Die Gefolgsleute einer Plagiatorin sehen sich darin bestätigt, dass das Vorgehen der Plagiatorin nicht unter die Definition eines Plagiats fällt.
  3. Eine Gruppe von Internetaktivisten wird sich nicht darüber einig, ob in einem konkreten Fall klares wissenschaftliches Fehlverhalten vorliegt, oder ob es sich um einen Grenzfall handelt, mit dem man lieber nicht an die Öffentlichkeit treten sollte.
Meister des Plagiats

Meister des Plagiats

Wie realistisch die Zurückführung solcher Unannehmlichkeiten auf eine apologetische Definition ist, hängt natürlich insbesondere von dieser Definition ab. Die jüngst unter Weber-Wulffs Verdacht geratene Definition stammt von Paul Englisch und bildet den krönenden Abschluss seines Werkes „Meister des Plagiats oder die Kunst der Abschriftstellerei“, das 1933 im Hannibal-Verlag Berlin-Karlshorst erschien:

„Plagiat ist also die aus freier Entschließung eines Autors oder Künstlers betätigte Entnahme eines nicht unbeträchtlichen Gedankeninhalts eines anderen für sein Werk in der Absicht, solche Zwangsanleihe nach ihrer Herkunft durch entsprechende Umgestaltung zu verwischen und den Anschein eigenen Schaffens damit beim Leser oder Beschauer zu erwecken.“ (Englisch, S. 81f., Scan online)

Apologetische Plagiatskriterien

Hier fallen in der Tat einige Definitionsbestandteile auf, die jedem ordentlichen Plagiator sehr zupasskommen: Die Entnahme müsse, um als Plagiat zu gelten, laut Englisch

  1. „aus freier Entschließung“ erfolgen, also nicht unter dem Einfluss von Entschuldigungsgründen, die die Willensfreiheit einschränken könnten,
  2. „nicht unbeträchtlichen Gedankeninhalt“ umfassen, also beträchtliches Ausmaß annehmen, was weniger den Text als den „Gedankeninhalt“ angeht. Sie müsse
  3. „in der Absicht“ erfolgen, ihre „Herkunft durch entsprechende Umgestaltung zu verwischen“, außerdem
  4. „in der Absicht“, „den Anschein eigenen Schaffens damit beim Leser oder Beschauer zu erwecken.“

Sehr interessant an diesen Definitionselementen ist, dass der (verdächtigte) Plagiator über jedes dieser Kriterien eine Deutungshoheit beanspruchen kann. Schließlich kann vornehmlich der Plagiator selbst sagen, ob er etwa unter Alkoholeinfluss stand oder an hohem Fieber litt, als er die Übernahmen tätigte. Die freie Entschließung betrifft auch der bei wissenschaftlichen Plagiatoren übliche Einwand, man habe es ja nicht besser gewusst, da man wissenschaftliches Arbeiten nie gelernt habe. (Dass das eine gar nicht so absurde Vorstellung ist, wie man zu glauben geneigt sein mag, darauf weisen einige aktuelle Handreichungen aus dem Fach BWL der Fernuni Hagen sowie aus der juristischen Fakultät der Uni Regensburg hin.)

Die Beträchtlichkeit eines Gedankeninhaltes für ein Werk wird man auch unterschiedlich einzuschätzen vermögen, etwa indem man behauptet, diese oder jene Gedankeninhalte seien ja nur „gewissermaßen als Farbtupfen […] zur Erhöhung der Wirkung des Zeitgemäldes angebracht“, die „jedoch auch wegbleiben könnten, ohne den Effekt irgendwie nennenswert zu beeinträchtigen. Sie treten hinter der Eigenschöpfung völlig zurück, und eine derartige Verwendung fremden Schaffens ist deshalb erlaubt.“ (Englisch, S. 80) In Übereinstimmung mit dieser „Theorie“ hatten nicht nur Schavans Unterstützer behauptet, dass in diesem Fall unwesentliche Übernahmen „nur zum Aufputz der Fassade verwendet“ (Englisch, S. 74) worden wären, der Rest ihrer Arbeit aber hinreichend originell und wissenschaftlich weiterführend sei, so dass die Farbtupfen nicht ins Gewicht fielen. Sondern auch die jüngst vor Gericht gescheiterte Silvana Koch-Mehrin hatte verlangt, die Farbtupfen doch einfach wegwischen zu können, um den Mangel zu beseitigen – vergeblich.[2]

Wenn die Absicht, die „Herkunft durch entsprechende Umgestaltung zu verwischen“, zum Kriterium erhoben wird, kann natürlich jeder Plagiator gleich sagen, dass eine Absicht ja nie vorgelegen habe, schließlich sei man moralisch untadelig und habe ein reines Gewissen. Andernorts erhebt Englisch die „erkennbare Absicht, den Ursprung einer Produktion mit allen Mitteln zu verschleiern“ (S. 75), zum Kriterium sine qua non eines Plagiats. Und in dem Fall, dass die Herkunft gar nicht verschleiert wurde, sondern einfach 1-zu-1 abgeschrieben, ist diese Bedingung ja schon gar nicht erfüllt.

Notfalls bestreitet ein Plagiator auch, mit Absicht „den Anschein eigenen Schaffens“ erweckt zu haben. Vielmehr sei es dazu höchstens versehentlich gekommen, weil der Leser die falsche Version eines Textes in die Hand bekommen habe oder in der Einleitung ja den Vorbildern ausdrücklich der gebührende Dank abgestattet werde, so dass klar sei, dass der Autor gar „nicht in allen Partien seines Werkes als Eigenschöpfer angesehen [zu] werden“ beanspruche (Englisch, S. 80).

Wozu also solche Plagiatskriterien?

Mit einer solchen Plagiatsdefinition lässt sich natürlich komfortabel bestreiten, ein beliebiges eigenes Werk sei ein Plagiat. Und das ist schließlich die Hauptsache

„in letzter Zeit, da ausgedehntere schriftstellerische Betätigung jeden Zweiten sich als Schriftsteller gebärden läßt, eine übergroße Empfindlichkeit an Stelle der ehemaligen Laxheit getreten, und übereifrige Plagiatschnüffler [ihr Unwesen treiben], deren eigene Unproduktivität in vielfach sehr bedauerlicher Verfolgungswut gegen angeblich literarische Übeltäter ihren Ausgleich findet“ (Englisch, S. 5).

So war das damals, 1933, mit den übereifrigen Plagiatschnüfflern und ihrer bedauerlichen Verfolgungswut. Wem das aus den Leserbriefspalten der Tagespresse bekannt vorkommt, dem sei zudem gesagt:

„Allein die Gegenwart kehrt mit dieser Plagiatriecherei lediglich zu den gern geübten Methoden der Antike zurück. Das kritische Belauern der literarischen Produktion eines Schriftstellers, das hämische Hinausposaunen aufgefundener Entlehnungen, die rücksichtslose Anrempelung der Leuchten von Wissenschaft und Kunst, wenn irgendeine Übereinstimmung ihrer Werke mit dem eines Vorgängers sich festnageln läßt, ist ja durchaus kein typisches Kennzeichen unserer Zeit, sondern wurde bereits bei den Griechen methodisch geübt.“ (Englisch, S. 5)

Die Griechen waren 1933 etwa so beliebt wie heute. Den alten Griechen jedenfalls wurden weithin die Germanen vorgezogen, die bekanntlich weder kritisch noch hämisch noch rücksichtslos oder gar methodisch vorgingen.

„Was ist nun ein Plagiat?“ (Englisch, S. 73)

Trotz dieser recht eindeutigen Emphase, die er durch ausgiebige lobende Besprechung zahlreicher angeblich mehr oder weniger plagiierender Künstler ergänzt, kommt der Plagiatsexperte Dr. Paul Englisch nicht umhin, mitten in seinem Werk eine brauchbarere Definition eines Plagiats zu liefern, die er dann allerdings wieder verwirft:

„Der Begriff [Plagiat] muß also viel weiter gefaßt werden [als nur den Austausch des Namens auf dem Titelblatt betreffend]. Es fällt darunter auch die Aneignung von Teilen fremder Leistung, die in das eigene Geistesprodukt eingefügt werden, so daß der Eindruck erweckt werden soll, daß die gesamte Leistung, wie sie sich aus einem Gusse repräsentiert, der Gedankenarbeit des mit seinem Namen Zeichnenden ihre Entstehung verdankt. Daß in einem solchen Verhalten eine bewußte Täuschungsabsicht, demnach eine Unehrlichkeit des Schriftstellernden vorliegt, wird wohl kaum zweifelhaft sein.“ (Englisch, S. 73)

Hier macht er nämlich nicht die Absicht des Schriftstellernden zum – unüberprüfbaren – Kriterium, sondern zur Schlussfolgerung aus dem zentralen Kriterium der Ununterscheidbarmachung von fremder und eigener Leistung. Wenn man außer Acht lässt, dass auch hier „erweckt werden soll“ statt richtig erweckt wird, und dass sich die Eigenleistung angeblich „aus einem Gusse repräsentiert“ (was sie selten genug tut), dann hat die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften doch schon mal einen soliden Ausgangspunkt für ihr Forschungsprojekt „Zitat und Paraphrase“, das gleichermaßen „auf die jüngsten Diskussionen um Plagiate in Dissertationen“ reagiert wie Paul Englisch vor inzwischen 80 Jahren.

Wiederentdeckte Wurzeln der „Plagiatsforschung“

Die Akademie sucht ja unter Christoph Markschies nun ebenso eine „präzise Begriffsdefinition“ wie Englisch damals. Vielleicht übernimmt sie aber auch einfach die seine, natürlich die von S. 81f., schließlich ist die unter Plagiatsexperten weithin anerkannt. Debora Weber-Wulff jedenfalls schreibt, dass sie seit vielen Jahren „have used this definition of plagiarism by Paul Englis[c]h“.[1] Doch nun erfuhr sie, dass Englisch selbst wohl ein übler Plagiator war – ein Thema, mit dem sie sich in ihrem künftigen Forschungsfreisemester näher befassen will.[1]

Außerdem lernte sie nun „the context from page 81”[1] kennen, also nicht nur neun Zeilen dieses Autors, sondern eine ganze Seite, auf der Englisch typische Plagiatorenapologetik betreibt. Diese neuen Erkenntnisse bringen Weber-Wulff also dazu, eine neue Lesart von Englischs Definition zu entwickeln. Das wirft natürlich die Frage auf, warum Weber-Wulff diesen „context from page 81” bisher ebensowenig kannte wie die oben zitierten Stellen aus der Einleitung, und warum sie nicht mit deren Hilfe Englischs Definition als Apologie erkennen konnte.

In Kenntnis der Arbeitsweise, die Annette Schavan in ihrer Dissertation gern an den Tag legte, liegt die Annahme freilich recht nahe, dass Weber-Wulff Englischs Buch nie in der Hand hatte, bevor sie vor wenigen Tagen auf den neuen Volltext-Scan aufmerksam wurde. Dann stellt sich jedoch die Frage, aus welcher Quelle Weber-Wulff Englisch denn eigentlich zitiert hat, und warum sie nicht lieber diese angegeben hat? Dort könnte man dann ja weitersuchen, wie eine Plagiatorendefinition im doppelten Wortsinn in die Plagiatsforschung Einzug halten konnte. Wahrscheinlich war es so, wie Englisch selbst schrieb: „ebenso muß es ihnen erlaubt sein, mit ihrer Quelle nach Belieben frei zu schalten oder auch sich eng an sie anzulehnen.“ (Englisch, S. 6)

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16 Antworten zu “Plagiatsexperten auf der Suche nach Plagiatsdefinitionen

  1. “… so daß der Eindruck erweckt werden soll, daß die gesamte Leistung, wie sie sich aus einem Gusse repräsentiert …“
    Zusammen geschaut mit WeberWulffs (revidierter) Übernahme von Englischs Plagiatedefinition eröffnet sich hier die Verwendung der motivbezogenen Kategorie “Verschleierungsplagiat“ bei VroniPlag.
    Man darf gespannt sein, welche Plagiat-Definitionen die Jäger der “die rücksichtslose Anrempelung der Leuchten von Wissenschaft und Kunst“ pflegenden Plagiatsjäger sich zur Exkulpation noch einfallen lassen.
    Es fragt sich auch, auf dem Boden welcher Definition sich Weber-Wulff fortan bewegen wird. Nach so vielen Jahren Plagiarismusforschung sollte die “Plagiatsexpertin“ (Presse-Talk) doch zu einer eigenständigen Definition befähigt sein.
    MMn sollte in der Diskussion um eine Plagiat-Definition zunächst sich der Definition von wissenschaftlichem Fehlverhalten bzw. Guter wissenschaftlicher Praxis zuwenden und beide Begriffsebenen nicht ständig diffundieren lassen.
    Dank für den Artikel.

  2. Ein Beitrag

    Ich halte diese ganzen Definitionen für recht überflüssig. Eindeutige Plagiate erkennt man auch ohne eine solche Definition und bei umstrittenen Fällen helfen die Definitionen auch nicht weiter, da hier die Interpretation, ab wann etwas eine „fremde Leistung“, ein fremder „Gedankengang“ ist, von der Sichtweise des Gutachters abhängt und die Plagiatsdefinitionen sich darüber im Detail ausschweigen. Es wäre denke ich besser, wenn Frau Weber-Wulff Beispiele für die verschiedenen Plagiatsformen geben würde und dazu schreiben würde, dass in der Regel immer Einzelbetrachtungen/beurteilungen entsprechender Stellen benötigt.

  3. Eine Definition, und zwar eine operationalisierbare (d.h. in verschiedene einzeln und intersubjektiv überprüfbare Einzelaspekte zerlegbare), ist unverzichtbar. Das lässt sich nicht auf bloßes Meinen des Gutachters reduzieren. Man stelle sich vor, wie vor Gericht eine ins freie Belieben gestellte Meinung und ihre ebenso beliebige Gegenmeinung ausgeglichen werden sollen. Beliebigkeitsrhetorik ist aber auch bei Englisch zu finden (und bei den modernen Plagiatoren), da heißt es dann jeweils, dass man eindeutige Plagiate ja leicht erkennt, uneindeutige aber nicht: Wenn man auf objektive Definitionen verzichtet, bleibt vom Plagiat nur die Absicht des Plagiators, der dann stets behaupten kann „war keine Absicht“. „Grenzfall“ eben.

  4. Ein Beitrag

    Nein, egal wie man die Definition formuliert, es bleibt immer Interpretationsspielraum, siehe die Überlegungen im vorherigen Blogartikel zum Satz „Wasser kocht bei 100 Grad“, im Zweifelsfall bleibt es eine Einzelfalletscheidung des Beurteilenden.

  5. Die Subsumption eines Individuums unter eine Definition ist immer eine Einzelfallentscheidung („Ist dies dort ein Hund?“). Das ist aber kein Argument gegen eine möglichst genaue Definition (und kein Argument für die Verzichtbarkeit einer Definition).
    Definieren ist ein zentraler wissenschaftlicher Vorgang. Darauf zu verzichten macht die Subsumption eines Individuums unter eine Gruppe zu einer Glaubensfrage.

  6. Ein Beitrag

    „Eine Definition, und zwar eine operationalisierbare (d.h. in verschiedene einzeln und intersubjektiv überprüfbare Einzelaspekte zerlegbare), ist unverzichtbar.“

    Die Frage ist, gibt es im Moment eine Definition, die diese Vorgaben erfüllt? Wenn es sie gibt, scheint es dennoch keine allgemeine Anwendung zu geben, da man ja schließlich teilweise sogar an einer Universität unterschiedliche Definitionen und Sichtweise findet.

    Das alles bleibt sowieso ein rein theoretisches Konstrukt, so lange eine entsprechende Definition nicht als allgemeingültig festgelegt wird und sich somit kaum jemand daran hält.

  7. Ich nehme an, dass vor Gericht genau eine solche Definition zum Zuge kommt. Niemand anders als die Rechtsprechungspraxis kann so eine Definition als allgemeingültig festlegen.
    Was nun Unis angeht, die Plagiatoren unter Verwendung anderer Plagiatsdefinitionen (oder ohne Definition) freisprechen, da scheint mir das Problem zu sein, dass niemand gegen ein solches Universitätsvotum klagen kann. (Oder ist jemand klageberechtigt, tut es bloß nicht?) Deshalb muss ein Uni-Freispruch sich nicht an der in der Rechtspraxis etablierten Plagiatsdefinition überprüfen lassen.

  8. Ein Beitrag

    Logischerweise sind nur an einem Plagiatsfall beteiligte Personen und Institutionen klageberechtigt. Wer auch sonst?

  9. RA Bongartz

    Das kann auch dazu führen, dass ein als rechtsfehlerhaft zu erachtendes Urteil Bestand hat, da es keinen Klageberechtigten gibt, der an einer Anfechtung ein Interesse hätte. So nach meiner Beobachtung jüngst etwa geschehen im Falle A. zu P. …

  10. Galt van Wichpro

    Lieber Erbloggtes,

    Frau Weber-Wulff versteht nicht immer, was sie an anderer Stelle abschreibt… Vielleicht können Sie die nachfolgende Diskussion ja noch in den Text einbauen. Ich würde sie jedoch vor dem möglichen Verschwinden noch einmal über webcitation oder einen ähnlichen Dienst sichern…

    „Auch schön ist Paul Englisch in Meister des Plagiats, oder die Kunst der Abschriftstellerei “Plagiat ist also die aus freier 
Entschließung eines Autors oder 
Künstlers betätigte Entnahme eines 
nicht unbeträchtlichen Gedankeninhalts eines anderen für sein Werk in 
der Absicht, solche Zwangsanleihe nach ihrer Herkunft durch entsprechende Umgestaltung zu verwischen und den Anschein eigenen Schaffens damit beim Leser oder Beschauer zu erwecken.” 

Das steht zwar „Absicht“, aber nicht „Vorsatz“. Und diesen „Anschein eigenen Schaffens“ finde ich soooooo zutreffend. WiseWoman 20:02, 3. Jan. 2012 (UTC)

    „Absicht“ ist die stärkste Form des „Vorsatzes“ – dazu gibt es Bibliotheken an Rechtsliteratur. Die schwächste der Formen ist „Billigende Inkaufnahme“ (d.h. „bedingter Vorsatz“, in etwa im bürgerlichen Recht entsprechend der „groben Fahrlässigkeit“), dies nur ergänzend zur Klarstellung. –195.93.60.34 20:08, 3. Jan. 2012 (UTC)

    Ist aber auch eine Definition von 1933, die von Englisch … WiseWoman 20:20, 3. Jan. 2012 (UTC)

    Und die Definition der „Absicht“ als „bewusster Vorsatz“ eine bis heute geltende Formulierung aus dem Reichsstrafgesetzbuch von 1871 (in Kraft getreten am 1.1.1872)😉 –195.93.60.34

    Mag sein – aber wir diskutieren wissenschaftliche Redlichkeit. Geht es Ihnen besser, wenn ich Ihren Texte ohne „Vorsatz“ als mein eigener ausgeben und dafür Veröffentlichungen und Forschungsmittel bekomme? Ich meine nicht. Plagiat ist Plagiat, egal ob vorsätzlich oder nicht. Vorsatz kann höchstens interessant sein für die Bestimmung der Konsequenzen. WiseWoman 20:41, 3. Jan. 2012 (UTC)

    Völlig d’accord. Es ging mir – Verzeihung, gnädige Frau, das ich mich überhaupt äußerte – nur darum zu zeigen, dass „Absicht“ „Vorsatz“ ist, und dies seit 1872: Sie schrieben: „

Das steht zwar „Absicht“, aber nicht „Vorsatz“: Sorry, ich glaubte, Aufklärung wäre hilfreich. Sorry. –195.93.60.34 21:05, 3. Jan. 2012 (UTC)

    Danke, dann habe ich was gelernt – ich habe immer Absicht für sehr viel schwächer als Vorsatz gehalten. WiseWoman 22:15, 3. Jan. 2012 (UTC)“

    Quelle: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Forum:Dokumentation_von_Plagiaten

  11. Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

    Sehr geehrter Herr RA Bongartz,

    gern würde ich Sie beauftragen, meinen Doktortitel durch Einsatz aller Ihnen verfügbaren Mittel, notfalls bis zum letzten Argument, zurückzugewinnen. Mit der Staatsanwaltschaft bin ich einig geworden, so dass mir niemand mehr etwas vorwerfen kann. Der Titel ist im Alltag nur noch vereinzelt anzutreffen, im Eichenbach’schen Schloss etwa auf Bettwäschegarnituren und Silberbestecken. Ich hege, unabhängig vom Ausgang Ihrer advokatorischen Bemühungen, nicht die Absicht, den Titel wieder zu führen; ich möchte mir lediglich einen besseren Eindruck von Ihrer Kompetenz verschaffen.

    Ihr Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

  12. Ein Beitrag

    Wenn man sich bei einer Plagiatsdefinition auf die Maßgabe der Unterscheidung zwischen eigener und fremder Leistung stützt, ist es denke ich erforderlich zumindest so weit es geht auch zu definieren, was man als Leistung im Sinne einer wissenschaftlichen Arbeit definiert. Sonst gibt es Unklarheit.

  13. Wie sind wir jetzt dort angelangt?
    Mal so aus dem hohlen Bauch heraus: „Argumentation für eine These“ wäre wohl sowas wie das, was Englisch mit „Gedankeninhalt“ meint. Dann gibt es noch die sprachliche Form, die aber bei Umformulierungsplagiaten nicht kopiert ist.
    Darüber hinaus gibt es aber auch noch weitere eigene oder fremde Leistungen in der Wissenschaft, die man nicht vermischen sollte: Fremde Experimente, Datenerhebungen, Datenauswertungen usw. können alle zur eigenen „Argumentation für eine These“ herangezogen werden. Muss man nur angeben.

  14. Ein Beitrag

    Das klingt doch schon mal gut. Da ja über Plagiatsdefinitionen gesprochen wurde, sollte mein letzter Beitrag nur eine Art Denkanstoß sein, dass man für eine hinreichende Definition auch die Begriffe, die in einer solchen Definition möglicherweise enthalten sind, ebenfalls hinreichend definieren sollte (hinreichend ist natürlich wieder so ein Wort, welches man verschieden definieren kann :-D), um ein „inneres aufweichen“ einer Plagiatsdefinition zu vermeiden.

  15. Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

    Eben erfahre ich durch meinen Kraftfahrer Kossak, dass in Kürze ein Film ausgestrahlt werden soll, der Menschen wie mich und meine Gattin zum Gegenstande hat. Wie sich das geziemt (z.B. auch im analogen Fall der Sahnetorten-Attacke), werde ich mich glaubwürdig amüsiert zeigen – obwohl, soweit ich verstanden habe, das Werden meiner Schrift völlig schief dargestellt wird.

    Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

  16. Pingback: Pyrrhonismus in der Plagiatsdebatte | Erbloggtes

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