Die Überflüssigkeit der Qualitätspresse – Fallbeispiele aus Spiegel, SZ und FAS

Erübrigt es sich eigentlich bald ganz, Traditionsmedien zu konsultieren, wie die heute noch euphemistisch „Qualitätsmedien“ genannten journalistischen Verlagsproduktionen dann heißen werden? Liebhaberei und Presseforschung wären die einzigen verbleibenden Gründe, ein Zeitungsabo (auch dieses Wort wird rasch vergessen sein) zu halten. Heute schon sind etwa Verlinkungen auf die Onlineausgaben derartiger Printprodukte häufig überflüssig, wo überhaupt möglich. Das macht das Inkrafttreten des Leistungsschutzrechts (LSR) am 1. August 2013 natürlich weniger schmerzhaft. Die Relevanz der Presse schleicht sich langsam aus. Damit erübrigt sich dann auch die Art alltäglicher Medienkritik, die heute noch nötig scheint:

Spiegel und Süddeutsche kann man sich sparen

So wie im Fall der Zeitschrift Der Spiegel, die unter dem Titel „Dunkle Phantasien“ eine Geschichte über Prostitution gemacht hat. Einst „Sturmgeschütz der Demokratie“ genannt, bliebe, wenn man ehrlich ist, heute wohl nur die Bezeichnung als „Sturmgeschütz konservativer Repressionspolitik“. Man sollte es sich (er)sparen, überhaupt zu lesen, was Der Spiegel mit einer Auflage von fast 900.000 Exemplaren schreibt. Wer wohlinformiert sein will, dem reicht auch die ausführliche kritische Nachbetrachtung einer Betroffenen, die den jüngst mit großer Mehrheit angenommenen Piraten-Programmantrag „Stärkung der Rechte Prostituierter“ ausarbeitete und der Zeitschrift Rede und Antwort stand.

Heute lässt sich durch solche detaillierten Stellungnahmen Gegenöffentlichkeit herstellen, wenn Traditionsmedien einseitig informieren (Euphemismus für desinformieren). Das können nicht nur Piratinnen, das kann auch die CSU-MdB Dagmar Wöhrl. Sie fühlte sich von der Süddeutschen Zeitung (SZ) in mehreren Fällen gejagt und reagierte durch Veröffentlichung der Presseanfragen samt ihrer Antworten auf ihrer Homepage: „Jeder kann sich dann selbst ein Bild machen, was die Medien daraus für eine Berichterstattung machen“.[1] Das gefällt der SZ natürlich überhaupt nicht. Also missbraucht sie das Urheberrecht (an den Recherche-Fragen – lächerlich!), um Wöhrl solche Veröffentlichungen zu untersagen.[2] Wöhrl erhält damit Gelegenheit, sich wirksam als widerständiges Opfer zu stilisieren. Unabhängig davon, ob ihr das bei der nächsten Wahl nützt, erscheint ziemlich klar, dass es der SZ und den Traditionsmedien insgesamt schadet.

Ihre hervorgehobene Position als „die Öffentlichkeit“ oder zumindest deren Gatekeeper ist futsch. Transparenz und Information als Bedingungen der Demokratie verhindern sie zuweilen eher als sie zu ermöglichen. Wenn Journalisten ihr Versagen (es kommt natürlich auf die Maßstäbe an) gegenüber Kritikern rechtfertigen wollen, sagen sie gern Sätze wie: „Journalisten lassen sich nicht vorschreiben, wie sie gefälligst zu berichten haben. Wär ja noch schöner.“[3] Von wem sie sich tatsächlich vorschreiben lassen,[4] wie sie zu berichten haben, bemerken sie offensichtlich gar nicht.

Was die Frankfurter Allgemeine zur Demokratie beiträgt

Ebenfalls nicht verlinken muss man eine Geschichte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) über Bundestagsabgeordnete, die ihr Hochschulstudium abgebrochen haben. Darin drückt sich ein gehässiges Ressentiment der „bürgerlichen“ „intellektuellen“ Zeitung gegen die nicht ihren Normen entsprechenden MdBs aus. Für die Leser des Blattes mag das der psychischen Kompensation des Umstandes dienen, dass sie selbst ihre Bildung erfolgreich beendet haben, während andere ohne diese Errungenschaft ihnen durch Gesetzesbeschlüsse nun vorschreiben können, wie sie sich zu verhalten haben. Das ist natürlich empörend für die FAS-Elite und hier etwas näher zu betrachten:

  • Markus Wehner: Ein Makel im Lebenslauf. Deutsche Spitzenpolitiker verschleiern ihre Studienabbrüche. In: faz.net, 26. Mai 2013.

„Joschka Fischers höhere Qualifikation: ein Taxischein“, plakatiert das Blatt, und etwa dieses Bildzeitungsniveau hat der Artikel weit überwiegend (dazu später mehr). Ein Vorzug sei aber nicht verschwiegen: Politiker werden darin als Menschen mit Lebensläufen und Entscheidungen dargestellt, wie sie alle anderen auch kennen. Und dann werden diese Politiker verächtlich gemacht: Abstruse Berufsangaben wirft man ihnen vor. Denn „Es gibt Berufe, die nicht geschützt sind, Geschäftsführer oder Journalist.“ Jedoch will sich „Journalist“ offenbar keiner der Parlamentarier ohne Abschluss nennen, warum nur? Auf die Frage, warum es im Bundestags-Lebenslauf nicht akzeptabel sein soll, „Berufspolitiker/in“, „Abgeordnete/r“ oder Ähnliches anzugeben, kommt die FAS jedoch nicht, obwohl doch als Berufsangaben auch Funktionen wie „Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages“ dort gebräuchlich sind.

Sodann fordert die FAS, in MdB-Lebensläufen die Worte „ohne Abschluss“ an die Erwähnung eines Studiums anzufügen, da es nicht ausreiche, dass da, wo alle Abschlussinhaber ihren Abschluss hinschreiben, eben kein Abschluss vermerkt sei. Am liebsten wäre ihnen offenbar ein Stempel an dieser Stelle: Studienabbrecher sind Versager. Mehr als konservativ-akademischer Standesdünkel steckt hinter solchen Suggestionen freilich nicht. Sie dienen bloß dazu, dem FAS-abonnierenden Studienrat das wohlige Gefühl zu geben, dass er nicht allein sei mit seiner Verachtung für die ungebildeten Schichten – vor allem die Politiker. Denn Politik verdirbt den bürgerlichen Charakter, so das schlichte und klassisch-deutsch-obrigkeitliche Fazit des Artikels.

Blinde Flecken

Dass „35 Abgeordnete oder 5,6 Prozent aller Parlamentarier des Bundestags ihr Studium abgebrochen“ hätten, breitet die Zeitung genüsslich aus. Dass die Studienabbruchquoten in Deutschland meist zwischen 20 und 30 Prozent liegen, muss von einem Qualitätsblatt natürlich nicht eigens erwähnt werden. Das kann man ja in der Wikipedia nachlesen. Dort wird man auch weitaus besser über die Gründe für einen Studienabbruch informiert, sowie über den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Studienabbruch. Aber das muss den FAS-Leser ja nicht interessieren.

Was den FAS-Leser hingegen dringend interessieren muss, sind die Namen der CDU/CSU-Abgeordneten, die sich weigerten, auf die FAS-Anfrage zu antworten. Von fünf Angefragten antwortete nur einer. Warum nur? Vielleicht weil klar ist, worauf eine solche Anfrage hinaus läuft, auf einen Pranger wegen Nichterfüllung spießbürgerlicher Wertvorstellungen? Die FAS zuckt nicht mit der Wimper, als sie schreibt: „Eines Tages machte die ‚Bild‘-Zeitung seine Studentenkarriere zum Großthema.“ Bei Tieren gilt es als Zeichen von höherem Bewußtsein und Intelligenz, wenn sie sich selbst in einem Spiegel wiedererkennen. Die FAS würde einen solchen Spiegeltest offenbar nicht bestehen.

Zwei Anmerkungen sind dazu noch zu machen: Erstens wäre es sinnvoll, die Grundrechenarten zu beherrschen, wenn man anderen Menschen Defizite in der Hochschulbildung vorhalten will. Wenn die FAS schreibt „das Schlusslicht, die CDU/CSU-Fraktion, [kommt] immerhin auf acht [Studienabbrecher] (3,6 Prozent)“, dann muss man die 8 Abbrecher durch die 237 Abgeordneten dieser Fraktion[5] teilen. 8:237 ergibt laut einem handelsüblichen Taschenrechner 0,0337552742616034. Daraus ergibt sich ein Anteil von gerundet 3,4 Prozent. (Warum wurden eigentlich zwei der angeblichen acht CDU/CSU-Abbrecher weder um eine Stellungnahme gebeten noch namentlich erwähnt?) Wenn die Zeitung nichtmal die simpelsten und von jedem selbst zu überprüfenden Tatsachen richtig darstellt und sorgfältig überprüft, wieso sollte man ihr dann Sachverhalte glauben, die man nicht selbst überprüfen kann?

Zweitens wird das Naheliegende nicht erwähnt: Während es allgemein und nach vernünftigen Maßstäben nicht gegen moralische Grundsätze verstößt, ein Studium nicht abzuschließen, ist Wissenschaftsbetrug zum Studienabschluss durchaus als ehrenrührig anzusehen. Da der Grüne Omid Nouripour eine grundständige Promotion als ersten Studienabschluss plante (über „den Heimatbegriff in der deutschsprachigen Literatur […] von Heinrich Heine bis Feridun Zaimoglu“), dies aber verzögerte, bis die Möglichkeit der grundständigen Promotion abgeschafft war, hat er immerhin nachgewiesen, dass er nicht bereit war, Promotionsbetrug zu begehen, um sich einen Studienabschluss zu erschleichen. Er hat so gewissermaßen Charakter bewiesen. Der Schavan-Freundin FAZ fällt das natürlich auch in der Sonntagsausgabe nicht ein, sonst müsste sie ja auch den einzigen bekannten Fall einer Abgeordneten erwähnen, die seit der Doktoraberkennung aufgrund ihrer plagiierenden Vorgehensweise ohne Studienabschluss dasteht. In deren Bundestagsprofil ist übrigens die phantastische Berufsbezeichnung „Kultusministerin a. D., Bundesministerin für Bildung und Forschung a.D.“[6] verzeichnet. Immerhin steht da nicht „Theologin“ oder „Honorarprofessorin“ als Beruf. Aber das ist eine andere Geschichte.

———————————————————

Advertisements

13 Antworten zu “Die Überflüssigkeit der Qualitätspresse – Fallbeispiele aus Spiegel, SZ und FAS

  1. hihi,

    ich habe letztens einen schulabbrecher im fernsehen gesehen, der fand den unterricht soooo öde, weil er lieber programmiert hat. dann hat er ein programm geschrieben, es vor zwei wochen an yahoo verkauft und dafür eine milliarde kassiert 😉

    ich hab‘ übrigens auch das studium abgebrochen, weil ich diesen ti 99/4a einfach spannender fand und irgendwie ja eine tochter durchbringen musste.

    wobei, heute ärgere ich mich ein bißchen, weil ich geschichte jetzt spannender finde als computer …. aber was soll man machen?

    am besten beides, oder?

  2. Auf jeden Fall beides! Deshalb reden wird doch vom Strukturwandel der Arbeitsgesellschaft, wo kaum jemand noch nur einem bestimmten Beruf, und das ein Leben lang, nachgeht. 1846 hat man sich diesen Strukturwandel wie folgt vorgestellt. Heute muss man Computer mitdenken.

    „Sowie nämlich die Arbeit verteilt zu werden anfängt, hat Jeder einen bestimmten ausschließlichen Kreis der Tätigkeit, der ihm aufgedrängt wird, aus dem er nicht heraus kann; er ist Jäger, Fischer oder Hirt oder kritischer Kritiker und muß es bleiben, wenn er nicht die Mittel zum Leben verlieren will – während in der kommunistischen Gesellschaft, wo Jeder nicht einen ausschließlichen Kreis der Tätigkeit hat, sondern sich in jedem beliebigen Zweige ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und mir eben dadurch möglich macht, heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden.“ (MEW 3, S. 33)

    Nur das mit den Tageszeiten, das muss man angesichts elektrischen Lichts und günstigeren Nachtstroms nochmal überdenken. 😉

  3. so isses …

    wir leben in der tollsten … und gleichzeitig erschreckendsten zeit, die man sich nur denken kann. daß sich die albernen mainstreammedien wie verklemmte nonnen den ganzen tag über sex auslassen, gehört zu den bizarrsten apercues, aber man muss den mist ja nicht lesen. geschweige denn noch ernst nehmen.

    nur die dinge haben eine bedeutung, denen wir sie noch zumessen.

    die leute, die bei den Deutschen Wirtschafts „Nachrichten“ kommentieren, haben das längst aufgegeben und toben sich dort ungeniert aus und wenn man die kommentare bei den „qualitätsmedien“ liest, die (angebliche) leserschaft doch auch längst keinen respekt oder vertrauen in das gelesene.

    das dumme an der gegenwart ist ja, daß sie geschichte in progress ist: wir sitzen in einem fahrenden zug und reden (noch) über das interieur des abteils, statt die aussicht und das tempo zu geniessen.

    uns interessiert doch nicht mehr, ob jemand als nutte arbeitet, sein studium abbricht oder zuhause einen folterkeller betreibt. das interessiert nur die verklemmten spießer beim spiegel oder bei der FAZ.

    und die nicht minder verklemmte leserschaft eben. aber, mal ehrlich, die sind doch nicht mehr unser problem, eher die, denen selbst das noch zu schnell ist und die denken, schon aus dem meer zu kriechen sei eine schlechte idee gewesen.

    wir leben in einer extremst vielfältigen welt und nur auf die ######## zu starren, stiehlt uns die zeit, versaut uns nur den genuss an all dem wunderbaren, was oassiert und verrückt auch auch ein bißchen die perspektive oder den blick auf’s wesentliche: dieser planet macht gerade einen riesensatz und die ganze sch####e, die so passiert, soll uns nur dazu zwingen, vier schritte zurück zu gehen und zuflucht bei den „oberen“ zu suchen, die uns gegen dieses tempo und die toleranz „in schutz zu nehmen“.

    die uns ja nur „zivilisieren“ möchten. das ist sooooo süß. aber man sollte eben nicht darauf hereinfallen, weil der verdammte planet nämlich jetzt _uns_ gehört, die haben das bloß noch nicht kapiert.

    und wir leider manchmal auch nicht.

    ach ja: ich habe gerade in deiner stammkneipe einen oolong getrunken und bin für einen kleinen nackttanz auf den tisch geklettert 😉

    grüße!

  4. Mal ein bisschen Kritik an deiner Kritik:

    Es gibt ja auf die FAZ-Geschichte von den Bundestagsabgeordneten als Studienabbrecher auch eine andere Perspektive, die mir spontan einfiel. Ich kenne den Artikel nicht, insofern, weiß ich nicht, ob er diese Perspektive einnimmt.

    Man könnte ja am Lebenslauf der Abgeordneten kritisieren, dass sie ein Studium angeben und so der Eindruck entstehen könnte, dass sie es abgeschlossen hätten. Die Kritik könnte jedoch nicht bürgerlich sein, sondern gerade aus anderer Richtung kommen, nämlich dass diese Suggestion bewirken soll, dass geringer gebildete Nicht-Akademiker sich unterlegen fühlen. Die Abgeordneten glänzten also mit einem Studium, um sich über andere zu erheben, was jedoch unredlich wäre, weil eben keinen Abschluss erlangt haben. Das heißt sie sind „auf dem Papier“ nichts anderes als ein anderer Bürger mit Berufsausbildung oder auch ohne oder was auch immer. Diese Ungleichheit in den Köpfen aufzuheben wäre ja durchaus ein vernünftiges Anliegen.

    Wie gesagt, ich weiß nicht, ob das vom Artikel gedeckt wird, aber ich fände das keinen schlechten Ansatz.

  5. Ich habe schon vor dem Abitur hingeschmissen, weil ich meiner Auffassung nach in der Schule bloß dümmer werden konnte.
    Bin seit Jahrzehnten derselben Auffassung geblieben.
    Fürs Schelten von Traditionsmedien reichts aber (bei den Vorlagen auch nicht die schwerste Übung):
    „Zwangsräumungen: Falsches Spiel mit dem Tod einer Rentnerin“:
    http://wohnstreik.blogsport.eu/?p=428
    „Wollte Rosemarie Fliess “sich nicht helfen lassen”?“
    http://wohnstreik.blogsport.eu/?p=327
    Grüße aus dem Wohnstreik!

  6. Stimmt, Chris, dafür braucht man echt kein Studium. Studium braucht man auch nicht, um Abgeordneter zu sein und als solcher „sich über andere zu erheben“, wie Addliss schreibt. Die FAZ erwähnt es gar nicht erst, dass es auch viele nichtstudierte MdBs gibt (>10%, d.h. min. doppelt so viele wie Abbrecher, die ja, wie du richtig anmerkst, Addliss, auch irgendwie Nichtstudierte sind), außerdem die Statusgruppe „in Ausbildung“. Mit der Abgeordnetenstatistik hier hätte man bestimmt interessante Dinge berichten können. Etwa wenn bei den Berufen steht:
    Hausfrauen/Hausmann 2
    arbeitslos, ohne Berufsausübung –
    Ausbildung (Schüler, Auszubildende, Studierende u. ä.) 9
    Keine (verwertbaren) Angaben 32
    Z. B. Was bedeutet es, dass ein Strich bei „arbeitslos, ohne Berufsausübung“ ist, aber 32 unverwertbare Angaben? Und welcher Kategorie ist die Berufsangabe „Kultusministerin a. D., Bundesministerin für Bildung und Forschung a.D.“ zuzuordnen, wenn nicht „ohne Berufsausübung“? Und warum gibt es bei 2 Abgeordneten mehrere Hausfrauen, aber nur einen Hausmann?

    Zur Interpretation eines im Lebenslauf fehlenden Hochschulabschlusses siehe auch, in einem anderen Kontext, ein Artikel über die NRW-Gesundheitsministerin (mit Kommentar von mir zu ihren Studienabbrüchen).

  7. Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

    Freilich wäre hier nun ein „kraftvolles Wort“ zur bzw. gegen die Überbewertung bzw. Fehleinschätzung von Berufsabschlüssen erforderlich. Überlegungen dazu ergäben genug Stoff für eine eigenständige Stellungnahme oder eine ganze Folge von Stellungnahmen, die ein Wolfgang Amadeus Mozart hätte gewiss schreiben können, vielleicht sogar geschrieben hat.

    Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

  8. Sehr richtig, Herr von Eichenbach! Was soll man sich um einen Abschluss scheren, wenn man doch auch ohne ein Millioneneinkommen haben kann. Schließlich kommt es auf die Leistung an, und die diktiert der Genius, nicht der Prüfungsausschuss. Oder die hohe Geburt.

  9. Wohl am ehesten Letztes. Ich habe fertig studiert – wenngleich ich die 12. Klasse wiederholt, uuuuund Zivildienst geleistet habe (Ich denke, dies reicht auch, um dem geneigten FAZ/FAS-Leser einige Verbal-Entgleisungen zu entlocken) – dennoch bin ich arbeitslos. Ein guter Abschluss garantiert heute schon lange nichts mehr. Und schon lange ist nicht mehr nur Leistung für Erfolg von Belang.

  10. Bundesministerin für Bildung und Forschung Dr. Johanna Wanka nahm dazu am 15. Mai 2013 im Bundestag Stellung:

    „Ich sage jungen Leuten, egal ob sie studieren oder etwas anderes machen, immer wieder, dass sie in einer privilegierten Situation sind. Daraus müssen sie etwas machen. Dazu müssen sie den Willen haben.“

    Ist ja klar: Egal wer, alle sind sie privilegiert. Nichtmal auf Leistung hebt sie ab, sondern entscheidend sei der Wille.

  11. Gerald Fix

    Max Goldt hat das so ähnlich gesagt:
    „Das dreimal zu sagende Zauberwort unserer Tage lautet nämlich keineswegs ‚Bildung, Bildung, Bildung‘, sondern ‚Interesse, Interesse, Interesse‘, und Interesse bedeutet zunächst immer Interesse an der nächsten Umgebung.“
    Max Goldt, Die Chefin verzichtet auf demonstratives Frieren, aus: Die Chefin verzichtet, Texte 2009 – 2012, Rowohlt Berlin Verlag.

  12. @Erbloggtes: Super! Ich fühle mich derart privilegiert. Über diese gesamte Privilegierung habe ich offenbar übersehen, dass ich nur einen starken Willen benötigt hätte…

  13. Pingback: Umleitung: Netzidentitäten, Büro-Romane. Klaeden korrupt? Journalisten korrupt? Qualitätspresse überflüssig? HuffPost Zukunft? WR oder PR? Und eine Menge mehr … | zoom

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s