Entgegnung zum Vorwurf des Alltagsrassismus im VroniPlag Wiki

Erhitzte seinerzeit eine Rassismusdebatte die Gemüter der Plagiatsjägerszene, so nutzt VroniPlag-Administrator Plagin Hood die durch Zeitverlauf eingetretene Abkühlung, um die damals vorgetragenen Argumente eingehend auf ihre Substanz zu untersuchen. Erbloggtes macht sich die folgende Darstellung nicht zu eigen, empfiehlt sie aber zur Lektüre:

Hintergrund

Vor längerer Zeit wurden Rassismusvorwürfe und Spekulationen über Rasterfahndungsmethoden gegen das VroniPlag Wiki laut, führten zu eskalierenden Debatten und wurden Monate später an anderer Stelle noch einmal wiederholt. Anlass waren Einzeläußerungen sowie eine Anzahl an Plagiatsfällen, bei denen die Namen der Verfasser einen Migrationshintergrund vermuten lassen. Auf die Vorwürfe hatte ich empört mit mehreren (unveröffentlichten) Kommentaren reagiert. Erbloggtes hatte vorgeschlagen, die Kommentare als ausgearbeitete Entgegnung zu veröffentlichen.

Nach einer zunehmend freundlicheren und entspannten Emailkonversation mit Erbloggtes habe ich meine Darstellungen noch einmal überarbeitet und gebe sie hier zur Veröffentlichung frei. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich hier nur meine persönliche Sichtweise wiedergeben und nicht für das Wiki sprechen kann und dies auch nicht mit anderen Wiki-Mitwirkenden abgesprochen habe. In einem gemeinschaftlich, jedoch nur lose organisierten Wiki gibt es üblicherweise kein Kommunikationsmanagement. Auch im VroniPlag Wiki wäre dies (aus meiner Sicht) in letzter Konsequenz nicht praktizierbar.

So wie ich Erbloggtes mittlerweile verstehe, meinte er mit dem Begriff „Alltagsrassismus“ eine Form der Diskriminierung, die alltäglich und vielerorts in der Gesellschaft zu Tage tritt, und von der sich vielleicht kaum jemand völlig freisprechen kann. Darunter fallen z. B. alberne Witze und dumme Sprüche über Nationalitäten, aber auch anderweitige, ggf. auch unbewusste Bedienungen von einschlägigen Clichés, was nicht notwendigerweise in ausländerfeindlicher Absicht geschehen muss. Unabhängig davon kann ein ein Cliché-verhaftetes Denken auch leicht zum Ansatzpunkt von Rassismusvorwürfen gemacht werden.

Zur Sache mit den Sprichworten

Ein VroniPlag-Mitwirkender wurde für zwei in vietnamesischer Landessprache wiedergegebene Sprichworte kritisiert. Ich kann es nachvollziehen, wenn sich derjenige dazu nicht äußern möchte, wenn er die gemachten Vorwürfe für abwegig hält, keine Lust auf anstrengende Diskussionen hat und diese nicht weiter befeuern will. Ich fühlte mich unwohl in der Rolle eines selbsternannten Anwalts und lege hier nur einfach meine eigene Sichtweise dar:

Die Inhalte der Sprichworte bezogen sich (unabhängig vom vietnamesischen Ursprung) klar auf den vorherigen Diskussionsinhalt, der sich aus dem zugehörigen Thread im VroniPlag Wiki erschließt. Vielleicht fand er die Sprichworte einfach interessant oder passend oder meinte, so besser zum Diskussionsgegenüber durchdringen zu können. Wollte man einen Kontext zu Mentalitätsunterschieden zwischen Deutschen und Migranten herstellen, so gäben die Sprichwortinhalte meiner Meinung nach eher einen Hinweis darauf, dass in der Idealeinstellung zu Plagiaten gar kein Unterschied zwischen Deutschen und Vietnamesen existierte (was einem Rassismusvorwurf widerspräche). Ich glaube, dem Betreffenden wäre es nicht in den Sinn gekommen, dass ihm dies fremdenfeindlich ausgelegt werden könnte. Ich finde es jedoch verwerflich, wenn solche Vorwürfe (ob berechtigt oder unberechtigt) instrumentalisiert werden. Falls sich damit jemand angesprochen fühlt, wird er oder sie auch wissen, warum.

Zur Häufung von Plagiatsfällen von Verfassern mit potenziellem Migrationshintergrund

Es wurde gemutmaßt, dass Untersuchungen der Dissertationen von Personen mit fremdländisch klingenden Namen im VroniPlag Wiki (bewusst?) bevorzugt würden. Auch der Verdacht von Rasterfahndungsmethoden, die möglicherweise vermehrt zu solchen Plagiatsfällen führen könnten, stand im Raum.

Unabhängig davon, ob tatsächlich ein Migrationshintergrund vorliegt oder nicht, habe ich die VroniPlag-Fälle einmal sortiert nach Namen, die meiner Meinung nach einen Migrationshintergrund nahelegen und solchen, bei denen mir dies unwahrscheinlich vorkommt oder jedenfalls nicht zwingend genug, um das zu mutmaßen. Dies beinhaltet natürlich einige Schwierigkeiten. Grundsätzlich gibt es manche Namen in vielen Ländern, ggf. mit anderer Schreibweise. Man könnte auch fragen: Wie „deutsch“ kann ein Name überhaupt sein?

Bei folgenden Fällen wäre aus meiner Sicht kein Rückschluss auf einen potenziellen Migrationshintergrund möglich: Vs, Mcp, Skm, Ub, Sh, Jg, Ah, Mw, Dv, Ut, Pes, Dd, Awb, Mh, Ahg, Bf, Jam, Psc, Tr, Mb, Ch, Raw, Ld, Ab, Cmg, Tj, Rm, Ees, Jkr und Ks. (Die Abkürzungen entsprechen den verwendeten VroniPlag-Kürzeln, siehe hier.) Eine Rückschlussmöglichkeit auf einen potenziellen Migrationshintergrund oder ausländischen Verfasser sehe ich bei folgenden Namen: Gc, Bds, Mm, Cs, Nk, Lm, Aos, Nm, Jpm, Rh, Qf, Dm, Tn, Apa, Ht, Hta und Df, wobei es in einigen Fällen klar ist. Berücksichtigt sind dabei nur die Fälle, die auf die VroniPlag-Homepage aufgenommen worden sind. Ausländische Universitäten (nicht zwangsläufig Verfasser) betreffen Nm, Df, Cs und Rm.

Die Quote von Verfassern, bei denen es sich rein dem Namen nach mutmaßlich um Migranten oder Ausländer handelt, läge demnach aktuell bei 36,17%. Bevor die o. g. Vorwürfe erhoben wurden, wurden 4 Fälle von Verfassern mit mutmaßlichem Migrationshintergrund in Folge auf der Homepage verlinkt und die Quote betrug nach obiger Namenssortierung 38,88%. Kurz darauf, nach Aufnahme zweier weiterer Fälle (davon einer „deutsch“), war sie vorübergehend auf den zwischenzeitlichen Höchststand von 40,54% gestiegen. Die Reihenfolge, in der die Untersuchungsergebnisse mit Klarnamen auf der Homepage verlinkt worden sind, ist nicht identisch mit der Reihenfolge, in der die Untersuchungen begonnen wurden. Zur Bewertung dieser Quoten habe ich etwas im Internet recherchiert, wenngleich nur oberflächlich, und die Ergebnisse im Folgenden zusammengefasst:

Grundsätzliches zur Einordnung von Daten, Quellen und Problematik in der Definition

Nach erstem Eindruck gibt es beim Vergleich von Promotionen mit anderen Hochschul- und sonstigen Ausbildungsabschlüssen eine außerordentlich hohe Diskrepanz im Anteil von Personen mit Migrationshintergrund. Promotionen weisen dabei einen deutlich höheren Anteil von Absolventen mit Migrationshintergrund auf. Man muss aber sehr genau hinschauen:

Viele Quellen berücksichtigen nur den Ausländeranteil, nicht aber den sonstigen Migrationshintergrund und geben dies nicht immer an. Wieder andere Quellen unterscheiden nicht zwischen Promotionen und anderen Hochschulabschlüssen. Manche Quellen differenzieren nach bestimmten Definitionen, z. B. eingebürgerte Studierende, deutsche Studierende mit mindestens einem Elternteil ausländischer Staatsangehörigkeit, doppelt Staatsangehörige, ausländische Studierende, die erst zum Studium nach Deutschland kamen, Bildungsinländer und Bildungsausländer bzw. „Bildungsmigranten“, Migranten 1., 2. und 3. Generation, Aussiedler und Spätaussiedler. Aufgrund des beständig zunehmenden Anteils von Promovenden mit Migrationshintergrund führt es je nach Erhebungsdatum zu deutlichen Unterschieden, ob die Zahlen der Promovierten oder der Promotionsstudenten als Grundlage herangezogen werden. Große Unterschiede gibt es auch nach Fachgebieten, Region und Art der Universität. Dazu heißt es einer Studie des BMBF (2009):

„In einer ganzen Reihe von Merkmalen unterscheiden sich Studierende mit Migrationshintergrund […] Sie studieren ganz überwiegend an Hochschulen in den alten Ländern, häufiger in Fächern aus dem Bereich der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.“[1] (Daten dazu auch hier.)

Bei einer geringen Stichprobe mit z. B. einem übermäßigen Anteil bestimmter Fachrichtungen können somit deutliche statistische Abweichungen auftreten. Einem Arbeitspapier von Rico Rikotte (März 2012, Hrsg. Hans-Böckler-Stiftung) zufolge „ermöglichte der Mikrozensus im Jahr 2005 überhaupt erst, Daten zu Bildungsinländerinnen und Bildungsinländer [sic] mit Migrationshintergrund auszuwerten, da hier der bis dahin praktizierte Bezug ausschließlich auf Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit zum ersten Mal aufgehoben wurde.“[2] Weiterhin schreibt Rikotte: „Der Begriff von Menschen mit Migrationshintergrund ist hochsensibel und fasst ‚unsinnig‘ eine heterogene Zielgruppe zusammen.“ Dies verdeutlicht die Problematik, zu definieren, wer als Migrant zu berücksichtigen ist.

Zahlen

Rikotte schreibt: „Statistisch steigt die Zahl der Studierenden mit Migrationshintergrund stetig an, sie stellen momentan bis zu einem Fünftel aller Studierenden an den deutschen Hochschulen.“ Dies liegt nahe am Gesamtanteil der Bevölkerung mit „Migrationshintergrund im engeren Sinne“, der laut Destatis bzw. Mikrozensus 2011 19,5% betrug.[3] In dort verlinkten Inhalten wird feiner nach Altersstruktur aufgeschlüsselt, was keineswegs unwesentlich ist. Rikotte nennt Quoten von DoktorandInnen mit Migrationshintergrund von 33,3% unter Berufung auf „CEWS 2008 nach Mikrozensus 2005” sowie von 29,9% unter Berufung auf „Stat. Bundesamt 2009 bzw. DAAD: Wissenschaft Weltoffen 2009”. Auch Workshop-Materialien von A. Löther vom Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften berufen sich auf „Mikrozensus 2005”. In einer Grafik ist darin ein Anteil der DoktorandInnen mit Migrationshintergrund von etwa 34% dargestellt, wovon etwa 28% im Ausland geboren sind und etwa 6% im Inland geboren sind.

In einer anderen Grafik wird die zeitliche Entwicklung des Ausländeranteils (nicht des Migrantenanteils) dargestellt, angefangen von etwa 9% bei Studierenden bzw. 7% bei Promotionen im Jahre 1999 bis ca. 12% (Studierende) und ca. 14,5% (Promotionen) im Jahre 2009 (Tendenz steigend).[4] In den von mir bislang eingesehenen Datensätzen des Mikrozensus wurde leider nicht zwischen Universitätsabschluss (allgemein) und Promotion getrennt. Dies wäre also noch genauer nachzuprüfen. Man findet andernorts auch fachspezifische Angaben zur Thematik. Im Fach Chemie wird z. B. der Anteil in Deutschland promovierter Ausländer (wohlgemerkt: Ausländer, nicht Migranten) in einem Bericht vom Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V. für das Jahr 2006 nach GDCh mit 25% angegeben. Wörtlich heißt es:

„Offensichtlich – so die GDCh – kommen in erster Linie fortgeschrittene ausländische Studierende nach Deutschland, um ein Master-Studium oder eine Promotion zu absolvieren.“[5]

In einigen Institutionen kann der Ausländeranteil überaus hoch sein. Die Max-Planck-Gesellschaft schreibt beispielsweise auf ihrer Homepage mit Bezug auf den 1.1.2013 als Stichtag: „Bei den Doktoranden kommen 48,8 Prozent aus dem Ausland.“[6] An Graduiertenkollegs überwiegt offenbar nicht selten der Anteil an Promovierten ausländischer Herkunft deutlich.

Vergleich und Bewertung

Sollte eine der drei obigen Zahlen (33,3%, 34% oder 29,9%) zutreffen, dann läge die Anzahl der Fälle von Verfassern, die einen Migrationshintergrund haben oder Ausländer sind, bei der geschätzten VroniPlag-Quote von 36,17% (mutmaßlich, nur nach Namen) anteilig höchstens 2-3 Fälle über der zu erwartenden Anzahl. Anders ausgedrückt, wären unter Berücksichtigung der Änderung der Gesamtanzahl maximal 5 Fälle von Verfassern mit Migrationshintergrund „zu viel“ dabei, oder es müssten maximal 10 weitere Fälle von Nichtmigranten hinzugenommen werden, damit die Quote den untersten Wert von 29,9% unterschreitet. VroniPlag Wiki ist allerdings auch nicht national beschränkt. Es gab mehrfach Einsendungen aus dem Ausland, und in mindestens einem Fall (Nm) führte dies auch zur Aufnahme auf die Homepage. Das Wiki verweigert sich solchen Fällen nicht, und wäre es international aufgestellt, wären „ausländische Fälle“ naturgemäß in der Überzahl. Die o. g. Quote berücksichtigt u. a. auch den polnischen Fall Cs sowie den Schweizer Fall Df als „ausländische Fälle“. Es erscheint mir allerdings abwegig, Fälle aus dem deutschsprachigen Ausland (in diesem Fall Schweiz) für die These eines praktizierten „Alltagsrassismus“ heranzuziehen.

Zu bedenken ist, dass viele Fälle aus ganz verschiedenen Gründen entdeckt, gemeldet und dokumentiert worden sind. Der Fall Aos ist beispielsweise aufgefallen, weil der Verfasser vom gleichen Doktorvater wie im Fall Jg betreut worden ist. Bei sehr offensichtlichen Mängeln in der Bewertung einer Arbeit ist es sehr naheliegend, weitere Arbeiten vom gleichen Institut zu sichten. (Dies haben Mitwirkende in einigen Fällen getan, und das hat nichts mit Rasterfahndung zu tun.) Auch die Fälle Ht und Hta (beide betreffen denselben Verfasser) sind im Zuge weiterer auffälliger Arbeiten an einem Institut untersucht worden (andere das Institut betreffende Fälle sind derzeit allerdings nicht auf der Homepage verlinkt).

Allen drei zuvor genannten Fällen sind nach obiger Sortierung Verfasser mit mutmaßlichem Migrationshintergrund zuzuordnen. Ähnlich sind die Fälle Psc, Tr und Mb in Folge des Falls Jam dokumentiert worden, diese jedoch bei Verfassern ohne mutmaßlichen Migrationshintergrund. Weitere Fälle waren Plagiatsvettern, -nachfolger und -vorgänger und sind deshalb entdeckt und dokumentiert worden, z. B. Apa/Ch. Tj ist aufgefallen, weil in einer Internet-Rezension Plagiatsvorwürfe erhoben wurden. (Vor der Aufnahme auf die Homepage des VroniPlag Wikis war diesen Plagiatsvorwürfen nicht anderweitig nachgegangen worden.)

Bei sehr vielen Fällen sind die Verfasser Politiker/Prominente, was in der Anfangszeit des Wikis (und auch noch lange danach) das wichtigste, lange Zeit sogar das einzige mehrheitlich befürwortete Kriterium war (bei diesen Fällen ist die Quote von Migranten zu Nichtmigranten unterdurchschnittlich im Vergleich zu den anderen Fällen). Der weitaus überwiegende Anteil an Fällen ist von Whistleblowern gemeldet worden. Dies ist z. B. auch in einem weiteren Fall, der ebenfalls eine Verfasserin mit mutmaßlichem Migrationshintergrund betrifft, anhand der Einträge im VroniPlag-Forum und bei PlagiPedi nachvollziehbar: Nk.

Fazit

Auf Basis obiger Daten läge die Wiki-Quote aus meiner Sicht derzeit noch im „grünen Bereich“, sofern man eine solche Aussage überhaupt treffen kann. Die Wiki-Quote implizierte dann ebenfalls nicht, dass Plagiate in Abschlussarbeiten von Migranten häufiger wären als in Arbeiten von Nichtmigranten (was z. B. wegen eventuell häufigerer sprachlicher Defizite gemutmaßt worden war).

Ein möglicher Fehler in den oben gemachten Annahmen könnte darin liegen, dass auch Migranten mit „deutsch klingenden“ Namen enthalten sein könnten. Ferner sind die zugrunde liegenden Literaturdaten von mir nicht auf Stichhaltigkeit überprüft worden. Vorwürfe einer Bevorzugung von Fällen mit Migrationshintergrund ließen sich bei dieser Datenlage aus meiner Sicht nicht belastbar begründen, auch angesichts der genannten und teilweise überprüfbaren Gründe, wie die Fälle entdeckt/dokumentiert wurden.

Anmerkung zu Rasterfahndungsmethoden

Rasterfahndungsmethoden kommen nicht zum Einsatz (dies sollte mittlerweile klar geworden sein) und wären auch wenig sinnvoll. Die Wiki-Community kann letztlich nur einen sehr bescheidenen Anteil zur weiteren Aufarbeitung der Plagiatsproblematik leisten, entweder durch direkte (Mit-)Arbeit an der Dokumentation oder durch die Bereitstellung der Ressourcen für neue Nutzer, die eine Untersuchung durchführen/dokumentieren möchten. Siehe auch die VroniPlag FAQ.

Sollte es eine Software geben, mit der sich automatisiert in kurzer Zeit viele Plagiatsfälle aufspüren ließen (mir ist keine bekannt), so wäre die Community mit der Dokumentation einer Vielzahl an Fällen überfordert. Ich glaube überdies nicht, dass eine automatisierte Rasterfahndung auf Basis einer erhöhten Anzahl von Schreibfehlern, welche möglicherweise ein Indiz für Plagiate, Schlampigkeiten und evtl. auch für Verfasser mit Migrationshintergrund sein könnten (dieser Verdacht stand im Raum), gut funktionieren würde. Vermutlich wäre der false-positive-Anteil viel zu hoch. Auch bei einer manuellen Suche durch „Googeln“ brächte ein Vorgehen auf Basis einer erhöhten Anzahl von Schreibfehlern nach meiner Einschätzung keinen nennenswerten Zeitvorteil im Aufspüren von Plagiatsfällen. Aber das ist alles Spekulation.

Dies ist, wie eingangs mitgeteilt, meine persönliche Auffassung.

Plagin Hood, Admin im VroniPlag Wiki

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3 Antworten zu “Entgegnung zum Vorwurf des Alltagsrassismus im VroniPlag Wiki

  1. Betrachten wir mal die Quoten im Bereich der Kriminalstatistik. Da sind in einigen Bereichen Ausländer/Migranten deutlich überrepräsentiert.

    Rassistisch wäre die Schlussfolgerung, dass Ausländer kriminell seien oder wenn die Polizei auf Grundlage dieser Statistiken bevorzugt dunkelhäutige und dunkelhaariger Männer kontrolliert (racial profiling).

    Der Fehlschluss ist, dass man wegen einer statistischen Korrelation einen kausalen Zusammenhang vermutet, wo keiner ist. Betrachtet man beispielsweise zusätzlich den sozialen Hintergrund als eine weitere Größe, so sind Deutsche und Migranten in Abhängigkeit des sozialen Milieus gleichermaßen kriminell.

    Umgekehrt gelten solche Fehlschlüsse allerdings auch. Nur weil keine statistische Korrelation zwischen Ausländer und Kriminalität festzustellen ist, folgt noch lange nicht, dass die Polizei oder einzelne Polizisten Personen nicht nach rassistischen Motiven kontrollieren. Der lupenreine Rassist kontrolliert jeden Ausländer und fühlt sich nach jedem Überführung eines ausländischen Übeltäters in seiner rassistischen Haltung bestätigt, egal was die Statistiken sagen.

    Aufschlussreicher wäre also eine Quote, die alle bei Vroniplag untersuchten nicht nur dort veröffentlichten Dissertationen betrachtet. Diese Quote lässt sich vermutlich sehr schlecht ermitteln, weil man nicht nachvollziehen kann, wo ein einzelner Plagiatsjäger überall herumstochert.

    Wie auch immer, Rassismus ist keine Quote sondern in erster Linie eine Geisteshaltung. Vermutlich wird die Quote der Rassisten bei Vroniplag etwa genauso hoch sein wie beim Rest der Gesellschaft mit gleichem Bildungsstand und sozialen Hintergrund. Mein Eindruck ist, dass es bei Vroniplag in erster Linie mehr um die Aufdeckung von Plagiate als um die Anprangerung von Ausländern geht. Damit fehlen wichtige Komponenten des Rassismus.

  2. Ein Abgeordneter hat gerade in einer Kleinen Anfrage die NRW-Landesregierung aufgefordert, zur Frage von Rassismus bei der Polizei Stellung zu nehmen:
    http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD16-3125.pdf
    Eine Frage, die er nicht gestellt hat, ist, wie man den rassistischen Charakter jedes einzelnen Vorkommnisses erkennt.

  3. Finde die aktuelle Entwicklung bei Vroniplag bedenklich. Normal ist das nicht.

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