„Dr.“ Annette Schavan wieder im Bundestag

Erwartetes Ergebnis der Bundestagswahl 2013 war der Wiedereinzug von Annette Schavan in den Deutschen Bundestag. Noch vor Entziehung des Doktorgrades wegen vorsätzlicher Täuschung hatte die CDU im Wahlkreis Ulm Schavan Ende Januar 2013 ohne Gegenkandidaten bei Unterdrückung aller Zweifel als Direktkandidatin nominiert – und ihr damit einen fast sicheren Wiedereinzug in den Bundestag beschert.

Dass absolute Sicherheit unter den Bedingungen akademischen Betrügertums nichtmal von den Ulmer CDUlern gewährt werden konnte, wie sich an der jüngsten medialen Thematisierung der Möglichkeit zeigte, den „Dr.“ auf dem Wahlzettel durchzustreichen, ohne ihn ungültig zu machen,[1] musste Schavan nicht mehr sorgen: Ende April 2013 war sie auf der baden-württembergischen Landesliste der CDU auf Platz 2 gesetzt worden – allerdings mit deutlich zaghafterer Unterstützung als noch im Januar.[2] Die Konstellation sicherte sie doppelt ab: Falls die CDU den Wahlkreis Ulm nicht direkt holen sollte, konnte Listenplatz 2 hinter Wolfgang Schäuble als sehr sicher angesehen werden.

Die Stimmenauszählung in Ulm und Baden-Württemberg ergab nun:

„Dr.“ Annette Schavan, CDU: 52,1 %
Hilde Mattheis, SPD: 23,8 %

Wie viele Wählerinnen und Wähler Schavan symbolisch den „Dr.“ entzogen hatten, gab die Wahlleitung bisher nicht bekannt. Aber dass es mit der Auszählung in Ulm länger gedauert hat als anderswo, könnte daran gelegen haben.

Die 45,7 Prozent Zweitstimmen der CDU in Baden-Württemberg reichten aber auch für 5 CDU-Listenkandidatinnen zum Einzug in den Bundestag. Mit einem Rücktritt vom Abgeordnetenmandat ist bei Schavan auch nach dem Düsseldorfer Richterspruch zur Entziehung des Doktors nicht zu rechnen. Abgesehen vom aristokratisch-entehrten Großplagiator Guttenberg sah sich keiner der prominenten Plagiatoren zum Rückzug aus einem Parlament gedrängt. Wegen der Freiheit des Mandats ist eine Nötigung durch die Parteien (anders als in Regierungsämtern) auch nicht statthaft. Ein Abgeordnetensessel ist daher für Plagiatoren ein sanftes Ruhekissen.

Vernetzung: Da hängt man nicht in der Luft. Foto: Dierk Haasis, CC-BY-SA

Was Schavan sonst so plant? Sie darf sich den Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aussuchen, da müsse sie sich nicht „hinten anstellen“. Oder Bildungspolitik „hobbymäßig fortsetzen“.[3] Und, ja, an der Freien Universität Berlin, die ihrem Namen damit alle Ehre macht, darf sie auch weiter Lehrveranstaltungen anbieten:

Seminarankündigung FU Berlin

Seminarankündigung FU Berlin

FU-Studierende im Studiengang Geschichte, Theorie und Praxis der Jüdisch-Christlichen-Beziehungen, die noch das Modul Gesetz/Verheißung/Ethik brauchen, müssen sich im Wintersemester 2013/14 also von Schavan das „richtige“ Zitieren beibringen lassen, oder an die Humboldt-Universität fliehen. Noch sind Plätze frei, und nächste Woche ist auch die Anmeldung noch möglich. Kenner ihrer Arbeitsweise enttäuscht Schavan auch in der Veranstaltungsankündigung nicht. Wer ihren Kommentar sorgfältig liest, dem sollte darin einiges bekannt vorkommen.

Nachzutragen sind die Wahlergebnisse folgender in Plagiatsskandale verwickelter Bundestagskandidaten:

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2 Antworten zu “„Dr.“ Annette Schavan wieder im Bundestag

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