Die Meinungsfreiheit ist die message, nicht die Meinung

Erbloggtes von Klaus Kusanowsky:

Die ZEIT hatte in der Ausgabe vom 16. Mai 2013 auf Seite 2 und 3 einen längeren Artikel über die Debattenkultur des Internets veröffentlicht. Diesen Artikel hatte ich zum Anlass für eine ausführliche Replik genommen, die allerdings bei der ZEIT nicht erschienen ist.Deshalb will ich diese Replik hier zum Lesen anbieten:

Die Meinungsfreiheit ist die Message, nicht die Meinung. Eine Replik von Klaus Kusanowsky zum Zeit-Artikel “Die große Vergiftung” vom 16. Mai 2013

http://differentia.files.wordpress.com/2013/05/die-meinungsfreiheit-ist-die-message.pdf

Weiterlesen… noch 0 Wörter – aber einige Kommentare.

Er setzt es in die Reihe „Tage wie dieser“, in der bisher Der Tag, als ein ZDF-Redakteur in den Abgrund der deutschen Facebook-Kommentarkultur blickte und Der Tag, als ein Einser-Abiturient in den Abgrund der deutschen Facebook-Kommentarkultur blickte erschienen sind. Das verlinkte PDF begründet theoretisch, was hier bisher nur praktisch diskutiert wurde.

„Internettrolle verlangen kein Honorar, sie wollen nicht gewählt oder sonst irgendwie berühmt oder befödert werden.“

Dieser Aphorismus verweist darauf, dass es doch die Meinung sein kann, die zählen darf, nicht die Meinungsfreiheit. Nur muss man sie dazu von der meinungsäußernden Person oder Institution emanzipieren. Daraus ergibt sich die Forderung nach umfassender Pseudonymisierung oder sogar (automatisierter?) Anonymisierung aller meinungsfreier Kommunikation. Denn wenn es keinen Profit aus der Meinungsäußerung gibt, gibt es auch keine Wichtigkeitshierarchie der Meinungsäußerung mehr, und dann sind solche schrecklichen Gewalttaten unmöglich:

„Denn wollten kapitalmächtige Institutionen die Wichtigkeit ihrer Meinung besonders betonen, dann kommen die Trolle, die über keinerlei Kapital verfügen, und beißen ihnen den Kopf ab.“

Ja, und mit Persönlichkeitsrechten hat man dann auch weniger Probleme.

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11 Antworten zu “Die Meinungsfreiheit ist die message, nicht die Meinung

  1. man wird ja nicht als troll geboren.

    manchmal wird man auch einfach dazu gemacht 😉

    natürlich müssen wir jetzt damit leben, daß es mehr meinungen gibt als sandkörner am strand und daß es meinungen gibt, die auf uns herabregnen, mit denen wir nun rein gar nichts anfangen können.das ist auch nicht das problem – das besteht, denke ich mal, mehr darin, daß es so etwas wie einen assholism-cult gibt und dummdreistes bashes eben einfacher ist, als ein halbwegs geordneter, differenzierender gedanke.

    das blöde an komplexen gedanken: wie bekommt man ihn einem simplen gemüt vermittelt, das ja gar nicht darauf angelegt ist, ihn zu verstehen?

    und wie vermittelt man so etwas wie anstand, wenn das gegenüber eigentlich nur auf krawall aus ist und nie anstand gelernt hat?

    darin, so etwas wie anstand zu vermitteln, haben „wir“ jedenfalls versagt.

  2. @hinterwald

    der Job der Meinungen ist weniger den anderen etwas zu vermitteln, sondern sich selbst etwas zu vermitteln. Im Meinungsaustausch wird man selten jemanden überzeugen oder jemanden erziehen. Was aber eher möglich ist, ist das man seinen eigenen Standpunkt überprüfen kann, ob er wasserdicht ist und ihn ggfs. wasserdicht machen. Denn der ganze Zweck einer Diskussion ist lediglich Irrtümer im eigenen Standpunkt und damit bei der eigenen politischen Willensbildung zu vermeiden. Der missionarische Effekt tendiert dagegen eher gegen 0.

  3. @almasala

    das ist ein ausnehmend schöner gedanke zum frühstück, danke 😉

    das kann ich natürlich sofort „kaufen“ und lege noch den darauf, daß eine meinung natürlich auch dazu dient, sich selbst im rudel zu verorten. ein besuch in den kommentarspalten des „handelsblatts“ könnte sich da als erhellend erweisen.

    an einem punkt muss ich dir aber widersprechen: ich glaube nicht, daß das gros der meinungsträger auch nur ein gran daran interessiert ist, herauszufinden, ob die eigene meinung „wasserdicht“ ist: die würde einen gedanken nicht mal erkennen, wenn er ihnen ins gesicht springen und die nase abbeissen würde ..

    man kann ja im grunde nur verstehen, was man eben verstehen kann (oder wollen) die wenigsten lernen dazu – wie man im hb ganz gut erkennen kann, da werden schon seit jahren statisch immer die selben kleinen gedanken über die theke gereicht und die einzige hoffnung, die man noch hegen kann, ist die, daß da der eine oder andere aus purer langeweile mal was „neues“ denkt.

    und noch ein aspekt: das „fremde“ im anderen, das man in der regel ja mit dem „eigenen“ verwechselt, also nur projeziert, was der andere meinen könnte und es – auch wenn es dem eigenen widerspricht – in eine affirmation verwandelt …

    [..] missionarisch

    ich glaube, ich habe das nicht so gemeint.

    ich meinte eher „das umfeld“. nur in einem umfeld, das häme und boshaftigkeit akzeptiert, sie vielleicht sogar „cool“ findet, kann ich hämisch und boshaft sein. ich weiss ja auch, daß man heute mit dem wort „entrüstet“ nicht mehr weiterkommt und der andere nur kichert, wenn man sich „beschämt“ zeigt oder gar „verletzt“.

    ich zielte also eher darauf ab, daß eine solche atmosphäre wieder her zu stellen oder doch an den orten, an denen man sich wohl fühlt, einzufordern sein müsste.

    weil es sonst so endet wie beim handelsblatt, wo eigentlich nur noch kreischende paviane sich gegenseitig den roten hintern zeigen und die paar bonobos, die noch gegenhalten, nie die beine auf den boden bekommen 😉

  4. ps: wobei sich mancher bonobo auch als arger schimpanse entpuppen kann.

    sorry, zu schön, musste ich einfach nachschieben 😉

    08.10.2013, 15:25 Uhr Anonym schnauzevoll

    @ faistmeister, bzw. feister Meister.

    Da sitzt du vollgefressenes Ferkel also vor dem PC und glaubst im Kreise dieser asozialen Penner wie Hardie67, SaytheTruth, Vicario und wie diese Spinner sich sonst noch nennen mögen sachliche Kommentare zu erwarten. Was bist du denn für ein Vollpfosten. Das Handelsblatt zeichnet sich durch prollige Pro-AfD-Kommentare aus. Hier wird für das Pack der AfD geschrieben, der Rest wird abgebürstet. Die AfD wird mit dem charismatischne Führer des 21. Jahrhunderts Deutschland in eine glorreiche Zukunft führen. Alle rechtslastigen Parteien werden sich noch in 2014 auflösen und sich einen rein deutschen Parteienverbund namens AfD anschliessen. Und dann wird aufgeräumt hier in dieser Republik. Schnellgerichte werden die Politiker der Blockparteien aburteilen. Die Todesstrafe wird in diesem Zusammenhang wieder eingeführt, die wollen wir doch nicht noch durchfüttern, oder? So, nachdem du feisterMeister jetzt informiert bist kannst du dich vom Acker machen, solche dummschwätzigen Nullen wie dich brauchen wir nicht. Kauf dir nen Pornoblättchen und wichs dich ab, aber verschone uns mit deinem Gebrabbel. Gruß auch von Hardileinchen.

  5. Da wird mit harten Bandagen gearbeitet 🙂

  6. [..] dumm böse zensiert

    das problem: ich kenne kein deutsches qualitätsmedium, das jenseits von löschen oder beschneiden eines kommentars wirklich in die diskussion eingreift … und ich beobachte das jetzt seit gut einem jahrzehnt. ein einziges mal in der ganzen zeit habe ich einen HB redakteur aus dem off mit dem statement, wenn es nach ihm ginge, würde er dreiviertel des geposteten schwachsinns löschen, erlebt.

    _ein_ einziges mal.

    die nüchterne wirklichkeit: das zeugs generiert klicks und kann noch so gemein sein, hauptsache „leben“ in der bude.

    das ist die mediale „zivilgesellschaft“, die sich dagegen wehrt. sie wird mit den folgen leben müssen …

  7. @almasala

    [..] harten Bandagen

    das ist die spitze des eisberges und sollte nur daran erinnern, daß wir nicht über „trolle“ reden sondern über _abschaum_.

  8. Pingback: Umleitung: vom Recht für Blogger bis zum Kleinkunstschnitzeldinner … | zoom

  9. Ich finde die bösen Kommentare in Ordnung. Man kann eine Menge lernen. Wer wagt denn seine Meinung Dir so offen und direkt ins Gesicht zu sagen? In meiner Gegenwart wagte beispielsweise kein Deutscher schlecht über Ausländer zu sprechen. In anderen Bereichen ist das ähnlich. Erst im Internet kam es zu harten Diskussionen mit harten Bandagen. Dabei bekleckert man sich, das gehört dazu. Aber im großen und ganzen lernt man viel über sich und auch über andere.

  10. almasala,

    [..] Ich finde die bösen Kommentare in Ordnung

    ich befürchte, das ist eine sehr naive haltung, auch wenn ich verstehe, was du sagen willst.

    aber es geht da um „affirmation“, je mehr die jungs sich wie a####lcher aufführen können, um so mehr denken sie, es sei ganz okay, eines zu sein. victor klemperer nannte das mal ein gift, das täglich in kleinen dosen verabreicht, vielleicht nicht sofort aber auf dauer dann doch tötet.

    ich weiss auch ehrlich nicht, was du über dich lernst, wenn einer von diesen zur empathie nicht fähigen schulhofjungs dir seine ressentiments vor die füsse kotzt. das mag jetzt ein generationen-ding sein und ich sehe migranten immer noch zu sehr in dieser blase, in der ich sie in den 60/70/80ern zu sehen gelernt habe, also in einer von der CDU in ein „rasse-camp“ fixiert gehaltene gruppe, die „geschützt“ werden muss von denen, die sich über jedes neue nahrungsmittel (spaghetti, kebab, asiatische leckereien) und das dahinter stehende fremde freuten.

    „ihr“ seid erwachsen geworden, das verstehe ich soweit, und ich sehe auch keinen weg, wie das noch mal (ohne den bau neuer lager) noch mal zurückzudrehen wäre. aber – naja, ich schäme mich trotzdem immer noch für jeden gehirnamputierten und, das ist jedenfalls _mein_ punkt, ich möchte es ihnen einfach nicht erlauben, daß sie sich da herumtreiben, wo ich mich aufhalte.

    warum kotzen die sich nicht bei PI aus, warum sollten die unwidersprochen das HB forum übernehmen dürfen? was sollten wir daraus lernen, daß sie es tun?

    du empfindest sie nicht ernsthaft als „bereicherung“, oder?

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