Wie schreibt man das Vorwort einer Doktorarbeit?

Erwirbt es Nutzwert dadurch, das Blog, dass es dem Publikum Hilfestellungen für wichtige Arbeitsaufgaben präsentiert, etwa in Form von Vorlagen, Musterbriefen, vorausgefüllten Steuererklärungen u.ä.? Dem semiakademischen Leser wird das Ergebnis neuester Forschungsbemühungen jedenfalls nützliche Hilfe leisten im Hinblick auf die Formgepflogenheiten und empfohlenen Bestandteile von Vorworten und Danksagungen in Dissertationsschriften:

Arwed Christopher R. hat freundlicherweise nach längeren Bemühungen, etwas Innovatives, Eigenständiges abzufassen, aufgegeben und stattdessen auf Basis der Analyse einer repräsentativen Stichprobe aus den Doktorarbeiten der letzten Dekade eine generische Vorbemerkung destilliert. Um sie dem Leser anschaulich zu machen, strich er dankenswerterweise die zuvor benutzten Variablen wieder aus dem Elaborat und ersetzte sie durch die Konkretionen, so dass wir zugleich Einblick in die  ersten Seiten der Dissertation des Autors gewinnen.

Die vielfältige Nützlichkeit dieser anwendungsbezogenen Forschungsleistung für die gesamte scientific community lässt erwarten, dass dem Autor neben dem Doktorgrad für die eigentliche Promotionsuntersuchung ein oder mehrere Namenszusätze aus anderen Fakultäten für diese Handreichung verliehen werden. Eine Karriere im Bundeskabinett dürfte allerdings nun weitgehend ausgeschlossen sein, da die Kanzlerin ihn dort ja nicht als wissenschaftlichen Assistenten würde bestellen können.

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16 Antworten zu “Wie schreibt man das Vorwort einer Doktorarbeit?

  1. Pingback: Umleitung: Urkatastrophe, Sozialtourismus, Homosexualität in Medien und Evolution, neuer Mann für Funke Medien, ausgebrannte Kinder in der Leistungsfalle und mehr. | zoom

  2. Ich habe, gleichsam kreißend, ebenfalls ein brillantes Vorwort zu meiner Doktorarbeit geschaffen – mein Betreuer Herr Prof. Dr. jur. Dr. h.c. mult. Guntram Stähnke war zu Tränen gerührt – und am Ende hat sich alle Welt darüber lustig gemacht.

    Eichenbach

  3. Cand. med. Ferdinand Meier

    Liebes Erbloggtes,

    danke für die schöne Anregung, die du durch die Bereitstellung von Arwed Christopher R.s exemplarischem Vorwort und Dank gegeben hast.
    Ich fühle mich derart inspiriert angesichts der Reichhaltigkeit dieses Beispiels, das andererseits doch den Charakter eines klassischen Danks perfekt wiederspiegelt, dass ich überlege, die Danksagung in meiner eigenen Dissertation komplett neu zu entwerfen. Wäre ich schon promoviert, ich hätte Grund für eine zweite Promotion gefunden!

    Noch mal, vielen Dank!

  4. eichenbach

    Sehr geehrter Herr cand. med. Meier,

    ich wäre Ihnen sehr verbunden, würden Sie ein paar ernste Worte finden zu der Elsweger’schen Rezension meiner „Sahnetorten, Dissertationen und Politik“:

    https://erbloggtes.wordpress.com/2014/04/05/eine-sahnetorten-rezension-und-die-reformplane-der-bayreuther-juristen/

    Mir will nicht einleuchten, dass ein vorangestelles Goethe-Zitat jedes Werk gegen Kritik immunisiert, und umgekehrt beim Fehlen desselben eine Arbeit so gut wie nichts wert sein soll. Hätte ich Ihrer Meinung nach wenigstens einen Ausspruch meines Vaters einsetzen sollen?

    Ihr
    Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

  5. Cand. med. Ferdinand Meier

    Sehr geehrter Herr von Eichenbach,

    Ihr Vorschlag, einige Worte zu der Elsweger’schen Rezension Ihrer Schrift „Sahnetorten, Dissertationen und Politik“ zu schreiben, ehrt mich, umfasst doch eine Stellungnahme zur Rezension stets auch eine Stellungnahme zum Werke selbst. Deshalb komme ich Ihrer Anregung gerne nach, die Rezension selbst wäre mir kein Wort wert.

    Vorab, die Sahnetorten sind ein Werk das – wir beide wissen es – über jeden Zweifel erhaben ist, so dass schon die Idee einer Rezension ebenso fernliegend ist wie die Rezension einer Laudatio zur Verleihung des Medizinnobelpreis.

    Nun ist es aber so, dass das gemeine Volk, wenn es durch mangelnde Verantwortung mit seinen Freiheiten nicht umzugehen weiss, bestenfalls richtungslos dahintreibt, schlechtenfalls zu Exzessen neigt. Wenn es einmal so weit gekommen ist, kann sich das Volk nicht mehr am Großen und Wahren ergötzen, sondern es muss sich daran hochziehen eben das Große in den Dreck zu stoßen.
    Was kann ich also über diese sogenannte „Rezension“ Elswegers, zweifellos einem Exzess aus falsch verstandener Freiheit, schreiben?
    Sie ist das Gegenteil von verantwortungsbewusstem Umgang mit der Freiheit und bar jeder sachlichen Auseinandersetzung, ja, ich frage mich sogar, ob Elsweger Ihr Werk denn überhaupt gelesen hat, oder allein seine Nase in private Angelegenheiten gesteckt hat, die ihn einen feuchten Kehricht zu interessieren haben.

    Nun will ich ganz und gar nicht sagen, dass man zum Urteil das Werk immer en Detail studiert haben muss. Im Gegenteil, ein guter Freund, der seinem Doktorvater am Schreibtisch gegenüber saß, wurde nach Vorlage seiner Dissertation von eben diesem Doktorvater, einem untadeligen Mann, der den vielfältigen Pflichten eines Lehrstuhls und eines Klinikdirektors nachzukommen hatte, mit den Worten beschieden „ich kann nicht jede Doktorarbeit lesen“. Dem wird kein heller Mensch widersprechen und der Freund tat das auch nicht. Das Urteil summa cum laude dieses Erstgutachters wird gewiss ebenfalls kein heller Mensch in Frage stellen wollen, denn der Lehrstuhlinhaber hatte das Werk, wenn auch nicht gelesen, so doch mit dem professoralen ersten Finger der linken Hand im Sinne eines Daumenkinos kurz aber eingehend geprüft. Ich denke bei dieser kleinen Anekdote handelt sich auch nicht um einen Einzelfall, vielmehr um guten Usus im akademischen Betrieb, der ja nicht außerhalb der Gesellschaft stehen kann, sondern den üblichen Zwängen unserer Zeit unterliegt. Oft genügt bekanntlich auch das „querlesen“ der Sekundärliteratur, um die Primärquelle hinreichend zu paraphrasieren und ein Stück Tertiär- oder Quartärliteratur hinzuzufügen. Oder erinnern wir uns beispielhaft an die Ernennung unserer Bildungsministerin a.D. zur Honorarprofessorin für Katholische Theologie auf Betreiben des FU-Präsidenten Dieter Lenzen im Februar 2009, der den Inhalt der wissenschaftlichen Arbeit der Berufenen weder durch Studium noch per Daumenkino prüfte, sondern „dem Vernehmen nach“ kannte. http://causaschavan.wordpress.com/2013/05/14/prasident-und-nichtwissen-teil-3-voraussetzungen-und-erfordernisse-heutiger-honorarprofessuren/
    Wir beide wissen, die Berufung war untadelig, denn entscheidend für die Wertung ist der Gesamteindruck der Persönlichkeit der Berufenen, wie er sich den Größen der Wissenschaft nicht zuletzt qua Amt selbst erschließt, nicht formalistische Textanalyse allein. Wer Anderes denkt, da stimmen Sie, werter Herr von Eichenbach, gewiss zu, der ist törricht, weiter nichts.

    Ganz anders verhält es sich aber augenscheinlich mit der Elsweger’schen Rezension Ihrer Sahnetorten, die ich nur als anmaßend, dem Werk unwürdig und rundum als von einem irren Menschenbild beherrscht bezeichnen kann. Ich denke, damit ist unter verständigen Menschen alles gesagt.

    Zum Zitat eines Klassikers als Vorwort einer gelungenen Dissertationsschrift möchte ich allerdings noch ein paar allgemeine Gedanken formulieren und auch Ihre Frage bezüglich Ihres werten Vaters beantworten.

    Einen unserer Klassiker zu zitieren dokumentiert einerseits Geschichtsbewußtsein und signalisiert das Streben des Autors zu Höherem, andererseits kann ein solches Zitat so manche Dissertationsschrift inhaltlich maßgeblich aufwerten. Ich selber werde ein entsprechendes Zitat zweifellos einsetzen, es wirkt wie das Salz an der Suppe. Aktuell studiere ich unter diesem Gesichtspunkt die Biographie des großen Kollegen Ferdinand Sauerbruch, und habe bereits einige Passagen in die engere Auswahl gezogen. Allerdings sollte eine Dissertationsschrift über das eigene Fachgebiet hinausreichen, weshalb ich jenseits der Medizin auch die großen humanistischen Klassiker studiere. Vorschläge in dieser Sache, wie auch meine Dissertation allgemein betreffend, sind mir herzlich willkommen und fänden in der Danksagung angemessene Berücksichtigung.

    Ihre Frage, ob Sie wenigstens einen Ausspruch Ihres werten Vaters hätten einsetzen sollen, kann ich allerdings ohne Umschweife bejahen:
    „Du sollst Vater und Mutter ehren!“ Und ein würdiges Zitat ehrt den Zitierten besser als jeder Dank, der den Eltern sonst im erfolgreichen Streben ihrer Kinder zuteil wird.

    Ihr Ferdinand Meier

  6. Bravo!
    Wohl gesprochen, Herr Meier! Ich forderte das gesamte Publikum auf, sich an der Akklamation zu beteiligen.
    Wäre der Titel eines Geheimen Medizinalrats nicht abgeschafft, ich würde umgehend eine Eingabe zur Verleihung an eine so hochgesinnte Persönlichkeit wie Sie, Herr Meier, fertigen.
    Bravo!

  7. eichenbach

    Sehr geehrter Herr cand. med. Meier,

    bitte rufen Sie mich jederzeit an, wenn Sie eine gut dotierte Stellung suchen.

    Ihr
    Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

  8. So langsam geht mr dieses Vorwort auf die Ketten.

  9. Ich brüte über meinem großen kommerziell-erotischen Roman, gewissermaßen einer unbebilderten Super-„Gala“, und werfe, um mich kurz zu erholen, einen Blick in „Erbloggtes“ – und was starrt mich an? Schon wieder dieses Vorwort.

  10. Bereits 2008 hat sich jemand in der „Zeit“ Gedanken über Danksagungen in Vorworten gemacht: http://www.zeit.de/2008/31/PS-Danksagung

  11. Wie man das Vorwort einer Doktorarbeit schreibt, haben wir m.E. inzwischen verstanden. Es wäre nun hilfreich zu erfahren, wie eine Doktorarbeit insgesamt auszusehen hat, die nicht irgendwann wie Kehricht behandelt wird. Könnten Sie bitte freundlicherweise dafür eine Vorlage anbieten?

    von Eichenbach

  12. In einem „Hornbach“-Baumarkt las einer meiner Haushandwerker den Slogan: „Und was bleibt von dir?“ Erkenntnisstand heute: Gar nichts wird bleiben von mir, weder eine Karnickelbuchte noch eine Doktorarbeit.

    von Eichenbach

  13. Aber aber, Herr von Eichenbach! So schlimm wird’s doch nicht sein! Der Name, der Name wird doch bleiben. Notfalls durch eine Adoption.

  14. Ich sehe mir das jetzt schon eine ganze Weile ruhig mit an: Dieses Vorwort, das für jene, die in Titelaberkennungsgefahr schweben, wie Hohn klingt. Von mir rede ich gar nicht, ich war nie mit Leib und Seele Doktor, sondern ein Mann der Tat, stets misstrauisch gegen die Stubenphilosophaster. Indessen ich dies niederschreibe, während einer Pause bei der Arbeit an meinen „Lebenserinnerungen“, sagt mir meine Frau kopfschüttelnd, dass sie wie mein Vater bis heute nicht verstehen kann, mit welcher Bosheit und Energie man bei der Sache war, um einen Mann zu verdrängen, der etwas von Parteienverkehr, Biertischgarnituren und internationalen Geldströmen versteht. Über die krakenhafte Misere müsse man sich da nicht wundern.

    von Eichenbach

  15. Dr. med. Dr. phil. Harald Grausam, FA für Unfallchirurgie und Orthopädie

    Lieber Herr von Eichenbach,

    Ihre an anderer Stelle gestellte, nicht nur berechtigte, sondern überfällige Frage: „Weshalb bleiben die Großmütter [im Dank] unerwähnt, die es gegeben haben muss?“, beschäftigte mich über das vergangene Jahr immer wieder.

    Zwar fand ich hin und wieder am Ende der einen oder anderen Dissertation oder Diplomarbeit einen schmalen Dank den Großmüttern, wie zum Beispiel: „Mein Dank gilt auch meinen Großmüttern Elisabeth und Margagrete für die finanzielle Unterstützung und vor allem die großmütterliche Fürsorge während dieser Zeit“, den Martin Obermayr niederschrieb. Dennoch schmerzte es mich, dass die Großmütter in der üblichen Danksagung, selbst wenn sie vereinzelt im weiteren Verlauf erwähnt wurden, zu Unrecht zurückgesetzt erschienen.

    Um so erfreuter war ich, als ich jüngst die Dissertation einer jungen Biologin lesen durfte, die ihren Großmüttern gebührenden Platz einräumte, indem sie Ihnen, noch vor dem Dank, ihre Dissertation mit den folgenden Worten widmete:

    Gewidmet meinen Großmüttern
    Elisabeth Groh (geb. Schindewolf, 1918 – 1975)
    und Marianne Knudsen (geb. Kettler, 1927 – 1974),
    die ich leider nie persönlich kennen lernen durfte.

    Die Arbeit der Frau Zollenkamp (geb. Groh) zeigt mir, dass selbst ein sehr opulenter Dank, wie er dieser Widmung folgt, und den ich zum Lesen dringlichst empfehle, durch die vorangestellten Worte noch übertroffen werden kann, und den Großmüttern endlich gerecht wird.

    Herzliche Grüße
    Harald Grausam

  16. Sehr geehrter Herr Dr. med. Dr. phil. Grausam,

    Sie ebenso wie ich stehen in einer Tradition, die weit über die Zeit der Großmütter Elisabeth, Margagrete und Marianne zurückreicht. Ich nenne nur Goethes „Faust“, die alten Steinschneider und Äskulap. Man kann die Widmung zu Beginn einer Doktorarbeit gar nicht hoch genug ansiedeln, so dass ich meine Arbeit meinem Doktorvater Prof. Dr. jur. Dr. h.c. mult. Guntram Stähnke zueignete. Als Apotropäum hat dieses Mittel allerdings versagt, was mich nicht davon abhielt, dem geschätzten Meister eine weitere Schrift zu widmen:

    https://erbloggtes.files.wordpress.com/2013/05/theo-ullrich-ludwig-von-eichenbach-grundriss-zu-einer-gedaechtnisschrift-2013.pdf

    Ihr Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

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